Böschung in einem Garten mit einer kleinen Natursteinmauer
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Bauen | Ratgeber

Hangbefestigung: Goldene Regeln und Möglichkeiten der Hangsicherung

Dirc Kalweit

Gabionen, Pflanzsteine, Matten – es gibt viele Möglichkeiten der Hangbefestigung. Wir zeigen euch die sieben beliebtesten Arten und geben euch allgemeine Tipps, was ihr vor der Sicherung euer Böschung beachten solltet.

Auf eurem Grundstück gibt es ein Böschung, die abzurutschen droht? Wir sagen euch, was ihr bei einer Hangbefestigung grundsätzlich beachten müsst und zeigen euch 7 Möglichkeiten, ein Grundstück mit Gefälle oder großem Niveauunterschied zu sichern.

Hang ist nicht gleich Hang. Um eine Böschung optimal zu befestigen, müsst ihr euch ein paar grundsätzliche Gedanken machen. Das reicht vom Gefälle bis hin zu einer eventuellen Baugenehmigung.

Hangbefestigung: Das solltet ihr beachten

Eine gute und vor allem sichere Hangbefestigung ist von einigen Faktoren abhängig. Folgendes solltet ihr grundsätzlich beachten:

  • Hangneigung: Eine der wichtigsten Parameter bei der sicheren Hangbefestigung. Die Hangneigung ist der Winkel zwischen dem Hang und einer gedachten, geraden Erdoberfläche (ähnlich der Meeresspiegelhöhe), dem so genannten Geoid.
  • Ausrichtung des Hanges: In welche Himmelsrichtung fällt der Hang ab? Ist er eher der Sonne ausgesetzt oder liegt er meist im Schatten? Das wirkt sich auf die Erosionsneigung des Bodens aus.
  • Beschaffenheit des Bodens: Fester Lehm oder lockerer Humus? Von Steinen durchsetzt oder kompakt? Ist eventuell schon Vegetation vorhanden? Auch die Beschaffenheit des Bodens spielt bei der Ermittlung des Sicherungsbedarfs eines Hanges eine wichtige Rolle.
  • Höhe des Hanges: Läuft der Hang sanft aus, dann ist eine Bepflanzung eher möglich als bei größeren Höhenunterschieden. Kommt eine natürliche Hangsicherung nicht in Frage, müsst ihr euch um eine bauliche Hangsicherung kümmern.
  • Terrassierung: Wenn die Höhenunterschiede zu groß sind, dann hilft auch die beste Befestigung nichts mehr – oder sie müsste überdimensional groß ausfallen. In diesen Fällen ist es sinnvoll, das Gelände zu terrassieren.

Wenn ihr euch über die Beschaffenheit des Geländes im Klaren seid, gibt es noch ein paar Grundregeln:

5 Grundregeln bei der Hangbefestigung

Bevor ihr euch an die Arbeit macht: Klärt anhand der folgenden Punkte, ob ihr euer Projekt allein bewältigen könnt oder gegebenenfalls doch auf professionelle Hilfe zurückgreift:

  1. Bauliche Hangsicherung: Bis zu welcher Höhe lässt sich eine Hangbefestigung noch selbst bauen? Dafür gibt es keine verbindlichen Angaben. Als grobe Faustregel gilt: Ab einer Höhe von einem Meter solltet ihr den Fachmann hinzuziehen. ABER ACHTUNG: Auch bei geringeren Höhen kann durch die oben beschriebenen Faktoren eine – im wahrsten Sinne des Wortes – Menge Druck auf dem Hang lasten. Wenn ihr euch also nicht sicher seid, fragt einen Garten- und Landschaftsbauer oder einen Statiker.
  2. Fundament und Drainage: Je steiler der Hang und je höher der Niveauunterschied, desto umfangreicher muss die Hangbefestigung sein. Bei fast allen baulichen Hangsicherungen müsst ihr – jedenfalls in Teilen – ein Betonfundament legen. Und ihr solltet unbedingt auch eine Drainage zur Entwässerung mit einplanen. Darüber hinaus müssen alle Baumaterialien frostsicher sein.
  3. Baugenehmigung: Fragt vor den Arbeiten an einer baulichen Hangbefestigung bei eurem örtlichen Bauamt, ob es eventuell konkrete Vorgaben in Bezug auf Größe und Ausführung gibt. Es wäre zu ärgerlich, wenn ihr eine mühsam errichtete Hangbefestigung wieder abreißen müsst, weil die örtliche Bausatzung etwas anderes vorsieht.
  4. Grenzfälle: Wer ist eigentlich dafür zuständig, dass ein Hang nicht zum Nachbarn hin abrutscht? Nachbarschaftsrecht ist eine komplizierte Sache. Klärt in solchen Grenzfällen frühzeitig, wer für die Sicherung und damit die Kosten aufkommt. Faustregel: Wer durch abgraben oder aufschütten ein künstliches Gefälle schafft, der hat in der Regel als Verursacher auch für eine sichere Hangbefestigung zu sorgen.
  5. Stufen planen: Allgemein gilt, dass ihr ab einer Neigung von sieben Grad bei einem Hang auch Stufen benötigt. Die Faustregel hier: Die doppelte Stufenhöhe (in Zentimetern) plus die Stufentiefe sollte kleiner als 63 Zentimeter sein. In vielen Fällen müsst ihr die Stufen an den Verlauf des Hanges anpassen, was Planung und Ausführung ziemlich schwierig macht.

7 Möglichkeiten der Hangbefestigung

Die ideale Hangbefestigung? Das hängt neben den örtlichen Gegebenheiten auch von eurem Geschmack ab. Wir geben euch eine Überblick der Möglichkeiten, einen Hang zu befestigen – von der einfachen Lösung bis zur professionellen Hangbefestigung.

1. Hangbefestigung mit Pflanzen

Gerade bei flacheren Böschungen eignen sich Pflanzen sehr schön als Hangsicherung. Beliebt sind hier bodendeckende Arten wie zum Beispiel:

  • Klassisches Efeu
  • Großblättriges Immergrün
  • Purpurbeere
  • Kornelkirsche
  • Golderdbeere

Achtet bei den Pflanzen für die Hangbefestigung auf pflegeleichte Arten, die recht schnell ein starkes Wurzelsystem bilden. Trotzdem dauert es natürlich seine Zeit, bis auch diese Pflanzen über ihr Wurzelwerk dem Hang entsprechend Halt geben.

Bis es soweit ist, müsst ihr den Hang zusätzlich sichern. Das geht schon mit Rindenmulch oder auch Holzhäckseln. Beides sorgt dafür, dass der Regen nicht ungebremst auf den Boden trifft und besser versickert.

Weitere, traditionelle Methoden der Hangsicherung sind zum Beispiel Weidenruten-Geflechte, Spreitlagen oder Faschinen. Bei allen drei Methoden bildet ein Zweiggeflecht eine Art liegenden Zaun. Der treibt entweder selbst aus oder bildet anderen Pflanzen Halt. Deshalb: Wer Wert auf eine ökologische Hangsicherung legt, der ist damit perfekt bedient.

2. Hangbefestigung mit Matten

Keine Lust auf's Selberpflanzen? Für Ungeduldige gibt es bodendeckende Pflanzen zu Kaufen, die auf (Kokos-)Matten vorgezüchtet sind. Die Matten werden per laufendem Meter verkauft und – ähnlich wie ein Rollrasen – direkt auf dem Hang verlegt.

Oder ihr nutzt spezielle Böschungsmatten aus Sisal. Die Matten schlitzt ihr kreuzförmig auf und setzt in die Schlitze die Pflanzen. Die Böschungsmatten gibt so ersten Halt und verrottet mit der Zeit. Darüber hinaus könnt ihr diese Matten auch mit kleinen Pflöcke, Zeltheringen oder Erdnägeln sichern, um das Abrutschen auf dem Hang zu verhindern.

Erosionsschutz: Hangbefestigung mit Jutenetz
Ähnlich den Matten werden auch Jutenetze für den Erosionsschutz von Hängen verwendet. © Flora Press/gartenfoto.at

3. Hangbefestigung mit Holz

Gerade bei geringeren Höhen ist die Hangbefestigung mit Holz eine Methode, die ihr mit etwas handwerklichem Geschick selber ausführen könnt. Palisadenhölzer sind dafür ein gutes Mittel, ihr findet diese in verschiedenen Größen im Baumarkt.

Die günstige Lösung (eine 100 Zentimeter hohe Holzpalisade mit einem Durchmesser von acht Zentimetern bekommt ihr für unter drei Euro) hat einen Nachteil: Trotz einer Druckimprägnierung verwittert das Holz durch den direkten Erdkontakt recht schnell.

4. Hangbefestigung mit Gabionen

Häufig dienen Gabionen als Sichtschutz oder günstiger Zaunersatz. Aber auch bei der Hangbefestigung kommen die steingefüllten Drahtkörbe immer öfter zum Einsatz.

Dabei reicht es aber meist nicht aus, eine Gabione lose gegen die Böschung zu stellen. Trotz des Eigengewichtes braucht ihr in den meisten Fällen auch zusätzlich ein Fundament. Gabionen eignen sich deshalb eher für Hänge mit mäßigem Gefälle. Oder ihr setzt sie bei der Terrassierung des Grundstücks ein.

Auch eine Drainage empfiehlt sich, denn im schlimmsten Fall sammelt sich Wasser zwischen den losen Steinen, gefriert und bringt durch die zusätzliche Last den Korb zum Kippen.

Tipp: Kletterpflanzen wie zum Beispiel Clematis oder Wilder Wein nutzen die Drahtkörbe gern als Rankhilfe. Das gibt euch Gestaltungsmöglichkeiten. Auch in die Spalten und Hohlräume könnt ihr Pflanzen einsetzen. Das hilft zwar nicht der Stabilität, aber der Optik.

Sicherung einer Böschung mit Hilfe von Gabionen
Gabionen sind bei der Hangbefestigung beliebt, weil sich die vorgefertigten Drahtkörbe relativ leicht platzieren lassen. © Getty Images/iStockphoto

Mehr Infos zu Gabionen findet ihr in diesem Beitrag:

5. Hangbefestigung mit Pflanztrögen

Pflanztröge, Pflanzringe oder auch Pflanzsteine haben in der Mitte einen Hohlraum. Den könnt mit Kies, Erde und den unterschiedlichsten Pflanzen füllen.

Hangbefestigung mit Pflanztrögen
Pflanztröge oder -ringe aus Beton sind eine preisgünstige Variante der Hangbefestigung. © Obi

Pflanztröge bestehen meist aus naturbelassenem Beton. Das ist zwar nicht so schön, aber sehr witterungs- und frostbeständig.

Beim Setzen der Pflanzsteine solltet ihr als zusätzliche Stabilisierung eine Schicht Beton-Mischung verwenden. Ganz wichtig: Achtet auf bewusst gesetzte Zwischenräume. Diese bilden die Abflussmöglichkeiten für das Regenwasser, damit sich dieses nicht anstaut.

Schematische Darstellung einer Hangbefestigung für Pflanztröge
Auch bei der Hangbefestigung mit Pflanztrögen kommt es auf ein solides Fundament an.

6. Hangbefestigung mit Natursteinen/Trockenbaumauern

Lose aufgeschichtete Steine – für den Bau einer Trockenmauer als Hangbefestigung braucht es Geschick und Erfahrung. Als Faustformel gilt: die Breite des Mauerfußes sollte mindestens ein Drittel der Höhe betragen, aber nie weniger als 30 Zentimeter. Außerdem muss sich eine Trockenmauer als Hangbefestigung in Richtung des abzustützenden Hanges neigen. Das ist dann die so genannte "Dossierung".

Trockenmauern werden selten höher als 1,50 Meter gebaut. Alles darüber hinaus bedeutet einen hohen Aufwand an Material und Zeit. Und: Trockenmauern ab einer Höhe von zwei Metern müssen von einem Statiker geprüft werden. Der stellt dafür dann ein so genannten Sicherheitsausweis aus.

Schematische Darstellung einer Trockenmauer
Schematische Darstellung einer Trockenmauer. Für so eine Hangbefestigung braucht es viel Geschick.

7. Hangbefestigung mit einer Schwergewichtsmauer

Die absolute Profi-Variante ist die Schwergewichtsmauer. Wenn es gilt, viel Masse zu sichern beziehungsweise große Niveauunterschiede zu überbrücken, dann geht das nur mit einer Schwergewichtsmauer mit entsprechendem Fundament.

Für diese Form der Hangbefestigung braucht ihr in aller Regel eine Baugenehmigung. Ein Statiker stellt die Berechnungen an, der besonders breite Fuß beträgt mindestens ein Drittel der Höhe.

Damit sich der Schwerpunkt der Mauer zum Hang hin neigt, verjüngt sich die Schwergewichtsmauer nach oben. Ihr könnt eine Schwergewichtsmauer betonieren oder mauern lassen. In beiden Fälle sind eine Schotterschicht und eine Drainage unerlässlich.

Schematische Darstellung einer Schwergewichtsmauer
Schematische Darstellung einer Schwergewichtsmauer: Die Lösung, wenn der Absatz der Böschung besonders hoch ist.

Die beste Hangbefestigung: Vorteile und Nachteile im Überblick

Die Errichtung einer Hangbefestigung will gut geplant sein. Hier noch mal die Vorteile und Nachteile einzelner Hangbefestigungen:

  • Art der Hangbefestigung
  • Vorteile
  • Nachteile
  • Pflanzen
  • ökologisch, natürlich, sehr dekorativ
  • pflegeintensiv, nur für flachere Hänge geeignet
  • Matten
  • schnell zu verlegen
  • pflegeintensiv, eignet sich nicht bei hohen Niveauunterschieden
  • Holz
  • sehr günstige Variante, einfach selbst zu errichten
  • kurze Haltbarkeit, nur für geringe Höhen geeignet
  • Gabionen
  • relativ leicht zu errichten
  • benötigt meist ein Fundament plus Drainage
  • Pflanztröge
  • relativ günstig, sehr witterungsbeständig
  • schlichtes Aussehen
  • Naturstein-/Trockenmauer
  • optisch ansprechend, fügt sich ins Landschaftsbild ein
  • schwierig im Aufbau, nur bis mittlere Höhen geeignet
  • Schwergewichtsmauer
  • extrem stabil, für hohe Lasten
  • sehr aufwändig und teuer

Übersicht der Vorteile und Nachteile einzelner Hangbefestigungen

Dementsprechend gilt: Für welche Variante ihr euch entscheidet, hängt von den Vorgaben des Grundstücks und eurer Baulust ab. Im Zweifelsfalle zieht aber unbedingt einen Fachmann zu Rate, um die Befestigung eures Hanges auch richtig und vor allem sicher zu bewältigen.

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