Laubrechen im Garten
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Gartenarbeit im Herbst: Tipps vom Garten-Experten

Joscha Thieringer

Level: Für Einsteiger

Wusstet ihr, dass Laub auch mal liegenbleiben muss und welche Gräser man auf keinen Fall beschneiden sollte? Gärtnermeister Olaf Beier erklärt die drei wichtigsten Aufgaben, die bei der Gartenarbeit im Herbst anfallen und sagt Hobbygärtnern, worauf sie besonders achten müssen.

Ganz ehrlich: Die Gartenarbeit im Herbst macht im Vergleich zum Frühjahr deutlich weniger Spaß. Wenn es draußen kühl und dunkel wird, ziehen sich nicht nur die Stauden ins wärmende Erdreich zurück. Sondern auch wir Menschen bleiben lieber in der warmen Stube. Dass der Herbst die beste Pflanzzeit für Sträucher, Rosen und Obstgehölze ist, ist vielen Hobbygärtnern gar nicht mehr bewusst.

Gärtnermeister Olaf Beier erklärt, welche Gartenarbeiten im Herbst neben den Pflanzarbeiten besonders wichtig sind und welche Fehler Hobbygärtner unbedingt vermeiden sollten.

Garten-Tipp 1: Laub im Herbst liegen lassen

"Wenn im Oktober die Blätter von den Bäumen fallen, weiß mancher Gartenbesitzer nicht wohin mit dem vielen Laub", sagt Olaf Beier. Oft werde alles fein säuberlich zusammengeharkt und in Säcken zur nächsten Deponie gebracht, ein klassischer Fehler: "Viel Arbeit und Kosten, die eigentlich gar nicht notwendig sind!", meint der Garten-Experte. "Für den Garten ist es viel besser, wenn das Laub dort verbleibt."

Igel im Laubhaufen
Ein Laubhaufen im Garten ist das ideale Winterquartier für Igel. © Getty Images

Laub ist wertvoller Humus, der durch die natürliche Verrottung dem Gartenboden verbrauchte Nährstoffe zurückbringt und für lockeren, krümeligen und fruchtbaren Boden sorgt. Viele nützliche Gartentiere – wie zum Beispiel der Igel, Schneckenfeind Nummer eins – sind im Winter auf einen wärmenden Laubhaufen angewiesen. "An einer etwas abgelegenen Stelle am Ende des Grundstücks sollte also unbedingt ein solcher Laubhaufen verbleiben", rät Olaf Beier.

Ein einfacher Tipp: ein grobmaschiges Netz, das über den Laubhaufen gespannt wird. "Es verhindert, dass der Wind den Haufen verweht. Außerdem schützt das Netz das Igel-Winterquartier."

Auch Rosen oder frostempfindliche Stauden können wirkungsvoll mit Laub vor Frostschäden bewahrt werden. "Dazu wird das Laub locker um die Pflanzen gehäuft und mit Zweigen oder Kaninchendraht vor dem Verwehen geschützt. Frostschutzmatten oder Noppenfolie, die viele Baumärkte zum Umwickeln kälteempfindlicher Pflanzen anbieten, kann man sich als Laubbaumbesitzer getrost sparen", sagt Olaf Beier.

Im April, wenn die Rosen und Stauden zu neuem Leben erwachen, wird das Laub um die Pflanzen entfernt. Auf einem Haufen am Grundstücksende kann es innerhalb der nächsten zwei Jahre zu wertvollem Kompost werden. "Welche bodenfruchtbarkeitsfördernde Wirkung Kompost hat, muss man einfach erleben", sagt der Garten-Experte. Sein Rat: eine drei bis fünf Zentimeter starke Schicht im Frühjahr auf Rasen und Beete aufbringen.

Garten-Tipp 2: Organischer Dünger für den Rasen

"Gesunder Rasen wächst nur auf einem gesunden Boden", betont Olaf Beier. Wer sich jedes Frühjahr über vermooste Rasenflächen ärgere, sollte schon jetzt im Herbst gegensteuern. "Rasenflächen sind Monokulturen, welche dem Boden sehr stark Nährstoffe entziehen", erklärt der Experte.

Ein weiterer klassischer Fehler: "Durch das ständige Wachsen und Abmähen mit dem anschließenden Abtransport der Gräser, werden dem Boden alle Nährstoffreserven geraubt." Doch die Nährstoffe müssen dem Rasen regelmäßig wieder zugeführt werden, wenn eine gesunde, dichte Grasnarbe, die Moos keinen Platz lässt, gewünscht ist.

Noch ein Tipp für die Gartenarbeit im Herbst: "Man sollte für die Nachdüngung nur organische Düngemittel verwenden." Anders als die mineralischen Rasendünger wird organischer Dünger in der kalten Jahreszeit nicht ausgewaschen. Positiver Nebeneffekt: Organischer Dünger verunreinigt auch nicht das Grundwasser.

Organischer Dünger mit Regenwürmern
Organischer Dünger kann im Gegensatz zu mineralischen Düngern von Regenwürmern zersetzt werden. Dabei entstehen wichtige Nährstoffe für Pflanzen und Rasen. © Getty Images/iStockphoto

Ist der Boden kalt, wächst weder das Gras, noch ist das Bodenleben aktiv. Denn Gras wächst erst ab einer Bodentemperatur von etwa zehn Grad Celsius. "Nur dann können auch Nährstoffe aufgenommen werden", sagt Olaf Beier: "Bei ausreichender Wärme wandeln Mikroorganismen und Regenwürmer den organischen Dünger in pflanzenverfügbare Nährstoffe um. Sie verhelfen somit dem Rasen zu stetigem, gesunden Wachstum."

Bei mildem Herbstwetter ohne Bodenfröste hält das Graswachstum unter Umständen lange an. Experte Beier rät aber, den Rasen vor dem Winter nicht zu lang wachsen zu lassen: "Wird der Rasen vor dem Winter länger als fünf Zentimeter, sollte noch gemäht werden", sagt Beier. "In dieser Zeit hilft die organische Herbstdüngung dem Rasen, gestärkt in den Winter zu gehen."

Garten-Tipp 3: Gräser im Herbst nicht beschneiden

Bei der Gartenarbeit im Herbst wird allzuoft gerne zur Schere gegriffen. Ein klassischer Fehler, sagt Beier: "Hier ist Vorsicht geboten! Als Grundregel gilt, wer zu viel schneidet, raubt den Pflanzen ihren natürlichen Winterschutz."

Frostempfindliche Pflanzen sollten daher besser erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden. Rosen werden nur grob ausgeputzt. "Dabei werden verblühte Triebe um höchsten ein Drittel eingekürzt. Der eigentliche Rückschnitt erfolgt erst im April mit beginnendem Neuaustrieb", rät Gartenexperte Beier.

Chinaschilf im Garten
Chinaschilf oder Pampasgras sollten im Herbst nicht zurückgeschnitten werden. Frost und Nässe können den beschnittenen Gräsern erhebliche Schäden zufügen. © Getty Images/iStockphoto

Noch ein Fehler, den mancher Hobbygärtner bei der Gartenarbeit im Herbst begeht: "Größere Ziergräser wie Chinaschilf oder Pampasgras dürfen im Herbst auf gar keinen Fall beschnitten werden." In die offenen hohlen Halme würde sonst Wasser eindringen, welches bei Frost das Herz der Pflanze kaputt macht. "Genau wie die Rosen werden diese Gräser erst im April um zwei Drittel bis drei Viertel zurückgeschnitten und durch eine Düngung zu kräftigem Neuaustrieb angeregt", sagt Beier.

Ziergräser brauchen lange, bis sie im Folgejahr wieder ihre volle Größe erreicht haben. "Erst im Spätsommer bilden sie ihre Blütenstände aus", sagt Beier: "Diese sehen dann auch im Winter, wenn Raureif, Eis oder Schnee an ihnen haftet, richtig schön aus."

Über unseren Experten Olaf Beier:

Gemeinsam mit seiner Frau Birgit führt Gärtnermeister Olaf Beier die Landgärtnerei Beier in Siek (Schleswig-Holstein). Seit 2015 ist er außerdem Vorsitzender des Bundesverbands Einzelhandelsgärtner (BVE) im Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG).

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