Smart Home
© Shutterstock / Dariusz Jarzabek

Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Smart Home: Das sind die Vor- und Nachteile eines intelligenten Zuhauses

Dirc Kalweit

Level: Für Anfänger

Erleichtern smarte Geräte das Leben? Oder bringen sie mehr Probleme als wirkliche Unterstützung? Wir zeigen die Vorteile und Nachteile eines Smart Home.

Regeln, steuern, informieren – und das von fast überall. Die Hersteller von Smart Home-Geräten versprechen uns mehr Komfort, mehr Sicherheit, mehr Einsparungen. Die Vernetzung der eigenen vier Wände bringt sicher Vorteile. Sie hat aber auch Nachteile, die ihr nicht vergessen solltet.

Wenn ihr also mit dem Gedanken spielt, euer Haus oder eure Wohnung smart auszurüsten, dann macht euch vorher eine Checkliste und fragt euch: Was überwiegt? Das Pro oder das Contra?

Wir haben hier einmal die Vorteile und die Nachteile eines Smart Home zusammengefasst.

Die Vorteile eines Smart Home

Lust auf smarte Helfer? Hier die Vorteile eines digital vernetzten Zuhauses.

Entlastung im Alltag

Wirklich smarte Geräte helfen, alltägliche Dinge zu automatisieren und damit für den Nutzer zu vereinfachen.

  • Türen und Fenster lassen sich per Fernzugriff öffnen und schließen.
  • Intelligente Bewegungsmelder machen das Licht schon an, wenn man sich seinem Haus oder seiner Wohnung nähert.
  • Smarte Heizungsanlagen erlauben auch Monteuren den Fernzugriff. Die können dann entweder über das Internet teilweise eine Wartung vornehmen oder bei Störungen im Idealfall herausfinden, welches Ersatzteil sie mitbringen müssen.
  • Ein Unwetter zieht auf... Sind die Fenster geschlossen, die Rollläden heruntergefahren, die Markise eingezogen? Smarte, untereinander verbundene Geräte erkennen die Situation und reagieren automatisch.

Erhöhte Sicherheit

Früher war die Installation einer Alarmanlage sehr teuer und mit viel Installationsaufwand verbunden. Heute gibt es viele smarte Endgeräte, die für ein sicheres Zuhause sorgen.

  • Licht, Rollläden, Markisen, Fernseher und Musik werden zufallsgesteuert an- und ausgeschaltet und simulieren so eine ständige Anwesenheit.
  • Rauchmelder dienen oft auch als Alarmsirene.
  • Innen- und Außenkameras filmen das Geschehen und senden auf Wunsch (oder bei Aktivierung) einen Live-Stream auf das Smartphone.
  • Smarte Bewegungsmelder können heute schon zwischen Menschen und Tieren unterscheiden und so Fehlalarme minimieren.
  • Wasserstandsmelder geben Alarm bei Wasserschäden, wenn beispielsweise die Waschmaschine ausgelaufen ist.

Steigerung der Energieeffizienz

Smarte Geräte können helfen, Geld zu sparen. Und wenn Geräte effizienter genutzt werden, dann schont das auch die Umwelt.

  • Schon mit einfachen smarten Steckdosen lassen sich elektrische Geräte zentral abschalten. Das reduziert den Standby-Verbrauch enorm. Auf manchen Steckdosen könnt ihr auch die aktuellen Verbrauchswerte ablesen.
  • Eine smarte Heizungsteuerung regelt den Energieverbrauch optimal, ohne dass der Nutzer dabei auf individuelle Eingriffsmöglichkeiten ("Komme heute früher nach Haus, Temperatur bitte erhöhen") verzichten muss.
  • "Wenn das Fenster geöffnet wird, geht die Heizungstemperatur runter". Sind Fensterkontakt und Thermostat miteinander vernetzt, lassen sich solche Automatismen leicht einstellen.
  • In Verbindung mit einer Photovoltaikanlage regeln smarte Systeme den Eigenverbrauch (zum Beispiel von Solarstrom) beziehungsweise die Einspeisung ins öffentliche Netz. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel: Photovoltaik-Anlage: So betreibt ihr sie wirtschaftlich.

Und außerdem ...

  • 16 Millionen Farben beim Licht. Alle Musiksender dieser Welt in jedem Raum. Statuscheck zu jeder Zeit und von fast jedem Ort. Der Spaßfaktor bei einem Smart Home ist nicht zu unterschätzen.
  • Die technische Umsetzung wird immer einfacher. Wer sein Smartphone im Griff hat, kann in den meisten Fällen auch ein Smart Home einrichten.
  • Der modulare Aufbau lässt viele Möglichkeiten zu. Wer mag, fängt erst mal ganz klein an, vielleicht mit einem Starterset für die Heizung. Nach und nach können dann weitere Geräte dazukommen – müssen aber nicht.
Kind geht durch Flur mit gedimmter Beleuchtung
Komfort für alle. Smarte Bewegungsmelder können mehr als nur das Licht anzuknipsen. © Philips

Die Nachteile eines Smart Home

Ihr seid in Sachen Smart Home skeptisch? Einige Punkte sind durchaus bedenkenswert.

Keine Standards

Welches System ist das richtige? Welcher Anbieter setzt sich durch? Fragen, die noch niemand beantworten kann.

  • Smarte Geräte kommunizieren untereinander über Funk. Dafür gibt es diverse Standards. Welcher sich davon durchsetzt? Keiner weiß es.
  • Die verschiedenen Funkstandards sind nicht miteinander kompatibel. Die Geräte von Anbietern, die unterschiedliche Funkstandards benutzen, lassen sich in vielen Fällen nicht kombinieren.
  • Auch der Markt der Hersteller ist schwer überschaubar. Einige kooperieren miteinander und beliefern sich sogar gegenseitig mit Geräten. Andere schotten sich bewusst ab. Manche geben sogar ganz auf. So kündigte der Energieversorger "E wie einfach" recht überraschend seine Kooperation mit der Geräteplattform Qivicon auf.
  • Wie zukunftssicher ist die Technik? Schwer zu sagen, ob der Trend von heute in fünf Jahren noch genauso heiß ist. Oder sich ganz andere Ideen und technische Umsetzungen durchgesetzt haben.

Undurchsichtige Preismodelle

Und was kostet mich das Ganze? Diese Frage ist oft gar nicht so einfach zu beantworten.

  • Das eine smarte Geräte nützt oft noch gar nichts. Erst die Vernetzung mit anderen Geräten ergibt in vielen Fällen Sinn. Dazu benötigt der Nutzer oft noch eine Steuerzentrale. So kommen schnell einige Euro zusammen, bevor das Zuhause ansatzweise smart wird.
  • Hier ein Abo für die App, dort eine Gebühr für die Datenspeicherung. Allein mit dem Kauf der Geräte ist es nicht immer getan. Vor der Entscheidung für ein bestimmtes Smart Home-System solltet ihr kritisch alle Kosten prüfen.

Wie sicher sind meine Daten?

Smarte Geräte kommunizieren untereinander. Wie sicher ist aber diese Kommunikation? Und was können Hacker eventuell in meinem Smart Home anrichten?

  • Wenn smarte Geräte untereinander kommunizieren, MUSS das verschlüsselt erfolgen. Das ist nicht bei allen Geräten zwingend der Fall. Also vor dem Kauf unbedingt prüfen, ob und mit welchen Verschlüsselungsstandard das System arbeitet.
  • Wer hat Zugriff von außen? Hoffentlich kein Außenstehender. Ob die Geräte via App oder per Browser angesteuert werden, in allen Fällen sollte auch hier eine separate Authentifizierung erfolgen. Auch das ist nicht immer der Fall.
  • Wo werden Daten (zum Beispiel Bilder und Videos) abgelegt? Viele Anbieter speichern diese in einer Cloud. Aber wo steht der entsprechende Server? Deutsche Datenschutzverordnungen sind wesentlich strenger als amerikanische. Wichtig ist deshalb auch zu klären, wo genau Daten abgelegt werden.

Und außerdem ...

  • Eine smarte Alarmanlage allein hat noch keinen Einbrecher abgeschreckt. Ohne einen mechanischen Einbruchsschutz ist auch das smarteste System sinnlos.
  • Die zentrale Steuereinheit fällt aus? Das Netzwerk ist zusammengebrochen? Der Strom ist weg? All diesen Szenarien kann man im Smart Home vorbeugen. Das erfordert aber ein tieferes Verständnis der Materie, eine Rundum-Absicherung ist längst nicht in den Systemen inbegriffen.
    Symbolbild eines Schlosses auf einer Computer-Platine
    Ganz wichtig beim Einsatz von Smart Home-Geräten ist deren sichere Verschlüsselung und der ebenfalls durch Authentifizierung geschützte Zugang. © Getty Images/iStockphoto, Matej Moderc

Fazit

Ein Smart Home kann eine tolle Sache sein. Es gibt sinnvolle Anwendungen, und in Zukunft wird sich der Markt noch erweitern und viele weitere schöne Anwendungen bieten. Ganz unkritisch solltet ihr dem Thema Smart Home aber nicht gegenüber stehen. Fragt euch, ob ein Smart Home euer Leben wirklich erleichtern (oder auch verschönern) kann. Wenn ihr das mit "Ja" beantwortet, tastet euch langsam an die Materie ran.

Ihr wollt wissen, welche smarten Anwendungsmöglichkeiten es gibt? Dann lest hier, was in eurem Zuhause alles smart sein kann.

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