Blick auf einen Balkon
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Modernisieren | Ratgeber

Balkon nachträglich anbauen: Wie das geht und was es kostet

Deborah Hucht

Deborah Hucht

Level: Für Fortgeschrittene

Ein Balkon bietet mehr Lebensqualität und steigert den Wert eurer Immobilien. Ihn nachträglich anzubauen ist allerdings mit etwas Aufwand und Kosten verbunden. Wir zeigen auf, was ihr beachten und mit welchen Kosten ihr rechnen solltet.

Ihr spielt mit dem Gedanken, nachträglich einen Balkon an eurem Haus anzubauen? Super! Denn ein Balkon sorgt nicht nur für mehr Wohlgefühl, sondern steigert auch den Wert eurer Immobilie. Vor der Aufwertungsmaßnahme müsst ihr allerdings einige Punkte beachten. Die gute Nachricht vorweg: Der Aufwand hält sich in Grenzen.

Ohne Baugenehmigung kein nachträglicher Balkon

Bevor ihr das Projekt Balkon anbauen in Angriff nehmt, braucht ihr zunächst mal eines: eine Baugenehmigung. Diese ist deshalb so wichtig, weil euer Haus und dessen Erscheinungsbild maßgeblich verändert werden. Ein Balkon sollte außerdem stabil gebaut sein und dazu eine gewisse Statik aufweisen.

Wie für ein neu angebrachtes Balkongeländer auch, existieren für den Anbau eines Balkons bestimmte Vorschriften. Diese könnt ihr in den Landesbauordnungen einsehen. Wendet euch für den Antrag der Baugenehmigung an einen Architekten oder Bauingenieur. Diese Experten kennen sich mit der Statik aus und können euch fachkundig beraten. Sie helfen euch auch bei den nötigen Formularen.

Balkon-Anbau: Diese Möglichkeiten gibt es

In Bezug auf die Bauweisen von Balkonen stehen euch drei verschiedene Varianten zur Auswahl:

1. Der selbsttragende Vorstellbalkon

Der selbsttragende Vorstellbalkon steht – der Name lässt es schon vermuten – auf vier Stützen. Er ist an der Hauswand gesichert und damit vor dem Umfallen geschützt. Praktisch: Diese Bauweise erfordert keinen Statiker, der Einbau-Aufwand ist relativ gering.

2. Der teilselbsttragende Vorstellbalkon, auch Anbaubalkon

Der Anbaubalkon – auf Bau-Deutsch teilselbsttragender Vorstellbalkon – steht auf zwei Stützen. Er ist in der Hauswand verankert. Da hier andere Kräfte wirken als bei der vierbeinigen Balkon-Variante, benötigt ihr meist einen Statiker. Der Einbau ist meist aufwändiger als der eines komplett selbsttragenden Balkons.

3. Der Kragarmbalkon, auch freitragender Balkon

Der freitragende Balkon oder vielmehr der Kragarmbalkon wird an der Hauswand montiert – etwa durch Träger, die angebracht werden. Eine Variante ist ein sogenannter Nischenbalkon. Dieser wird in Häuserecken oder Nischen eingepasst und ist in der Regel eher klein.

Für die Planung und Umsetzung eines freitragenden Balkons benötigt ihr in jedem Fall einen Statiker. Und: Ihr solltet mit einem höheren Aufwand beim Einbau rechnen.

Der freitragende Balkon bietet sich vor allem an, wenn ihr ihn nicht auf dem Boden abstützen könnt. Zum Beispiel, wenn euer Haus in starker Hanglage steht oder unter dem geplanten Balkon ein Gewässer entlangfließt.

Balkon nachträglich anbauen: Welche Faktoren solltet ihr berücksichtigen?

Nicht nur der Balkon selbst, auch das "Drumherum" solltet ihr einmal betrachten und entsprechend Geld, Zeit und Fachmenschen dafür einplanen. Diese Faktoren spielen beim Balkon-Anbau ebenfalls eine Rolle:

1. Größe des Balkons

Bevor ihr überhaupt mit der Planung loslegt, fragt euch: Wofür wollt ihr euren Balkon nutzen? Als zweites Wohnzimmer mit Outdoorfeeling und dem Zeug dazu, als Urlaubsort zu dienen? Als Wintergarten mit reichlich Platz für Kübelpflanzen? Zum Grillen und/oder Chillen in der Sonne – auf eurem gemütlichen Liegestuhl? Zeichnet euch auf, was alles Platz haben soll auf eurem Anbau. Davon leitet ihr dann die Größe ab, die der Balkon haben soll.

2. Art des Geländers

Kann bei der Statik auch eine Rolle spielen: Das Geländer, mit dem ihr euren Balkon sichern wollt. Wie bereits erwähnt, gibt es zur Höhe und Bauweise einige Vorschriften, die ihr beachten solltet. Habt außerdem ein Auge darauf, wozu ihr ein Geländer benötigt. Lediglich als Fallschutz? Oder auch als Wind- und Sichtschutz? Wollt ihr neugierige Blicke abwehren, dann wählt am besten relativ hohe und massive Geländer, zum Beispiel aus Glas in Metallrahmen.

3. Ort und Art der Balkontür

Überlegt euch, von welchem Raum aus ihr euren nachträglich angebauten Balkon betreten wollt. Es gibt Drehflügeltüren, Drehkipptüren und faltbare Türen oder Hebe-Schiebetüren. Fragt euch: Wofür habe ich Platz? Achtet außerdem auf die Höhe des Rahmens – der kann sich nämlich als Stolperfalle erweisen. Beachtet außerdem, wie aufwändig der Durchbruch und Einbau einer Tür an eurer Wunsch-Stelle wären. Muss eine Heizung abgebaut werden? Müsst ihr ein Fenster austauschen lassen? Passt die Aufteilung des an den Balkon angrenzenden Raumes?

Was kostet der Anbau eines Balkons?

Ihr seht: Wer einen Balkon nachträglich anbauen möchte, hat viele Möglichkeiten. Dementsprechend schwierig ist es, die Kosten dafür zu schätzen. Je nachdem, welche Art von Balkon ihr bauen wollt und für welche Anbauteile ihr euch entscheidet, schwankt der Preis. Ihr solltet mindestens jedoch 10.000 Euro gespart haben, um für Material, Einbau sowie Geländer und Tür aufzukommen.

Balkon nachträglich anbauen: Stelzen sind deutlich günstiger

Der selbsttragende Vorstellbalkon lässt sich schon mit Material für rund. 3.000 Euro umsetzen. Für diese Variante gibt es auch montierfertige Bausätze ab etwa 800 Euro. Wählt ihr die teiltragende Variante, solltet ihr mit etwa 1.000 Euro mehr rechnen. Der freitragende Kragarmbalkon schlägt mit etwa 6.000 Euro zu Buche.

Beim Einbau schwanken die Kosten stark, je nachdem wo ihr wohnt und wie gut dort die Verfügbarkeit von Handwerkern ist. Gerade der Kragarmbalkon ist aufwändig beim Einbau. Die anderen Varianten könnt ihr spürbar günstiger realisieren.

Was kostet eigentlich ein Balkongeländer?

Auch die Preise von Balkongeländern variieren stark. Ausführung, Größe und Montage-Art bestimmen hier, wie viel ihr zahlt. Denn: Baut ihr das Geländer selbst an, kommt ihr natürlich günstiger weg, als wenn der Fachmensch zur Tat schreitet. Und klar – je größer euer Balkon, desto mehr müsst ihr auch für das Material des Geländers zahlen. Apropos Material: Wählt ihr ein edles Design-Geländer aus Glas oder Gusseisen, zahlt ihr schnell über 80 Euro pro Meter. Greift ihr eher zur Alu- oder Kunststoff-Ausführung, wird es deutlich günstiger. Achtung: Alle Geländer müssen als Balkongeländer zugelassen sein, also den Landesbauverordnungen entsprechen.

Lest hier mehr dazu, was ihr beachten müsst, wenn ihr ein Balkongeländer anbringen wollt.

Was kostet der Zugang zum Balkon?

Auch hier kommt es darauf an, für welche Variante ihr euch entscheidet. Fakt ist: Wer einen Balkon nachträglich anbauen möchte, braucht dafür auch einen Zugang, sprich: eine Tür.

Die einfache Drehflügeltür wird in der Regel aus Kunststoff gefertigt und ist bereits ab 300 Euro erhältlich. Wer einen Balkon-Anbau aus Holz wählt und die Tür entsprechend dazu kaufen möchte, legt etwa das Doppelte hin. Eine einfache Drehkipptür bekommt ihr für etwa 250 Euro. Die Kunststoff-Modelle von Hebe-Schiebetüren liegen bei etwa 800 Euro. Die faltbare Ausführung beginnt bei knapp über 1.000 Euro.

Für Wanddurchbruch und Einbau solltet ihr noch einmal ein bis zwei Arbeitstage eines Handwerkers einkalkulieren. Rechnet mit etwa 300 Euro für das Aufstemmen der Wand und den Türeinbau. Weitere 200 Euro fallen an, wenn ihr eine Heizung an- oder abbauen lassen müsst. Dazu kommen noch Fahrtkosten und – wenn nötig – Lieferkosten für die Materialien.

Wenn ihr euch professionelle Hilfe holt, seid ihr zwei weitere Sorgen los: 1. Das Aufräumen und Entsorgen des Schutts übernimmt meist der Handwerker. 2. Auf den Einbau gibt es eine Gewährleistung: Wenn sich also etwas verziehen sollte oder im Winter nicht dicht ist, seid ihr auf der sicheren Seite.

Ihr seht: Gut geplant, ist schon halb gebaut. Wenn ihr wisst, was ihr wollt und entsprechend Geld auf der Seite liegen habt, könnt ihr das Projekt nachträglich angebauter Balkon in ein bis zwei Wochen umsetzen. Und euch dann mit den schönen Dingen befassen – wie etwa der Balkon-Gestaltung oder aber der ersten Grillparty auf dem neuen Balkon!

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