Hand öffnet Fenster zum Lüften
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Richtig lüften im Winter: Tipps für Bad, Küche & Schlafzimmer

Antonia Eigel

Antonia Eigel

Im Winter das Fenster öffnen? Tatsächlich keine schlechte Idee, denn wer auch in der kalten Jahreszeit regelmäßig lüftet, kann das Schimmelrisiko in Haus und Wohnung erheblich senken. Wir geben Tipps, worauf ihr beim Lüften im Winter achten könnt.

Damit es im Winter zu Hause muckelig warm wird, drehen wir natürlich die Heizung auf. Finger weg vom Fenstergriff, heißt es dann oft. Wehe, hier macht einer das Fenster auf. Wer die kalte trockene Winterluft aber nicht ab und zu reinlässt, begeht in den Wintermonaten einen folgenschweren Fehler.

Warum ihr auch im Winter regelmäßig lüften solltet, wie lange und wie oft ihr das tun müsst und warum Fenster kippen nicht ausreicht, erfahrt ihr in diesem Ratgeber. Dazu geben wir euch noch ein paar Tipps, wie ihr im Winter in Bad, Küche, Schlafzimmer und Keller richtig lüftet und ob sich Luftentfeuchter wirklich lohnen.

Warum sollte man auch im Winter lüften?

Die ideale Luftfeuchtigkeit liegt in Wohnräumen in der Regel zwischen 40 und 60 Prozent. Im Badezimmer können es auch schon mal bis zu 70 Prozent sein. Ist die Luftfeuchtigkeit jedoch zu hoch, steigt das Schimmelrisiko.

  • Wohnraum
  • Optimale Luftfeuchtigkeit
  • Keller
  • 50 % bis 65 %
  • Flur
  • 40 % bis 60 %
  • Wohn- und Arbeitsräume
  • 40 % bis 60 %
  • Küche
  • 50 % bis 60 %
  • Badezimmer
  • 50 % bis 70 %
  • Schlaf- und Kinderzimmer
  • 40 % bis 60 %

Die ideale Luftfeuchtigkeit in einzelnen Wohnräumen

Alleine durch die Nutzung eures Zuhauses werden große Mengen Wasser an die Raumluft abgegeben. Zum Beispiel:

  • Mensch, pro Person: 1,5 -2,0 Liter (Atmen und Schweiß)
  • Duschen oder Baden, pro Person: 0,5 -1,0 Liter
  • Kochen: 0,5 - 1,0 Liter
  • Wäsche trocknen (4,5 Kilogramm): 1,0 -1,5 Liter (geschleudert) 2,0 - 3,0 Liter (tropfnass)
  • Blumen und Topfpflanzen: 0,5- 1,0 Liter

Pro Tag können in einem Vier-Personen-Haushalt so 12 bis 15 Liter Wasser zusammenkommen. Unbewusst erhöht sich so ganz automatisch die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung.

Viel Feuchtigkeit fördert Schimmelwachstum

In der Raumluft befinden sich immer Pilz- oder Schimmelsporen, das ist normal. Ob sie sich vermehren können, hängt allerdings davon ab, ob ihnen ein guter Nährboden geboten wird. Besonders im Winter ist das problematisch: Wird die feuchte Raumluft nicht regelmäßig gegen frische, trockene Luft ausgetauscht, setzt sie sich zum Beispiel an kalten Außenwänden nieder und kondensiert dort, es entsteht eine perfekte Grundlage für Schimmelpilze.

Wie soll man im Winter lüften?

Natürlich möchte man im Winter nicht stundenlang die Fenster öffnen oder das Fenster den ganzen Tag auf Kipp haben. Wer möchte schon fröstelnd im Homeoffice sitzen oder in der Wohnung mit einer Winterjacke herumlaufen?

Die Zauberformel heißt deshalb: Kurz aber effektiv lüften. Das funktioniert am besten, indem ihr stoß- oder querlüftet.

Stoßlüften im Winter

Dazu öffnet ihr einmal komplett das Fenster, so kann die verbrauchte warme und feuchte Luft aus dem Raum entweichen und kalte trockene Luft in die Wohnung strömen.

Querlüften im Winter

Noch effektiver als Stoßlüften ist Querlüften. Dazu öffnet ihr am besten zwei gegenüberliegende Fenster, zum Beispiel in Schlafzimmer und Küche. Die Zimmertüren sollten dabei möglichst weit geöffnet sein. So kann die verbrauchte Raumluft deutlich schneller gegen frische Luft ausgetauscht werden.

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Wie lange und wie oft muss man im Winter lüften?

Je kälter es draußen wird, desto kürzer solltet ihr stoß- oder querlüften. Für Dezember bis März heißt das:

  • Maximal fünf bis zehn Minuten das Fenster aufreißen. Das reicht aus, um die feuchte warme Luft einmal vollständig gegen kalte trockene Luft auszutauschen.
  • Insgesamt solltet ihr dieses Prozedere drei- bis viermal am Tag wiederholen.
Grafik Lüften Stoßlüften Jahreszeiten

Langes Lüften in Wintermonaten vermeiden

Fenster kippen reicht doch bestimmt auch aus? Das wäre schön, doch habt ihr das Fenster nur gekippt oder halb geöffnet, dauert der vollständige Luftaustausch insgesamt natürlich länger. Das hat besonders in den Wintermonaten einen gehörigen Nachteil: Durch das lange Lüften kühlen die Wände in Raum oder Wohnung stark aus und es braucht eine Menge Zeit und Energie, um sie wieder warm zu bekommen. Das kann die Heizkosten ganz schön in die Höhe treiben.

Während ihr lüftet, achtet generell darauf, dass die Heizung nicht unnötig läuft. Hier könnt ihr Heizkosten einsparen. Wie ihr im Winter sonst noch die Heizkostenrechnung drücken könnt:

Wie lüftet man das Schlafzimmer im Winter richtig?

Nachts verlieren wir im Schlaf für gewöhnlich bis zu einen Liter Flüssigkeit. Der Schweiß landet zum Teil in der Matratze, der andere verdunstet und verteilt sich in der Raumluft. Am nächsten Morgen ist die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer oft merklich höher als am Vorabend. Hinter Kleiderschränken und anderen Möbeln, die zu nah an kalten Außenwänden platziert sind, kann die warme feuchte Luft oft nicht richtig zirkulieren und es entstehen sogenannte Wärmebrücken. Die Luftfeuchte setzt sich an den kalten Wänden ab, so entstehen ideale Bedingungen für Schimmelpilze.

Die feuchte Luft tauscht ihr am nächsten Morgen am besten sofort mit kurzem Stoßlüften gegen frische Luft aus. Das Umweltbundesamt empfiehlt sogar, das Fenster über Nacht anzukippen, das sorgt für den größtmöglichen Luftaustausch. Im Winter kann das natürlich etwas frisch werden. Für wen das nichts ist, der bleibt beim kurzen Stoßlüften am Morgen.

Rückt auch Möbel, die zu dicht an kühlen Außenwänden stehen, circa zehn Zentimeter nach vorn. Das sieht vielleicht nicht so schön aus, kann das Schimmelrisiko aber erheblich senken, weil die Luft wieder besser zirkulieren kann.

Wie lüftet man in Bad und Küche im Winter?

Bei Tätigkeiten wie Kochen oder Duschen steigt die Luftfeuchtigkeit im Raum innerhalb kürzester Zeit extrem an, das erkennt ihr meistens an beschlagenen Spiegeln oder Fenstern. Lüftet ihr nicht direkt im Anschluss, kann sich die Feuchtigkeit schnell auch an kälteren Außenwänden absetzen, ein selbst gemachtes Schimmelrisiko. Wir empfehlen euch deshalb, am besten sofort nach dem Kochen oder Duschen kurz ein paar Minuten stoßzulüften, um die feuchte Luft nach draußen ziehen zu lassen.

Beschlagenes Fenster im Winter
Ist die Luftfeuchtigkeit im Raum sehr hoch, bildet sich im Winter Kondenswasser an kalten Fensterscheiben. Ein Zeichen dafür, dass ihr dringend lüften müsst. © Getty Images/iStockphoto

Muss man den Keller im Winter lüften?

Tatsächlich ist auch im Winter eine verstärkte Lüftung von Kellerräumen sinnvoll. Besonders in Altbauten fehlt dort häufig eine vernünftige Abdichtung, weshalb die Wände oft vollständig durchfeuchtet sind. Das führt schnell dazu, dass sich auf gelagerten Gegenständen Schimmelpilze bilden können. Die sind dann meistens reif für die Tonne. Zudem hilft regelmäßiges Lüften gegen die Radonbelastung im Haus.

Im Winter könnt ihr den Keller zu jeder Tageszeit lüften, im Sommer gelten andere Regeln:

Lohnt sich die Investition in eine Luftentfeuchter?

Generell raten wir euch dazu, erst einmal mit Lüften die Luftfeuchtigkeit im Raum zu senken. Kontrolliert das am besten mit einem Hygrometer. Bleibt die Luftfeuchtigkeit trotz regelmäßigem Lüften über den empfohlenen 40 bis 60 Prozent, kann sich die Investition in einen Luftentfeuchter lohnen.

Besonders Altbauhäuser und -wohnungen können ein Problem mit zu hoher Luftfeuchtigkeit aufweisen, aber auch Neubauten sind häufig so gut isoliert, dass die Feuchtigkeit im Raum eingesperrt bleibt.

Was ihr über Luftentfeuchter wissen müsst, haben wir euch in unserem Ratgeber "Luftentfeuchter: Das leisten die unterschiedlichen Geräte" zusammengefasst. Dazu haben wir euch schonmal sieben Geräte zusammengestellt:

Die meisten Luftentfeuchter werden mit Strom betrieben und der kostet bekanntlich Geld. Es gibt aber auch Modelle, die ohne Strom funktionieren. Alle Vorteile und Nachteile findet ihr in diesem Beitrag:

5 wichtige Tipps, wie ihr im Winter richtig lüftet

Wer im Winter richtig lüftet, kann das Schimmelrisiko in Haus und Wohnung deutlich senken. Die wichtigsten Tipps im Überblick:

  1. Kurz und effektiv lüften mit Stoß- oder Querlüften, maximal 5 bis 10 Minuten in den Wintermonaten. Öffnet die Fenster und Türen dabei vollständig.
  2. Lüftet regelmäßig circa drei bis viermal am Tag.
  3. Vor dem Lüften Heizung abdrehen, das schont euren Geldbeutel.
  4. Nach dem Duschen oder Kochen direkt stoß- oder querlüften. So kann sich die Feuchtigkeit nicht an den Wänden absetzen. Im Schlafzimmer lüftet ihr direkt nach dem Aufstehen.
  5. Verwendet ein Hygrometer, um im Raum die Luftfeuchtigkeit messen. Wie sie in den einzelnen Räumen im Optimalfall sein soll, entnehmt ihr der oben genannten Tabelle.

Obwohl ihr richtig lüftet und im Winter anständig heizt, ist es bei euch in der Wohnung ständig kalt und es zieht wie "Hechtsuppe"? Dann haben wir weitere Tipps für euch:

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