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Landflucht: Zahl der Landbevölkerung auf Rekordtief

Mithilfe neuer historischer Daten untersuchten Wissenschaftler die Landflucht in Deutschland in den vergangenen 150 Jahren – mit einem eindeutigen Ergebnis: Deutschlands Städte werden immer populärer, das Land verliert seine Bindekraft.

Deutschlands Städte ziehen seit 150 Jahren neue Einwohner an. Der Anteil der Landbevölkerung hat mittlerweile sowohl in schrumpfenden Regionen als auch in Wachstumsregionen den niedrigsten Stand seit 1871 erreicht. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Dresdner Niederlassung des ifo Instituts.

Die Forscher untersuchten mithilfe neuer historischer Daten die Urbanisierung in Deutschland.

Anteil der Stadtbevölkerung auf historischem Rekordstand

Aus den Daten geht hervor, dass der Anteil der Stadtbevölkerung einen neuen historischen Rekordstand erreicht hat – und zwar sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland. Den Trend zur Urbanisierung beobachten die Wissenschaftler sowohl in wachsenden Regionen wie Hessen als auch in stark schrumpfenden Regionen wie Sachsen oder in stagnierenden Regionen wie dem Raum Berlin/Brandenburg.

Heute leben in Berlin/Brandenburg 88 Prozent aller Einwohner in Städten. In Hessen sind es 83 Prozent, in Sachsen 78 Prozent.

Laut der Studie verstärkt sich die Landflucht seit den 2000er-Jahren wieder. Die Entwicklung verlaufe zwar deutlich weniger schnell als zur Zeit der Industrialisierung in den 1870er-Jahren. Dafür sei Sie sei aber ungebrochen.

Einwohnerverteilung erschwert flächendeckende Versorgung

Die Forscher sehen eine immer stärkere Ballung der Bevölkerung an wenigen Orten. "Vor allem junge Menschen meiden das Land. Dadurch fehlen Fachkräfte und Geburten, was die Unwucht auf mittlere Sicht zusätzlich verschärft", so der Studienleiter.

Die steigende räumliche Unwucht in der Einwohnerverteilung erschwert die flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Leistungen wie Gesundheit, Pflege und Verkehrsinfrastruktur.

Die ifo-Forscher fordern deshalb eine Debatte über die Stärkung des ländlichen Raumes. Denkbar seien neue oder reaktivierte Außenstellen von Behörden und Hochschulen auf dem Land sowie ein Abbau der Benachteiligung kleiner Gemeinden bei den Finanzzuweisungen der Bundesländer.

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