Luftaufnahe auf eine Großstadt
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Wohnen | Pro/Contra-Liste

Stadt oder Land – wo lebt es sich besser?

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Nur 13 Prozent der Deutschen sehen die Stadt als optimalen Wohnort an. Ein krasser Widerspruch zur aktuellen Situation, in der der Großteil der Bevölkerung in Städten lebt. Wohnglück macht den Check: Stadt oder Land – wo lebt es sich besser?

Die Immobilienpreise in Deutschland steigen und steigen – auch die Coronakrise tut dem keinen Abbruch. Besonders in den Großstädten können sich sehr viele Menschen das Leben nicht mehr leisten und treten die Stadtflucht an. Und so – das legen mehrere Studien nahe – interessieren sich immer mehr Städter für das Leben auf dem Land. Oder zumindest für das Umland der Metropolen.

Auf der Terrasse eines modernen Holzhauses stehen zwei bunte Stühle und die Sonne scheint durch Baumkronen.

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In diesem Artikel über Stadtflucht und Suburbanisierung setzen wir uns mit einigen zentralen Fragen auseinander:

  • Bedeutet Corona das endgültige Ende des scheinbar nicht enden wollenden Zuzugs in die Großstädte?
  • Wie hat sich das Verhältnis von Stadt- und Landbevölkerung in Deutschland verändert?
  • Stadt oder Land – wo lebt es sich besser?

Die große Mehrheit der Deutschen lebt in der Stadt

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Stadtbevölkerung immer weiter zu-, die Landbevölkerung immer weiter abgenommen. Im Jahr 2019 lebten mehr als 77 Prozent der Menschen in Deutschland in Städten. Die Landbevölkerung stellt den wesentlich geringeren Rest. Mit regionalen Unterschieden, hier einige Beispiele:

  • Im Jahr 2018 lebten in der Region Berlin/Brandenburg 88 Prozent der Einwohner in Städten.
  • In Hessen waren es im Jahr 1871 "nur" 65 Prozent, 2018 waren es 83 Prozent.
  • In Sachsen waren es 78 Prozent. Auch dort verließen nach der deutschen Teilung immer mehr Menschen das Land – und zogen in die Städte.

Die allgemeinen Folgen: Die Städte quellen über, Mieten sind teuer, die Immobilienpreise steigen und steigen.

Aber was bedeutet eigentlich "Landbevölkerung"?

Unter dem Begriff "Landbevölkerung" werden diejenigen Menschen zusammengefasst, die im ländlichen Raum leben. Was der ländliche Raum ist, das lässt sich so leicht nicht sagen. Denn das ändert sich ständig. Weil sich in der Erwerbsstruktur und der Mobilität in den vergangenen Jahren so viel geändert hat, können Wissenschaftler Stadt und Land gar nicht mehr richtig abgrenzen. Denn: Auch Dörfer werden immer urbaner. Auch der ländliche Raum wird also zunehmend verstädtert. Daher verwenden Forscher heute eher Zahlen zur Bevölkerungsdichte.

Laut einer Studie des ifo-Instituts gibt es in Deutschland einen anhaltenden Trend zugunsten urbaner Räume. So hatte der Anteil der Landbevölkerung 2018 seinen niedrigsten Stand seit 1871 erreicht.

Und wer ist diese "Stadtbevölkerung"?

Der Anteil der Stadtbevölkerung habe einen neuen Rekordstand erreicht, schreiben die Wissenschaftler. Der Trend sei sowohl in Ost- wie auch in Westdeutschland zu spüren. Er sei in stark wachsenden Regionen wie Hessen genauso zu beobachten wie in schrumpfenden Regionen wie Sachsen oder stagnierenden Regionen wie Berlin / Brandenburg.

Unter "Stadtbevölkerung" versteht man die Gesamtheit der Menschen, die in Städten oder städtischen Siedlungen leben. Auch hier ist eine Abgrenzung bisweilen schwierig. Denn für eine "Stadt" oder "städtische Siedlung" sind nicht nur Einwohnerzahlen, sondern auch infrastrukturelle Voraussetzungen maßgebend.

Stadtflucht versus Landflucht: Historische Entwicklung

Die Urbanisierung ist kein neues Phänomen. Vielmehr ist die Landbevölkerung in Deutschland seit Mitte des 19. Jahrhunderts rückläufig, wie es in der Studie des ifo-Instituts heißt.

Der Trend zur Stadt begann mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Einen Einbruch des Trends habe es zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gegeben, als der Hunger und die Zerstörung die Menschen zur Stadtflucht getrieben haben. Aber schon zu DDR-Zeiten setzte sich die Urbanisierung wieder fort.

In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts setzte dann ein neuer Trend ein: die Suburbanisierung. Diese Entwicklung, verursacht durch Stadtflucht, ist in hoch industrialisierten Ländern zu beobachten.

Suburbanisierung: Der Aufstieg des Stadtrands

Unter "Suburbanisierung" versteht man die Abwanderung der städtischen Bevölkerung aber auch von Industrie oder Dienstleistungen ins Umland der Städte. Der Begriff kommt vom englischen Wort "suburban", was so viel wie Stadtrand oder Vorstadt heißt.

Die Suburbanisierung kann zu vielen Problemen führen, wie zunehmende Verkehrsbelastungen durch immer mehr Pendlerverkehr, aber auch zum Verlust der Kernstadt.

Der Grund für das Aufkommen des Trends in den 90er Jahren ist schnell erklärt: In den Städten gab es wenig Platz, in den Vorstädten viel. Weil in den Städten ab der Jahrtausendwende wieder vermehrt Bauflächen ausgewiesen wurden, drehte sich die Entwicklung vor rund 20 Jahren wieder um.

Die Rückkehr der Suburbanisierung

Aber: Die Suburbanisierung kommt zurück. Und das nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Sondern vor allem durch die explodierenden Preise in den Städten. So sind 2019 die Preise in den Speckgürtel-Regionen der Metropolen gestiegen. Das heißt: Das Umland wird beliebter, die Nachfrage steigt – und damit die Preise.

Auch in ländlichen Regionen gab es 2019 starke Preisanstiege. Denn dort ist das Angebot sehr gering. Schon bei leicht steigender Nachfrage führt das zu stark steigenden Immobilienpreisen.

Und nun, durch die Corona-Pandemie, könnte sich der Trend zur Stadtflucht verstärken. Denn zahlreiche Studien zeigen, dass sich die Menschen besonders während der Pandemie nach dem Landleben sehnen. So stellten einer von McMakler durchgeführten Umfrage zufolge fast die Hälfte der befragten Makler in der Krise ein vermehrtes Interesse an ländlichen Immobilien fest.

Kein Wunder, denn während einer Pandemie fallen viele Vorzüge von Städten weg: Restaurants und Bars, Theaterbesuche, Shoppingtouren, Konzerte – gibt es nicht. Und Spazierengehen kann man auf dem Land meist in schönerer Umgebung.

Stadt oder Land – wo wollen die Deutschen leben?

Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Projektentwicklers Bauwerk von Ende November 2020 können sich 41 Prozent der Stadtbewohner grundsätzlich vorstellen, aufs Land zu ziehen. 21 Prozent gaben dabei an, sich den Umzug "ganz sicher" vorstellen zu können, weitere 20 Prozent "wahrscheinlich".

Und schon vor der Corona-Pandemie verspürte Deutschland eine große Landlust. In einer repräsentativen Umfrage von Kantar wurde ermittelt, wo die Deutschen am liebsten leben würden:

  • 34 Prozent in einem Dorf
  • 27 Prozent in einer Kleinstadt / auf dem Land
  • 26 Prozent am Stadtrand
  • 13 Prozent in einer Stadt

Stadtflucht: Familien zieht es aufs Land, Singles in die Stadt

Vor allem Familien wünschen sich laut GfK-Umfrage die Stadtflucht. Fast die Hälfte (49,9 Prozent) der befragten Familien mit einem Kind kann sich das Leben auf dem Land vorstellen. Außerdem ist die Landlust bei der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen (47,3 Prozent) und bei der Gruppe der "Trendaffinen" (48,3 Prozent) am meisten ausgeprägt.

Schon vor der Pandemie zog es besonders Familien aus den Städten, wie aus der Deutschland Studie 2019 des ZDF hervorgeht. Der Grund: In Großstädten könnten sich Familien das Leben immer weniger leisten, weil dort ein großer Teil des Einkommens für die Miete draufgeht.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer Untersuchung hingegen festgestellt, dass im Jahr 2017 63 der 71 deutschen Großstädte gewachsen sind. So legte die Bevölkerung in Berlin zwischen 2011 und 2017 um 1,4 Prozent zu. Die von Hamburg und München wuchs um 1,1 Prozent. Besonders Singles und Zuwanderer aus dem Ausland ziehe es in die Städte, heißt es von den IW-Forschern.

Sie beobachten aber auch, dass es Familien in Deutschland vermehrt von der Großstadt aufs Land zieht. Es sei nicht neu, dass Familien wegen hoher Mieten aus den Großstädten aufs Land ziehen, heißt es in der Studie. Auch deshalb, weil laut einer repräsentativen ZDF-Umfrage 78 Prozent der Deutschen der Meinung ist, dass Kinder auf dem Land besser aufwachsen als in der Stadt.

Familie im Garten vor einem Haus
Vor allem Familien zieht es aufs Land. © Getty Images

Was versprechen sich Menschen vom Landleben?

Laut IW-Studie spielen vor allem Kitas und Schulen eine Rolle bei der Entscheidung für einen Umzug. Außerdem wollen Familien, wenn sie die Stadt verlassen, Natur um sich herum haben. Auch individuelle Vorlieben wie Hobbys der Eltern oder Kulturangebote vor Ort fließen in die Entscheidung für den neuen Wohnort mit ein.

Die Städte, die immer enger und überfüllter werden, die Freiräume, die der ländliche Raum bietet, sowie die neuen Formen des digitalen Arbeitens begünstigen die Stadtflucht, heißt es dazu vom Think-Tank Berlin-Institut. Das hat in einer Studie von 2019 untersucht, welche Voraussetzungen sich junge Städter wünschen, um den Schritt raus aus dem urbanen Raum zu wagen.

Ihre These: "Das Landleben rückt in den Fokus eines urban geprägten Milieus." Die Stadtflucht der Großstädter finde, so die Forscher, aber hauptsächlich im Umland der Metropolen ihr Ziel.

Hauptsächlich interessant sei das Landleben für Familien jenseits der 30, denen es in der Stadt für ihr Budget zu eng wird. Unter den neuen Landbewohnern seien nicht nur Menschen in Wissens- und Kreativberufen, die ortsunabhängig arbeiten können, wie Programmierer, Journalisten, Grafikdesigner und Kulturwissenschaftler. Auch Lehrer, Sozialpädagogen, Ärzte und Handwerker zieht es aus der Stadt, heißt es in der Studie.

Als zwingende Voraussetzung dafür, dass sich Städter in einer ländlichen Gemeinde ansiedeln, sehen die Forscher eine leistungsfähige Internetverbindung. "Wo ein leistungsfähiges Kabel unter der Erde nicht verfügbar ist, werden die Dörfer im Wettbewerb um Einwohner mit den Städten chancenlos bleiben."

Vorteile des Landlebens

Ihr überlegt, der Großstadt den Rücken zu kehren und aufs Land zu ziehen? Das Landleben kann viele Vorteile haben, hier sind die sieben wichtigsten.

1. Immobilien und Mieten sind günstiger

Immobilienpreise und Mieten sind besonders in deutschen Großstädten hoch. Laut der Studie "Wohnen in Deutschland 2020" der Sparda-Bank sind Immobilien in den sieben größten Metropolen – Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf – um 55 Prozent teurer als in deren Umland.

So liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis in München bei 7.220 Euro, im deutschen Durchschnitt beträgt er nur 2.394 Euro. Im Kyffhäuserkreis im Norden Thüringens bekommt man den Quadratmeter Wohnfläche schon für 877 Euro.

Bei den Mieten sieht es ähnlich aus. Während der deutsche Durchschnitt bei 7,12 Euro pro Quadratmeter liegt, landen alle sieben A-Städte darüber. Am teuersten ist es mit 16,28 Euro pro Quadratmeter im Durchschnitt in München.

Doch: Stadt ist nicht Stadt und Land nicht gleich Land. So sind besonders im Umland der Metropolen die Preise zwischen 2009 und 2020 kräftiger gestiegen als in den Metropolen selbst.

2. Auf dem Land gibt es mehr Wohnfläche

Die mittlere Wohnfläche ist in ländlichen Räumen am größten. Im hochverdichteten ländlichen Raum bieten 42 Prozent der inserierten Immobilien laut Sparda-Studie mehr als 120 Quadratmeter Wohnfläche. In städtischen Räumen hingegen beträgt die mittlere Wohnungsgröße für Eigentumsimmobilien nur 86 Quadratmeter. Große Eigentumsimmobilien ab einer Fläche von 120 Quadratmeter sind hier mit einem Anteil von 27 Prozent der Inserate selten. In Kernstädten liegt der Anteil immerhin bei 34 Prozent.

3. Homeoffice-Möglichkeiten nehmen zu

Für die Stadtflucht spricht, dass durch technische Möglichkeiten immer mehr Jobs auch von zuhause erledigt werden können. Viele Menschen, die den Umzug aufs Land wagen, können daher auf die nervige Pendelei verzichten und sich im eigenen Zuhause einen Arbeitsplatz im Grünen einrichten.

Die Corona-Pandemie hat die Akzeptanz von Homeoffice zusätzlich gesteigert. Aber: Ob das so bleibt, ist fraglich. Laut einer IW-Studie ist das Arbeiten im Homeoffice nur eine Lösung auf Zeit, wenn es nach den Unternehmen geht. Zwei Drittel wollen ihren Mitarbeitern nach Ende der Pandemie nicht mehr Möglichkeiten geben, zuhause zu arbeiten, als davor.

4. Menschen auf dem Land leiden seltener unter psychischen Krankheiten

Mehrere Studien zeigen, dass Menschen, die in Großstädten leben, ein höheres Risiko haben, psychische Krankheiten zu entwickeln. Das Risiko für Depression und Co. liegt für Stadtbewohner rund 40 Prozent höher als bei Menschen, die auf dem Land leben. Das ergab eine Analyse aus dem Jahr 2010 von insgesamt 20 Populationsstudien aus Industrieländern.

Auch in Deutschland konnten Wissenschaftler der Universität Dresden diese Beobachtung bestätigen. Demnach litten 13,9 Prozent der Umfrage-Teilnehmer, die in Städten mit mehr als einer halben Million Einwohnern leben, an Depressionen oder einer bipolaren Störung. Unter den Teilnehmern, die in Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern leben, lag der Anteil nur bei 7,8 Prozent. Das Risiko für Schizophrenie ist laut den Forschern in der Stadt sogar fast doppelt so hoch wie auf dem Land.

Die Ursache ist nicht abschließend geklärt. Möglicherweise zieht es Menschen mit psychischen Erkrankungen häufiger in Städte. Teilweise scheint aber auch das Stresslevel in der Stadt für diese Entwicklung mitverantwortlich zu sein.

5. Das Landleben ist gesünder

Viele Studien haben gezeigt: Das Landleben ist gesund. Laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts leiden Großstädter häufiger unter Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien. Der Anteil der Menschen, die von diesen Krankheiten betroffen sind, steigt leicht mit der Größe des Wohnorts.

Ursächlich ist laut den Wissenschaftlern entweder eine gewisse Abhärtung durch Mikroben, mit denen Menschen in den ersten Lebensjahren in Kontakt kommen. Oder aber die Luftverschmutzung, die in Städten aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens größer ist.

In den Städten kann durch einen hohen Anteil an Bebauung und einen niedrigen Anteil an Grünflächen und Bäumen, durch Abwärme von Industrie und durch Verkehr ein ungesundes Klima entstehen. Weil die Bebauung mit oft engen Straßenschluchten eine Luftzirkulation oft verhindert, können die Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land im Sommer ganze zehn Grad betragen. Ein gutes Argument für die Stadtflucht – besonders bei zunehmenden Hitzewellen in Deutschland.

6. Auf dem Land lebt es sich statistisch sicherer

Auf dem Dorf fühlen sich deutlich weniger Menschen unsicher, wenn sie nachts alleine unterwegs sind. Kein Wunder, denn Statistiken zeigen, dass die Kriminalitätsbelastung mit der Gemeindegröße steigt. So liegt das Verhältnis zwischen ländlichen Regionen und Metropolregionen bei rund eins zu drei, was die Straftaten angeht.

Auch die Jugendkriminalität ist in Großstädten ab 500.000 Einwohnern deutlich stärker ausgeprägt. Die Gewaltkriminalität war dort 2005 um 3,5 Mal höher, Raubdelikte lagen sogar um das 8,5-Fache über denen in Gemeinden mit 20.000 Einwohnern.

7. Stadtflucht als Chance für ländliche Gemeinden

Die meisten Städter bringen höhere Ansprüche an ihr neues Wohnumfeld mit, als dass es nur ein reiner Wohn- und Arbeitsraum im Grünen ist. Deshalb, heißt es in einer Untersuchung des Berlin-Instituts, suchen sie neue Möglichkeiten, um Kultur oder auch umweltfreundliche Mobilitätsalternativen zum eigenen Auto zu finden. So entstünden zum Beispiel Hofläden, Cafés, Galerien, Carsharing. Das bringt eine Verbesserung der Lebensbedingungen für alle im Ort mit sich.

Dorf
Auf dem Land ist mehr Platz und die Immobilienpreise sind günstiger. © Getty Images/iStockphoto

Vorteile des Lebens in der Stadt

Auch das Stadtleben bringt viele Vorteile mit sich.

1. Infrastruktur: Es geht auch ohne Auto

Die Infrastruktur spricht ganz klar für Städte. Dort gibt es ein gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln, Ein Auto zu besitzen, ist nicht zwingend notwendig. Auf dem Land sieht das anders aus. Viele Gemeinden sind weder an das Netz der Deutschen Bahn angeschlossen, noch haben sie ein gut ausgebautes Bussystem. Das eigene Auto wird zum Muss.

So stehen zum Beispiel in 14 Prozent der dünn besiedelten Gemeinden in Niedersachen und Brandenburg nur ein bis vier ÖPNV-Verbindungen ins nächste Zentrum zur Verfügung. 70 Prozent der Wege werden daher auf dem Land mit Autos zurückgelegt, nur fünf Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

2. Einkaufen und Ärzte – viel Angebot

In Corona-Zeiten haben die Menschen in der Stadt zwar kaum Vorteile vom vielfältigen Shopping-Angebot in Städten. Aber auch die Lebensmittelgeschäfte werden auf dem Land immer weniger. Und das Angebot immer einseitiger.

Auch hier gilt: Ohne eigenes Auto zum Einkaufen geht oft kaum. Laut dem bayerischen Wirtschaftsministerium ist in Bayern zwischen 2004 und 2014 fast jedes zwölfte Lebensmittelgeschäft in kleineren Gemeinden verschwunden. Immer mehr Menschen müssen deshalb weitere Wege – in der Regel mit dem Auto – auf sich nehmen, um für ihren täglichen Bedarf einzukaufen.

Ein ähnliches Problem haben viele Gemeinden mit Ärzten. Häufig muss – besonders wenn es um den Besuch beim Facharzt geht – ein weiter Weg auf sich genommen werden.

3. Große Vielfalt an Kultur- und Freizeitangeboten

Auch die Anzahl an Kultur- und Freizeitangeboten ist in Städten viel größer als auf dem Land. Oper, Theater, Kino, Konzerte, Bars, Restaurants – auf dem Land sind die Angebote deutlich geringer – nicht nur in der Hochkultur.

Einrichtungen, in denen Menschen zusammen Zeit verbringen, sind nicht zu unterschätzen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt: je größer die Gemeinde, desto größer das Angebot. In Großstädten findet sich nicht nur eine Masse an Angeboten, sondern auch eine Vielfalt.

4. Gutes, breites Bildungsangebot für Kinder

Auf den ersten Blick scheint das Landleben für Kinder perfekt. Die Kleinen wachsen naturnah auf, können im Grünen spielen, sind sicherer als in der Großstadt. Aber: Immer noch ist das Angebot der Kinderbetreuung, besonders für Kinder unter drei Jahren, auf dem Land weit schlechter als in Städten.

Auch, was die Schulen angeht, ist die Vielfalt in der Stadt viel größer. Viele kleinere Gemeinden haben keine weiterführenden Schulen. So müssen nicht nur die Eltern zu ihren Jobs pendeln. Schon die Kinder müssen weite Schulwege in Kauf nehmen.

Und: Wer von einem Stadtstaat wie Hamburg, Berlin oder Bremen in dessen direktes Umfeld ziehen möchte, der lebt auch gleich in einem anderen Bundesland. Das andere Schulsystem bringt oft Probleme mit sich. Dieser Herausforderung sollten sich Hamburger, Berliner und Bremer Familien vor der Stadtflucht bewusst sein.

5. Weniger Pendeln bedeutet weniger Stress

Klar, in der Stadt gibt es mehr Jobs als auf dem Land. Und wer in einer Großstadt lebt, der hat bessere Chancen, die eigene Gemeinde nicht für den Arbeitsweg verlassen zu müssen – wie es rund 60 Prozent der Beschäftigten in Deutschland tun. Im Jahr 2018 mussten sogar 12,6 Millionen Menschen in Deutschland für ihren Job die Stadt oder den Landkreis, in dem sie leben, verlassen. Die Anzahl der Pendler nimmt immer weiter zu. 2018 waren es schon 19,3 Millionen in Deutschland.

Und deren Wege werden immer weiter. 2018 lag der durchschnittliche Pendlerweg bei 16,9 Kilometern, im Jahr 2000 waren es noch 14,8 Kilometer. Zahlreiche Studien bescheinigen dem Pendeln eine gesundheitsschädliche Wirkung. Pendeln führt zu Stress, zu verkürzter Schlafdauer wegen längerer Arbeitswege, zu Schlafstörungen und zu vermehrter Ansteckung mit Infektionskrankheiten.

6. In der Stadt lebt es sich geselliger – und offener

Laut einer Umfrage der Zeitung "Die Zeit" aus dem Jahr 2017 treffen Menschen in Städten ihre Freunde öfter als Menschen auf dem Land. 48 Prozent der in Großstädten lebenden Menschen gaben an, wöchentlich Geselligkeit mit Freunden, Verwandten oder Nachbarn zu pflegen. Auf dem Dorf sind es nur 40 Prozent.

Die Menschen in Städten sind auch gegenüber anderen Kulturen offener. Nicht nur hat hier ein größerer Anteil (33 Prozent zu 14 Prozent) schon einmal für mindestens drei Monate im Ausland gelebt. Städter haben auch mehr Ausländer in ihrem Bekanntenkreis, sind weitaus offener zum Beispiel gegenüber einem muslimischen Bürgermeister und sie akzeptieren türkische Familienmitglieder mehr.

Und auch bei der Gleichberechtigung der Geschlechter ist die Stadt weiter: In Städten arbeiten mehr Frauen in Vollzeit als auf dem Land.

Menschen in einem Café in Berlin
In der Stadt gibt es vielfältige gastronomische und kulturelle Angebote. © Getty Images

Fazit zu Stadt oder Land

Ob das Leben auf dem Land wirklich besser ist, wie es so oft heißt, ist nicht pauschal zu beantworten. Es ist – wie so oft im Leben – eine Typfrage.

Für viele erscheint das Leben am Stadtrand als optimaler Kompromiss, der die Annehmlichkeiten von Stadt- und Landleben vereint. Aber genau deshalb ist die Nachfrage groß nach Immobilien rund um die lebenswertesten Städte in Deutschland – was wiederum direkte Auswirkungen auf die Preise hat. Nicht umsonst spricht man häufig vom "Speckgürtel".

Wer auf Standortsuche ist, sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass er irgendwo besonders leicht ein Immobilien-Schnäppchen machen kann. Im Zweifel wissen Menschen und Makler vor Ort sehr gut Bescheid, was ein Grundstück, Haus oder eine Wohnung wert ist. Tipp: Nutzt unsere kostenlose Immobilienbewertung, damit bekommt ihr in nur fünf Minuten einen guten Eindruck.

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