Ein Bagger steht auf einer Baustelle.
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Wohnen | Ratgeber

Baulärm in der Nachbarschaft: Was tun, wenn es nebenan zu laut wird?

Michael Penquitt

Baulärm in der Nachbarschaft ist nicht nur lästig, sondern kann auch zu Lasten der Gesundheit gehen. Was ihr euch gefallen lassen müsst und ob eine Mietminderung die Lösung ist, erfahrt ihr hier.

Wenn der Nachbar seine Wohnung renoviert oder sich nebenan eine Großbaustelle niederlässt, können die Nerven schnell blank liegen. Vor allem der irritierende Baulärm treibt manche Menschen in den Wahnsinn. Das ist verständlich und doch müssen Baustellen manchmal nun mal sein. Bis zu einem gewissen Grad müsst ihr das aushalten. Wenn es euch zu laut wird, könnt ihr gewisse Maßnahmen ergreifen.

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Wie laut darf eine Baustelle sein?

Generell müssen Anwohner Baustellenlärm dulden. Mietern in der Stadt wird ein höheres Lärmniveau zugemutet als Landbewohnern. In einem dicht bebauten Gebiet müsst ihr also jederzeit damit rechnen, dass in der Nähe gebaut wird. Ihr müsst euch aber auch nicht alles gefallen lassen.

Grundsätzlich gelten, ob auf dem Land oder in der Stadt, Ruhezeiten zwischen 20 und 7 Uhr. Auch sonntags muss die Ruhe eingehalten werden, der Samstag zählt hingegen als gewöhnlicher Werktag. Das heißt nicht, dass in den Ruhezeiten gar nicht gebaut werden darf. Die Bautätigkeit muss nachts aber leiser sein als tagsüber.

Der Blick ins Bundesimmissionsschutzgesetz sorgt für etwas Klarheit: In Wohngebieten darf der Dauerschallpegel tagsüber keine 55 Dezibel überschreiten. In Kurorten gilt sogar ein strengerer Grenzwert von 45 Dezibel. Nachts darf es hier wie da nicht lauter sein als 35 Dezibel. Da in bestimmten Bauphasen diese Werte nicht immer eingehalten werden können, ist kurzzeitig auch eine Toleranz von bis zu fünf zusätzlichen Dezibel erlaubt. In reinen Industriegebieten darf hingegen rund um die Uhr bei bis zu 70 Dezibel gearbeitet werden.

Genau definiert ist der erlaubte Lärmpegel lediglich bei gewerblich betriebenen Baustellen. Der Nachbar, der eine private Renovierung unternimmt, verursacht rechtlich gesehen keinen Baulärm. Nachbarn sollten vor allem umsichtig sein und, soweit es möglich ist, Augenmaß und Rücksichtnahme walten lassen.

Was kann ich gegen Baulärm unternehmen?

Wenn ihr den Baulärm für zu laut haltet, solltet ihr zunächst das tun, was wir bei jedem Nachbarschaftskonflikt empfehlen: Geht persönlich vorbei und macht den Bauherren freundlich auf die Lärmbelästigung aufmerksam. Womöglich bewirkt das schon etwas. Denn wenn sich niemand beschwert, haben die Bauarbeiter wenig Grund ihre Arbeit auf eine mögliche Überschreitung der Grenzwerte zu überprüfen.

Wenn sich nichts tut, könnt ihr bei einem Verdachtsfall immer noch das örtliche Umweltamt um eine professionelle Lärmmessung bitten. Bei erwiesenem Verstoß gegen die gesetzlichen Lärmschutzauflagen können Bauaufsichtsbehörden Zwangsmaßnahmen zur Reduzierung der Lautstärke bestimmen. Diese können sogar einen Baustopp beinhalten, doch ob das im Interesse der Anwohner ist, sei dahingestellt. Schließlich verschwindet die Baustelle dadurch nicht, sondern verzögert sich.

Die Behörde kann auch Bußgelder verhängen. In besonders schweren Fällen könnt ihr sogar eine Strafanzeige wegen Körperverletzung stellen. Das sollte aber der allerletzte Ausweg sein.

Ist eine Mietminderung aufgrund von Baulärm erlaubt?

Eine etwas üblichere Option für Mieter ist es, vom Vermieter eine Mietminderung zu verlangen. Dabei ist es unerheblich, ob der Vermieter für den Krach verantwortlich ist oder nicht. In keinem Fall solltet ihr aber auf eigene Faust die Miete mindern. Sucht zunächst eine Rechtsberatung auf und lasst schätzen, wie hoch die Mietminderung im vorliegenden Fall betragen sollte. Von fünf bis 40 Prozent ist alles möglich. Wenn die Wohnung komplett umbewohnbar sein sollte, kann die Mietminderung sogar noch höher ausfallen.

Doch nicht immer geben Gerichte den Mietern Recht. Ausnahmen liegen beispielsweise vor, wenn Bautätigkeiten zu erwarten sind. Das ist in Städten besonders häufig dann der Fall, wenn ein Bauprojekt in der Nachbarschaft bereits bei der Unterzeichnung des Mietvertrags angekündigt ist. In manchen Fällen reicht auch schon eine bestehende Baulücke, von der man ausgehen kann, dass sie in absehbarer Zeit geschlossen werden wird.

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