Glasfasertapete im Wohnzimmer
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Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Glasfasertapete: Vorteile und Nachteile des langlebigen Wandbelags

Sandra Hermes

Level: Für Alle

Glasfasertapeten sind leicht zu reinigen und langlebig. In Praxen und öffentlichen Gebäuden sind sie sehr beliebt. Aber eignet sich eine Glasfasertapete auch für den privaten Bereich? Wir haben die Vorteile und Nachteile für euch zusammengefasst.

In Arztpraxen und öffentlichen Gebäuden findet man häufig Glasfasertapeten an den Wänden. Aber eignen sie sich auf für private Wohnungen? Wir erklären euch die Vorteile und Nachteile dieser Tapten aus mineralischen Garnen.

Was ist eine Glasfasertapete?

Eine Glasfasertapete besteht aus mineralischen Garnen, die durch Ziehen von flüssigem Rohglas entstehen. Die Glasfasern werden in speziellen Webstühlen zu einem extrem strapazierfähigen Material verarbeitet. Auf diese Weise produzierte Tapeten werden am Ende des Herstellungsprozesses durch Dämpfen oder Walken veredelt. Diese Veredelungstechniken bezeichnet der Fachmann auch als Appretur.

Glasfasertapeten haben in der Regel nur eine Struktur und kein Muster. Aus Wartezimmern in Arztpraxen kennt man zum Beispiel die Fischgrät- oder Rautenoptik. Nach dem Tapezieren könnt ihr die eher unscheinbare Tapete ohne Probleme in der von euch gewünschten Farbe streichen. Zum Beispiel mit einem Dispersionslack oder mit einer Latexfarbe für einen seidenglänzenden Effekt.

Was sind die Vorteile einer Glasfasertapete?

1. Robustheit

Glasfasertapeten gelten als äußert robust und strapazierfähig. Das dichtgewebte, mineralische Material ist formstabil. Da die Tapete keine Feuchtigkeit aufnimmt, kann sie auch nicht aufquellen. Glasfasertapeten sind sehr viel zugfester als Raufasertapeten und außerdem verrottungsresistent. Ihre Beschichtung macht diese Tapete stoß-, kratz- und schlagfest.

2. Pflegeleicht

Glasfasertapeten können ohne Probleme abgewaschen werden. Sie sind darüber hinaus scheuerbeständig und vertragen auch eine Reinigung mit Desinfektionsmitteln. Sie sind daher besonders für Krankenhäuser, Altenheime, öffentliche Gebäude und Kindertageseinrichtungen geeignet. Das Material gilt in Kombination mit einer Latexfarbe als nahezu steril, denn im Gegensatz zu Fliesen gibt es keine Fugen, in denen sich Krankheitserreger vermehren können.

3. Nicht brennbar

Glasfasertapeten gelten als nicht brennbar und schwer entflammbar. Sie gehören in die Brandschutzklasse 1. In einem Brandfall entstehen keine Giftgase. Auch diese Eigenschaft ist ein Grund, warum Glasfaser gerne in öffentlichen Gebäuden verwendet wird. Denn diese müssen in der Regel Baumaterialien nutzen, die bestimmten Brandschutzklassen genügen.

4. Lange Lebensdauer

Glasfasertapeten haben eine extrem lange Lebensdauer. Ihr könnt sie bis zu zehn Mal überstreichen - die Struktur der Tapete bleibt dennoch sichtbar. Klebt sie einmal an der Wand, ist sie bis zu 30 Jahre haltbar.

5. Kaschiert schadhafte Untergründe

Wenn ihr kleine Risse oder Löcher in einer Wand habt, könnt ihr diese mit einer Glasfasertapete gut übertapezieren. Durch das feste Material sind kleine Schäden im Untergrund später nicht zu sehen.

Was sind die Nachteile einer Glasfasertapete?

1. Ungünstig für das Raumklima

Dass Glasfasertapeten keine Feuchtigkeit aufnehmen, ist von Vorteil für Sauberkeit und eine lange Lebensdauer. Gleichzeitig kann diese Eigenschaft auch von Nachteil sein. Denn ein Wandbelag, der keine Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt, ist nicht gut für das Raumklima. Ist die Tapete auch noch mit Dispersions- oder Latexfarbe übergestrichen, ist sie vollkommen diffusionsdicht. Außerdem kann der zur Herstellung verwendete Dispersionskleber ausgasen und das Raumklima belasten. Übelkeit und Kopfschmerzen können sie Folge sein.

2. Keine Muster

Glasfasertapeten haben in der Regel nur eine Struktur und keine besonderen Muster. Wer eine Tapete sucht, die auch ohne Anstrich bereits optisch etwas hermacht, muss sich eher im Bereich Vliestapeten umschauen.

3. Hohe Anschaffungskosten

Die Kosten sind im Vergleich zu durchschnittlichen Raufaser- oder Vliestapeten höher. Rund 12 Euro pro Quadratmeter kostet eine Glasfasertapete. Wenn ihr die Kosten aber ins Verhältnis zu der extrem langen Lebensdauer dieser Tapete setzt, relativiert sich der Preis.

4. Umweltbelastung

Eine Glasfasertapete lässt sich nicht so einfach entsorgen wie eine Papier- oder Raufasertapete. Sie gehört aufgrund ihres mineralischen Materials in den Sondermüll. Bitte erkundigt euch bei eurem Recyclinghof oder einem Containerdienst nach Behältern für eine Mineralfaserentsorgung.

5. Nicht staubabweisend

Das Material zieht durch seine statische Ladung Staub an. Daher ist die Tapete trotz der guten Reinigungseigenschaften eher ungeeignet für Hausstauballergiker. Schimmel und Sporen können sich hingegen nicht ansiedeln.

6. Gesundheitsbelastung beim Renovieren

Beim Renovieren ist Vorsicht geboten. Besonders beim Entfernen von Glasfasertapeten können freigesetzte Fasern und Glasstaub eure Atemwege und eure Haut schädigen. Auch der Dispersionskleber, der für das Anbringen notwendig ist, kann allergische Reaktionen auslösen. Ihr solltet also unbedingt Schutzkleidung tragen oder einen Experten mit den Arbeiten beauftragen.

7. Oft schwer zu entfernen

Soll eine alte Glasfasertapete wieder von der Wand, gibt es meistens nur zwei Varianten. Wenn ihr Glück habt, könnt ihr sie trocken in einem Stück von der Wand ziehen. Klappt das nicht, kommt leider Arbeit auf euch zu. Häufig muss der robuste Wandbelag sogar abgeschliffen werden. Wem das zu viel Dreck macht, sollte über Alternativen nachdenken. Vielleicht überstreicht ihr das gute Stück nochmals oder verputzt die Wand neu, um im Anschluss eine andere Tapete anzubringen.

8. Zügiges Arbeiten notwendig

Eine Glasfasertapete muss mit einem Dispersionskleber an die Wand gebracht werden. Wurde die Tapete einmal angedrückt, lässt sie sich nachträglich nicht mehr verschieben. Ihr müsst also sehr genau arbeiten und die Bahnen millimetergenau anlegen. Da der Kleber innerhalb von 15 Minuten trocknet, ist zügiges Arbeiten angesagt.

Wie ihr Glasfasertapeten tapeziert, zeigt dieses Video:

Für welche Räume eignen sich Glasfasertapeten?

Glasfasertapeten eignen sich besonders für Räume, in denen die Strapazierfähigkeit und leichtes Reinigen des Wandbelags ebenso wichtig sind wie die Optik – oder vielleicht sogar noch wichtiger. Das gilt zum Beispiel für öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser, Arztpraxen, Behörden, Kindertagesstätten, Schulen, aber auch für Privaträume, die viel aushalten müssen.

In Feuchtbereichen wie Bad, Küche oder Keller, kann die Glasfasertapete eine ebenso sinnvolle Wahl sein wie im Eingangsbereich, Flur und Treppenaufgang.

Auch wenn es praktisch ist, eine Wand im Kinderzimmer mal eben feucht abwischen zu können, ist Glasfaser hier eher weniger geeignet. Das Raumklima sollte in Räumen, in denen Familienmitglieder schlafen, wichtiger sein.

Entscheidet man sich auch im Wohnbereich für Glasfasertapete, ist es sinnvoll, sich auf einzelne Wände zu beschränken. Entscheidet ihr euch für die anderen Wände für eine feuchtigkeitsregulierende Tapete könnt ihr den Nachteil in punkto Raumklima wettmachen. Gut geeignet ist beispielsweise Baumwollputz.

Fazit: Glasfasertapete als Wandbelag

Glasfasertapeten sind extrem robust, wasserabweisend und halten eine halbe Ewigkeit. Besonders im öffentlichen Bereich und medizinischen Einrichtungen sind sie daher sehr verbreitet. Sie können mehrmals übergestrichen werden und überdecken bei Renovieren problemlos schadhafte Wände.

Leider stehen diesen zahlreichen Vorteilen auch eine Reihe von Nachteilen gegenüber. Das größte Manko ist die fehlende Feuchtigkeitsregulierung und deren Effekte auf das Raumklima. Auch die Gefahren beim Renovieren sind ein dickes Minus. Wer sich im Privatbereich für Glasfasertapeten entscheidet, sollte in Schlafräumen lieber auf sie verzichten.

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