Vliestapete
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Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Vliestapete: Vorteile und Nachteile der beliebten Tapete aus Zellulose

Sandra Hermes

Level: Für Alle

Immer mehr Heimwerker entscheiden sich für eine Vliestapete. Sie ist leicht zu verarbeiten und die Auswahl ist riesig. In Sachen Umweltverträglichkeit punktet sie allerdings nicht immer. Die Vor- und Nachteile im Überblick.

In Deutschland sind zwei Drittel aller verkauften Tapeten inzwischen Vliestapeten. "Es lässt sich ganz klar sagen, dass die Vliestapete die Beliebteste ist", sagt Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeteninstitut.

Eine Vliestapete hat ein Trägermaterial aus Zellulose und Textilfasern. Dadurch unterscheidet sie sich von einer Raufasertapete, die aus Papier und Holzfasern besteht. Die Vliestapete ist durch ihr Trägermaterial besonders strapazierfähig und verändert beim Verarbeiten nicht ihre Form. Das macht sie für den Hobby-Tapezierer leicht zu handhaben. Das hat sich schnell rumgesprochen.

Neben vielen Vorteilen hat der Wandbelag aber auch ein paar Nachteile. Wir haben die Pros und Contras für euch zusammengetragen.

Was sind die Vorteile einer Vliestapete?

1. Große Auswahl

Vliestapeten gibt es mittlerweile in einer schier unglaublichen Auswahl. Ganz einfache in Verputzoptik, die wie eine komplett verputzte Wand wirken und überstreichbar sind, oder welche mit Muster, grafischen Dekoren, in Steinoptik, opulenten Blumendesigns bis hin zu wunderschönen Fototapeten mit urbanen oder natürlichen Motiven.

Auch eigene Fotos könnt ihr heute als Tapete bestellen und zu Hause in Szene setzen. So schmückt der Schnappschuss von Neuschwanstein vielleicht das Zimmer eurer Tochter oder ein Jungs-Zimmer wird optisch zum Stadion des Lieblingsvereins.

Vliestapeten gibt es auch mit verschiedenen Oberflächen mit dezenter oder auffällig sichtbarer Struktur oder mit glattem und grobem Muster.

Einen Eindruck von der Vielfalt an Vliestapeten gibt euch unsere Fotogalerie:

2. Vliestapete lässt sich leicht wieder abziehen

Durch die feste Trägerstruktur könnt ihr die Tapete einfach am Stück wieder von der Wand abziehen. Auch nach Jahren bleiben keine Fetzen kleben, die – wie bei Papiertapeten – mühevoll eingeweicht und abgekratzt werden müssen. Die Verbindung von Kleister zu Wand ist weniger stark als das Vliesgewebe.

Wenn ihr euch über die hohen Quadratmeterpreise für Vliestapeten ärgert, solltet ihr das einkalkulieren. Denn die Zeit, die beim Entfernen einer herkömmlichen Papier- oder Raufasertapete draufgeht, ist eben auch Geld.

3. Schnelles und einfaches Renovieren

Auch Laien können eine Vliestapete an die Wand bringen. Solange ihr keine Muster wählt, die an die nächste Bahn anschließen müssen, machen es Vliestapeten auch Tapezieranfängern leicht. Anders als Papier- oder Raufasertapeten müsst ihr sie nicht einkleistern und einweichen.

Ihr könnt den speziellen Vliestapetenkleber direkt auf der Wand verteilen und die Tapete dann aufkleben (Wandklebetechnik).

"Außerdem lässt sie sich beim nächsten Tapetenwechsel leicht wieder von der Wand ziehen", so Tapetenexperte Karsten Brandt. Ein Tapetenwechsel ist mit einer Vliestapete also keine große Sache mehr. So könnt ihr öfter mal was Neues ausprobieren und müsst auch nicht ewig mit einer Tapete leben, die euch dann vielleicht doch nicht so gut gefällt. Das macht vor allem auch im Kinderzimmer Sinn, wo sich der Geschmack des Nachwuchses häufig ändert.

Wie ihr Vliestapeten anbringt, zeigt unsere Bildergalerie:

4. Vliestapete ist formstabil

Raufaser und Papiertapeten dehnen sich beim Einweichen aus und ziehen sich beim Trocknen an der Wand wieder zusammen. Das macht das Tapezieren für Laien so schwierig. Bei Vliestapeten habt ihr dieses Problem nicht. Die Bahnen bleiben formstabil, sind reißfest und schlagen an den Rändern keine lästigen Wellen.

Ihr könnt die Tapete auf Stoß verkleben. Damit alles gut haftet, solltet ihr die Bahnen mit einer Moosgummirolle blasenfrei andrücken.

5. Verzeiht kleine Unebenheiten

Kleine Risse und Unebenheiten im Untergrund werdet ihr später nicht sehen. Natürlich schadet es nie, den Untergrund gut vorzubereiten. Aber durch die feste Struktur der Vliestapete werden kleine Löcher und Risse unsichtbar. Anders verhält es sich mit uneinheitlichen Farben. Viele Vliestapeten sind durchscheinender als die Papierträger von Raufaser. Der Untergrund sollte daher eine einheitliche Farbe haben.

6. Muss nicht überstrichen werden

Anders als Raufasertapeten müsst ihr Vliestapeten nicht überstreichen. Man entscheidet sich bereits durch das Dekor und die Farbe des Produkts für die endgültige Optik. Es gibt aber auch Vliestapeten, die überstreichbar sind. Diese dürfen allerdings nicht kunststoffbeschichtet sein.

7. Schwer entflammbar

Anders als Tapeten mit einem Trägermaterial aus Papier und Holzfasern, sind Vliestapeten schwer entflammbar.

8. Atmungsaktiv

Vliestapeten sind widerstandsfähig gehen Feuchtigkeit und Dampf und dabei dennoch atmungsaktiv.

Was sind die Nachteile einer Vliestapete?

1. Hohe Kosten

Im direkten Vergleich mit einer herkömmlichen Papier- oder Raufasertapete schneidet die Vliestapete schlecht ab. Sie kostet im Durchschnitt 4 Euro pro Quadratmeter, während ihr für Raufaser nur 0,50 Euro und für Mustertapeten zwischen 1 und 4 Euro rechnen müsst.

Wenn ihr besondere Vorstellungen habt oder einen bestimmten Hersteller anvisiert, kommt ihr mit 4 Euro allerdings lange nicht hin. Quadratmeterpreise von 60, 70 und mehr Euro sind keine Seltenheit. Es ist schon witzig: Während die einen unter einer schönen Vliestapete eine löchrige Wand verstecken wollen, entscheiden die anderen sich für eine Fototapete, die eine "shabby" Backsteinwand zeigt und zahlen dafür fast 100 Euro für den Quadratmeter.

2. Nicht immer schadstofffrei

Vliestapeten werden sehr unterschiedlich hergestellt. Das Trägermaterial aus Zellulose und Textilfasern ist in der Regel schadstofffrei. Die unterschiedlichen Dekore auf der Oberfläche entstehen aber häufig durch aufgeschäumte Kunststoffe. Sie können bis zu 60 Prozent aus PVC und verschiedenen Zusatzstoffen (selten auch Schwermetalle) bestehen. Auch Weichmacher werden verarbeitet. Da diese schwerflüchtig sind, können Vliestapeten das Raumklima belasten.

Ihr solltet daher genau auf die Inhaltsstoffe schauen. Viele Hersteller lassen sich die Unbedenklichkeit ihrer Produkte auch zertifizieren. Es gibt auch PVC-freie Vliestapeten. Wenn ihr euch für eine geprägte Vliestapete entscheidet, ist die Gefahr weniger groß, da es sich dabei um ein rein mechanisches Verfahren handelt. Das Muster wird quasi in die Tapete gedrückt.

"Es gibt auch Tapeten, die vollkommen frei von Zusätzen sind", so Karsten Brandt vom Deutschen Tapeteninstitut. "Das sind zum Beispiel Tapeten aus nachhaltiger Waldwirtschaft mit Qualitätssiegeln, die belegen dass sie frei von Schadstoffen sind. Zur Herstellung verwenden die Unternehmen zum Beispiel lösungsmittelfreie Druckfarben sowie zum größten Teil Bio-Baumwolle, die frei von Chemikalien und Schädlingsbekämpfungsmitteln ist."

3. Sichtbare Kanten

Ja, das Kleben an sich ist einfach. Dennoch müsst ihr gerade bei großen Mustern oder Fototapeten sehr genau arbeiten. Sonst sind hinterher unschöne Übergänge zu erkennen oder das Motiv verrutscht.

4. Untergrund kann durchscheinen

Vliestapeten sind lichtdurchlässiger als Raufaser. Das gilt besonders für helle Tapeten. Das kann zur Folge haben, dass ein fleckiger Untergrund unschön durchscheint. Achtet darauf, dass die Farbe der Wand vor dem Tapezieren möglichst einheitlich ist. Am besten behandelt ihr die Fläche mit einem speziellen Tapetengrund.

Für welche Zimmer eignen sich Vliestapeten?

Vliestapeten eignen sich für alle Wohnbereiche. Auch für den Nassbereich. Da das Material sich weder ausdehnt noch schrumpft, kann die hohe Luftfeuchtigkeit im Bad ihm nichts anhaben. Die Feuchtigkeitsresistenz ist auch ein Argument für den Einsatz von Vliestapeten in der Küche. Außerdem sind kunststoffbeschichtete Vliestapeten leicht abwaschbar.

Im Kinderzimmer solltet ihr Vliestapeten nur nutzen, wenn sie absolut frei von Schadstoffen sind. Karsten Brandt empfiehlt, auf das RAL-Gütezeichen zu achten: "Nur Tapeten mit diesem Zeichen erfüllen die strengen Gütebestimmungen, deren Einhaltung laufend von neutraler Seite überwacht wird."

Fazit: Vliestapete als Wandbelag

Mit einer Vliestapete kann man nicht viel falsch machen. Sie ist robust und leicht zu verarbeiten. Achtet darauf, dass sie schadstoffarm produziert wurde. Das ist besonders für Schlaf- und Kinderzimmer wichtig. Ansonsten könnt ihr mit Vlies jeden Raum in etwas ganz Besonderes verwandeln. Welche Vliestapete es dann letztlich wird, ist unbedingt Geschmacksache und muss auch zum Stil der restlichen Wohnung passen. Das Brandenburger Tor im Arbeitszimmer, einen tropischen Wasserfall im Bad, grazile Muster im Schlafzimmer, Steinoptik im Essbereich und Muster im 60er-Jahre Retrostil im Flur? Alles geht, hat aber auch seinen Preis.

Bildergalerie: Tapeten mit Weltkarten-Motiv

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