Wand im Retromuster im Wohnzimmer vor Sofa
© Akzo-Nobel

Wohnen | Ratgeber

Wandfarben, Tapeten, Putze und mehr: So verschönert ihr eure Wände

Tanja Müller

Level: Für Alle

Klinisch weiß war gestern, Wände bekennen heute Farbe. Gleich ob aus dem Farbtopf, von der Tapetenrolle, mit Wandtattoos oder neuen Verkleidungen.

Jetzt wird's bunt. Wer im Trend sein will, nimmt Abschied von der tristen Raufaser, greift zu Malerrolle und Farbeimer oder klebt sich eine der neuen Mustertapeten. Alternative: Holzvertäfelungen und Strukturtapeten erleben in modernem Look ein Comeback. Und für diejenigen unter euch, denen der Mut für so weitreichende Veränderungen fehlt, gibt es Bordüren und Wandtattoos.

Das Revival der Tapeten

Hauptdarsteller an der Wand ist zweifelsohne die Tapete. Sie feiert ein fulminantes Comeback. Großgemustert, extravagant und so individuell wie nie zuvor kehrt sie in unsere Wohnungen zurück. Junge Tapetenverlage befreien das Wandkleid von seiner Spießigkeit. Die renommierten Firmen bringen avantgardistische Kollektionen heraus. Designer und Modelabel entdecken die Wand als neue Spielwiese. Muster, Strukturen, Farben sind angesagt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Kein Wunder, könnt ihr mit Tapeten doch den langweiligsten Raum relativ unkompliziert und preiswert individuell gestalten und aufwerten.

Retromuster bestehen neben Blümchen

Die neue Lust an der Tapete hat zweifelsohne die Retrowelle angestoßen. Wer sich auf Mode oder Möbel der Sixties und Seventies zurückbesinnt, kommt an den psychedelischen Mustern in zeittypischem Orange, Braun, Gelb oder Grün ihrer Wände schlichtweg nicht vorbei. Gefragt sind sowohl grafische Muster und Streifen wie auch flächige Blütendessins und klassische Ornamente im angesagten Art Déco-Look. Ob luxuriöse Opulenz, sinnliche Romantik, natürlicher Landhauslook oder moderner Minimalismus – jeder Einrichtungsstil ist vertreten. Ihr findet also immer eine Tapete passend zu Eurer Einrichtung.

Digitaltechnik holt jedes Motiv an die Wand

Fototapete mit Kräutertöpfen im Esszimmer mit Holztisch und modernen Stühlen und rustikaler Anrichte
Einen Urban Jungle könnt ihr euch auch als Tapete ins Esszimmer holen: Digitaltechnik macht's möglich © Erismann

Ihr könnt Euch aber auch ein Stück Wald als heimisches Naherholungsgebiet ins Wohnzimmer holen, den eigenen Steppke in Überlebensgröße oder, oder, oder. Die digitale Reproduktion macht’s möglich. Die Tapete wird zum Medium. Jede Art von Bildinformation kann an die Wand gebracht werden, jeder sein eigener Designer sein. Einfach im Internet Foto hoch laden, gewünschte Größe wählen und die ganz persönliche Tapete kommt per Post. Individueller als diese Wallpaper on demand geht’s nicht. Das individuelle Tapetenunikat gibt es schon ab elf Euro.

Solche Aufsehen erregende Dekorationen dosiert Ihr aber besser sparsam. Fototapeten gehen nur über eine Wand, starke Muster höchstens über zwei. Mehr verträgt ein Raum nicht.

Mit Wandfarben Stimmung erzeugen

Rosa gestrichene Wand im Schlafzimmer vor Bett mit gepolstertem Betthaupt
Ein hauchzartes, helles Rosa lässt kleine Schlafzimmer größer erscheinen © Alpina

In Sachen Wandfarben zeichnen sich zwei Linien ab: Die der kräftigen, intensiven und die der sanften Töne. Erstere bringen zweifelsfrei eine gewisse Eleganz ins Interieur. Doch auch hier ist Zurückhaltung geboten, da gerade dunkle Farben den Raum optisch verkleinern. Mit ihnen könnt Ihr jedoch wunderbar Akzente setzen. Farben beeinflussen die Raumwirkung erheblich: Warme Töne machen es gemütlich, kühlere hingegen entspannen. Blau in allen Nuancen eignet sich deshalb besonders gut in Schlaf-, Bade- und Arbeitszimmer.

Helle Wandfarben lassen kleine Zimmer gleich viel größer erscheinen. Das muss nicht zwingend Weiß sein. Zarte Pastelle wie aus den 1950er- und 1960er-Jahre sind gerade angesagt: Lindgrün, Türkis, Elfenbein und Rosé, eben subtile, stille Töne. Ungebrochen behaupten sich die Farben der Natur an der Wand – sanftes Beige ebenso wie Erdiges. Die neue Natürlichkeit gilt derzeit als beherrschender Einrichtungstrend. Und dezente Naturfarben stillen die Sehnsucht nach Muße und Sensibilität. Sie vermitteln Harmonie, schaffen eine behagliche Atmosphäre.

Bordüre als Hingucker

Beautiful work place in blue and white colors in modern flat in Scandinavian style with large window, cozy armchair, rustic table, small tree, bright rug on wooden floor, photo frames and coffee table.
Eine Bordüre trennt hier die Streifen- von der Uni-Tapete vom und wird so zum Blickfang. © Marburg

Zu einem echten Gestaltungsmittel hat sich die Bordüre entwickelt. Sie kommt längst nicht mehr nur als dekorativer Deckenabschluss zum Einsatz, sondern spielt auf unifarbenen Wänden häufiger einmal eine Hauptrolle. Analog den Fliesen lenken Bordüren die Blicke sich. Hochkant verklebt, gaukeln Borten mit aufgedruckten Buchrücken einen Stapel literarischer Werke vor oder bringen einen Streifen Natur mit Vögeln und Schmetterlingen samt Birkenstamm ins Zimmer.

Wandtattos setzen Akzente

Viele Begriffe und Worte rund um das Thema Leben im Wohnzimmer fasst das Wandtattoo Wortwolke vor dem Sofa zusammen
Wandtattos wie diese Wortwolke setzen Wohnbereiche in Szene, lassen sich aber auch ganz einfach wieder entfernen, wenn sie nicht mehr gefallen. © Klebeheld

Und wer sich so gar nicht an die Tapete herantraut, dem seien Wandtattoos empfohlen. Mittels hauchdünner, selbstklebender Spezialfolie setzen sie individuelle Akzente, vielleicht nur als kleiner Blickfang oder aber auch als opulentes Wandbild. Und sie lassen die Wände sprechen. Ob literarische Appetitmacher überm Esstisch, erfrischende Zitate fürs Bad oder lustige Reime fürs Kinderzimmer, für jeden Ort gibt es mittlerweile einen passenden Sinnspruch. Wandzitate, -bilder oder -borten können genauso leicht wie sie sich anbringen lassen wieder entfernt werden. Einige sind sogar mehrfach verwendbar.

Vliestapeten zum Überstreichen

Vliestapete mit Struktur einer Holzvertäfelung im Fur mit Garderobe, Spiegel, Schal und Handtasche
Die Vliestapete mit der Struktur einer Holzvertäfelung wirkt je nach Anstrich edel oder rustikal. © Erfurt

Die dezente Variante zum Mustertrend heißt Überstreichtapeten. Die aktuelle Vliesware wartet mit plastischen Strukturen jeglicher Stilrichtung auf, die ganz nach eigenem Farbwunsch gestrichen werden kann. Positiver Nebeneffekt: Vliesprodukte lassen sich besonders leicht tapezieren. Denn ihr könnt sie einfach an der eingekleisterten Wand anbringen. Zudem kaschieren Vliestapeten auch noch Unebenheiten und fühlen sich gut an.

Lincrusta – die edle Prägetapete

Lincrusta Tapete hinter Betthaupt aus Wiener Geflecht mit Nachttisch und Tiscgleuchte
Lincrusta, der Jugendstil-Wandbelag aus dem 18. Jahrhundert, ziert längst nicht mehr nur königliche Residenzen. © Lincrusta

Ebenfalls mit Wandfarben oder sogar Lacken könnt Ihr Lincrusta bearbeiten. Die linoleumartige Wandbekleidung mit ihrer kräftigen Reliefoberfläche gibt es schon seit dem letzten Viertel des 19 Jahrhunderts. Was einst Schlössern und Herrschaftshäusern vorbehalten war, als Bordüre noch heute etliche Jugendstiltreppenhäuser ziert, findet nun immer mehr Liebhaber. Die Prägetapeten werden wie vor gut 150 Jahren aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

Wandbespannung mit feinen Textilien

Wandbespannung mit Streifenstoff vor einem Fenster mit weißem Stoffrollo
Dank eines cleveren Bespannungssystems lassen sich Wände auch mit feinen Stoffen schmücken. © ADO Goldkante

Strukturen, wenn auch ungleich feiner bestimmen die Wandroben der Textilverlage. Mehr Firmen als zuvor bieten edle Stoffe für die Wandbespannung. Eine elegante Alternative zur Tapete, zumal sie sich perfekt mit Vorhangstoffen und weiteren Raumtextilien abstimmen lässt. Ob als vollflächiges Wandkleid oder nur als Aufsehen erregender Akzent, Wandbespannungen verbessern die Akustik im Raum.

Eine Moltonschicht (das weiche Baumwollgewebe kennen Eltern als Babies Wickelunterlage) zwischen Tuch und Wand wirkt zudem Wärme isolierend. Die hohen Anforderungen an das zu verspannende Gewebe und die Montagekosten haben jedoch ihren Preis. Inzwischen bietet der Handel aber auch Wandbespannungssysteme und Lösungen für den geschickten Heimwerker.

Das Comeback der Holzvertäfelung

Holzvertäfelung im modernen Esszimmer mit Teppich im offenen Wohnraum
Holzvertäfelungen kommen heute nicht mehr rustikal daher. Geschickte Heimwerker können sie leicht selbst montieren © Haro

Geprägt von erlesenen Hölzern und modernen Strukturen werden Holzvertäfelungen gerade wiederentdeckt. Kein Vergleich mit denen aus Vaters 1970er-Jahre-Kellerbar. Neben der luxuriösen Variante aus Massivholz bestehen die Paneele inzwischen immer häufiger aus gepressten Holzfasern. Ähnlich wie Laminat weisen die MDF-Platten für die Wand eine beschichtete Oberfläche auf. Ihr könnt diese mit oder ohne Fugen verkleben. Die neuen Wände aus Holz dienen auch nicht mehr nur als eleganter Hintergrund: Flatscreen, IPod-Elemente, Regale, Leuchten und mehr können integriert, vielleicht sogar mit einem Soundsystem verbunden werden.

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