Mit Gras bewachsenes Schrägdach
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Schrägdach begrünen – die unmögliche Dachbegrünung?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Eine Dachbegrünung ist bei Flachdächern keine Besonderheit. Doch wie sieht es bei Flächen mit Neigung aus: Ein Schrägdach begrünen – ist das überhaupt möglich? Und wenn ja, wie? Hier erfahrt ihr, unter welchen Bedingungen sich das Vorhaben umsetzen lässt.

Carports, Garagen und Wohnbungalows gibt es viele mit grünem Haupt. Flachdächer sind prädestiniert für eine Begrünung. Pultdächer, Satteldächer und Walmdächer hingegen sieht man äußerst selten mit Pflanzenbewuchs. Ab einer Neigung von zehn Grad ist das Vorhaben komplexer, aber nicht unmöglich. Ihr könnt ein Schrägdach begrünen, wenn ihr ein paar Besonderheiten beachtet.

Schrägdach begrünen vs. Flachdach begrünen

Um ein Flachdach zu begrünen, sind ein wenig handwerkliches Geschick und ein grüner Daumen von Vorteil. Das Projekt lässt sich aber in wenigen Schritten selbst umsetzen. Wie das geht, erklären wir euch ausführlich in unserem Ratgeber "Dach begrünen in 7 Schritten: So geht der Gründachaufbau".

Beim Schrägdach ist die Lage eine andere. Hier solltet ihr euch Unterstützung vom Experten holen. Das hat einen einfachen Grund: Bei Dächern ab einer Neigung von zehn Grad wirken zunehmend Schubkräfte. Die verschiedenen Gründachschichten wie Vegetation, Substrat und Drainage drohen abzurutschen. Sie müssen durch spezielle Systeme ausreichend gesichert sein. Hinzu kommen Risikofaktoren wie Erosion und Unwetter. Diese können das Gründach leichter schädigen als es beim Flachdach der Fall ist.

Schrägdach begrünen: Die Voraussetzungen

Bis zu einem Neigungswinkel von 45 Grad ist eine Dachbegrünung in der Theorie umsetzbar. In der Praxis müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das Dach ist tragfähig. Die Dachbegrünung erzeugt zum Teil hohe Flächenlasten von 40 Kilogramm pro Quadratmeter.
  • Substrat und Vegetationsschicht sind ausreichend vor Schubkräften, Erosion und Unwetter geschützt.
  • Der Gründachaufbau hat genügend Schwellen, um Schubkräfte auszubremsen.
  • Die Traufe ist stabil genug, um die Begrünungsschichten vor dem Abrutschen zu sichern.
Ein Gründach auf einem EInfamilienhaus
Flache Dachneigungen sind eher unproblematisch, aber ab einer Dachneigung von 10 Grad sind der Einbau von Erosionsschutzgewebe sowie eine stabile Traufe notwendig. © iStock

Intensive oder extensive Begrünung des Schrägdachs?

Eine intensive Dachbegrünung ist eine Art "Dachgarten". Die Last ist entsprechend groß. Dem halten nicht viele Dächer stand. Diese Gründach-Variante ist deshalb in der Regel nur bis zu einer Neigung von maximal 5 Grad ratsam.

Schrägdächer, insbesondere Konstruktionen aus Holz, haben eine vergleichsweise geringe Tragfähigkeit. Daher wird hier meist eine dünnschichtige extensive Begrünung aufgebracht.

Lest hier mehr zum Thema intensive und extensive Begrünung.

Einfamilienhaus mit begrüntem Schrägdach
Grün statt Rot: Einfamilienhaus mit extensiver Dachbegrünung. © BuGG

Wie ist ein begrüntes Schrägdach aufgebaut?

Die Gründachschichten sind bei geneigten Dächern die gleichen wie beim Flachdach. Ihr benötigt jedoch zusätzliche Aufbausysteme, die Pflanzen, Substrat und Co. gegen ein Abrutschen sichern. Dafür gibt es je nach Neigungswinkel verschiedene Lösungen:

  • Ab einer Neigung von 10 Grad sind der Einbau von Erosionsschutzgewebe sowie eine stabile Traufe notwendig.
  • Bei 15 Grad Neigung oder mehr werden zusätzliche Schubschwellen benötigt, zum Beispiel eine Traufaufkantung und ein spezielles Schubsicherungssystem.
  • Werden 30 Grad Neigung überschritten, ist der Einsatz vorkultivierter Gründachelemente oder Vegetationsmatten vorgesehen. Diese sind meist kombiniert mit speziellen Substratmischungen und Schubschwellen.
Aufbau Gründachaufbau

Im Vergleich zur Begrünung beim Flachdach, die ihr in der Abbildung oben seht, kommen bei geneigten Dächern zwei wesentliche Elemente hinzu:

1. Erosionsschutzgewebe

Zwischen der Vegetationsschicht und dem Substrat wird ein schweres, grobmaschiges Gewebe aufgebracht. Dieses Netz besteht meist aus Jute und verhindert, dass Wind oder Wasser die Schichten abtragen.

2. Schubsicherungssystem

Bei Schrägdächern ab 15 Grad wird in der Regel ein spezielles Schubsicherungssystem auf dem Dach montiert. Dieses kann aus Holz oder Kunststoff bestehen. Es gibt zum Beispiel Lattenkonstruktionen, Platten, Netze oder Seile. Die Profile liegen meist lose auf der Dachabdeckung und sind in der Traufe abgestützt. Ziel ist es, eine Art Gitter mit Schubschwellen zu bilden, die das Gründach absichern.

Schubsicherungssysteme gibt es von verschiedenen Herstellern. ZinCo beispielsweise bietet eine spezielle schubtragende Matte an, in der sich die Elemente der Substratschicht verankern können. Zusätzliche Wasserspeichermulden ermöglichen zudem ein leichtes Bewässern der Pflanzen in Trockenperioden.

Der Hersteller Optigrün ist ebenfalls auf das Begrünen von Schrägdächern spezialisiert. Hier gibt es praktische Kunststoffträger, die als System zur Schubsicherung dienen.

Lohnt eine Solaranlage auf dem begrünten Schrägdach?

Auch auf geneigten Gründächern ist die Montage einer Photovoltaikanlage möglich und sogar sinnvoll. Die Bepflanzung hat einen kühlenden Effekt auf die Umgebungstemperatur. Das ist von Vorteil, da die Leistung der meisten Solarmodule von ihrer Betriebstemperatur abhängig ist. Deshalb lassen sich mit Photovoltaikanlagen in Kombination mit einer Begrünung in der Regel bessere Werte erzielen.

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