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Wohnen | Ratgeber

Ameisen in der Küche: So werdet ihr sie schonend los

Antonia Eigel

Ameisen sind auch bekannt als Wald- und Gartenpolizei, in der Küche werden sie jedoch zu unliebsamen Dieben, die sogar bauliche Schäden verursachen können. Wir geben euch Tipps, wie ihr vorbeugend handeln und Ameisen schonend beseitigen könnt.

Sie sind bekannt als die "Wald- und Gartenpolizei" und übernehmen wichtige Aufgaben in unserem Ökosystem, in der Küche werden die hoch angesehenen Ameisen aber schnell zum unliebsamen Dieb und Zerstörer, den man oft schwer wieder los wird.

Damit es gar nicht so weit kommt, nennen wir euch Ursachen für die Ameisenplage in der Küche und Methoden, wie ihr vorbeugend handeln könnt. Zudem geben wir Tipps, wie ihr die lästigen Insekten gesundheitsschonend wieder nach draußen befördern könnt. Dazu gehen wir der Frage auf den Grund, wann Hausmittel wirklich helfen können, warum manches Backpulver im Einsatz gegen Ameisen unwirksam ist und warum ihr unbedingt vom Gebrauch von Ameisengift absehen solltet.

Ursachen für Ameisen in der Küche

Auf dem Speiseplan von Ameisen steht bevorzugt zucker- und eiweißhaltige Nahrung. Dazu gehören neben toten Insekten und Larven auch Früchte, Pflanzensäfte, Samen oder Honigtau von Blattläusen.

Aber auch die Küche ist für Ameisen das reinste Paradies. Lebensmittel können Zucker- und Eiweißlieferanten sein, mit denen sie den Ameisenbau versorgen können. Einige Nahrungsquellen sind besonders anziehend für Ameisen:

  • überlaufende oder undichte Mülleimer
  • Lebensmittelreste
  • verschüttete zuckerhaltige Flüssigkeiten
  • Feuchtigkeit

Hat die erste Ameise, oft auch als Späher bezeichnet, einmal den Weg in die Küche entdeckt, dauert es nicht lange, bis ihr weitere folgen. Auch vor Elektrogeräten machen Ameisen keinen Halt. Bevölkern sie Toaster oder Wasserkocher, kann sogar ein Kabelbrand ausgelöst werden. Da Ameisen sich sowohl über Vorräte als auch Elektrogeräte hermachen, spricht man auch von Vorrats- oder Materialschädlingen.

Ameisen in Kekstüte
Eine offene Kekstüte auf dem Küchentisch reicht oft schon aus, um Ameisen in der Küche anzulocken. © Getty Images/iStockphoto

Vorbeugen: Die effektivste Methode gegen Ameisen in der Küche

Kammerjäger, die Verbraucherzentrale Hamburg und auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sind sich einig: Damit Ameisen gar nicht erst in die Küche kommen, solltet ihr präventiv handeln.

Mit diesen umweltschonenden Maßnahmen könnt ihr vorbeugend gegen Ameisen in der Küche vorgehen:

  1. Verschließt Ritzen und Löcher mit Gips, Kitt oder Klebeband.
  2. Bewahrt Lebensmittel gut verschlossen auf, das gilt auch für Lebensmittel im Kühlschrank.
  3. Beseitigt Essensreste und räumt schmutziges Geschirr sofort weg.
  4. Verschließt den Mülleimer richtig und leert ihn regelmäßig aus. Vor allem Biomüll zieht Ameisen an.
  5. Verschließt Vorräte sicher in Gefäßen mit Gummidichtung im Deckel.
  6. Fressnäpfe von Haustieren solltet ihr nur bei Bedarf aufstellen.
  7. Topfpflanzen, die ihr vom Garten in die Wohnung umsiedelt, solltet ihr vorher auf einen Ameisenbefall hin untersuchen.
  8. Pflanzenwuchs am Haus begünstigt den Einstieg für Ameisen ins Haus. Entfernt also lange Äste, die die Hauswand berühren oder die ungewollte Fassadenbegrünung an der Hausfassade.

Habt ihr bereits eine Ameisenplage in der Küche, helfen euch vielleicht unsere folgenden neun Tipps, die ihr zusätzlich zu den Maßnahmen ausprobieren könnt.

9 Tipps, wie ihr Ameisen aus der Küche vertreiben könnt

Statt gleich zur Chemiekeule zu greifen, empfehlen viele Fachfirmen für Schädlingsbekämpfung lieber gesundheitsschonende ökologische Mittel einzusetzen. Im Netz findet ihr außerdem unzählige Hausmittel-Tricks, die ihr gegen Ameisen in der Küche ausprobieren könnt, nicht alle sind jedoch gleichermaßen wirksam.

1. Ameisenart bestimmen

Damit ihr Ameisen langfristig bekämpfen könnt, ist es wichtig, zunächst die Ameisenart zu bestimmen. So könnt ihr deren Lebens- und Nahrungsgewohnheiten feststellen und entsprechend handeln.

In Deutschland existieren über 100 verschiedene Ameisenarten. Eine hilfreiche Übersicht zur Identifikation von Ameisenarten findet ihr auf der Website der Firma Rentokil, die auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert ist.

2. Ameisenstraße verfolgen und Nahrungsquellen beseitigen

Oftmals hilft es auch schon, das Ziel der Ameisenstraße in der Küche ausfindig zu machen. Habt ihr die Nahrungsquelle entdeckt, solltet ihr diese umgehend beseitigen und verschlossen aufbewahren. Das gilt besonders für zuckerhaltige Lebensmittel und Flüssigkeiten.

Ist die Nahrungsquelle erst einmal beseitigt, drehen bald auch die Ameisen wieder ab und machen sich auf die Suche nach neuen Nahrungsquellen.

3. Ameisenstraße mit natürlichen Ködern umleiten

Da Ameisen zucker- und eiweißhaltige Lebensmittel lieben, könnt ihr versuchen, sie mit ein paar Ködern von ihrer ursprünglichen Route wegzulocken. Das gelingt am besten mit kleinen Fallen aus Zuckerlösung, Sirup oder Honig.

4. Bei geringem Befall zunächst Löcher und Ritzen verschließen

Hält sich der Befall durch Ameisen in der Küche noch im Rahmen, könnt ihr auch erst einmal versuchen Löcher und Ritzen zu verschließen und sie so vorm Eindringen hindern.

5. Starke Gerüche stören den Orientierungssinn der Ameisen

Ameisen sind sehr geruchsempfindlich und kommunizieren hauptsächlich über Duftstoffe, wie zum Beispiel Pheromone, mit deren Hilfe sie ihre Laufwege koordinieren und optimieren können. So entstehen auch die typischen Ameisenstraßen, die sich dann durch eure Küche schlängeln.

Der ausgeprägte Geruchssinn ist für sie jedoch Segen und Fluch zugleich, denn viele Gerüche verabscheuen die kleinen Vorrats- oder Materialschädlinge, da er sie orientierungslos macht.

Folgende Düfte empfinden Ameisen als besonders unangenehm. Mit ihnen lassen sich Ameisen aus der Küche vertreiben:

  • Knoblauch
  • Zimtpulver oder -stangen
  • Eukalyptus
  • Lorbeer- und Wacholderblätter
  • Lavendelblüten- oder -öl
  • Farnkraut
  • Gewürznelken
  • Kräuter wie Thymian, Kerbel, Majoran
  • Tausendgülden- und Zitronenkraut

Da sich die Gerüche schnell verflüchtigen können, solltet ihr eure ausgelegte Spur regelmäßig auffrischen, um die Ameisen langfristig loszuwerden.

Zimtstange auf Fensterbrett zur Bekämpfung von Ameisen in der Küche
Der Geruch von Zimt soll Ameisen abschrecken. Ihr könnt sie in Form von Stangen oder als Pulver entlang der Ameisenstraße verteilen. © Getty Images/iStockphoto

6. Küchenboden mit Essig reinigen

Ein beliebtes Hausmittel, um von Ameisen befallene Flächen zu reinigen, ist ein Essig-Wasser-Gemisch. Ameisen meiden den starken Essiggeruch und die Duftspur entlang der Ameisenstraße wird zerstört. So verlieren die Ameisen in der Küche die Orientierung. Für einen langfristigen Erfolg solltet ihr die betroffenen Flächen mehrfach mit dem Essig-Wasser-Gemisch reinigen.

7. Bei starkem Ameisenbefall den Fachmann konsultieren

Haben die Ameisen sich nicht nur in der Küche breit gemacht, sondern bereits angefangen Nester in Wand-, Boden und Deckenbereich zu bauen, solltet ihr unbedingt einen IHK-geprüften Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung sowie einen Bausachverständiger hinzuziehen.

Einige Ameisenarten können Mauerwerk und verbaute Hölzer stark beschädigen und großflächig zerstören, so zum Beispiel Holzameisen. Dabei kann ein großer finanzieller Schaden entstehen, wenn nicht umgehend und fachgerecht gehandelt wird.

8. Bei wiederkehrendem Befall Schwachstellenanalyse durchführen

Finden die Ameisen immer wieder ihren Weg in die Küche zurück, solltet ihr unbedingt eine bauliche Schwachstellenanalyse durch einen Fachmann durchführen lassen.

9. Ameisenvolk vollständig umsiedeln

Wenn sich das Ameisennest zu nah an eurem Haus befindet, könnt ihr es auf schonende Weise umsiedeln. Dazu benötigt ihr:

  • einen großen Tontopf
  • Garten-Holzwolle
  • einen Streifen Klebeband

Den großen Tontopf befüllt ihr mit etwas Garten-Holzwolle und stülpt ihn anschließend über das Ameisennest, das ihr umsiedeln möchtet. Nach circa zwei Wochen sind die Ameisen in den Topf übergesiedelt. Verschließt anschließend das Loch im Tontopf mit dem Klebeband und transportiert ihn zu einer geeigneten Stelle, die weit genug vom Haus und der Küche entfernt liegt.

Wie ihr die Ameisen richtig umsiedelt, könnt ihr euch in diesem Video noch einmal genauer anschauen:

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Helfen Haushaltsmittel wie Backpulver wirklich gegen Ameisen in der Küche?

Im Netz findet man neben dem Einsatz von Kräutern und ätherischen Ölen unzählige weitere Haushaltsmittel wie Kreidestaub (verstopft Atemwege und ist somit Hindernis), Klebeband (unterbricht Duftspur) oder Zitronensaft, die zur Bekämpfung von Ameisen in der Küche hilfreich sein sollen. Wie wirksam die Mittelchen sind, hängt jedoch auch von der Ameisenart ab, die ihr bekämpfen wollt und wie regelmäßig ihr sie einsetzt.

Und auch beim Einsatz vom Backpulver gehen die Meinungen auseinander: Bei den einen klappt es, bei den anderen nicht. Das kann verschiedene Gründe haben:

  • Nur Backpulver mit Natriumhydrogencarbonat, also Natron, soll wirksam sein. Manche Hersteller ersetzen den Stoff jedoch mit Caliumhydrogencarbonat, der nicht die gleiche Wirkung erzielt.
  • Nicht alle Ameisen springen auf Backpulver an. In einem Experiment fand das Umweltbundesamt heraus, dass sich zum Beispiel Pharaoameisen nicht mit dem Hausmittel Backpulver bekämpfen lassen.

Der Einsatz von Backpulver oder Natron ist außerdem umstritten. Oftmals ist die Rede davon, dass die Ameisen nach Verzehr einen qualvollen Tod erleiden und platzen. Bei letzerer Annahme handelt es sich aber um einen Mythos. Das fanden US-amerikanische Wissenschaftler 2004 in einem Experiment mit Ameisen heraus.

Verzicht auf Ameisengift schützt Mensch und Ameise

Im effektiven Kampf gegen Ameisen in der Küche ist der Einsatz von Ameisengift oft naheliegend. Das Gift enthält jedoch für Mensch und Umwelt gefährdende Inhaltsstoffe, weshalb wir euch aus mehreren Gründen dringend davon abraten, solche Biozide oder Insektizide einzusetzen:

  • Laut Naturschutzbund verenden nicht nur die Ameisen selbst am Ameisengift: Durch den Transport zum Ameisennest gelangen die Giftstoffe auch in den Garten. Folglich sterben daran auch Nützlinge und Insekten wie Bienen, Käfer, Schwebfliegen oder Falter. Auch gelangt das Gift in den Ameisenbau und kann so sogar ein ganzes Nest ausrotten.
  • Ameisen verteilen dazu unbemerkt das ausgestreute Gift in der ganzen Küche sowie auf Lebensmitteln. Für das menschliche Auge ist das aber nicht unbedingt sichtbar. Beim Verzehr oder Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln kann das laut verschiedener Hersteller zu Vergiftungen oder Hautreizungen führen. Besonders, wenn ihr Kleinkinder zuhause habt, solltet ihr auf keinen Fall Ameisengift in Küche und Wohnung einsetzen.
  • Auch von Sprays solltet ihr die Finger lassen, da sich die giftigen Inhaltsstoffe in der Raumluft verteilen und so in die Atemwege gelangen können.

Bei Verschlucken und Inhalieren größerer Mengen Ameisengift empfehlen Hersteller sofort eine Giftinformationszentrale zu kontaktieren und einen Arzt aufzusuchen. Eine Liste der Giftnotrufzentralen und Giftinformationszentren in Deutschland, Österreich und Schweiz findet ihr auf der Seite vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Fazit zur Bekämpfung von Ameisen in der Küche

Generell gilt im Kampf gegen Ameisen in der Küche: Vorbeugen ist die schonendste Art gegen einen möglichen Befall vorzugehen. Habt ihr die Ameisen jedoch bereits in der Küche, versucht sie mit natürlichen Mitteln wieder aus der Wohnung zu vertreiben, Löcher zu verschließen oder sogar das Ameisennest vollständig umzusiedeln.

Bei einem unkontrollierbaren Ameisenbefall empfehlen wir euch, einen IHK-geprüften Schäldingsbekämpfer zu beauftragen. Haben Holzameisen bereits die Bausubstanz angegriffen, solltet ihr außerdem einen Bausachverständiger dazuholen.

Von Ameisengift, -ködern und -sprays raten wir euch ab. Sie können nicht nur ganze Ameisenvölker ausrotten, sondern auch euch selbst gefährden, da die Ameisen das Gift in der ganzen Küche auf den Lebensmitteln verteilen können. Bei Sprays besteht die Gefahr, dass ihr giftige Inhaltsstoffe einatmet. In diesem Fall solltet ihr euch an eine lokale Giftinformationszentrale wenden und einen Arzt aufsuchen.

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