Häuser mit PV-Anlagen
© Getty Images/iStockphoto

Bauen | News

EEG-Novelle: Kommt eine Solarpflicht für Neubauten?

Katharina Schneider

Schon im Herbst könnte Deutschland ein neues Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) bekommen. In diesem Rahmen diskutiert die Politik auch die Einführung einer Solarpflicht für Neubauten. Was spricht dafür und was dagegen?

Mehr Energie aus regenerativen Quellen, das hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt. 2030 sollen schon 65 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen. Aktuell ist Windkraft der große Treiber bei den erneuerbaren Energien. Die Solarenergie fällt dagegen ab: Im ersten Quartal dieses Jahres betrug ihr Anteil an den umweltfreundlichen Stromquellen nur ein bisschen mehr als sieben Prozent.

Mann und Frau beim Renovieren sitzen auf dem Boden

Ist dein Zuhause reif für eine Modernisierung?

Mit dem digitalen Modernisierungscheck erfährst du mehr über die Schwachstellen deines Eigenheims.

Jetzt mehr erfahren

Ein Grund für den sehr kleinen Part: Viele Flächen, die optimal für Photovoltaik-Anlagen geeignet wären, bleiben ungenutzt. Zum Beispiel die Dächer vieler Neubauten. Deshalb gibt es schon seit einiger Zeit die Diskussion, eine solare Baupflicht für Neubauten einzuführen.

Die Mehrkosten für die Bauherren sollen durch zusätzliche Förderungen der Anlagen ausgeglichen werden. Und nicht zuletzt sparen die Hausbesitzer auch Geld, wenn sie einen Teil ihres Stroms selbst erzeugen.

"Muss über bundesweite Solarpflicht nachdenken"

Im Rahmen der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetztes (EEG) könnte nun sogar eine bundesweite Solarpflicht kommen. "Um im Bereich der Eigenstromversorgung klimafreundlich voranzukommen, könnte man auch über eine Installationspflicht von Solarzellen auf neuen Dächern nachdenken", sagte der Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch (SPD) im Juni dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Für die EEG-Novelle, die das Bundeswirtschaftsministerium für den Herbst angekündigt hat, werden wir uns solche Modelle in jedem Fall anschauen."

Aktuell diskutieren Politiker aber über einen Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums, der die Solarpflicht wohl nicht enthält. Über die EEG-Novelle könnte der Bundestag schon am 23. September abstimmen.

Das neue EEG will den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. Und während der Windkraft viel Raum gegeben wird, kommt die Solarenergie einigen zu kurz. Darunter der Energiedachverband BDEW. Eine Solarpflicht sei wünschenswert, sagt auch Georg Müller, Chef des Mannheimer Energiekonzerns MVV gegenüber dem RND.

Solarpflicht gibt es in einigen Bundesländern bereits

Und es ist nicht so, dass es nirgendwo diese Pflicht gibt. In Waiblingen gibt es schon seit 2006 eine Solarpflicht für Neubauten. In Tübingen gibt es sie ebenfalls seit 2018. Auch weitere deutsche Städte wollen die Solarpflicht einführen. Ab 2023 wird es in Hamburg vorgeschrieben sein, eine Solaranlage auf Neubauten zu installieren. Und das Kabinett in Baden-Württemberg hat erst im Mai eine Solarpflicht für alle gewerblichen Neubauten ab 2022 beschlossen. Auch andere Bundesländer wie Berlin, Bayern und Bremen prüfen die Pflicht.

Im US-Bundesstaat Kalifornien müssen seit diesem Jahr ebenfalls alle neu errichteten Wohngebäude mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder an der Fassade ausgestattet werden.

Auch in Wien wurde die Solarpflicht in diesem Jahr beschlossen. Und auf den spanischen Balearen müssen auf großen Dächern, Parkhäusern, Einkaufszentren und öffentlichen Gebäuden PV-Anlagen installiert werden. Überall da, wo eine Pflicht gilt, gibt es aber verschiedene Ausnahmen.

"Bauverfahren werden durch mehr Regulierung unattraktiver"

Gegen eine Solarpflicht sprechen sich regelmäßig Wirtschaftsverbände aus. Aus Sicht der Wirtschaft sei eine Solarpflicht weder zielführend noch sinnvoll, sagt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin dazu. Eine solare Energiewende würde nicht durch den Unwillen der Gebäudeeigentümer gebremst, "sondern durch den derzeit ungeeigneten und zu komplexen Rechtsrahmen". Bauverfahren würden durch mehr Regulierung "immer unattraktiver", was sich der Staat aufgrund des Baumangels nicht leisten könne.

Auch die Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg (UVB) üben an der geplanten Solarpflicht in der Hauptstadt Kritik. Eine Solarpflicht würde den Bau verteuern und verkomplizieren. Der Bau würde teurer und die Mieten letztlich auch.

Ebenfalls gegen die Solarpflicht ist der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Der spricht sich für eine Anreizstruktur aus und nicht für einen Zwang.

Der europäische Dachverband Solar Power Europe (SPE) hingegen ist anderer Meinung. Der Verband startete im vergangenen Jahr bei EU-Institutionen sogar eine Kampagne für eine Solarpflicht nicht nur für Neu- sondern auch für Bestandsbauten.

"PV-Anlage erhöht die Wirtschaftlichkeit"

Für die Solarpflicht sprechen sich nicht nur einige Energieunternehmen und Solarverbände aus. Auch Umweltverbände und Politiker unterschiedlicher Parteien sind für eine Solarpflicht. Bauvorhaben würden nicht durch eine Solarpflicht gebremst werden, auch eine Verteuerung sei unrealistisch, sagt die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). "Die Kosten für eine Photovoltaik-Anlage liegen bei einem Mehrfamilienhaus vielleicht im fünfstelligen Bereich, das verschwindet in den Gesamtkosten eines Wohnbaus, erhöht aber die Wirtschaftlichkeit. Ein Solardach von vornherein mit zu planen, ist zudem viel einfacher, als nachzurüsten."

Dass viel Potenzial für Sonnenenergie gerade in deutschen Städten verschenkt wird hat eine Analyse des Ökostromanbieters Lichtblick gerade gezeigt. Während in Nürnberg 49,1 Prozent des Potenzials genutzt wird, sind es in Hamburg nur 7,2 Prozent.

Lies noch mehr…

Der Schutz Deiner Daten ist uns wichtig

Wir verwenden Cookies, um die Website optimal zu gestalten. Durch die Nutzung der Website stimmst Du grundsätzlich der Verwendung von Cookies zu (Websitefunktionalitäten, anonymisiertes Nutzerverhalten usw.). Sofern Du zustimmst, teilen wir zudem Informationen anonymisiert mit Werbepartnern. Du kannst unter „Weitere Optionen“ selbst entscheiden, welche Cookie-Kategorie Du wählen möchtest:

Weitere Optionen