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Günstig sanieren: So spart ihr beim Umbau von Haus oder Wohnung

Sven Rohde

Level: Für Anfänger

Günstig sanieren oder renovieren – das ist gar nicht so leicht. Denn was anfangs beim Haus-Umbau wie ein Schnäppchen aussieht, entpuppt sich später als Kostenfalle. Wir geben Tipps, wie ihr sparen könnt und nennen Fehler, die ihr unbedingt vermeiden solltet.

Eine Immobilie zu modernisieren kann viel Geld kosten. Deswegen liegt es nahe, beim Sanieren oder Renovieren von Haus oder Wohnung so viele Sparpotentiale wie möglich zu nutzen. Das kann gelingen – aber auch danebengehen.

5 Tipps: Günstig sanieren – so geht's

Tipp 1: Mit Perspektive Kosten senken

Ein Haus oder eine Wohnung sollen zuallererst ein Zuhause sein, aber zugleich sind sie auch eine Wertanlage. Das bedeutet, dass eine Investition in die Substanz den Wert steigert, Geld für Liebhaberei dagegen verloren sein kann.

Ob spätere Käufer die noble Ein­bau­küche wertschätzen, kann niemand wissen. Dass sie für einen minderen Energiestandard Preisabzüge ma­chen, ist dagegen sicher. Deswegen spart man besser bei der Ausstattung.

Die simple Regel: Was sich später leicht ändern lässt – Türgriffe, Lichtschalter, Armaturen –, darf gern günstig aus­­fal­len, was kostenintensiv aus­ge­tauscht werden muss – Fliesen, Holzdie­len, Treppen –, sollte wert­haltig sein.

Tipp 2: Sorgfältige Kostenplanung beim Sanieren

Für ein Bauvorhaben sind etliche Entscheidungen über Maßnahmen und Produkte zu treffen – und jede davon hat Auswirkungen auf die Kosten. Deswegen ist eine akribische Planung der wichtigste Schritt zum Erfolg.

Merke: Bei der Planung eines Umbaus lohnt sich die Unterstützung durch einen Fachmann. Denn welche Produkte das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und welche am kostengünstigsten einzubauen sind, weiß oft nur der Bauprofi.

Eine sorgfältige Planung ist das A und O. © Getty Images/Westend61

Tipp 3: Sanierungsarbeiten ausschreiben

Die Honorare, zu denen Handwerker und Baufirmen ihre Leistungen anbieten, können sich stark unterscheiden. Preisdifferenzen von 20 Prozent und mehr sind keine Ausnahme. Wegen der großen Unterschiede sollten Bauherren ab einer Größenordnung von 2.000 Euro zwei Angebote, ab 10.000 Euro drei Angebote einholen.

Vergleicht man die Angebote für ein Sanierungs- oder Renovierungs-Projekt wird oft auch ein Phänomen deutlich, das gerade in der aktuellen Bau­konjunktur nicht selten ist: dass Handwerker sich mit stattlichen Hono­raren "überreden" lassen wollen, einen Auftrag anzunehmen.

Tipp 4: Preise und Leistungen vergleichen lassen

Hier ist erneut der Fachmann gefragt. Angebote für Fassadensanierung oder die Erneuerung einer Heizungsanlage sind komplex und von Laien kaum zu entschlüsseln. Das Sparpotential, das sich hierin verbirgt, ist groß.

Tipp 5: Eigenhilfe senkt Kosten

Abbrucharbeiten, Hilfsdienste, das letzte Finish mit Farben und Tapeten, kleine energetische Sanierungen wie der Austausch von Thermostat-Venti­len oder die Dämmung der Kellerde­cke – mit Eigenhilfe können Modernisie­rer eine Menge Geld sparen.

Sie können sich auch von fachkundigen Nachbarn oder Freunden zur Hand gehen lassen. Aber Achtung: Die Grenze zwischen Nachbarschaftshilfe und Schwarzarbeit ist fließend (siehe Fehler 3).

Mit der Hilfe von Freunden geht die Sanierung viel leichter von der Hand. © Getty Images/Hero Images

5 Fehler, die ihr beim Umbau des Hauses vermeiden solltet

Wer sich gut informiert und nicht allzu zögerlich ans Sanieren rangeht, kann bares Geld sparen. Doch so manches Schnäppchen und so manche Top-Sparidee entpuppt sich später als große Kostenfalle.

Hier kommen fünf Fehler, die ihr beim Sanieren oder Renovieren unbedingt vermeiden solltet.

Fehler 1: Komplett in Eigenregie planen

Viele Bauherren tun sich schwer damit, Architekten oder Sachverstän­di­ge in die Planung einzubeziehen. Oft ein großer Fehler – in jeder Phase des Bauvorhabens.

Ob Planung, Pro­dukt­aus­wahl oder Auf­trags­ver­ga­be: Die Mehr­kos­ten aufgrund falscher Ent­schei­dun­­­gen kön­nen das Hono­­rar des Pro­fis mehrfach über­stei­gen. Die Scheu, ei­nen Fach­mann zu engagie­ren, kann sogar dazu führen, dass Fördermittel nicht beantragt werden, weil das nur mit­hilfe eines Energie­beraters möglich ist.

Fehler 2: Zu viel Eigenhilfe beim Sanieren

Viele Selbermacher neigen dazu, sich beim Sanieren oder Renovieren zu überschätzen: ihre handwerklichen Fähigkeiten, ihr Arbeitstempo, die Zeit, die zusätzlich zur normalen Arbeit noch zur Verfügung steht. Die Folgen: erhebliche Verzögerungen des Baufort­schritts, unter Umständen sogar Baumängel.

Erfah­rungs­ge­mäß lässt auch das Engagement von Freunden und Verwandten schnell nach – mit der entsprechenden Mehrbelas­tung für die Bauherren. Hinzu kommt der emotio­nale Stress, wenn man dem Schwieger­vater leider sagen muss, dass er die Fugen nachzuarbeiten hat.

Fehler 3: Schwarzarbeiter engagieren

Die Grenzen zwischen Nachbarschaftshilfe und Schwarzarbeit sind fließend. Wer den Unterschied nicht kennt, kann sich strafbar machen, informiert "polizei-dein-partner.de".

Für Schwarzarbeit drohen nicht nur empfindliche Strafen in fünfstelliger Höhe, sondern auch Folgekosten am Bau. Denn natürlich geben Schwarzarbeiter keine Gewährleistung und sind nicht für Fehler haftbar zu machen, deren Behebung teuer wird.

© Getty Images/ 1001nights

Fehler 4: Immer das billigste Angebot

Die Unterschiede zwischen günstig und billig sind für Laien nur schwer zu erkennen. Wie haltbar ein Produkt ist, wie gut es sich zum Sanieren oder Renovieren eignet, wie es an der Schnittstelle zu anderen Bauteilen reagiert, ist aber für die Auswahl genauso wichtig wie der Preis.

Das gilt umso mehr für komplexe Angebote und Maßnahmen. Im detaillierten Vergleich wird oft deutlich, dass Handwerker den Leistungsumfang unterschiedlich definieren, das billigste Angebot manche Arbeiten gar nicht enthält.

Fehler 5: Auf Baubegleitung verzichten

Studien beweisen: In der Praxis werden die technischen Potentiale von Energiesparmaßnahmen oft nicht erreicht. Der Grund ist die fehlende Qualitätskontrolle. Wird etwa eine Wärmedämmung nicht fachgerecht ausgeführt, sinkt ihre Wirkung. Das erkennen aber nur Sachverständige.

Eine Baubegleitung kostet etwa ein Prozent der Bausumme. Bei energetischen Sanie­rungen gibt es dafür eine Förderung von bis zu 50 Prozent des Honorars, maximal 4.000 Euro.

Wo möglich, solltet ihr auf die Expertise von Fachleuten setzen. © Getty Images/Cultura RF

Tipps vom Bauberater: Kurzinterview mit Architekt Alwin Muschter

Alwin Muschter ist als Bauberater in Hannover tätig. Der Dipl.-Ing. Architekt berät unter anderem für die Verbraucherzentrale Niedersachsen und sagt: "Gute Leute wollen angemessen bezahlt werden".

Hier unser Kurzinterview mit Alwin Muschter:

Wohnglück: Herr Muschter, welches ist der häufigste Fehler beim Sanieren?

Die Bedeutung von Planung und Bauleitung wird unterschätzt. Zum Sanieren braucht man kompetente und unabhängige Experten, und die beraten nun mal nicht umsonst. Vermeintlich kostenlose Beratungen von Unternehmen zielen darauf ab, einen Auftrag zu bekommen. Da werden auch Ängste geschürt. Zum Beispiel beim Thema Kellerfeuchte. Firmen versuchen oft, eine teure Keller­sanierung zu verkaufen, die aber gar nicht nötig ist.

Wohnglück: Wie finde ich gute, kostengünstige Handwerker?

Achten Sie nicht allein auf das Honorar, sondern genauso auf die Kompetenz. Wer über Ausschreibungsportale im Internet den billigsten Hand­werker ergattern will, muss mit Pfusch rechnen. Gute Betriebe haben es aktuell gar nicht nötig, sich zu Dumpingpreisen anzubieten. Und bei Allroundhandwerkern, die alles Mögliche anbieten, fehlt es oft an Kompetenz.

Wohnglück: Ihr wichtigster Tipp fürs günstige Sanieren?

Alwin Muschter: Ein Gesamtbudget erstellen, Prioritäten setzen und sich daran halten. Natürlich auch die richtige Reihenfolge einhalten. Wenn ich erst die Fassade dämmen lasse und dann später noch mal Fenster austausche, verursacht das unnötige Kosten. Anders­herum ist es richtig.

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