Eine Rolle Jutestoff
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Bauen | Ratgeber

Jutedämmung: Alles über Jute als Dämmstoff

Katharina Schneider

Wer sein Haus mit ökologischen Materialien dämmen will, sollte sich auch mit Jute auseinandersetzen. Jutedämmung ist ein noch recht junges Produkt. Neben guten Dämmeigenschaften punkten die Produkte mit einer guten Ökobilanz – und einem vergleichsweise günstigen Preis.

Jutedämmung gibt es noch nicht lange. Und es hätte die Dämmprodukte aus Jute vielleicht nie gegeben, wäre nicht der Chef des Schokoladenherstellers Ritter Sport Gesellschafter bei Thermo Natur. Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Nördlingen stellt seit 1998 pflanzliche Dämmstoffe her. Seit kurzem auch aus Jute-Säcken. Und zwar aus denen, die Ritter Sport von dem Transport der Kakaobohnen ohnehin übrig hat. Die Lebensmittelverordnung schreibt vor, dass diese Säcke nur einmalig genutzt werden dürfen. Bislang musste Ritter Sport die Säcke deponieren. Nun entstehen aus ihnen Upcycling-Dämmstoffe.

Die Jutesäcke werden aus der gleichnamigen Pflanze der Gattung Corchorus hergestellt. Die einjährige Pflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wird heute aber vorrangig in Bangladesch, Indien und anderen südasiatischen Ländern angebaut. Aus ihr werden Fasern gewonnen, die als besonders reißfest und dehnbar gelten. Wegen ihres Glanzes wird die Faser der Jute auch als "die goldene Faser" bezeichnet. Nach der Baumwolle ist sie die am häufigsten verwendete Naturfaser.

Zahlen und Fakten zur Jutedämmung

  • Kennzahl
  • Jutedämmung
  • Wärmeleitfähigkeit in W/(mK)
  • 0,037 bis 0,040
  • Wasserdampfdiffusionswiderstand
  • 1 bis 2
  • Baustoffklasse (Brandschutz) nach DIN 4102-2 und EN 13501-1
  • B2 (DIN) und E (EN)
  • Rohdichte in kg/m3
  • 30 bis 40
  • Spezifische Wärmekapazität in J/(kgK)
  • 3.350
  • Kosten
  • Dämmmatten zwischen 2,20 und 2,70 Euro pro m2
Jutepflanze
Jute ist eine einjährige Pflanze der Gattung Corchorus. Sie wird heute hauptsächlich in Indien und Bangladesch angebaut. © Getty Images/iStockphoto

Jute als Dämmstoff

Die Jutedämmung ist unter den ökologischen Dämmstoffen noch ein sehr junges Produkt und daher noch nicht weit verbreitet.

Einsatzgebiete von Jute als Dämmstoff

  • Jute als Dämmstoff gibt es als Matten und Rollen. Jute kann als Wärmedämmung für das Dach sowohl als Auf-, Zwischen- und Untersparrendämmung verwendet werden.
  • Auch Holzbalkendecken, Außen- und Innenwände, sowie Holzrahmen-, Holzständer- und Metallständerwände könnt ihr mit Dämmstoffen aus Jute dämmen.
  • In der Perimeterdämmung lässt sich Jute nicht anwenden.

Es gibt auch Stopfwolle aus Jute. Die dient allerdings weniger zur Dämmung, sondern wird als Dichtungsmaterial an Fugen von Fenstern und Türen verwendet. Da Dämmungen aus Jute einen sehr guten Hitzeschutz bieten, bieten sie sich für die Dämmung des Dachs an.

Jute wird auch in Kombination mit Holzfaserplatten verwendet, um diese zu stabilisieren. Auch Dämmmatten aus einer Mischung von Hanf- und Jutefasern sind im Handel erhältlich.

Wärmeleitfähigkeit von Jute

Jute bietet aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit einen guten Wärmeschutz. Die Wärmeleitfähigkeit liegt zwischen 0,037 und 0,040 Watt pro Meter und Kelvin.

Schallschutz: Jute eher im unteren Bereich

Jute ist nicht dafür bekannt, einen besonders guten Schallschutz zu bieten. Daher eignet sie sich nicht als Trittschalldämmung.

Feuchteschutz: Guter Ausgleich dank diffusionsoffener Struktur

Das Material ermöglicht einen guten Feuchteausgleich, da es viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Das macht Jute-Dämmungen resistent gegen Schimmelwachstum.

Brandschutz

Die Jutesäcke werden mit Soda gewaschen. Das dient auch gleichzeitig als Brandschutz. Dämmstoffe aus Jute gehören zur Baustoffklasse B2 und sind somit normal entflammbar.

Herstellung der Jutedämmung

Für die Produktion von Jute-Dämmstoffen werden zunächst Jutesäcke zerkleinert und anschließend mit Soda gereinigt. Das Soda fungiert nicht nur als Seife, sondern gleichzeitig auch als Brandschutzmittel. Anschließend werden die zerkleinerten Säcke mit Hilfe von Kunststoff- oder auch PLA-Fasern zu einem Vlies aufbereitet. PLA-Fasern sind Bio-Kunststoffe. Sie werden in der Regel aus Kartoffelstärke hergestellt. Die Stützfasern werden entweder mechanisch mit den Jutefasern verbunden oder durch Hitze verschmolzen.

Jute als Dämmstoff
Die Firma Thermo Natur stellt Dämmstoffe aus Jute her. © Thermo Natur

Nachhaltigkeit von Jutedämmung

Auch wenn Jute in weit entfernten Ländern wächst, ist die Ökobilanz des Materials als Dämmstoff sehr gut. Denn bei der Verwendung handelt es sich schon um den zweiten Lebenszyklus. Und: Die Säcke werden mit dem Kaffee und Kakao ohnehin nach Deutschland transportiert. Um die Bohnen zu schützen, muss für den Transport immer wieder ein neuer Sack verwendet werden.

Daher wurden die Säcke in Europa bisher verbrannt oder deponiert. Die Wiederverwendung macht Jute besonders umweltfreundlich. Außerdem sind die Dämmstoffe biologisch abbaubar und gelten als nicht gesundheitsschädigend. Da sie von Natur aus gegen Schädlinge und Schimmel resistent sind, fällt hier auch eine möglicherweise ökologisch fragwürdige Nachbehandlung weg. Wenn die Jutefasern mit den Stützfasern mechanisch zu einem Vlies verarbeitet werden, ist die Herstellung sehr energiearm.

Kaffeesack aus Jute
Die Säcke, in denen Kaffee und Kakao transportiert werden, sind aus Jute. Sie müssen nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden. © Getty Images/iStockphoto

Wo ihr Jutedämmung bekommt

Dämmstoffe aus Jute gibt es aktuell nur von Thermo Natur. Das Unternehmen bietet auf seiner Webseite eine Liste mit Händlern, die die Produkte vertreiben. Ihr bekommt die Jute-Produkte von Thermo Natur aber auch in Online-Shops mancher Baumärkte, wie Hornbach oder Naturanum. Die Dämmstoffe sind mit dem Öko-Bausiegel Natureplus zertifiziert.

Preis und Kosten von Jutedämmung

Dämmrollen und Dämmmatten aus Jute sind vergleichsweise günstig. Besonders im Vergleich zu Hanf, der als Dämmstoff mit der Jute vergleichbar ist.

"Jute ist ein günstiges Material", sagt René Görnhardt von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR). "Deshalb gibt es Jute-Dämmstoffe auch mit biopolymeren Stützfasern auf PLA-Basis." Bei teureren Materialien lohnt sich dies Aufbereitung oft nicht, da die Dämmstoffe dann sehr teuer werden würden.

Ein Quadratmeter Jutedämmung kostet zwischen 2,20 und 2,70 Euro. Hinzu kommen noch Einbaukosten. Allerdings ist das Material sehr leicht und unproblematisch in der Verarbeitung, weshalb es sich auch für Heimwerker eignet.

Vorteile und Nachteile von Jute als Dämmstoff

Jute hat als Dämmstoff viele Vorteile:

  • gute Dämmeigenschaften
  • guter sommerlicher Hitzeschutz
  • sehr gute Öko-Bilanz wegen Recycling
  • energiearme Herstellung
  • schadstofffrei
  • resistent gegen Schimmel und Schädlinge
  • biologisch abbaubar
  • feuchteregulierend
  • vergleichsweise günstig

Auch einige kleine Nachteile gibt es:

  • Baustoffklasse B2, normal entflammbar
  • Nicht geeignet für die Perimeterdämmung oder als Schallschutz

Fazit zur Jutedämmung

Noch ist Jute als Dämmstoff nicht weit verbreitet. Und das, obwohl das Material gute Dämmeigenschaften bietet und außerdem durch die Struktur der Fasern feuchteregulierend ist. Ein großer Vorteil von Jutedämmungen ist die Nachhaltigkeit. Denn die Jutesäcke erleben als Dämmstoffe ihren zweiten Lebenszyklus.

Außerdem ist Jute laut René Görnhart momentan das einzige Material, das mit Pflanzenfasern zu Matten aufbereitet wird. Das heißt, dass die Dämmstoffe kompostierbar sind. Ein weiterer Vorteil ist der Preis, der im Vergleich zu anderen pflanzlichen Dämmstoffen niedrig ist.

Jute-Dämmungen eignen sich für viele Einsatzgebiete. Wenn ihr euer Haus mit ökologischen Dämmstoffen dämmen wollt, dann lohnt es sich auf jeden Fall, über Jute in Kombination mit anderen Dämmstoffen nachzudenken. Hier erfahrt ihr mehr über den ökologischen Dämmstoff Holzfaser, Seegras, Holzwolle, Stroh und Zellulose.

Welcher ökologische Dämmstoff ist der richtige für euer Dämmprojekt? In unserem großen Vergleich der natürlichen Dämmstoff-Arten findet ihr hoffentlich die Antwort.

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