Betonkeller im Bau noch ohne Decke
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Modernisieren | Ratgeber

Radonbelastung: Die unterschätzte Gefahr im Haus

Eva Dorothée Schmid

Das radioaktive Gas Radon entsteht im Erdreich und kann von dort unbemerkt in Innenräume gelangen. Weil Radon das Lungenkrebsrisiko erhöht, kann es besonders in Wohnräumen zum Problem werden. Alles, was ihr über die Radonbelastung im Haus wissen müsst.

Alle fünf Stunden stirbt in Deutsch­land ein Mensch an den Folgen einer Radonbelastung. Todes­ursache: Lungenkrebs. Das Gesund­heits­risiko durch Radon in Gebäuden ist deutlich höher als bei vielen anderen Umwelt­giften wie etwa Asbest. Lange wurde das Problem unter­schätzt, doch in den vergangenen Jahren hat sich das Wissen um die Gefahr verdichtet.

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Ab 2021 gelten in Radon-Vorsorgegebieten sogar besondere Regelungen zum Schutz vor Radon, die über die bisherigen bundesweit gültigen Vorschriften hinausgehen. Für private Neubauten besteht für Bauherren die Pflicht, durch bauliche Maßnahmen weitgehend zu verhindern, dass Radon in das Gebäude eindringen kann.

Wir erklären euch in diesem Artikel alles, was ihr über die Radonbelastung wissen müsst und wie ihr euch schützen könnt.

Was ist Radon?

Radon ist ein natürliches, radioaktives Edelgas. Es entsteht, wenn Radium zerfällt. Es kommt natürlicherweise im Gestein und Boden vor, insbesondere in erzhaltigen Bodenschichten.

Wenn das Gas aus den obersten Bodenschichten ins Grundwasser, in Keller, Rohrleitungen, Höhlen und Bergwerke tritt, wenn es also aus tiefer gelegenen Erdschichten an die Oberfläche gelangt, dann kann es für Menschen gesundheitsgefährdend werden.

Warum ist Radon gesundheitsschädlich?

Radon wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Krebsforschungsbehörde (IARC) als krebserzeugender Schadstoff eingestuft. Radon in Gebäuden stellt nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs dar. Jedes Jahr sterben in Deutschland 1.900 Menschen aufgrund eines erhöhten Radongehaltes in der Innenraumluft an Lungenkrebs.

Ab einem Messwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter ist ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko epidemiologisch nachweisbar.

Wo ist die Radonbelastung am höchsten?

Das Risiko einer Radonbelastung ist in Deutschland sehr ungleichmäßig verteilt. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine Radonkarte veröffentlicht, die die Konzentration des Edelgases in der Bodenluft zeigt.

Gebiete mit hoher natürlicher Radonbelastung sind:

  • das Erzgebirge
  • der Bayerische Wald
  • der Voralpenraum
Karte Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft
Je dunkelröter, desto höher ist die Radonkonzentration in der Bodenluft. Über die Belastung einzelner Gebäude sagt die Karte allerdings nichts aus. Diese kann nur eine Messung zeigen. © Bundesamt für Strahlenschutz

Radonmessungen in Gebäuden zeigen allerdings, dass auch abseits dieser Gebiete gesundheitlich bedenkliche Radonkonzentrationen in Gebäuden auftreten können. Dabei ist die Höhe der Radonbelastung in erster Linie abhängig von den Eigenschaften des Gebäudes.

In Deutschland beträgt nach den bisherigen Erhebungen laut Bundesamt für Strahlenschutz der Jahresmittelwert in Aufenthaltsräumen durchschnittlich 50 Becquerel pro Kubikmeter. Aber auch mehr als 1.000 Becquerel pro Kubikmeter sind möglich, kommen jedoch selten vor.

Erzgebirge
Im Erzgebirge ist die Belastung mit Radon besonders hoch. Aber auch andere Regionen Deutschlands sind betroffen. © Getty Images/iStockphoto

Wie gelangt Radon ins Haus?

Radon gelangt vor allem über erdberührte Bauteile wie Fußböden im untersten Geschoss, Außenwände unterhalb der Geländeoberkante und sonstige Bereiche mit direktem Kontakt zum Erdreich, in das Gebäude.

Typische Radoneintrittspfade sind:

  • Kellerfußböden beziehungsweise Fußböden in Erdgeschossen von nicht unterkellerten Gebäuden
  • Risse
  • mangelhafte Wandanschlüsse
  • Rohr- und Leitungsdurchführungen
  • fehlende beziehungsweise defekte Abdichtungen bei Wänden und Bodenplatte

Die höchsten Radonkonzentrationen innerhalb eines Gebäudes treten in den Kellerräumen auf. Die Radonbelastung nimmt in der Regel in den höheren Etagen ab.

Wie stark sich radonhaltige Bodenluft im Haus verteilt und anreichert, hängt außerdem von der Lüftung ab. Eine hohe Luftwechselrate durch natürliche oder mechanische Lüftung kann die Anreicherung von Radon im Gebäude reduzieren.

Allerdings können insbesondere mechanische Entlüftungssysteme einen Unterdruck im Gebäude erzeugen. Dieser wiederum fördert durch Konvektion das Nachströmen radonhaltiger Bodenluft in Kellerräume und eventuell auch oberirdische Räume.

Grafik Radonbelastung im Haus

Radonbelastung aus Baumaterialien

Auch Baumaterialien mit mineralischen Anteilen können Radon im Haus freisetzen. Dazu zählen unter anderem:

  • keramische Rohstoffe (Ton),
  • Fliesen,
  • Granit und andere magmatische Gesteine,
  • Platten und Ziegel,
  • Kalksandstein,
  • Gipsprodukte, Zement und Mörtel,
  • Beton.

Messungen durch das Bundesamt für Strahlenschutz haben allerdings gezeigt, dass der Beitrag dieser Materialien zur Radonkonzentration im Gebäude in der Regel nur gering ist. Er ist meist kleiner als ein bis vier Becquerel pro Kubikmeter und liegt fast ausnahmslos unter 20 Becquerel pro Kubikmeter. Damit spielt er eine weit geringere Rolle als die Radonbelastung, die aus dem Boden kommt.

Wann ist eine Radonmessung sinnvoll?

Eine Radonmessung in eurem Haus ist vor allem dann sinnvoll, wenn ihr in einem Gebiet lebt, in dem es eine hohe Radonkonzentration in der Bodenluft gibt und wenn ihr ein altes Haus mit schlecht abgedichtetem Keller oder Bodenplatte bewohnt.

Die Messung ist einfach und kostet zwischen 30 und 50 Euro. Dafür werden in einem Einfamilienhaus mindestens zwei Radonexposimeter von einem entsprechend geprüften Labor angefordert und in Aufenthaltsräumen im Erdgeschoss beziehungsweise im Keller platziert. Nach drei bis zwölf Monaten schickt ihr die Messgeräte dann an das Labor zur Auswertung zurück. Dieses übermittelt euch dann die Messergebnisse.

Wenn die Messdauer nur drei Monate beträgt, dann sollte sie in der Heizperiode erfolgen oder diese teilweise einschließen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz stellt auf seiner Website Adressen qualitätsgeprüfter Anbieter bereit.

Radon-Messgerät
Radon-Messungen sind preiswert und einfach. © Bundesamt für Strahlenschutz

Wie kann ich mich vor einer Radonbelastung im Haus schützen?

Für Radonkonzentrationen im Bereich von 100 bis 300 Becquerel pro Kubikmeter ist der Referenzwert nach dem Strahlenschutzgesetz erreicht. Theoretisch sind dann keine Maßnahmen erforderlich. Im Sinne einer größtmöglichen Gesundheitsvorsorge solltet ihr aber überprüfen, ob ihr mit einfachen Mitteln den Wert auf unter 100 Becquerel pro Kubikmeter bringen könnt, denn ab diesem Wert ist das Lungenkrebsrisiko erwiesenermaßen erhöht.

Befindet sich die durchschnittliche Radonkonzentration auf einem Niveau zwischen 300 und 1.000 Becquerel pro Kubikmeter, dann solltet ihr bauliche Maßnahmen in Erwägung ziehen. Dazu sind eine Begutachtung durch einen Experten sowie weitere Messungen erforderlich.

Für Gebäude mit Werten über 1.000 Becquerel pro Kubikmeter sind in den meisten Fällen umfängliche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Bei sehr hohen Innenraum-Radonkonzentrationen (> 5000 Becquerel pro Kubikmeter) sollte als Sofortmaßnahme die Aufenthaltszeit auf ein Minimum reduziert werden. Zudem sind Sanierungsmaßnahmen dann dringend erforderlich.

Sowohl in Bestandsbauten als auch im Neubau könnt ihr dafür sorgen, die Radonbelastung im Haus möglichst gering zu halten beziehungsweise zu senken.

Radonschutz im Altbau

Gegen hohe Konzentrationen von Radon in Häusern reicht es oft schon aus, den Keller intensiv zu lüften. Zudem solltet ihr Risse, Fugen und Durchlässe in erdberührten Bereichen abdichten. Achtet auch darauf, dass die Kellertüren dicht schließen.

Gegebenenfalls ist es ratsam, den Keller nicht mehr als Wohnraum zu nutzen.

Wenn die Kellerwände und Fundamente insgesamt undicht sind, ist eine Sanierung sinnvoll. Was Feuchtigkeit abhält, schützt in der Regel auch vor Radon. Zum Einsatz kommen beispielsweise Folien und Beschichtungen.

Achtung: Wenn ihr die Gebäudehülle eines älteren Hauses zwecks Energieeinsparung isoliert, kann das das Radonproblem verschärfen! Eventuell solltet ihr nach einer solchen Modernisierung die Radonbelastung messen.

Tipp: Umfangreiche Infos zur Senkung der Radonbelastung in Bestandsgebäuden bietet das Radon-Hand­buch Deutsch­land vom Bundes­amt für Strahlen­schutz.

Radonschutz bei Neubauten

Es gibt in Deutschland derzeit keine eigenen baulichen Regelwerke zum Radonschutz. Aber die Anwendung bestehender Normen und Merkblätter sorgt bereits für einen guten Radonschutz. Dabei ist eine möglichst fehlerfreie und luftdichte Ausführung der Abdichtung der Gebäudehülle gegen das Erdreich besonders wichtig. Diese kann beispielsweise ein Bausachverständiger als Baubegleiter überprüfen.

Der Einsatz von typischen Kellerkonstruktionen wie weißen Wannen, also einer wasserundurchlässigen Stahlbetonkonstruktion, oder schwarzen Wannen – hier in Form von außen anliegenden Abdichtungslagen, jeweils gegebenenfalls noch in Kombination mit einer radondichten Folie – ist geeignet, das Gas am Eindringen in das Gebäude zu hindern.

Radon: Neue Vorschriften für Neubauten

Seit 2019 gelten in Deutschland 300 Becquerel pro Kubikmeter als Richtwert für private Wohnräume und für Arbeitsplätze. Die Bundesländer haben bis Ende 2020 Zeit, um Gebiete zu benennen, in denen mit erhöhten Radon-Werten zu rechnen ist.

In diesen Radon-Vorsorgegebieten besteht dann ab 2021 für Bauherren die Pflicht, durch zusätzliche bauliche Maßnahmen weitgehend zu verhindern, dass Radon in das Gebäude eindringen kann. Das Deutsche Institut für Normen (DIN) erarbeitet gerade eine genaue Definition der zusätzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen in Radon-Vorsorgegebieten.

Neben der fachgerechten Isolierung gegenüber Bodenfeuchtigkeit geht es auch um

  • die Verringerung der Radon-Aktivitätskonzentration unter dem Gebäude,
  • die Beeinflussung der Luftdruckdifferenz zwischen Gebäudeinnerem und Bodenluft,
  • die Begrenzung der Rissbildung in Wänden und Böden beziehungsweise Auswahl diffusionshemmender Betonsorten mit der erforderlichen Dicke der Bauteile,
  • Absaugung von Radon an Randfugen, beziehungsweise unter Abdichtungen oder
  • den Einsatz diffusionshemmender, konvektionsdicht verarbeiteter Materialien beziehungsweise Konstruktionen.

In den Radonvorsorgegebieten muss beim Neubau von Häusern und Wohnungen mindestens eine der in der Verordnung genannten Maßnahmen eingehalten werden.

Zudem kann es sinnvoll sein, keine Wohn- oder Aufenthaltsräume im Untergeschoss anzuordnen. Dann nämlich können viele weitere Maßnahmen entfallen.

An bestehende Gebäude, in denen sich keine Arbeitsplätze befinden, stellt das Strahlenschutzgesetz keine Anforderungen. Ihr könnt selbst entscheiden, welche Maßnahme ihr ergreifen wollt, um die Radonbelastung zu senken.

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