Zirbe an der Baumgrenze
© ÖBf Archiv/ Franz Pritz

Wohnen | Listicle

Wunderbaum Zirbe? 5 Fragen & Antworten zum Holz der Zirbe

Jan Krutzsch

Beruhigend, kreislaufentlastend, bakterienhemmend – für manche ist Zirbenholz ein wahres Allheilmittel. Aber stimmt das auch? Wir haben fünf Fragen und Antworten über das Holz der Zirbe für euch gesammelt.

Um Zirbenholz und seine Wirkung ranken sich allerlei Legenden. Das Holz der Zirbe soll angeblich für einen besseren Schlaf, eine niedrigere Herzfrequenz und einen stabileren Kreislauf sorgen. Wir haben uns mal für euch auf die Suche nach Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen rund um den Wunderbaum Zirbe gemacht.

Kurzer Zirben-Steckbrief

Die Zirbe (oder Zirbelkiefer) wächst nur im Hochgebirge, hauptsächlich in den westlichen Zentralalpen. Die wohl auffälligste Eigenschaft der Zirbe ist ihr aromatisch duftendes Holz. Der Baum hat aber noch weitere Besonderheiten:

  • Zirben werden zwischen 200 und 400 Jahre alt.
  • Je nach Standort können die Bäume bis zu 30 Meter hoch werden.
  • Die Rinde ist in der Jugend glatt und von silber-graugrüner Farbe.
  • Alle sechs bis zehn Jahre blüht die Zirbe in der Zeit von Mai bis Juli.

Soweit die Fakten. Aber was hat es mit dem Mythos um das Zirbenholz auf sich? Hat es tatsächlich eine positive Wirkung auf den Menschen?

1. Was macht Zirbenholz so besonders?

Eine Besonderheit des Zirbenholzes: Es kommt aus dem Hochgebirge, also aus Höhenlagen von über 1.500 Metern. Vor allem in Österreich wird mit der Zirbe Forstwirtschaft betrieben. Das Holz ist aufgrund der Höhenlage schwer zu schlagen. Und wegen des langsamen Wuchses ist es auch eine forstwirtschaftlich recht teure und seltene Ressource.

Forstwirtschaft im Gebirge - auch Zirben werden verarbeitet
Die Zirbe wird – ebenso wie andere Kiefernarten – forstwirtschaftlich genutzt. Vor allem in Österreich und in den westlichen Alpen wird Zirbenholz geschlagen. © iStock - Goran Stimac

2. Was kostet Zirbenholz & warum ist es so teuer?

Zirbenholz ist deshalb so teuer, weil es recht selten ist und wie beschrieben nur in großen Höhen wächst. Ein Kubikmeter Zirbenholz kostet im Großhandel zwischen 1.000 und 1.300 Euro, während herkömmliches Kiefernholz bereits ab etwa 400 Euro zu haben ist.

Zirbe im Schnee
Zirben können bis zu Minus 43 Grad Celsius aushalten, 1.000 Jahre alt werden und wachsen bis in Höhen von 2.900 Metern. © iStock

3. Gibt es Beweise für die gesundheitsfördernde Wirkung von Zirbenholz?

Die Wissenschaft streitet noch darüber, welche Wirkung Zirbenholz auf den Menschen hat. Es gibt dazu nicht besonders viele Studien, eine davon ist der Forschungsbericht des Joanneum Research Institutes für nichtinvasive Diagnostik (PDF). Er bestätigt die gesundheitsfördernde Wirkung.

Dieser Bericht wird aber von anderen Wissenschaftlern kritisch betrachtet. Ihr Hauptkritikpunkt: An der Studie nahmen nur 15 Personen teil. Zu wenige, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen.

Die Europäische Gesellschaft für Gesundes Bauen und Innenraumhygiene (EGGBI) weist dagegen darauf hin, dass für Allergiker und Chemikaliensensitive (MCS) gerade Zirbenholz auf Grund des kieferntypischen, natürlich hohen Terpengehaltes ein nicht zu unterschätzendes Belastungsrisiko darstellen kann.

4. Fördern Zirbenholzmöbel den Schlaf?

Zirbenholz enthält viel Pinosylvin. Pinosylvin ist ein ätherisches Öl und befindet sich sowohl im Holz als auch in den Nadeln und im Harz verschiedener Kiefernarten.

Zirbenholz besteht zu etwa 0,5 Prozent aus Pinosylvin. Das ist eine Menge, an die kein anderer Baum und kein anderes Holz heranreicht.

Das Pinosylvin ist verantwortlich für den Geruch des Zirbenholzes. Einen wissenschaftlichen Beleg für die schlaffördernde Wirkung von Pinosylvin gibt es allerdings nicht.

Dass ätherische Öle aber eine medizinische Wirkung haben können, zeigte eine Studie der Kieler Universitätsklinik für Neurologie. Die Neurobiologen untersuchten dabei die Wirkung von Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerz und kamen zu dem Ergebnis, dass das Öl dabei genauso gut hilft wie das Medikament Paracetamol.

Objektiv gibt es keinen Beleg dafür, dass Möbel aus Zirbenholz den Schlaf fördern. Viele Menschen empfinden den Duft der Zirbe aber als beruhigend, da er sie an die Natur, Holz und Moos erinnert. Deshalb wird Zirbe bereits seit Jahrhunderten im Alpenraum für den Bau von Schlafzimmermöbeln genutzt.

Zirben an einem See
Die Zirbe und ihr Duft verbinden viele Menschen mit idyllischen Erlebnissen in der Natur und entspannen sich dabei. © iStock - Helmut Lunghammer

5. Hilft Zirbenholz wirklich gegen Motten?

Auch zu der Frage, ob Zirbenholz gegen Motten hilft, gibt es eine Studie des Joanneum Research Institutes. Diese kommt zu einem klaren Ergebnis: Ja!

Die im Holz enthaltenen Monoterpen-Kohlenwasserstoffe wirken gegen Mottenbefall besser als andere Öl- und Holzarten. Bei einem Versuch, in dem Mottenlarven in verschiedenen Holzkisten gehalten wurden, zeigte sich, dass sowohl die Anzahl als auch die Fressaktivität der Larven in der Kiste aus Zirbenholz innerhalb kurzer Zeit signifikant zurückging.

Zirbenholzspäne
Zirbenholzspäne werden sehr gerne für Duftkissen und ähnliches genutzt. Die enthaltenen ätherischen Öle sollen sogar Motten vertreiben. © IStock

Fazit: So gesund ist Zirbenholz

Ohne Zweifel: Die Zirbe ist ein toller Baum. Und ihr Holz ist etwas Besonderes. Aber wissenschaftlich belegen lässt es sich eine gesundheitsfördernde Wirkung nicht. Wie so oft ist es wohl eine Frage des subjektiven Empfindens. Wem der Duft gefällt, der entspannt sich dabei. Und kann so wahrscheinlich auch besser schlafen.

Lies noch mehr…

Der Schutz Deiner Daten ist uns wichtig

Wir verwenden Cookies, um die Website optimal zu gestalten. Durch die Nutzung der Website stimmst Du grundsätzlich der Verwendung von Cookies zu (Websitefunktionalitäten, anonymisiertes Nutzerverhalten usw.). Sofern Du zustimmst, teilen wir zudem Informationen anonymisiert mit Werbepartnern. Du kannst unter „Weitere Optionen“ selbst entscheiden, welche Cookie-Kategorie Du wählen möchtest:

Weitere Optionen