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Hohe Inflation: Was bedeutet das für meinen Immobilienkredit?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Die Inflation ist auf einem Rekordhoch. Das führt zu einer massiven Geldentwertung. Für alle, die Schulden haben, ist das erst einmal gut. Doch was genau bedeutet die Inflation für laufende Immobilienkredite? Lohnt es sich trotz steigender Bauzinsen jetzt noch schnell ein Darlehen abzuschließen?

Wer Eigenkapital auf seinem Konto parkt, ist mit Blick auf die steigende Inflation aktuell eher missmutig. Sparer zählen zu den Verlierern. Immobilieneigentümer und Kreditnehmer hingegen profitieren grundsätzlich von einer steigenden Inflation. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Geldentwertung und Baufinanzierung.

Was bedeutet Inflation?

Unter Inflation versteht man eine Erhöhung des Preisniveaus. Das heißt, die Verbraucherpreise für Konsumgüter und Dienstleistungen steigen, während zugleich die Kaufkraft abnimmt. Die Folge ist eine Geldentwertung. Oder anders: Ihr bekommt für euer Geld weniger Waren.

Die Inflation wird anhand der Inflationsrate berechnet. Sie zeigt an, um wieviel Prozent Preise in einem bestimmten Zeitraum gestiegen und der reale Wert eures Ersparten gesunken sind. Im Klartext: 100 Euro sind infolge einer Inflationsrate von 7 Prozent real nicht mehr 100 Euro wert, sondern nur noch 93 Euro.

Wie wird die Inflationsrate berechnet?

Für die Ermittlung der Inflationsrate in Deutschland zieht das Statistische Bundesamt den sogenannten Verbraucherpreisindex (VPI) heran. Der VPI ist eine Art virtueller Warenkorb. Er gibt die durchschnittliche Preisentwicklung für Güter und Dienstleistungen an, die in einem festgelegten Zeitabschnitt konsumiert werden. Die Differenz zwischen dem aktuellen und dem Vorjahreswert ergibt die Inflationsrate.

Mehr Finanzwissen gibt es hier: "Wie funktionieren Zinsen und Tilgung bei der Baufinanzierung?"

Wie entwickelt sich die Inflationsrate 2022 in Deutschland?

Die Inflationsrate in Deutschland lag im Mai 2022 auf einem Rekordhoch von 7,9 Prozent. Das ist enorm, vergleicht man den Wert mit den Vorjahren: Im Zeitraum zwischen 1960 und 2021 betrug die durchschnittliche Inflationsrate gerade einmal 2,6 Prozent pro Jahr. Im Juni 2022 ist die Inflationsrate minimal auf 7,6 Prozent gesunken.

Gründe für die hohe Inflation ist zum einen die steigende Nachfrage nach Konsumgütern und Dienstleistungen mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen. Viele private Haushalte wollen sich nach dem monatelangen Verzicht endlich wieder etwas leisten und aufgeschobene Anschaffungen nachholen, wie den Traum vom eigenen Haus erfüllen. Dem stehen steigende Produktions- und Baukosten, Lieferengpässe und Rohstoffmangel gegenüber. Schuld daran sind unter anderem die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine, der das Angebot besonders an Energie und Getreide verknappt.

Geldentwertung – wer verliert, wer profitiert?

Eine Inflation ist grundsätzlich negativ für eine wachsende Wirtschaft. Verlierer der aktuellen Geldentwertung sind vor allem Sparer, die ihr Kapital auf niedrig verzinsten Konten parken. Auch das monatliche Einkommen – egal, ob Lohn, Rente oder Sozialleistungen – ist weniger wert.

Gewinner der Inflation sind hingegen alle, die ihr Kapital an Sachwerte gebunden haben, zum Beispiel an Aktien oder Immobilien. Sie gewinnen an Wert. Auch Kreditnehmer profitieren von einer hohen Inflation. Denn wenn der Geldwert abnimmt, sinkt automatisch auch die Schuldenlast.

Welchen Einfluss hat die Inflation auf laufende Immobilienkredite?

Im Zuge der Inflation sinkt der reale Geldwert. 100 Euro sind bei einer Inflationsrate von 7 Prozent real nur noch 93 Euro wert. Diese Entwertung gilt für alles Kapital, das ruht, also auch für Schulden. Eine Schuldenlast von 100.000 Euro hat also plötzlich einen realen Wert von 93.000 Euro. Das bedeutet, Kreditnehmer, die ein laufendes Immobiliendarlehen tilgen, müssen der Bank weniger Geld zurückzahlen als sie von ihr bekommen haben. Kurzum: Die Kreditschulden entwerten sich durch die Inflation. Lest auch: "Restschuld tilgen bei der Baufinanzierung: Alle Fragen und Antworten"

Von der aktuellen Preisentwicklung profitieren alle, die ein Annuitätendarlehen mit festem Sollzins abgeschlossen haben. Bei solchen Darlehen ist eine voraussichtliche Geldentwertungsrate bereits einkalkuliert. Steigt die Inflationsrate wie aktuell darüber hinaus, nimmt die reale Schuldenlast automatisch ab. Je niedriger der Sollzins bei gleichzeitig langer Laufzeit, desto besser.

Der positive Effekt der Inflation auf laufende Immobilienkredite wird allerdings geschmälert, wenn über kurz oder lang nicht auch das monatliche Einkommen steigt. Denn ihr habt zwar unterm Strich weniger reale Schulden, müsst aber mehr Geld für den Lebensunterhalt ausgeben.

Baukredit aufnehmen trotz hoher Inflation – lohnt sich das?

Wer bereits einen Immobilienkredit in der Tasche hat, profitiert von der aktuellen Geldentwertung. Sollte man noch schnell auf den Zug aufspringen? Grundsätzlich ist es angesichts der hohen Inflation sinnvoll, sein Geld in Sachwerte anzulegen. Dafür bieten sich besonders Immobilien an, da sich ihr Wert im Gegensatz zum realen Geldwert weiter erhöht. Lest dazu mehr in unserem Newsticker: "Immobilienpreise: Prognosen, Nachrichten, Studien zur Immobilienpreisent­wicklung"

Während die Inflation direkten Einfluss auf die Immobilienpreise hat, ist die Auswirkung auf die Bauzinsen nicht so eindeutig. Hierbei mischt die Europäische Zentralbank (EZB) mit und manipuliert den Markt, um einen zu starken Zinsanstieg zu verhindern. Hier geht es zur Bauzinsen-Prognose.

Generell aber preisen Banken die Geldentwertungsrate in ihre Darlehen mit ein. Finanzierer sichern sich so für den Fall ab, dass ihr Zinsgewinn durch eine hohe Inflationsrate verloren geht. Das heißt, wer jetzt einen Baukredit abschließt, muss im Vergleich zu den Vorjahren eher mit schlechteren Konditionen rechnen.

Unterm Strich ist ein Immobilienkauf angesichts der steigenden Immobilienpreise jedoch weiterhin attraktiv – trotz hoher Inflation. Baukredite mit kürzeren Laufzeiten könnten aktuell sinnvoller sein, da die Entwicklung der Inflation und Bauzinsen unsicher ist. Gut möglich, dass sie tendenziell 2022 weiter sinken und sich somit auch die Kreditkonditionen vieler Finanzierer wieder verbessern.

Sucht in jedem Fall eine passende Bank, die gute Konditionen bietet. Unser kostenloser Kreditfinder unterstützt euch dabei.

Lest auch: "In Immobilien investieren: Ist das jetzt sinnvoll?"

Sind Sondertilgungen bei steigender Inflation sinnvoll?

Ihr zahlt ein laufendes Darlehen ab und habt Angst vor der steigenden Inflation? Viele Kreditnehmer fragen sich aktuell zu recht, ob Sondertilgungen sinnvoll sind.

Ein Blick auf die Entwicklung der Immobilienpreise und auf die Auswirkungen der Geldentwertung auf Baukredite liefert die Antwort: Wohnimmobilien gewinnen weiter an Wert. So sind die Preise laut dem Statistischen Bundesamt allein im ersten Quartal 2022 um durchschnittlich zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Zugleich sinkt durch die Inflation eure Schuldenlast. Ihr zahlt der Bank also real weniger Geld zurück als ihr ursprünglich erhalten habt.

Wer also einen langfristigen Kredit zu einem günstigen Zins hat, kann sich entspannen und diesen einfach weiter laufen lassen. In Zeiten steigender beziehungsweise hoher Inflation sind Sondertilgungen nicht sinnvoll. Wer risikobereit ist, könnte sogar eher Tilgungen aussetzen und die eingesparten Beträge in Fondsprodukte investieren. Wer allerdings lieber auf der sicheren Seite ist, nimmt das Geld für die Sondertilgung und reduziert so seine Schuldenlast.

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