Fassade eines Wohnhauses mit freitragenden Balkonen
© Getty Images/iStockphoto

Bauen | Ratgeber

Kragarmbalkon: Alles über Aufbau und Kosten eines freitragenden Balkons

Dirc Kalweit

Der Kragarmbalkon ist die klassische Balkonvariante ohne Stützen. Der elegante und freitragende Balkon hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile, auf die wir eingehen möchten. Dazu erläutern wir die Konstruktion und nennen alle Kosten für den (An-)Bau eines Kragarmbalkons.

Der Kragarmbalkon ist die klassische Balkonvariante, die auch heute noch, zumindest im Neubau, gebräuchlich ist. Was genau ein Kragarmbalkon ist, welche Vorteile und Nachteile er hat, was er kostet und für wen sich so ein freitragender Balkon lohnt, das klären wir hier.

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Was ist ein Kragarmbalkon?

Ein Kragarmbalkon ist ein sich selbst tragender Balkon. Er ist die Verlängerung der Bodenplatte des jeweiligen Stockwerks und kommt ohne zusätzliche Stützen oder einer Fixierung an der Fassade aus.

Bei Holzbalkendecken "kragen" die Tragbalken für den Balkon aus der Fassade hervor. Bei Betondecken bildet eine verlängerte Ausbuchtung die Bodenplatte des Balkons.

Der "Schwebezustand" eines Kragarmbalkon macht ihn optisch sehr ansprechend. Die Eleganz geht aber leider auf Kosten einer sehr aufwendigen Konstruktion. So ein Balkon muss Belastungen von mehreren hundert Kilo pro Quadratmeter aushalten. Da es, wie bereits gesagt, keine zusätzliche Befestigung gibt, ist die Statik hier entscheidend – und im Bau entsprechend teuer.

Schematische Darstellung eines Kragarmbalkons
Beim Kragarmbalkon wird die Platte der Geschossdecke verlängert. Sie kragt nach vorne aus, zusätzliche Stützen gibt es nicht. © wohnglück.de/A. Eigel

Kragarmbalkon mit Stützen

Eine Variante des Kragarmbalkons ist der Hängebalkon, auch unter vorgehängter oder hängender Balkon zu finden. Auch hier gibt es eine auskragende Bodenplatte. Deren Gewicht wird aber zusätzlich noch durch an der Fassade befestigte Traversen gestützt. Dieses Verbindungsstück nimmt dem Balkon einen Teil seiner Last ab.

Die Traversen gibt es dabei in den verschiedensten Varianten, zum Beispiel als Zugstangen oder auch Säulen. Sie können deutlich sichtbar sein, sich aber auch dezent verstecken.

Kragarmbalkon mit Stützen: Schmematische Darstellung eines hängenden Balkons
Bei einem Kragarmbalkon mit Stützen wird die Last der Bodenplatte teilweise von den Traversen getragen. © wohnglück.de/A. Eigel

Wann werden selbst tragende Balkone gebaut?

Der Bau eines Kragarmbalkons ist immer dann sinnvoll, wenn der Platz unterhalb des Balkons frei bleiben muss. Das ist zum Beispiel bei Gehwegen und Einfahrten der Fall. Auch bei Treppenabgängen und Hauseingängen sowie über Stellplätzen ist meist kein Platz, um den Balkon zusätzlich abzustützen.

Freitragender Balkon beim Neubau

Beim Neubau sind ­freitragende Balkone gerade in Innenstadtlagen immer noch gefragt. Geschäfte, Gehwege und Zufahrten lassen meist keinen Platz für eine Balkonvariante mit Stützen – gerade dann nicht, wenn die Balkone zur Straße hin ausgerichtet sind.

Dafür lassen sich freitragende Balkone im Neubau bis zu einer Tiefe von drei Metern problemlos realisieren. Bei einer entsprechenden Breite gibt es also eine Menge an Zusatzfläche. Und auch die Wärmebrücken, größter Schwachpunkt bei älteren Kragarmbalkonen, sind durch moderne, punktuell eingesetzte Wärmedämmelemente heutzutage kein Problem mehr.

Freitragenden Balkon nachträglich anbauen

Der nachträgliche Anbau eines Kragarmbalkons an ein bestehendes Gebäude ist eine ziemlich große Herausforderung. Erst nach einer gründlichen Überprüfung der Altbausubstanz lässt sich sagen, ob der Anbau eines selbsttragenden Balkons überhaupt möglich ist.

Der Check dafür ist ziemlich aufwendig. Ihr müsst Wände und Decken auf ihre Festigkeit prüfen (oder prüfen lassen). Und nur ein Statiker kann euch verlässlich sagen, welche Balkongröße überhaupt machbar ist.

Ihr sucht noch nach anderen Möglichkeiten, einen Balkon nachträglich anzubauen? Dann schaut euch gern diesen Artikel dazu an:

Die Vorteile eines Kragarmbalkons

Nicht umsonst gehört(e) der Kragarmbalkon über Jahrzehnte zu den beliebtesten Balkonarten:

  • Aussehen: Kragarm klingt technisch, freitragend viel schöner. So ein Balkon schwebt frei über der Fläche. Das sieht filigran aus und schmeichelt dem Auge.
  • Einsatzmöglichkeit: Drunter tobt das Leben, drüber schwebt der Balkon. Selbst bei hochfrequentierten Verkehrsflächen lässt sich ein Kragarmbalkon dank seines Konstruktionsprinzips einsetzen.
  • Fläche: Zumindest beim Neubau lässt sich durch einen selbsttragenden Balkon noch einiges an Zusatzfläche erreichen, kann die auskragende Platte doch bis zu drei Meter tief sein.

Die Nachteile eines Kragarmbalkons

Schön ist er schon. Aber leider hat diese Balkonvariante auch einige gravierende Nachteile:

Hoher Preis: Bedingt durch das Konstruktionsprinzip gibt es beim Kragarmbalkon hohe Anforderungen an die Bausubstanz und die Statik. Und das geht automatisch ins Geld.

Wärmebrücke: Gerade bei älteren Kragarmbalkonen bildet die Verlängerung der Bodenplatte einen echten Schwachpunkt bei der Wärmedämmung. In vielen Fällen besteht sogar die Gefahr, dass sich der Kondensationspunkt nach innen verlagert. So kommt es zu Schwitzwasser und im schlimmsten Fall sogar zu Schimmelbildung.

Sanierungskosten: Ist so ein Kragarmbalkonn erst einmal marode, wird eine Sanierung schwer und teuer. Ist zum Beispiel die Tragplatte oder gar deren Armierung angegriffen, hilft meist nur eine Komplettsanierung.

Was kostet ein Kragarmbalkon?

Wie gesagt: Bedingt durch das Konstruktionsprinzip der auskragenden Bodenplatte ist ein Kragarmbalkon recht teuer. Als Daumenwert gelten rund 1.500 Euro pro Quadratmeter, für ein Basismodell müsst ihr mit mindestens 5.000, eher noch 6.000 Euro rechnen.

Und nicht vergessen: Dazu kommen noch die Kosten für den Statiker (beim nachträglichen Anbau), das Geländer und den Bodenbelag.

Fazit: Für wen lohnt sich ein Kragarmbalkon?

Der Bau eines Kragarmbalkons ist in der Regel vom Standort abhängig. Wenn sich unter dem Austritt ins Freie Wege, Zufahrten oder andere Flächen befinden, die frei bleiben müssen, dann ist der selbsttragende Balkon die einzige Wahl.

Im innerstädtischen Neubau ist das auch heute noch oft der Fall. Ansonsten gibt es andere Balkonarten, die vor allem deutlich günstiger sind.

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