Vormontage eines Fensters für ein Fertighaus.
© SchwörerHaus/Jürgen Lippert

Bauen | Ratgeber

Fertigteilhaus: Schnell und günstig ins Eigenheim?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Jedes fünfte neue Haus in Deutschland ist ein Fertigteilhaus. Die großen Pluspunkte sind die niedrigeren Kosten und die extrem kurze Bauzeit. Erfahrt hier alles über Bauweisen, Vorteile, Nachteile und Kosten von Fertigteilhäusern.

Jedes Jahr entstehen bundesweit rund 20.000 neue Fertighäuser. Die Tendenz ist steigend. Im folgenden Rategeber verraten wir euch alle Vorteile und Nachteile. Außerdem erklären wir, welche Ausbaustufen und Bauweisen es beim Fertigteilhaus gibt, wie man einen guten Anbieter findet und mit welchen Kosten ihr rechnen müsst.

Was ist ein Fertigteilhaus?

Ein Fertigteilhaus oder Fertighaus ist ein genormtes Gebäude, dessen Bauteile – meist aus Holz – industriell vorgefertigt werden. Dabei liefert der Hersteller die einzelnen Elemente wie Wände, Böden, Decken und das Dach zum Grundstück und montiert sie binnen weniger Tage.

Im Falle von Fertighäusern handelt es sich meist um standardisierte Lösungen. Eigenleistungen sind vor allem beim Innenausbau möglich und nötig. Dementsprechend unterscheidet man verschiedene Ausbaustufen und Bauweisen, die wir nachfolgend näher vorstellen.

Lest auch: "Fertighäuser extrem angesagt: Branche feiert Allzeithoch"

Ausbaustufen beim Fertigteilhaus

Im Grunde genommen unterscheidet man beim Fertigteilhaus drei Ausbaustufen. Dabei liegen die Unterschiede im Grad der Fertigstellung. Entsprechend variiert der Preis für das Fertighaus und der Bedarf an Eigenleistungen.

Bausatzhaus als Fertighaus

Beim Bausatzhaus übernimmt der Anbieter lediglich die Produktion und Lieferung des Rohbaus. Demzufolge bekommt ihr nur die einzelnen Bauteile, die Montage und der Innenausbau liegen komplett bei euch. Daher sind Bausatzhäuser die günstigste Variante. Allerdings sind hier eine handwerkliche Expertise und ein hoher Zeitaufwand durch den Käufer gefragt.

Ausbauhaus als Fertigteilhaus

Dagegen fertig liefert und montiert beim Ausbauhaus der Hersteller den Rohbau, er stellt das Haus also von außen fertig. Eure Eigenleistungen beziehen sich auf den Innenausbau. Dazu gehören unter anderem das Streichen der Wände, das Verlegen von Bodenbelägen und die Installation der Elektrik sowie der Heizungs- und Sanitäranlagen.

Schlüsselfertiges Fertighaus

Schließlich bleibt noch das schlüsselfertige Fertigteilhaus, hier übernimmt der Hersteller den Roh- und den Innenausbau. Allerdings bedeutet "schlüsselfertig" nicht zwangsläufig auch "bezugsfertig". Das heißt, je nach Anbieter müsst ihr einige Restarbeiten wie zum Beispiel Tapezieren noch selbst erledigen.

Mehr zum Thema: "Ausbauhaus, Bausatzhaus oder schlüsselfertiges Haus? Unterschiede, Hersteller & Kosten"

Ein Kran hebt eine vorgefertigte Wand auf der Baustelle eines Fertighauses.
Dank der vorgefertigten Elemente lässt sich ein Fertighaus nicht nur schnell, sondern auch relativ günstig errichten. © Bund deutscher Fertigbau (BDF)/WeberHaus

Bauweisen für Fertigteilhäuser

Die meisten Fertigteilhäuser sind in der Holzbauweise errichtet. Hierbei gibt es unterschiedliche Arten, wie die Bauteile vor Ort zusammengesetzt werden. Die gängigsten Varianten sind folgende:

Holztafelbau

Beim Holztafelbau bestehen die Bauteile aus Holzrahmen, welche mit Holztafeln beplankt sind. Man spricht auch von der Rahmenbauweise. Dämmschichten, Elektro- und Versorgungsleitungen sowie Fenster und Türen werden meist schon werkseitig eingebaut.

Holzständerbau

Ein typisches Beispiel für den Holzständerbau sind Fachwerkhäusern. Grundlage bildet ein Skelett aus Holzstreben. Dabei werden die Hohlräume des Ständerwerks mit Stein oder Lehm gefüllt oder bei modernen Objekten mit Glas.

Blockbohlenbau

Fertigteilhäuser in Blockbohlenbauweise werden aus gestapelten Holzbohlen zusammengesetzt. Darüber hinaus erhöht eine zusätzliche Innenverkleidung die Dämmwirkung und lässt Kabel- und Versorgungsleitungen aus dem Blickfeld verschwinden.

Massivbau

Es gibt auch Fertighäuser in Massivbauweise. Dabei bestehen die vorgefertigten Bauteile dann nicht aus Holz, sondern aus massiven Baustoffen wie Beton, Leichtbeton oder Ziegeln.

Lest auch: "Alle Fertighaus-Bauweisen im Vergleich"

Fertigteilhaus bauen: Die Vorteile

Fertigteilhäuser sind beliebt. Denn immer mehr künftige Eigenheimbesitzer entscheiden sich für die vergleichsweise günstige und schnelle Bauart. Kurz gesagt sind das die Vorteile von Fertighäusern im Überblick:

  • Kostensicherheit: Ein Fertighaus gibt es in der Regel zum Festpreis, was besonders in Zeiten steigender Materialkosten ein Pluspunkt ist.
  • Kurze Bauzeit: Die meisten Fertigteilhäuser werden in wenigen Tagen errichtet, so dass ihr mit einem zuverlässigen Einzugstermin rechnen könnt. Eigenleistungen sind davon ausgenommen.
  • Energieeffizienz: Moderne Fertighäuser sind hocheffiziente Energiesparobjekte. Lest auch: "Stimmt es, dass Fertighäuser schlecht gedämmt sind?"
  • Große Auswahl: Fast jeder Haustyp lässt sich als Fertigteilhaus errichten. Um sich einen Überblick zu verschaffen, gibt es in Deutschland rund mehr als 15 Musterhaus-Parks.
  • Eigenleistung: Beim Bausatzhäusern ist viel Eigenleistung möglich, womit sich einiges an Geld sparen lässt. Aber die Voraussetzung ist handwerkliches Können. Testet eure Kompetenz hier: "Bausatzhaus bauen: Kann ich selbst ein ganzes Haus bauen?"

Fertigteilhaus bauen: Die Nachteile

Fertigteilhäuser haben nicht nur Vorteile. Folgende Aspekte sprechen gegen ein Eigenheim aus vorgefertigten Bauteilen:

  • Wenig Gestaltungsspielraum: Die meisten Fertigteilhäuser sind Standardmodelle, so dass individuelle Wünsche, zum Beispiel in Bezug auf die Raumgestaltung, sowie nachträgliche Änderungen kaum möglich sind.
  • Ausbaustufen: Die Wahl zwischen Bausatzhaus, Ausbauhaus und schlüsselfertigem Haus zu haben, ist erstmal positiv. Doch die vertragliche Gestaltung ist oft knifflig und uneindeutig. Umso wichtiger ist es, das angebotene Leistungspaket genau zu prüfen. Deshalb bietet euch Wohnglück auch eine Bauvertragsprüfung an.
  • Wertverlust: Neue Fertigteilhäuser sind beliebt, gebrauchte haben dagegen hierzulande einen eher schlechten Ruf. Insofern ist der Verkaufswert in der Regel niedriger als bei einem Massivhaus. Tipp: Nutzt die kostenlose Immobilienbewertung von Wohnglück, um den aktuellen Wert eurer Immobilie einzuschätzen.

Fertigteilhaus oder Massivhaus – was ist besser? Mehr dazu erfahrt ihr in diesem Ratgeber: "Fertighaus oder Massivhaus: Vorteile und Nachteile der Bauweisen"

Was kostet ein Fertigteilhaus?

Die Preise von Fertigteilhäusern variieren stark und sind unter anderem von der Größe, dem Haustyp und der Ausbaustufe abhängig. Kleine Bausatzhäuser gibt es bereits ab rund 80.000 Euro. Doch für ein Architektenhaus werden zum Teil Preise über 500.000 Euro aufgerufen. Als Richtwert gelten circa 2.000 Euro pro Quadratmeter für ein schlüsselfertiges Fertigteilhaus.

Ihr wollt besonders günstig bauen? Dann lest hier mehr: "Fertighaus bauen unter 150.000 Euro: Geht das auch schlüsselfertig?"

Bungalow Modell Solutions 101 V3 des Fertighausherstellers LivingHaus.
Kleine Fertigteilhäuser gibt es schon unter 150.000 Euro. © LivingHaus

Wie finde ich den richtigen Fertigteilhaus-Anbieter?

Die Entscheidung für ein Haus ist meist eine fürs Leben. Sie will deshalb wohl überlegt sein. Dabei fängt alles bei der Auswahl des Anbieters an. Daher solltet ihr auf folgende Faktoren achten:

  • Beratungskompetenz: Habt ihr einen festen Ansprechpartner? Werden eure Fragen leicht verständlich beantwortet? Geht man auf eure individuellen Bedürfnisse und Bedenken ein?
  • Leistungsbeschreibung: Was ist im Bauumfang enthalten? Wie detailliert sind die Leistungen aufgeführt?
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Sind die Kosten transparent aufgeschlüsselt? Welche Kosten fallen bei Änderungs- und Sonderwünschen an? Sind die Preise marktüblich?
  • Fachliche Expertise: Ist der Anbieter Mitglied im einem Branchenverband wie dem "Bundesverband Deutscher Fertigbau"? Wie lange hat der Hersteller bereits Erfahrung im Fertigteilhausbau?

In Deutschland gibt es rund 50 große Fertighaus-Hersteller, die sich auf dem Markt etabliert haben. Das Wirtschaftsmagazin "Capital" hat 2021 die Top 5 gekürt, die wir euch in diesem Artikel vorstellen: "Die besten Fertighaus-Anbieter: Wie finde ich den richtigen?"

Beispiele für Fertigteilhäuser

Hier sind drei Fertigteilhäuser für unterschiedliche Budgets. Alle Fertighaus-Angebote könnt ihr in der Wohnglück-Fertighaus-Datenbank ansehen.

1. Albert Haus Exklusiv-Bungalow 124

Dieser Bungalow ist nach Angaben des Herstellers ALBERT Haus GmbH & Co. KG praktisch, modern und ein wahres Raumwunder. Alles, was ihr zum Leben braucht, vereint sich auf 124 ebenerdigen Quadratmetern.

2. Einfamilienhaus Amika

Das Einfamilienhaus "Amika" von Fingerhut Haus GmbH & Co. KG überzeugt auf den ersten Blick mit dem traditionellen Satteldach und einem stilvollen Erker. Laut Hersteller ist das Besondere an dem Objekt das hohe Energiesparpotenzial durch viel Tageslichteinfall. Dafür sorgen die bis zum Boden reichenden Fensterfronten, die effiziente Heiztechnik und eine thermische Gebäudehülle.

3. Architektenhaus Vivaro

Beim Architektenhaus Vivaro von Kern-Haus AG trifft eine geräumige Stadtvilla auf moderne Bauhaus-Architektur. Ein offener Wohn-Essbereich mit Küche, die Doppelgarage, ein Balkon und eine überdachte Terrasse sowie viel Platz für Kinder im Obergeschoss machen das Objekt zum optimalen Mehrgenerationenhaus.

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