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Zinsbindung 30 Jahre – sind lange Kreditlaufzeiten sinnvoll?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Die Bauzinsen steigen. Wer sich vorausschauend gute Konditionen sichern will, könnte von einer Zinsbindung über 30 Jahre profitieren. Doch wann lohnen sich solch lange Laufzeiten wirklich?

Darlehen vergleichen, Gespräche mit Banken führen, Bonitätsnachweise beschaffen – die richtige Baufinanzierung zu finden, ist zeitintensiv. Verständlich also, dass sich viele Kreditnehmer für eine extra lange Zinsfestschreibung entscheiden. So kann man das Thema für die nächsten Jahrzehnte abhaken und muss sich keine weiteren Sorgen um steigende Zinsen machen. Wir erklären, was für und was gegen eine Zinsbindung bis zu 30 Jahre spricht.

Was versteht man unter Sollzinsbindung?

Wer eine Baufinanzierung abschließt, muss sich entscheiden, wie lange der Kredit laufen soll. Zur Wahl stehen in der Regel fünf, zehn, 15, 20 oder sogar 30 Jahre. Über diesen Zeitraum tilgt der Kreditnehmer sein Darlehen und muss der Bank zusätzlich Zinsen zahlen.

Sollzinsbindung bedeutet, dass sich der Zinssatz über die vereinbarte Kreditlaufzeit nicht verändern darf. Diese Zinsfestschreibung bietet Sicherheit: Zum einen wisst ihr sicher, welche finanzielle Belastung in den kommenden Jahren auf euch zukommt. Zugleich habt ihr die Chance, euch attraktive Konditionen über einen langen Zeitraum zu sichern. Wann aber welche Zinsfestschreibung sinnvoll ist, das hängt von der aktuellen Zinsentwicklung ab.

Mehr Finanzwissen geben wir hier: "Wie funktionieren Zinsen und Tilgung bei der Baufinanzierung?"

Zinsbindung 30 Jahre: Vorteile und Nachteile

Zwar steigen die Bauzinsen gerade kräftig an. Im langfristigen Vergleich bewegen sie sich aber noch auf einem niedrigen Niveau. Da bietet sich eine lange Zinsbindung bis zu 30 Jahre an. Ihr könnt euch die aktuell noch guten Konditionen langfristig sichern. Ein weiterer Vorteile langer Sollzinsbindungen: Nach 20 oder 30 Jahren bleibt in der Regel nur noch eine geringe Restschuld. Eine kurze Laufzeit könnte hingegen bedeuten, dass ihr nach fünf oder zehn Jahren eine nächste Finanzierungsrunde starten müsst. Das ist mit Aufwand verbunden. Zudem geht ihr das Risiko ein, dass euch Banken im Vergleich zu heute deutlich schlechtere Konditionen anbieten.

Vorteile langer Zinsbindungen

  • Ihr profitiert von einer langen Zinssicherheit.
  • Nach Ablauf der Zinsfestschreibung bleibt nur eine geringe Restschuld.
  • Ihr müsst euch über einen langen Zeitraum keine Gedanken über eure Baufinanzierung machen.
  • Ihr umgeht das Zinsänderungsrisiko.

Gegen lange Kreditlaufzeiten spricht, dass die Gesamtkosten höher ausfallen. Bei Sollzinsbindungen bis zu 30 Jahre verlangen die Banken nämlich in der Regel höhere Zinsen. Grund dafür: Sie müssen länger auf die vollständige Rückzahlung der Kreditsumme warten. Und sollten die Bauzinsen dann in absehbarer Zeit doch wieder sinken, dann seid ihr an den ursprünglich vereinbarten (und höheren) Sollzins gebunden.

Nachteile langer Kreditlaufzeiten

  • Banken verlangen einen höheren Sollzins, ihr zahlt also einen Aufschlag.
  • Möglicherweise verpasst ihr die Chance auf günstigere Konditionen, falls die Bauzinsen fallen.

Macht den Vergleich: "Zinsbindung: 10 Jahre, 15 Jahre oder länger?"

Beispielrechnung: Kurze vs. lange Sollzinsbindung

Der große Unterschied zwischen kurzen und langen Zinsfestschreibungen ist die Höhe des Sollzinses. Für eine Laufzeit über 20 oder 30 Jahre zahlt ihr einen Aufschlag. Folgende Tabelle zeigt exemplarisch drei Kreditvarianten.

Beispielrechnung 10, 20 und 30 Jahre Sollzinsbindung

  • Zinsbindung 10 Jahre
  • Zinsbindung 20 Jahre
  • Zinsbindung 30 Jahre
  • Kreditsumme
  • 200.000 Euro
  • 200.000 Euro
  • 200.000 Euro
  • Anfängliche Tilgung
  • 3 Prozent
  • 2 Prozent
  • 1,5 Prozent
  • Sollzinssatz
  • 2,4 Prozent
  • 2,9 Prozent
  • 3,2 Prozent
  • Monatsrate
  • 900 Euro
  • 816,67 Euro
  • 783,33 Euro
  • Restschuld nach Ablauf der Sollzinsbindung
  • 132.263,87 Euro
  • 91.752,16 Euro
  • 49.218,30 Euro

Beispielrechnung 10, 20 und 30 Jahre Zinsbindung

Nutzt einen Kreditfinder, um Angebote zu bekommen, die zu eurer finanziellen Situation passen.

Für wen eignet sich eine Zinsbindung bis 30 Jahre?

Lange Zinsbindungen eignen sich für alle, die gerne auf Nummer sicher gehen und nicht alle fünf oder zehn Jahre neu verhandeln möchten. Wer wenig risikobereit ist, erspart sich mit einer Dauerlösung viel Aufwand und Sorgen. Besonders bei hohen Kreditsummen und wenn euer finanzieller Spielraum klein ist, lohnt sich häufig eine Festschreibung über mehr als 15 Jahre. Die monatliche Rate fällt bei langen Laufzeiten geringer aus. Bedenkt grundsätzlich auch euer Alter: Seid ihr bereit, erst mit 70 oder 80 schuldenfrei zu sein?

Erfahrt hier alles, was ihr wissen müsst, wenn ihr euch langfristig günstige Bauzinsen sichern wollt.

Fazit: Zinsbindung 30 Jahre oder doch lieber kürzer?

Die wichtigste Entscheidungshilfe, wenn ihr zwischen einer kurzen und langen Laufzeit wählen müsst, ist der Blick auf die aktuelle Zinsentwicklung. Lest dazu auch: "Bauzinsen-Prognose: Wie entwickeln sich die Bauzinsen?"

Sind die Bauzinsen gerade hoch, es deutet aber alles auf ein sinkendes Zinsniveau hin? Dann bietet sich eine kurze Sollzinsfestschreibung an. So haltet ihr euch alle Optionen offen.

Stehen die Bauzinsen niedrig, sollen tendenziell aber steigen? In diesem Fall ist eine lange Zinsfestschreibung sinnvoll, um sich die guten Konditionen langfristig zu sichern.

Tipp: Lasst euch von unserem Kreditfinder die aktuell besten Angebote für euch suchen und von einem unserer Baufinanzierungsexperten beraten.

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