Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Dach
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Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Strom erzeugen mit einer Photovoltaikanlage: Ist das wirklich nachhaltig?

Sven Rohde

Level: Für Alle

Immer mehr Hausbesitzer installieren eine Photovoltaikanlage auf ihrem Dach, um sich von Energieversorgern unabhängig zu machen. Aber ist der selbst erzeugte Strom tatsächlich besser für Klima und Umwelt? Wir haben für euch den Check gemacht.

Seit Jahren sinken die Preise für Solarmodule, während die Strompreise immer weiter steigen. Das eigene Kraftwerk auf dem Hausdach scheint also eine gute Idee, um sich vor steigenden Stromkosten zu schützen, Abschied von Kohle- oder Atomstrom zu nehmen und damit Klima und Umwelt zu schützen.

Doch natürlich ist Sonnenenergie nicht "kostenlos", wie es manchmal heißt – weder finanziell noch ökologisch. Auch bei der Photovoltaik steht Energieaufwand gegen Energiegewinn. Wie die Bilanz am Ende aussieht, ist eine der Fragen, die wir hier für euch beantworten.

Vorteile: So effizient nutzt Photovoltaik die Kraft der Sonne

Um den Klimawandel aufzuhalten, ist der Umstieg auf erneuerbare Energien unverzichtbar. Neben Wind- und Wasserkraft ist die Sonne die wichtigste Energiequelle für klimafreundlichen Strom.

1. Der Umstieg auf Photovoltaik verringert den CO2-Ausstoß

Das Umweltbundesamt hat ausgerechnet, dass eine Photovoltaikanlage über ihre gesamte Lebensdauer pro Kilowattstunde Strom etwas mehr als 0,6 Kilogramm CO2 im Vergleich zu konventionellem Strom vermeidet. Je nach Größe der Anlage summiert sich die Einsparung bei einem Einfamilienhaus also auf sechs bis zehn Tonnen im Jahr.

2. Das hauseigene Kraftwerk liefert "echten" Ökostrom

Nicht alle Ökostrom-Tarife von Energieversorgern sind wirklich so "grün", wie sie behaupten. Beim Solarstrom vom eigenen Dach handelt es sich hundertprozentig um Ökostrom.

3. Kein zusätzlicher Flächenbedarf

Anders als große Wind- oder Solarparks nutzen kleine PV-Anlagen einfach die vorhandene Dachfläche und schonen damit Ressourcen.

4. Kleine PV-Anlagen fördern die große Energiewende

Wenn Strom dezentral erzeugt und verbraucht wird, entlastet das die Stromnetze. Tendenziell müssen weniger Stromleitungen gebaut werden.

5. Energetische Amortisation nach wenigen Jahren

Dass die Herstellung der PV-Anlagen angeblich mehr Energie verbraucht, als sie während ihrer Laufzeit erzeugen, ist ein falsches Gerücht. Je nach Standort haben typische Anlagen in Deutschland nach zwei bis drei Jahren die für ihre Produktion aufgewendete Energiemenge wieder "zurückgezahlt".

Photovoltaikanlage neben einer Dachterrasse
Photovoltaikanlagen nutzen bereits vorhandene Flächen und versiegeln keine zusätzlichen Flächen. © Arnt Haug

Nachteile: Auch Sonnenstrom hat Schattenseiten

Auch wenn Photovoltaik grundsätzlich eine gute Sache ist, gibt es ein paar Punkte, die ihre Nachhaltigkeit beeinträchtigen können.

1. Nicht alle Solarmodule haben eine Top-Bilanz

PV-Module aus chinesischer Produktion haben eine schlechtere Klimabilanz als jene aus europäischer Herkunft. Weil in China mehr fossile Energien eingesetzt werden, ist der CO2-Ausstoß für die Herstellung etwa doppelt so hoch und die "Energierückzahlzeit" entsprechend länger. Über die gesamte Lebensdauer gesehen, sparen sie trotzdem weit mehr CO2, als bei der Herstellung freigesetzt wurde.

2. Photovoltaik kann zur Stromverschwendung verleiten

Mit bestem Gewissen richtig viel Strom verbrauchen? Das ist auch bei Solarstrom keine gute Idee. Die nachhaltigste Energie ist immer noch die, die nicht verbraucht wird.

3. Verdrängung der Solarthermie

Elektrisch zu heizen war lange verpönt, weil bei der Umwandlung von Strom in Wärme viel Energie verloren geht. Die boomende Photovoltaik verhilft nun Elektroheizungen zum Comeback und verdrängt damit eine andere Solartechnik: die Solarthermie, bei der mit der Sonnenenergie direkt geheizt werden kann. Dabei ist gerade die Solarthermie sehr nachhaltig und braucht nur wenig Dachfläche, um Wärme für Brauchwasser oder Heizungsunterstützung zu liefern.

4. Schadstoffe in Solarmodulen

Je nach Technologie enthalten PV-Module zumindest geringe Mengen von Schadstoffen, beispielsweise Blei in Siliziummodulen und Cadmium in Dünnschichtmodulen. Noch ist es nicht gelungen, diese Substanzen komplett zu ersetzen. In die Umwelt gelangen können sie aber in der Regel nur bei unsachgemäßer Entsorgung.

Fazit: So wird eure Photovoltaikanlage nachhaltig

Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach macht euch unabhängiger von steigenden Strompreisen und ist ein bedeutender Beitrag zum Klimaschutz. Damit eure eigene Stromproduktion wirklich nachhaltig wird, solltet ihr nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Qualität und Langlebigkeit der Module achten und nicht zu absoluten Billigprodukten greifen. Auf die Produkte namhafter Hersteller ist in der Regel Verlass. Das gilt auch für renommierte Anbieter aus Fernost. Allerdings ist bei ihnen die Klimabilanz zumeist weniger günstig.

Außerdem gilt: Je effizienter eine Anlage läuft, umso besser ist das für die Umwelt. Eine gute Planung ist deshalb wichtig. Ob euer Dach für Photovoltaik geeignet ist, könnt ihr selber vorab mit dem Solardach-Check von Co2online überprüfen.

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