Photovoltaik-Anlage auf Dach
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Auf Neubaudächern könnte viel mehr Sonnenstrom produziert werden

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Die Dachflächen von Neubauten in den deutschen Metropolen bieten eine Menge Potenzial für PV-Anlagen und die Gewinnung von Sonnenstrom. Eine Studie zeigt, dass die Möglichkeiten aber weitgehend ungenutzt bleiben.

Photovoltaikanlagen spielen bei der Energiewende eine große Rolle. Umso enttäuschender, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine große Lücke klafft. Denn bei seinem jährlichen "SolarCheck" fand das Ökostrom-Unternehmen LichtBlick heraus, dass viele Dachflächen in den deutschen Metropolen für die Solarenergie ungenutzt bleiben.

Essen nutzt die Neubau-Dachflächen am besten

In seinem "SolarCheck 2021" ließ das Unternehmen prüfen, wie die 14 größten deutschen Städte mit über 500.000 Einwohnern ihre Solarpotenziale ausschöpfen. Konkret ging es um den sogenannten Solar-Faktor. Gemeint ist damit das Verhältnis der Fläche neu errichteter Solaranlagen zu neu gebauten Dachflächen.

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Dabei zeigten sich enorme regionale Unterschiede. Während beim Spitzenreiter Essen der Solar-Faktor bei 62,9 Prozent liegt, sind es in Hannover nur 27,8 Prozent. Schlusslicht Hamburg kommt gar nur auf einen Wert von 10,3 Prozent. Gerade die Hansestadt könnte aber einen großen Sprung nach vorn machen, wenn 2023 in Hamburg die Solarpflicht in Kraft tritt.

Solar-Faktor: Verhältnis von neu errichteten PV-Anlagen zu neu gebauten Dachflächen

Infografik Solarcheck
In Essen erreicht die Fläche der neu gebauten PV-Anlagen fast 63 Prozent der neuen Dachflächen. In Hamburg sind es nur 10,3 Prozent.

Solarmodule im privaten Bausektor eher die Ausnahme

Basis für den SolarCheck 2021 war die von den Landesämtern für Statistik veröffentlichte Anzahl der im Jahr 2019 neu errichteten Wohngebäude und gewerblich genutzten Gebäude. Anhand wissenschaftlich basierter Umrechnungsfaktoren wurden daraufhin die jeweiligen Dachflächen ermittelt und mit der im gleichen Zeitraum neu gebauten Photovoltaik-Modulfläche verglichen.

Auffällig ist, dass selbst Städte mit eine guten Solar-Faktor im Grunde genommen ihr Potenzial für Photovoltaik-Anlagen nur ungenügend ausschöpfen. Denn häufig geht der gute Solar-Faktor nur auf den Neubau weniger großer Dachanlagen zurück. So machen in Leipzig, Bremen, Dortmund und der Siegerstadt Essen große Anlagen mit einer Leistung von mindestens 100 Kilowatt über die Hälfte des gesamten PV-Neubaus aus. Solarmodule auf neuen Ein- oder Mehrfamilienhäusern oder kleineren Gewerbebauten sind selbst in den gut platzierten Städten eher die Ausnahme.

Strompotentiale: Noch viel Luft nach oben

Wie wenig Photovoltaik auf den Dächern in deutschen Großstädten eine Rolle spielt, zeigt auch ein Blick auf die Stromversorgung. Denn: Wären alle Dachflächen Berlins 2019 vollständig mit Solarpanelen ausgerüstet worden, ließen sich damit 19.311 Haushalte mit Strom versorgen. Tatsächlich liefern die Solardächer aber nur Strom für 2.880 Haushalte. In Hamburg liegt das Verhältnis Potenzial zu Realisierung bei 11.962 zu 1.232 Haushalten, in München bei 11.181 zu 1.755.

So viele Haushalte könnten in deutschen Großstädten mit Solarstrom von Neubaudächern versorgt werden:

  • Stadt
  • So viele Haushalte könnten mit Solarstrom versorgt werden
  • Tatsächliche Haushalte, die mit Solarstrom versorgt werden
  • Berlin
  • 19.331
  • 2.880
  • Bremen
  • 3.517
  • 665
  • Dortmund
  • 4.191
  • 1.521
  • Dresden
  • 4.075
  • 1.418
  • Düsseldorf
  • 4.268
  • 699
  • Essen
  • 2.436.
  • 1.532
  • Frankfurt
  • 7.102
  • 838
  • Hamburg
  • 11.962
  • 1.232
  • Hannover
  • 2.089
  • 581
  • Köln
  • 3.482
  • 1.644
  • Leipzig
  • 3.936
  • 1.830
  • Nürnberg
  • 2.372
  • 1.051
  • Stuttgart
  • 4.680
  • 1.044
  • München
  • 11.181
  • 1.755

Quelle: LichtBlick. Grundlage: Durchschnittsverbrauch pro Haushalt = 3.000 kWh/Jahr. PV-Anlage mit einer Leistung von 1 Kilowatt peak (1 Kwp) benötigt 10 Quadratmeter Dachfläche.

Angesichts der ungenutzten Möglichkeiten stellt Ralf Schmidt-Pleschka, Koordinator Klima- und Energiepolitik bei LichtBlick, eine klare Forderung: "Die Solarförderung greift in den Metropolen bei weitem nicht so, wie es erforderlich wäre, um die neuen Klimaziele zu erreichen. Die nächste Bundesregierung sollte daher eine bundesweite Solarpflicht für Neubauten einführen." Doch bevor es dazu kommt, solltet ihr bei eurem Bauvorhaben schon während der Bauplanung die Integration von Photovoltaikanlagen mit in Betracht ziehen – zumal es dafür hohe Fördermittel gibt.

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