Bau eines Einfamilienhauses
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Bauen | News

Steigende Baukosten: Bauen wird 2020 noch teurer

Albert Linner

Baufirmen haben in Deutschland auch 2020 volle Auftragsbücher. Für Häuslebauer bedeutet das neben langen Wartezeiten auch: Die Baukosten steigen weiter.

Wer Hausbaupläne hat, muss in diesem sowie im nächsten Jahr noch tiefer als bisher in die Tasche greifen. Damit rechnet zumindest das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seiner neuen Prognose für Bautätigkeit und Baukosten in Deutschland.

Der kräftige Preisanstieg trifft laut DIW sowohl auf den Wohnungsbau als auch auf den öffentlichen Bau zu. Ein Großteil des Anstiegs liege laut DIW an den "deutlich anziehenden Preisen für Bauleistungen" – die Wirtschaftsexperten prognostizieren für 2020 einen Anstieg um 3,3 Prozent.

Insgesamt rechnet das DIW in diesem Jahr mit Ausgaben von 263 Milliarden Euro allein für den Wohnungsbau. Das sind knapp acht Prozent mehr als noch 2019.

Weiterhin werde, so heißt in der Studie, unter dem nötigen Bedarf gebaut. Und das, obwohl bei der Schaffung von neuem Wohnraum mehr möglich wäre.

Baukosten: Unternehmen wegen Auftragslage in guter Position

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland nach Angaben der Bauindustrie zwar rund 300.000 Wohnungen und damit einige tausend mehr als im Vorjahr entstanden. Das sind jedoch weit weniger als die 375.000, die die große Koalition geplant hatte. Weiterhin rechnet das DIW damit, dass mehr Bauprojekte genehmigt als tatsächlich umgesetzt werden.

Das liegt zu einem großen Teil an den steigenden Preisen für Leistungen. Diese werden laut Prognosen der Wirtschaftsexperten – nach 3,3 Prozent 2020 – im kommenden Jahr um weitere drei Prozent steigen. Wegen der guten Auftragslage könnten die Bauunternehmen ihren vorhanden Spielraum bei den Preisen gut durchsetzen, sagt Studienautor Claus Michelsen.

Pleitewelle nach Bauboom: Baufirmen sind vorsichtig geworden

Trotz des Baubooms rechnet Michelsen nicht damit, dass die Unternehmen mehr Personal einstellen und somit auch mehr Bauprojekte umgesetzt werden können. Derzeit beträgt die Wartezeit auf einen Bauhandwerker schon über drei Monate, wie aus dem Konjunkturbericht des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) aus dem November hervorgeht. Der Verband rechnet mit einem Wachstum von gut drei Prozent in diesem Jahr – und nicht damit, dass sich die Wartezeit für Bauherren bald verkürzt.

Der Grund, wieso Baufirmen nicht Personal und Maschinen aufrüsten, liegt laut DIW an den schlechten Erfahrungen, die sie nach dem Bauboom der 90er-Jahre gemacht haben. Damals hätten viele Unternehmen kräftig investiert – und seien mit dem Rückgang des Booms pleite gegangen.

Baukindergeld "verpufft" wegen steigender Baukosten

Die Ökonomen schlagen deshalb ein "langfristig angelegtes Investitionsprogramm" des Staates für den Ausbau und die Erneuerung der Infrastruktur vor. Schienen, Brücken und Straßen sollen besser dastehen, damit die Baubranche "verlässliche Geschäftsbedingungen" für den Ausbau neuer Kapazitäten hat. Finanzielle Anreize für Bauherren wie das Baukindergeld oder steuerliche Erleichterungen würden hingegen "vor allem in steigenden Preisen für Bauleistungen verpuffen".

"Wichtiger als kurzfristig angelegte Impulse wie das Baukindergeld, das für drei Jahre, bis Ende 2020 gewährt wird, oder eine zeitlich eng begrenzte Sonder-AfA, die bis zum 1. Januar 2022 in Anspruch genommen werden kann, wäre die Aussicht auf längerfristig günstige Geschäftsaussichten“, sagt Michelsen.

Außerdem rät das DIW den Kommunen zu mehr Zusammenarbeit in den Bauplanungsämtern. Denn dort sei die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren stetig gesunken – trotzt der "regen Bautätigkeit". Der Personalmangel führe dazu, dass weniger neue Wohnungen entstünden als gebraucht werden. Mit mehr Zusammenarbeit und "indem Planungskapazitäten nicht mehr in jeder Kommune vollumfänglich vorgehalten werden, sondern in gemeinsamen Planungseinheiten – ähnlich wie in kommunalen Zweckverbänden" könne dem entgegengewirkt werden.

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