Makler mit Familie vor Haus
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Maklerprosa: 15 Formulierungen in Immobilienanzeigen und was sie wirklich bedeuten

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Ruhige Lage, aufwendig sanierter Altbau, offener Wohnstil: Wovon man sich in Immobilienanzeigen angesprochen fühlt, ist oft eine Mogelpackung. Manche Makler versuchen ihre Kunden durch sprachliche Kniffe zu täuschen. Wir verraten, was in Wahrheit hinter typischer Maklerprosa steckt.

Eine der wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Immobilienmakler ist ihre Redegewandtheit. Sprache kann aus einem sanierungsbedürftigen Appartement in schlechter Lage eine absolute Traumwohnung machen. Zumindest auf den ersten Blick. Damit ihr nicht auf Maklerprosa reinfallt, stellen wir euch 15 Formulierungen aus Immobilienanzeigen vor, die etwas anderes bedeuten als ihr wahrscheinlich vermutet.

1. "Ruhige Lage"

Ein unverstellter Blick in die Natur, Spazierwege direkt vor der Haustür und gackernde Hühner anstelle von Verkehrslärm: Eine "ruhige Lage" kann herrlich sein. Wenn ihr diese Formulierung in Immobilienanzeigen lest, solltet ihr euch aber darüber bewusst sein, dass ihr zum nächsten Bus wahrscheinlich 20 Minuten laufen müsst. Und der fährt auch nur jede Stunde ins nächste Stadtzentrum. Kurzum: Ruhige Lage ist etwas für alle, die Fuchs und Hase gute Nacht sagen wollen.

Übrigens: "Wohnen inmitten unberührter Natur" ist jenseits von Fuchs und Hase. Hier wohnt ihr mit Sicherheit idyllisch, aber sehr isoliert.

2. "Unverbaute Südlage"

Jackpot! Südausrichtung ist vor allem für Sonnenanbeter schon mal ein echter Pluspunkt. Ist das Umfeld dann auch noch unverbaut, könnte es sich bei diesem Haus oder der Wohnung um einen Sechser im Lotto handeln. Aber Vorsicht: Unverbaut ist nicht mit unverbaubar gleichzusetzen. Es könnte also passieren, dass euch die schöne Aussicht gen Süden in naher Zukunft zugemauert wird. Ein Blick in den Bebauungsplan kann für Klarheit sorgen.

3. "Familienfreundliches Wohnen"

Wer wünscht sich keine Wohnung in freundlicher Umgebung, wo Familien willkommen sind? Seid euch bewusst: Ein familienfreundliches Umfeld bedeutet, dass fußläufig Kindergärten, Kitas, Spielplätze oder eine Spielstraße, Schulen, vielleicht auch Freibäder und andere Angebote für die Kleinen zu erreichen sind. Das mag praktisch sein, aber stellt euch nur die Geräuschkulisse von früh bis spät vor. Mit dem Mietvertrag am besten direkt ein Abo für Ohrschützer abschließen.

Ein guter Makler ist bei der Immobiliensuche Gold wert. Lest auch: Makler finden: 5 Tipps für die erfolgreiche Maklersuche

4. "Verkehrsgünstige Lage"

Das Gegenteil von ruhiger Lage dürfte die "verkehrsgünstige Lage" sein. Abgase, Hupkonzerte, quietschende Reifen, ratternde Straßenbahnen oder anfahrende Busse – und das 24/7. Wer besonders viel Glück hat, der kann sich sogar auf vorbeirauschende Güterzüge freuen und den Fernseher schon mal standardmäßig voll aufdrehen.

Mehr zum Thema: Lärmprotokoll: Ruhestörungen richtig dokumentieren

5. "Wenige Autominuten von der Stadt entfernt"

Im Vergleich zur verkehrsgünstigen Lage klingt "wenige Autominuten von der Stadt entfernt" wie eine Wohltat. Allerdings liegt der Fokus hier auf Auto. Denn das braucht ihr bei dieser Immobilie unbedingt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sieht es eher schlecht aus.

Wer sich eine gute Anbindung wünscht und vom Bett in den Bus fallen möchte, sollte auf eine "zentrale Lage" setzen. Hier befinden sich allerdings nicht nur der Nahverkehr, sondern auch Kneipen, Restaurants, Supermärkte und andere Geschäfte des täglichen Bedarfs vor der Tür oder sogar direkt im Haus.

6. "Aufstrebendes Viertel"

Hier treffen sich junge Start-up-Gründer zum Arbeiten im Co-Working-Space, hier werden regelmäßig Straßenflohmärkte veranstaltet, hier finden Hipster ebenso ein Zuhause wie Althippies. Oder etwa nicht? Ein aufstrebendes Viertel ist noch lange kein Szeneviertel und wird vielleicht auch niemals eines sein. Wahrscheinlicher ist es, dass ihr eine überhöhte Miete zahlt, jahrelang Baulärm ausgesetzt seid und schräge Nachbarn habt. Mehr zum Thema: Nachbarschaftsstreit: Was dürfen die Nachbarn – und was nicht?

7. "Charmanter Altbau"

Für eine charmante Altbauwohnung stehen Interessenten oft Schlange. Hohe, Decken, verschnörkelter Stuck und uriger Dielenboden sind für viele ein Traum. So stellt man sich einen Altbau zumindest vor. Der Begriff kann aber auch bedeuten, dass die Wohnung schlicht und einfach sehr, sehr alt ist. Im schlimmsten Fall also sanierungsbedürftig, hellhörig und feucht – und das für eine horrende Miete. Wollt ihr das wirklich? Gute Argumente, die dafür sprechen, könnt ihr in diesem Ratgeber nachlesen: 5 gute Gründe fürs Sanieren eines Altbaus

Sanierung eines Altbaus
Altbauwohnungen sind charmant, aber oft auch sanierungsbedürftig. © Getty Images/iStockphoto/hanohiki

8. "Aufwendig sanierter Altbau"

Eine schicke Altbauwohnung, die jetzt einem Neubau gleicht? Gekauft! Nicht so schnell, denn "aufwendig saniert" heißt nicht zwangsläufig gut gedämmt, dreifach verglast und hochwertig ausgestattet. Womöglich war die Immobilie vor den Maßnahmen eine Bruchbude und entspricht jetzt dem normalen Standard.

9. "Studio-Wohnung"

Studio klingt wie die kleine Schwester von Loft. Gar nicht so falsch, allerdings dürfte es sich um die sehr kleine Schwester handeln. Denn eine Studio-Wohnung ist meist ein einfaches, rechteckiges 1-Zimmer-Appartement mit winziger Küchenzeile – ohne Flur und Abstellraum. Immerhin, ein verschließbares WC gibt es in der Regel. Ansonsten darf man hier nicht allzu viel Komfort erwarten.

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10. "Außergewöhnliche Architektur" oder “individueller Grundriss"

Adjektive wie "außergewöhnlich" und "individuell" sind in Immobilienanzeigen meist ein Garant für eine Mogelpackung. Hier möchte der Makler Interessenten um den Finger wickeln, die kein Nullachtfünfzehn wollen – und entsprechend auch bereit sind, mehr zu zahlen. Ohne wirklich mehr dafür zu bekommen. Es kann sich lohnen, vorab den Verkehrswert zu ermitteln.

11. "Offener Wohnstil"

Ein offener Wohnstil lässt Freiheit erahnen. Viel Licht, viel Platz und Raum für Individualität. Gut möglich, allerdings müsst ihr euch damit arrangieren, dass sich das gesamte Leben in einem, wenn auch weitläufigen, Zimmer abspielt. Herrscht mal Streit mit dem Partner oder braucht man eine Verschnaufpause von den Schwiegereltern, die zu Besuch sind, bleibt nur das Bad als Rückzugsort.

Loft
Ein offener Wohnstil kann reizvoll sein, man muss diese Art des Wohnens aber wirklich wollen. © Celeste Najt für Homemade Studio

12. "Garten"

Ihr träumt schon lange von einem eigenen Garten? Dann lasst euch nicht sofort von einer entsprechenden Formulierung in der Immobilienanzeige in die Irre führen. Auch ein winziges Rasenstück vor der Terrasse oder ein Grünstreifen hinter den Parkplätzen darf sich Garten nennen.

13. "In Kürze bezugsfertig"

Kennt ihr diese Menschen, die "sofort" sagen, aber "in ein paar Stunden" meinen? So ähnlich verhält es sich mit "in Kürze bezugsfertig". Das kann Ende des Monats oder in zwei Jahren bedeuten. Schaut besser genau hin, ob das Haus bereits fertiggestellt ist oder sich noch im Bau befindet. Selbst wenn euch eine zeitnahe Übergabe versprochen wird, Verzögerungen sind immer möglich und können teuer für euch werden.

14. "Staffelmiete"

Der Begriff Staffelmiete ist ein anderes Wort für jährliche Mieterhöhung. Ihr unterschreibt mit dem Mietvertrag, dass der Eigentümer jedes Jahr mehr Geld von euch verlangen darf.

15. "Gut erhalten"

Hier kauft ihr die Katze im Sack. "Gut erhalten" kann so ziemlich alles bedeuten, nur nicht neuwertig. Eher erwarten euch Badfliesen aus Omas Zeiten, vergilbte Tapeten und geschmacklose PVC-Böden. Stellt euch in jedem Fall auf eine aufwendige Renovierung ein.

Fallt im Gegenzug nicht auf die Formulierung "hochwertig" rein. Zwar ist eine Sanierung hier wahrscheinlich nicht erforderlich, geschmackvoll muss die Ausstattung trotzdem nicht sein.

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