Susanna Hagin in ihrem Tiny House
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Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Susanna und ihr Zinipi

Vor zweieinhalb Jahren zog Susanna mit ihrem Tiny House ins Tiny House Village nach Mehlmeisel und machte dort ihrem Traum vom Tiny Wohnglück wahr. Doch der Traum platzte und Susanna kann ihr Tiny House derzeit leider nicht mehr bewohnen.

Vor neun Jahren fand sich Susanna nach einer Trennung allein in einem 120 Quadratmeter großen Haus in Witten wieder. Sie fühlte sich dort nicht mehr wohl, das Haus war ihr zu groß. Die Osteopathin fing an, sich von überflüssigen Sachen zu trennen und begab sich auf die Suche nach einer neuen Wohnform.

Susanna stieß im Internet auf Tiny Houses und suchte über ein Jahr lang nach einem Stellplatz – erfolglos. Ihr war klar, dass sie zunächst ein Grundstück brauchte, bevor sie sich ein Minihaus kaufen könnte. Auch auf das Tiny House Village war sie gestoßen, aber dort wollte sie eigentlich nicht hin, weil sie keine Lust auf Campingplatz und Enge hatte. Aber dann besuchte sie dort das Sommerfest und war begeistert.

Ende 2018 zog die heute 66-Jährige dann ins Tiny House Village in Mehlmeisel. Dort lebte sie erst in einem Wohnwagen, im Mai 2019 zog sie dann in ihr eigenes, 24 Quadratmeter großes Tiny House auf einem 150 Quadratmeter großen Pachtgrundstück im Tiny House Village. Für das musste sie monatlich knapp 300 Euro bezahlen, dazu kamen Nebenkosten für Wasser und Strom in Höhe von etwa 50 Euro. Das alte 120 Quadratmeter große Haus hatte sie verkauft.

Tiny House aus mondgeschlagenem Holz

Ihr Tiny House hat sich Susanna nach einem Probewohnen für etwa 80.000 Euro vom Hersteller Zinipi anfertigen lassen. Es ist ein Vollholzhaus aus mondgeschlagenem Holz und hat eine Wand aus Zirbenholz.

Auf der acht mal drei Meter großen Grundfläche gibt es nur eine Trennwand für das Bad. Ansonsten ist der Raum offen. Neue Räume ergeben sich durch das Stellen der Möbel. So hat Susanna die Küche vom Wohnzimmer mit einem Bücherregal als Raumteiler abgetrennt. Das Wohnzimmer mit ausziehbarer Schlafcouch und Bullauge dient nachts als Schlafzimmer. Herzstück ist die große Küche mit dem Holzofen, denn Susanna kocht leidenschaftlich gerne.

Das Tiny House steht auf fünf Schraubfundamenten. Es wiegt acht Tonnen und ist per Tieflader und Kran transportierbar. Neben dem Holzofen sorgt eine Lüftungsanlage für ein gutes Raumklima.

Gekündigter Pachtvertrag beendet das Tiny Wohnglück

Im Juni 2020 wurde Susanna der Pachtvertrag gekündigt, so dass sie einen neuen Platz für ihr Zinipi finden musste. "Glücklicherweise bot mir mein Tiny-House-Hersteller einen vorübergehenden Platz auf seinem Betriebsgelände an", erzählt sie. Dort steht das Tiny House noch immer.

Wohnen darf Susanna dort auf Grund von behördlichen Auflagen leider nicht. Ihr wurde ein anderes Grundstück angeboten, aber darauf durfte sie nach sechsmonatiger Entscheidungsfindung des zuständigen Landratsamtes ihr Tiny House dann doch nicht aufstellen, obwohl der Gemeinderat schon zugestimmt hatte.

Deshalb wohnt sie nun seit Januar wieder in einer Wohnung.

5 Fragen an Tiny-House-Bewohnerin Susanna

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Die Idee, klein zu wohnen, hatte ich schon zu meinen Studentenzeiten. Ich habe sie jedoch wieder vergessen. Bis ich 2015 auf einer Veranstaltung Simon kennenlernte, der in einem ausgebauten Hanomag lebte. Von da an ließ mich das Thema "klein wohnen" nicht mehr los.

Meine Reise begann: Ich habe angefangen, mich von überflüssigen Sachen zu trennen und ich suchte nach neuen Lebensformen für mich. Ich stieß auf Vanlife und auf Tiny Häuser und später auf das Tiny House Village. 2018 war ich ganz spontan auf dem Sommerfest dort, habe im Herbst dort probegewohnt und da es für beide Seiten passte, bin ich noch im Winter nach Mehlmeisel gezogen. Erst mit einem Wohnwagen. Im Mai 2019 kam dann mein Haus.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Hürden gab es im Tiny House Village ja keine. Die kamen erst, als mir dort der Pachtvertrag gekündigt wurde und ich ein neues Grundstück suchen musste. Nach gründlicher Planungsphase für ein Baugrundstück, positiver Bauvoranfrage und positivem Beschluss der zuständigen Gemeinde hat das zuständige Landratsamt, obwohl alle gestellten Auflagen erfüllt waren, im Februar 2021 das Aufstellen meines Zinipis abgelehnt. Nach einem Jahr Suche habe ich das Projekt erst mal entnervt gestoppt und lebe jetzt in einer Mietwohnung.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Ich hatte keine – mir hat es super viel Spaß gemacht und ich bin mega traurig, dass ich nicht mehr in meinem Haus leben kann.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Mir gefällt die Konzentration auf das Wesentliche. Kein Schnickschnack. Mich hat diese Wohnform dazu gebracht im Innen, allerdings sichtbar im Außen, aufgeräumter zu sein.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House bauen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Am Haus selbst gar nichts, denn ich bin immer noch (obwohl ich es nicht bewohnen kann) verliebt in mein Zinipi. Was ich anders machen würde: Ich werde mich nicht mehr auf mündliche Zusagen verlassen.

Das bezieht sich auf meinen Pachtvertrag im Tiny House Village. Obwohl es eine mündliche Zusicherung gab, dass der Vertrag nach einem Jahr verlängert wird, ist mir ohne Begründung gekündigt worden. Hätte ich das geahnt, wäre ich in dieses Projekt nie eingestiegen. Das war ja letztendlich 2020 auch das Aus für viele andere Mitbewohner. Sie hatten zwar einen unbefristeten Vertrag, jedoch keinerlei Kündigungsschutz im Sinne von "das sind die Bedingungen, unter denen der Vertrag aufgelöst wird". Die Kündigungen von Seiten der Betreiber waren absolut willkürlich und fußten auf persönlichem Gut- oder Schlechtdünken.

Susannas Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Prüft Verträge gründlich. Haltet Absprachen schriftlich fest und vertraut eurem Bauchgefühl. Es hat immer Recht.

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