Zwei Kinder spielen im Planschbecken auf dem Balkon
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Stimmt es, dass man auf dem Balkon kein Planschbecken aufstellen darf?

Antonia Eigel

Antonia Eigel

Ein kleines Planschbecken auf dem Balkon sorgt an heißen Sommertagen für eine willkommene Erfrischung. Doch ist ein Pool auf dem Balkon überhaupt erlaubt? Was ihr unbedingt prüfen solltet, erfahrt ihr hier.

Wer keinen Garten hat, in den er sich einen Pool bauen oder einen großen Stahlwandpool aufstellen kann, dem kommt an heißen Sommertagen vielleicht die Idee, ein kleines Planschbecken oder sogar einen größeren Pool auf dem Balkon zu platzieren, damit man auf den Badespaß nicht ganz verzichten muss. Doch darf man einfach so ein Planschbecken auf den Balkon stellen?

Grundsätzlich ist es euch erlaubt, ein Planschbecken oder einen Pool auf dem Balkon aufzustellen, sofern dies im Mietvertrag oder in der Hausordnung nicht ausdrücklich verboten wird. Dazu solltet ihr darauf achten, dass ihr keine Nachbarn bei eurem Badevergnügen stört und durch das zusätzliche Gewicht die Bausubstanz des Balkons nicht beschädigt wird.

Mini-Pool auf dem Balkon aufstellen, wenn die Traglast es zulässt

Ein kleines, mit Wasser befülltes Planschbecken für Kinder könnt ihr vermutlich bedenkenlos auf eurem Balkon aufstellen. Dennoch solltet ihr die maximale Traglast eures Balkons beachten. Nach DIN 1055 Teil 3 geht man bei Balkonen von einer durchschnittlichen Nutzlast von 400 Kilogramm pro Quadratmeter (4,0 kN/m²) aus. Statiker gehen häufig sogar von nur 300 Kilogramm pro Quadratmeter aus.

Klingt viel, dennoch ist Vorsicht geboten. Denn das Gewicht, das ein mit Wasser gefülltes Planschbecken auf die Waage bringt, ist nicht zu unterschätzen: In einem Interview mit dem SRF erklärt Thomas Vogel, Professor am Institut für Baustatik und Konstruktion der ETH Zürich, dass bereits zehn Zentimeter Wasser 100 Kilogramm pro Quadratmeter bedeuten. Ein Planschbecken für Kinder erreicht demnach also relativ rasch die Grenze.

Großer Pool oder Whirlpool auf dem Balkon, geht das?

Bei einem etwas größeren Pool oder gar bei Whirlpools solltet ihr vorher unbedingt von einem Statiker überprüfen lassen, ob euer Balkon das Gewicht wirklich tragen kann. Das gilt auch, wenn ihr euren Pool auf eine Dachterrasse stellen wollt.

Pool- und Whirlpool-Hersteller empfehlen häufig weit höhere Traglasten von 600 bis 800 Kilogramm pro Quadratmeter. Schließlich fassen große Pools weitaus mehr Wasser als ein kleines Planschbecken.

Vor allem bei einem Altbau-Balkon solltet ihr vorsichtig sein, wenn ihr einen Pool, Whirlpool oder ein Planschbecken aufstellen wollt. Auch hier gilt: Lasst die maximale Traglast unbedingt von einem Experten berechnen. Selten sind diese Balkone so massiv gebaut, dass sie über eine Tonne Last tragen können. Vorsichtig solltet ihr übrigens auch dann sein, wenn ihr den Balkon mit einem schweren Balkonbelag wie Steinplatten verschönern wollt.

Auch die Bauweise eures Balkons sowie das Material (ob Holz, Betonbalkon oder aus Naturstein) spielen eine Rolle. Bei einem Vorstellbalkon verteilt sich die Last noch auf vier Stützpunkte. Vielleicht habt ihr aber auch einen Anbaubalkon oder sogar einen freitragenden Kragarmbalkon, der nur in der Hauswand verankert ist. Dann müsst ihr ihn möglicherweise zusätzlich nach vorne abstützen lassen. Damit fallen also auch zusätzliche Sanierungskosten an, die ihr einkalkulieren müsst.

Wollt ihr von eurem Plan, einen Pool auf den Balkon zu stellen, nicht abweichen, ist also möglicherweise eine Balkonsanierung oder eine Verstärkung notwendig. Prüft hier, ob euer Balkon den Modernisierungs-Check besteht.

Vorsicht mit auslaufendem Wasser

In jedem Fall solltet ihr verhindern, dass Wasser aus dem Planschbecken von eurem Balkon zu den Nachbarn hinunter läuft. Dies müssen diese, anders als den Lärm, den eure Kinder im Planschbecken vielleicht machen, nicht hinnehmen. Sie könnten von euch sogar Schadenersatz verlangen, wenn durch das Wasser etwas beschädigt wird. Zudem solltet ihr auch beachten, dass ausfließendes Wasser durch Ritzen in das Mauerwerk des Hauses dringen und möglicherweise die Bausubstanz schädigen kann.

Wer haftet, wenn der Balkon wegen des Pools abstürzt?

Als Mieter haftet ihr nur dann, wenn ihr den Balkoneinsturz durch ein klares Fehlverhalten vorsätzlich herbeigeführt habt. Darüber informiert der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI). Da die wenigsten Mieter von ihren Vermietern über die maximale Traglast informiert werden und auch auf keinem Schild am Balkon geschrieben steht, wie hoch die maximale Traglast ist, ist Mietern eine Absicht kaum nachzuweisen. Stürzt der Balkon ab, kommt in der Regel die Wohngebäudeversicherung des Vermieters für den entstandenen Schaden auf.

Grillen auf dem Balkon, Hängepflanzen oder Wäsche auf dem Balkon trocknen: Wenn es um Aktivitäten auf dem Balkon geht, kommt es häufig zu Streit mit dem Nachbarn. Was ihr dürft und was nicht, klären wir für euch in:

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