Zwei Personen verlegen Teppichboden
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Modernisieren | Ratgeber

7 Anfängerfehler beim Teppichboden verlegen – und wie ihr sie vermeidet

Antonia Eigel

Wer beim Teppichboden verlegen nicht auf die Florrichtung achtet, verwandelt sein Wohnzimmer schnell in ein gestreiftes Fußballfeld. Noch nie gehört? Dann solltet ihr euch die sieben häufigsten Anfängerfehler beim Verlegen von Teppichboden durchlesen.

Zu Beginn möchten wir den großen Irrtum aufklären, dass man sich mit einem Teppichboden den staubigen Feind nach Hause holt. Kaum zu glauben, doch wer in seiner Wohnung einen Teppichboden verlegt, kann laut einer Studie im Auftrag des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. (DAAB) den herumwirbelnden Feinstaub in der Raumluft um bis zu 50 Prozent senken.

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Also ran an die Teppichrollen und was für die Gesundheit tun. Wer jedoch noch nie selbst Teppichboden verlegt hat, liest sich besser unsere sieben Anfängerfehler durch, um alles richtig zu machen.

1. Fehler: Neuen Teppichboden über alten verlegen

Weniger Arbeitsaufwand, Trittschalldämmung und warme Füße: Zugegeben, nach einem wirklichen Fehler klingt das Verlegen von Teppichboden auf Teppichboden nicht. Dennoch empfehlen die wenigsten Teppich-Hersteller diese Verlege-Variante. Folgende Gründe sprechen dagegen:

  1. Der alte Teppichboden ist ein idealer Nährboden für Keime und Bakterien, die ihr dann unter dem neuen Teppichboden einschließt.
  2. Jeder Teppichboden besitzt eine Flor- oder Strichrichtung, was dazu führen kann, dass sich der neue Teppich verschiebt oder Wellen schlägt, wenn ihr ihn lose verlegt.

Unser Tipp: Wir raten euch zur hygienischsten Variante, nämlich den alten Teppichboden herauszureißen. Auch weil der neue Bodenbelag auf dem blanken Estrich am besten haften kann. Teppiche sind grundsätzlich gute Trittschalldämmer. Ist der neue Teppich jedoch sehr dünn, könnt ihr eine spezielle Dämmunterlage für Teppichböden unterlegen.

2. Fehler: Die Nutzungsklasse von Teppichböden missachten

Der Teppichboden im Eingangsbereich ist schon nach wenigen Monaten völlig abgenutzt? Das kann natürlich an einer minderen Qualität liegen, oder aber ihr habt beim Kauf nicht auf die richtige Nutzungsklasse geachtet. Denn die verrät euch, ob ihr den Teppichboden eurer Wahl überhaupt in den Eingangsbereich legen solltet oder nicht.

Unser Tipp: Achtet also im Baumarkt oder Online-Shop darauf, welches Nutzungsklasse-Symbol angegeben wird. Das sind die relevanten Nutzungsklassen von Teppichböden für eure Wohnräume:

  • Nutzungsklasse 21: eignet sich für Räume, wie Schlaf- oder Gästezimmer, die gering beansprucht werden.
  • Nutzungsklasse 22: eignet sich für Räume, wie Ess- oder Wohnzimmer, die durchschnittlich beansprucht werden.
  • Nutzungsklasse 22+: eignet sich für Räume, wie Kinder-,Wohn- und Arbeitszimmer, die durchschnittlich beansprucht werden.
  • Nutzungsklasse 23: eignet sich für Wohnbereiche, wie Flur oder Eingangsbereich, die stark beansprucht werden.

Eine Übersicht aller Nutzungsklassen von Teppichböden inklusive Symbolen findet ihr auf teppichboden.com.

3. Fehler: Die Bodenfläche nicht richtig vorbereiten

Barfuß über den neuen flauschigen Teppichboden laufen, ein herrliches Gefühl! Wären da nicht die kleinen Knubbel unter dem Teppichboden, die euch jedes Mal beim Darüberlaufen eine unangenehme Fußreflexzonenmassage verpassen.

Unser Tipp: Es reicht beim Teppichboden verlegen nicht aus, nur den alten herauszureißen und die Klebekrümel grob wegzusaugen. Je gründlicher ihr den Boden reinigt und begradigt, desto besser wird auch das Endergebnis. So bereitet ihr in fünf Schritten eure Bodenfläche vor:

  • Schritt 1: Zuerst den alten Teppich und die Leisten entfernen. Schneidet den Teppich dann in circa 50 Zentimeter große Streifen, das vereinfacht das Abziehen. Noch leichter geht es mit einer Halteklaue*, die ihr am Ende des Teppichstreifens befestigt. Profis verwenden für große Flächen auch gerne einen Teppichstripper. Sehr bequem, aber auch sehr teuer. Im Baumarkt könnt ihr euch ein solches Gerät aber ab 24 Euro (4 Stunden Kurztarif) ausleihen. Prüft vorher online, ob das Gerät auch verfügbar ist. Den alten Teppichboden könnt ihr im Restmüll entsorgen.
  • Schritt 2: Den Teppichkleber entfernt ihr zunächst grob mit einem Spachtel von der Bodenfläche, danach kommt der Bodenschleifer zum Einsatz. Auch den könnt ihr im Baumarkt ausleihen.
  • Schritt 3: Die losen Kleberreste fegt ihr grob zusammen und saugt den Boden einmal gründlich ab.
  • Schritt 4: Kontrolliert den Boden anschließend mit einer Wasserwaage auf Löcher und Unebenheiten. Falls vorhanden, müssen die Stellen mit Spachtelmasse aufgefüllt und geglättet werden. Behandelt sie vorher mit einen Tiefengrund für saugende Böden und lasst sie kurz trocknen.
  • Schritt 5: Jetzt grundiert ihr auch die restliche Fläche mit dem Tiefengrund und lasst ihn trocknen.

Teppichböden könnt ihr auch ganz ohne Schleifen mit einem Abbeizer entfernen:

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4. Fehler: Teppichboden falsch oder gar nicht verkleben

Niemand möchte ein Wellenparadies auf dem Wohnzimmerboden haben. Wenn der Teppich jedoch verrutscht oder doch irgendwann Wellen schlägt, habt ihr beim Verkleben vermutlich ein paar Dinge nicht beachtet.

Unser Tipp: Beschäftigt euch zunächst einmal mit eurer Raumgröße und der Nutzung des Wohnraumes. Davon hängt ab, wie ihr euren Teppich auf den Boden kleben müsst:

  • In großen Räumen vollflächig verkleben: Ab einer Raumgröße von 20 bis 30 Quadratmetern und einer hohen Beanspruchung führt kein Weg an der vollflächigen Verklebung herum, wenn ihr später keinen gewellten Teppich haben möchtet. Mit speziellem Teppichkleber und einem großen Zahnspachtel tragt ihr den Kleber gleichmäßig auf die Hälfte der Bodenfläche auf und lasst ihn etwas antrocknen. Beachtet dabei die angegebene Trockenzeit. Den Teppich habt ihr vorher bereits ausgelegt und halb zurückgeschlagen.
  • In kleinen Räumen Teppich lose verlegen: Wird der Raum wenig beansprucht, ist diese Variante meistens völlig ausreichend. Das heißt jedoch nicht, dass ihr ganz ohne Kleben auskommt. Der Teppich wird an den Rändern mit doppelseitigem Klebeband fixiert. Klarer Vorteil: Fehler könnt ihr beim losen Verlegen nachträglich einfach korrigieren.

Wer sich unsicher ist, sollte in jedem Fall die Hersteller-Angaben zum ausgewählten Teppichboden und Teppichkleber lesen oder die Aufgabe gleich einen Fachmann überlassen.

Zahnspachtel verteilt Teppichkleber auf Bodenfläche
Mit einem Zahnspachtel könnt ihr den Teppichkleber am gleichmäßigsten auf der Bodenfläche verteilen. © Getty Images/iStockphoto

5. Fehler: Teppichboden falsch kalkulieren

Das kann schnell ein teurer Spaß werden und zusätzliche Arbeit bedeuten. Und nicht nur die falschen Raummaße können eine Fehlerquelle sein.

Unser Tipp: Den Raum solltet ihr niemals Pi mal Daumen, sondern immer gleich richtig ausmessen. Beachtet bei der Kalkulation folgende Punkte:

  • Manchmal kommt es vor, dass Wände nicht ganz gerade verlaufen und der Raum auf der einen Seite breiter ist als auf der anderen. Auf die breitere Seite solltet ihr fünf bis zehn Zentimeter draufrechnen. Gerade bei Naturteppichen, die noch schrumpfen können, ist das wichtig. Das gleiche gilt auch für die Raumlänge.
  • Auch Heizkörper, Fenster- oder Türnischen haben Einfluss auf euer Teppichbodenmaß, eine Skizze kann dazu oft hilfreich sein.
  • Denkt beim Berechnen auch an die Teppichbreite des zu verlegenden Bodens. So könnt ihr herausfinden, wie viele Bahnen ihr im Raum verlegen müsst.

6. Fehler: Ungerade Teppichkanten schneiden

Wer versucht, seinen Teppich mit der Schere zu schneiden, braucht nicht nur eine Menge Kraft, er gerät auch schnell auf die schiefe Bahn, ohne es zu merken. Und dann wird letztendlich alles schief, die Teppichbahn verläuft nicht mehr parallel zur Wand und auf dem letzten Meter klafft ein Spalt zwischen Wand und Teppichkante.

Unser Tipp: Damit eure Teppichbahnen wirklich gerade werden, solltet ihr spezielle Teppichmesser verwenden. Diese können aussehen wie ein normales Cuttermesser, besitzen jedoch im besten Fall eine vollständig austauschbare Klinge. So könnt ihr zwischen verschiedenen Klingen wechseln. Mit einer Hakenklinge bekommt ihr schöne gerade Schnitte hin, mit einer Trapezklinge setzt ihr filigrane Schnitte.

Ist der Teppich noch auf der großen Rolle aufgewickelt, rollt diesen bis zur Wand aus und markiert mit einem kleinen Schnitt an der Seite die Bahnlänge. Mit einem Teppichschneider* könnt ihr dann den Teppich an der markierten Stelle gerade abschneiden, ohne ihn abwickeln zu müssen. Bei Schlingen-Teppichboden achtet darauf, dass ihr die Führungsnase durch die Polgasse schiebt, also zwischen zwei Schlingenreihen hindurch, damit ihr diese nicht durchtrennt.

Wie ihr den Teppichboden an Ecken und an den Wandstößen richtig schneidet, zeigt diese informative Video:

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7. Fehler: Die Florrichtung beim Teppichboden verlegen nicht beachten

Wenn der Teppichboden nach dem Verlegen auf einmal aussieht wie ein frisch gemähtes, streifiges Fußballfeld, habt ihr die Florrichtung nicht mitberücksichtigt. Sie gibt an, in welche Richtung die Teppichfasern fallen. Und ja, auch bei Teppichboden gibt es wie bei Laminatboden oder Parkettboden eine Verlegerichtung.

Legt ihr mehre Bahnen in jeweils umgekehrter Florrichtung nebeneinander, sieht der Teppichboden dann schnell streifig aus. Dann spricht man von einer gestürzten Verlegung und das geht einem dann, im wahrsten Sinne des Wortes, gegen den Strich.

Unser Tipp: Besonders bei Verloursteppichböden werden durch die Florrichtung, je nach Tages- oder Fensterlichteinfall, unterschiedliche Farbwirkungen erzeugt. Experten empfehlen, den Teppich immer in Richtung der Hauptfensterfront zu verlegen. Die Florrichtung ist oft aber nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Mit diesen Tricks könnt ihr sie einfach herausfinden:

  • Trick 1 – Florrichtung mit der Hammerprobe bestimmen: Wo der Hammer hinfällt, könnte man hier sagen. Stellt den Hammer im 90-Grad-Winkel auf den Teppichboden und lasst den Stiel in Richtung der Bahnbreite fallen. Die Richtung, in die der Kopf des Hammerstiels springt, gibt die Florrichtung an. Alternativ könnt ihr dafür auch einen Zollstock verwenden.
  • Trick 2 – Florrichtung mit Papier und Stift bestimmen: Legt ein Blatt Papier auf euren Teppichboden und rollt mit einem Bleistift darüber. Die Richtung, in die sich der Bleistift schiebt, gibt euch die Flur- beziehungsweise Polrichtung an.

Falls der Hersteller die Polrichtung nicht selbst auf der Rückseite angegeben hat, markiert sie euch selbst mit einem Bleistift. So entsteht am Ende keine Verwirrung beim Verlegen.

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Wenn ihr gerade schwanger seid oder mit einer Schwangeren zusammen lebt, dann solltet ihr in eurer Wohnung mit dem Teppich verlegen bis nach der Geburt des Babys warten. Warum, das lest ihr hier:

Für Feuchträume sind Teppiche selbstverständlich weniger geeignet, ins Bad gehören deshalb Fliesen. Die beliebtesten Verlegemuster für Fliesen haben hier für euch zusammengestellt:

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