Fogging in einer Wohnung
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Modernisieren | Ratgeber

Phänomen "Fogging": Wenn die Wände plötzlich schwarz werden

Eva Dorothée Schmid

Habt ihr euch schon einmal gewundert, dass sich die Decke oder Wand eurer Wohnung im Winter plötzlich dunkel verfärbt? Und das, obwohl ihr erst kürzlich renoviert habt? "Fogging" heißt das Phänomen. Wir erklären, was ihr gegen den Schwarzstaub-Film unternehmen könnt.

Das Fogging-Phänomen wird seit Mitte der 1990er Jahre beobachtet. Plötzlich taucht in neu bezogenen oder kürzlich renovierten Wohnungen bei Beginn der Heizperiode eine feine Staubablagerung, auch "Magic Dust" genannt, auf. Die schwarzgraue, ölig-schmierige Ablagerung überzieht vor allem Wände oberhalb von Heizkörpern, den Innenwandbereich von Außenwänden, Decken, Vorhänge, Kunststoff-Flächen von Möbeln, Steckdosen, Lichtschalter, Kühlschränke und Küchenmöbel. Die Ablagerungen werden auch als Schwarzstaub bezeichnet.

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Der Begriff Fogging kommt ursprünglich aus der Automobilbranche, wo ein ähnlicher Effekt an der Innenseite von Windschutzscheiben zu erheblichen Sichtbehinderungen führen kann.

Erstaunlich ist, dass Fogging häufig in gerade renovierten Wohnungen auftritt. Oft verschwinden die dunklen Stellen in der Jahreszeit, in der nicht geheizt wird, um in der darauf folgenden Heizperiode erneut aufzutreten.

Fogging oder Schimmel? Das sind die Unterschiede

Wenn schwarze Flecken an den Wänden auftreten, dann muss man zunächst einmal klären, ob es sich um Schimmel oder um Fogging handelt. Während Fogging in erster Linie ein ästhetisches Problem ist, ist Schimmel gesundheitsschädlich. In folgenden Punkten unterscheiden sich die beiden Schadensbilder:

  • Fogging bildet sich schnell, oft innerhalb von ein paar Stunden oder über Nacht. Schimmel hingegen breitet sich langsamer aus.
  • Fogging tritt ausschließlich während der Heizperiode auf. Zudem tritt das Phänomen ausschließlich nach Renovierungsarbeiten oder Erstbezug neu errichteter Wohnungen auf. Schimmel kann immer auftreten.
  • Schwarzstaub ist geruchlos, Pilzsporen verursachen einen modrigen Geruch.
  • Schimmel lässt sich vor allem zu Beginn des Befalls leicht wegwischen, Magic Dust ist deutlich hartnäckiger.
  • Auch in Farbe und Konsistenz unterscheiden sich die Flecken: Wenn ihr vorsichtig mit einem Finger über den Belag streicht und er sich fettig und schmierig anfühlt, handelt es sich um Schwarzstaub, ansonsten um Schimmel.
  • Klarheit kann auch ein sogenannter Schimmeltest durch den Fachmann schaffen. Es ist aber auch möglich, Proben in entsprechende Labors zu schicken.

Zudem müsst ihr sicherstellen, dass es sich bei den schwarzen Ablagerungen auf Wänden und Decken nicht um Rußablagerungen von undichten Schornsteinen, defekten Heizungsanlagen oder durch die Verwendung von Kerzen handelt. Ruß ist ebenfalls gesundheitsschädlich.

Welche Wohnungen sind von Schwarzstaub betroffen?

Untersuchungen des Umweltbundesamtes haben ergeben, dass sich die bekannten Schadensfälle stark unterscheiden. Betroffen von Fogging sind sowohl Neu- als auch Altbauten, unabhängig von der Lage in der Stadt oder auf dem Land.

Es können ofen- wie auch zentralbeheizte Wohnungen, Raucher- und Nichtraucherwohnungen davon betroffen sein. Fogging kann in einzelnen Wohnungen größerer Wohnanlagen auftreten, während andere baugleiche Wohnungen in derselben Anlage schadenfrei bleiben.

Welche Ursachen hat Fogging?

Welche Ursachen hat also das mysteriöse Phänomen? Das Umweltbundesamt hat Untersuchungen durchgeführt, um festzustellen, welche Feinpartikel sich in den betroffenen Wohnungen niederschlagen.

Dabei wurde festgestellt, dass es sich bei Fogging nicht um gewöhnliche Stäube oder gar Ruß handelt. Allerdings ist die tatsächliche Ursache dieser Verschmutzung nur schwer zu ermitteln. Sie ist von zahlreichen Bedingungen abhängig, die sowohl im Verantwortungsbereich des Nutzers als auch außerhalb davon liegen können.

Die Ursachen dieser Staubablagerungen sind Ausgasungen von Weichmachern (Phthalate) aus ganz bestimmten Kunststoffen, in denen schwerflüchtige (höhersiedende) organische Verbindungen (Semi Volatile Organic Compounds – kurz SVOC) enthalten sind. Diese Stoffe können in

  • Farben,
  • Teppichbelägen (Rückseitenbeschichtung),
  • Fußbodenklebern,
  • Laminat-Fußböden,
  • Paneelen,
  • geschäumten Strukturtapeten (Vinyltapeten),
  • in einigen Sorten Polystyrol-Platten

vorhanden sein.

Auch Kunststoffoberflächen zum Beispiel von Möbeln können Weichmacher enthalten, die an die Raumluft ausgegast werden können. Das Bayerische Landesamt für Umwelt weist außerdem darauf hin, dass möglicherweise Haushaltschemikalien (wie Reinigungs- und Pflegemittel oder Kosmetika) beim Fogging mitwirken.

Die Quelle der Ausgasungen muss dabei nicht unbedingt in dem von Schwarzstaub betroffenen Raum vorhanden sein. Es ist möglich, dass die ausgegasten Substanzen durch das ganze Gebäude wandern. Wenn sie dann einen Raum finden, in dem das Raumklima die Voraussetzungen dafür schafft, schlagen sie sich nieder.

Solche Voraussetzungen können sein:

  • ungenügende Lüftung = geringer Luftaustausch
  • Wärme- oder Kältebrücken
  • nicht ausreichend gedämmte Außenwände
  • periodisches statt kontinuierliches Heizen, das heißt, die Heizkörperthermostate werden bei Abwesenheit vollständig heruntergedreht und dann wieder aufgedreht
  • eine erhöhte Konzentration von Hausstaub aus Raumtextilien, Polstermöbeln, Teppichböden
  • intensiver Gebrauch von Kerzen, Duftkerzen, Räucherstäbchen oder Öllampen.
Zahlreiche Kerzen in einer Wohnung
Das häufige Abbrennen von Kerzen in einer frisch renovierten Wohnung kann Fogging begünstigen. Alleinige Ursache ist es aber nicht. © Getty Images/iStockphoto

Warum das Phänomen erst seit Mitte der 1990er Jahre auftritt

Viele Hersteller von Bau- und Renovierungsprodukten sowie Einrichtungsgegenständen sind seit einigen Jahren bestrebt, anstelle flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) vermehrt schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC) als Lösemittel oder Additive einzusetzen. Diese Stoffe riechen meist nicht. Sie sind in der Regel weniger bedenklich für die Gesundheit. Zudem müssen sie nicht als Lösungsmittel deklariert werden. Das Prädikat "lösemittelfrei" gilt heute als ein wichtiges Werbe- und Verkaufsargument.

Ein weiterer Umstand ist, dass aus Umweltschutzgründen seit der Wärmeschutzverordnung von 1995 verstärkt darauf geachtet wird, dass Gebäudehüllen besser gedämmt und luftdicht gemacht werden, um Wärmeverluste soweit wie möglich zu vermeiden.

Einiges deutet darauf hin, dass der eingeschränkte Luftaustausch in luftdichten Gebäuden im Zusammenwirken mit vermehrt in die Innenraumluft abgegebenen schwerflüchtigen organischen Verbindungen (SVOC) zum Fogging-Phänomen beitragen kann.

Ist Schwarzstaub gesundheitsschädlich?

Gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit Fogging sind nach Angaben des Umweltbundesamts nicht bekannt. Doch so lange noch Fragen offen sind, kann es nicht schaden, Vorsicht walten zu lassen, raten die Experten.

Was könnt ihr tun, um Fogging zu vermeiden?

Gezielte Abwehrmaßnahmen gegen Fogging gibt es leider im Augenblick nicht. Geeignete Vorbeugemaßnahmen sind aber

  • schadstoffarme Produkte bei der Renovierung verwenden: Achtet beim Kauf von Wandfarben, Tapeten oder Bodenbelägen auf lösemittel- und vor allem weichmacherfreie Produkte. Mehr dazu findet ihr auf unserer Seite zur Wohngesundheit.
  • Baumängel wie Wärme- oder Kältebrücken oder mangelnde Wärmedämmung beseitigen
  • richtiges Heizen und Lüften
  • verzichtet auf den übermäßigen Gebrauch von Kerzen und Öllampen.

Es ist auch empfehlenswert, die Wohnung im Frühjahr oder Sommer zu renovieren. Im Sommer wird erfahrungsgemäß häufiger gelüftet als im Winter. Wer dann noch besonders auf ausgiebiges Lüften achtet, trägt dazu bei, dass sich die Weichmacher möglicherweise bis zur nächsten Heizperiode verflüchtigen.

Kehrt der Schwarzstaub mit jeder Heizperiode zurück, hilft laut Umweltbundesamt oftmals nur der komplette Austausch der Einrichtungsgegenstände gegen Naturprodukte. Dazu gehören Stoffe aus Wolle, Kokos- oder Sisalteppiche, einfache Papiertapeten oder Raufaser, die mit weichmacherfreien Farben zu überstreichen sind. Eine Reihe von Firmen bieten Innenfarben mit SVOC-freien Bindemitteln an, unter anderem sind auch Biofarben weichmacherfrei.

Wie könnt ihr den Schwarzstaub beseitigen?

Wer von Schwarzstaubablagerungen betroffen ist, sollte zunächst die örtlichen Gesundheits- und Umweltämter kontaktieren. Sie können Tipps für das weitere Vorgehen geben. Kann euch dort nicht weitergeholfen werden, dann erfahrt ihr dort die Adressen von Umweltanalysenlabors, die Innenraummessungen und speziell Fogging-Messungen und -beurteilungen vornehmen. Adressen von Sachverständigen und Analyselabors könnt ihr zudem über die örtliche Industrie- und Handelskammer erfragen.

Um die Ablagerungen wegzubekommen, ist oft eine intensive nasse Reinigung mit Spülmittelzusätzen, Kunststoffreinigern und ähnlichem erforderlich. Bloßes Überstreichen hilft gegen die schmierigen Beläge meist nicht.

Beim Schrubben kann es passieren, dass die betroffenen Tapeten derart in Mitleidenschaft gezogen werden, dass ihr sie vollständig entfernen und neu tapezieren müsst. Günstig könnte es sein, die Wände danach mit Baumwollputz zu tapezieren.

In Einzelfällen müsst ihr auch Bodenbeläge entfernen oder größere bauliche Eingriffe sind nötig, um die Ursachen zu beseitigen.

Wer bezahlt den Schaden?

Da die genaue Ursache bis heute nicht komplett geklärt ist, gibt es auch Streit darüber, wer im Fall von Fogging für die Kosten der Schadensbeseitigung aufkommen muss. Vor allem dann, wenn der Mieter die Wohnung selbst renoviert hat.

Der Bundesgerichtshof (BGH) erklärte in einem Urteil 2008, dass die Schwarzstaubablagerungen als Mangel der Mietsache anzusehen seien. Wenn sich die Renovierung im üblichen Rahmen bewegt und handelsübliche Materialien benutzt wurden, ist der Vermieter demnach für die Beseitigung der Schäden verantwortlich. Er muss auch die Kosten tragen. (Urteil vom 28.5.2008, Az. VIII ZR 271/07).

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