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Wohnen | Ratgeber

Hilfe für Einbruchsopfer: Zu Hause wieder sicher fühlen

Katharina Schneider

Level: Für Alle

Nach einem Einbruch fühlen sich viele Menschen in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr sicher. Doch wirksamer Einbruchschutz und Unterstützung helfen. Fünf Tipps, wie sich Einbruchsopfer daheim wieder wohl fühlen können.

Es ist kurz nach 20 Uhr an einem verregneten, düsteren Abend im März, als Gertraud ihre Haustür aufschließt. Als erstes fällt ihr auf, dass es im Haus sehr kalt ist. Sie wundert sich: "Habe ich vergessen, die Terrassentür zuzumachen?" Doch als sie näher hinsieht, wird schnell klar: Die Tür wurde aufgebrochen. Und nicht nur das: Alle Schubladen sind herausgerissen, die Schränke zerwühlt, Kleider liegen auf dem Boden, der Schmuck ist weg – hier waren Einbrecher am Werk.

Leider ist das kein Einzelfall. Mehr als elf Mal in der Stunde wird in deutsche Wohnungen und Häuser eingebrochen. Dabei nehmen die Diebe nicht nur wertvolle Gegenstände mit und zerstören Fenster und Türen. Sie stehlen dabei auch in vielen Fällen das Sicherheitsgefühl der Einbruchsopfer. Denn die Tat bedeutet einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre. Das ist auch der Grund, weshalb Einbruch härter bestraft wird als Diebstahl. Aus juristischer Sicht ist ein Wohnungseinbruchsdiebstahl nicht nur ein bloßes Eigentumsdelikt, sondern trägt auch Züge eines Gewaltdelikts.

Einbruchsopfer fühlen sich nicht mehr sicher

Auch Gertraud, die ihren kompletten Namen nicht veröffentlichen möchte, hat Jahre nach dem Einbruch immer noch Angst, wenn sie im Dunkeln nach Hause kommt. Die Frage "Erwartet mich wieder ein Einbruch?" ist immer noch da. Und auch die gemischten Gefühle, wenn sie abends nicht zu Hause ist. Eine Zeit lang sei sie deshalb sogar abends kaum noch weggegangen – die Angst war zu groß.

So geht es vielen Einbruchsopfern. Das zeigt auch eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), das 2014 rund 1.330 Menschen, die Opfer eines Einbruchs geworden waren, befragte. Demnach gaben 46,5 Prozent der Befragten an, dass sie sich – auch mindestens zwölf Monate nach der Tat – in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr sicher fühlten.

42,2 Prozent der Einbruchsopfer gaben außerdem an, Gefühle der Macht- und Hilflosigkeit sowie Angst und Schlafstörungen zu haben. Bei 3,2 Prozent der Befragten konnten die Wissenschaftler sogar Anzeichen auf eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) feststellen. Auch wenn dieser Anteil im Vergleich zu schweren Gewalttaten gering ausfalle, sind sich die Experten sicher, dass "ein Wohnungseinbruchserlebnis eine Traumarelevanz haben kann".

Jeder geht anders mit dem Erlebten um

Für 9,7 Prozent der Befragten war der Einbruch so schlimm, dass sie danach umgezogen sind. Weitere 14,8 Prozent wären diesen Schritt gerne gegangen, gaben aber an, dass der aufgrund der Kosten gescheitert ist. Daraus folgern die Autoren, dass die Verletzung der Privatsphäre sogar schwerwiegender sein kann, als eine Verletzung der körperlichen Integrität.

Die Ergebnisse zeigen auch, dass jeder Betroffene mit dem Erlebnis anders umgeht. Während manche Einbruchsopfer schnell wieder gut schlafen, können andere nicht aufhören, an die Tat zu denken. Sie beschäftigen sich mit quälenden Fragen und haben in ihrem Kopf kaum noch Raum für anderes. Um zu testen, wie gut Opfer mit einem Einbruch fertig geworden sind, haben Psychologen der Universität Zürich eine hilfreichen Selbsttest entwickelt. Den sollten Opfer allerdings erst drei bis vier Wochen nach dem Einbruch machen.

Wie Gertraud, die abends nur noch ungern ihr Haus verließ, ändern viele Opfer nach einem Einbruch ihr Verhalten. Das zeigt die Studie des KFN. Die einen sagen Urlaube ab, die anderen verabreden sich mit Freunden nur noch daheim – damit sie die Umgebung ständig im Blick haben. Weil die Einbrecher in 80 Prozent der Fällen kommen, wenn niemand im Haus ist, ist das nachvollziehbar.

Bei einigen Menschen kann ein Einbruch auch dazu führen, dass sie Zwänge entwickeln. Dann muss mehrmals kontrolliert werden, ob Fenster und Türen auch wirklich sicher verschlossen sind.

Einbruchsopfer schützen sich nach der Tat

Die KFN-Experten stellten auch fest, dass sich der Großteil der Betroffenen nach einem Einbruch besser sichert. So ließen die Befragten das Licht brennen, wenn sie das Haus verließen oder achteten verstärkt auf Fremde in der Nachbarschaft. Zwei Drittel der Einbruchopfer installierten außerdem Sicherheitstechniken, um Haus oder Wohnung besser vor Einbrechern zu schützen.

Auch Gertraud hat ihr Haus gesichert. Sie installierte eine Zeitschaltuhr an den Lampen, ließ sich eine neue einbruchhemmende Terrassentür und Fenster einbauen. Die Angst, sagt sie, ist zwar weniger geworden. Aber weg ist sie nicht.

5 Tipps für Einbruchsopfer

Ihr seid Opfer eines Einbruchs geworden? Wir haben fünf Tipps für euch herausgesucht, von denen andere Einbruchsopfer sagen, dass sie ihnen geholfen hätten.

1. Den Einbrecher aus dem Kopf vertreiben

Ein Einbruch verletzt die Privatsphäre anders als ein normaler Diebstahl. Deshalb geben viele Opfer an, den Täter nicht aus dem Kopf zu bekommen. Die Opferschutzorganisation Weißer Ring rät dazu, durchaus drastisch vorzugehen. Wenn der Einbrecher etwa die Unterwäsche aus der Schublade gezogen hat, kann es helfen, die wegzuwerfen. So kommt die schlimme Erinnerung nicht jedes Mal zurück, wenn der Schrank geöffnet wird.

2. Reden, reden, reden

Wie nach jedem schlimmen Erlebnis helfen auch nach einem Einbruch Gespräche. Allerdings sind Freunde und Familie nicht immer die besten Ansprechpartner. Vielen Menschen fällt es schwer, sich in das Opfer hineinzuversetzen und dessen Emotionen zu verstehen. Der Weiße Ring empfiehlt daher Psychologen oder Foren im Internet, in denen man sich mit Menschen austauschen kann, denen das Gleiche passiert ist. Oft helfe schon eine Beratungsstunde bei einem Psychologen, damit sich Ängste nicht verfestigen.

Ihr könnt auch auch zunächst an die Experten beim Opfertelefon des Weißen Rings wenden.

3. Die Umgebung ändern

Auch wenn viele Einbruchopfer nach der Tat umziehen oder das zumindest wollen, hilft das gegen die Angst nur wenig. Auch in die neue Wohnung kann schließlich eingebrochen werden. Was allerdings sinnvoll sein kann, ist umzudekorieren, raten Psychologen. Auch neue Möbel oder ein Umbau können helfen, um sich im eigenen Zuhause zumindest wieder wohler zu fühlen.

4. Mehr Schutz schaffen

Einbrecher gelangen immer wieder über die gleichen Stellen in Häuser: Fenster, Terrassen- und Balkontüren sind dabei besonders gefährdet. Bei Mehrfamilienhäusern sind hauptsächlich die Wohnungstüren als Einstiegsort beliebt.

Infografik Wo in Haus und Wohnung eingebrochen wird

Dabei geht es den Dieben vor allem um eines: Das Hindernis, das zwischen ihnen und der Beute liegt, so schnell wie möglich zu überwinden. Mit einbruchhemmenden Fensterbeschlägen und Schlössern lässt sich auch ohne viel Aufwand schnell mehr Sicherheit schaffen. Mehr als 45 Prozent aller Einbrüche bleiben im Versuchsstadium stecken – und das liegt laut Polizei in erster Linie an Sicherheitstechniken.

Wir haben mit einem Kriminaloberrat gesprochen, wie ihr euch gut vor Einbrüchen schützen könnt. Lest hier unsere zehn Tipps für besseren Einbruchschutz.

Außerdem gibt der Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes Tipps, wie ihr eure Fenster richtig sichert, was ihr bei der Sicherung von Kellerfenstern beachten müsst, wie eine Haustür einbruchssicher wird und wie Rollläden zum Einbruchschutz werden. Auch eine Alarmanlage könnte euch ein besseres Gefühl geben. Hier findet ihr Tipps zum Kauf einer Alarmanlage.

Einbruchsopfer sollten sich unbedingt von der Polizei beraten lassen, wie sie ihr Haus in Zukunft besser schützen können. Ansprechpartner vor Ort findet ihr auf der von der Polizeilichen Kriminalprävention betriebenen Website "K-Einbruch". Finanzielle Unterstützung und Förderung bieten die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und auch der Weiße Ring.

5. Wenn der Einbruch euch nicht loslässt, hilft eine Therapie

Wie die Wissenschaftler des KFN herausgefunden haben, kann nach einem Einbruch in wenigen Fällen eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entstehen. Die Symptome sind vielfältig und können sich ganz unterschiedlich auswirken. Oft haben die Erkrankten Flashbacks, die durch vermeintlich harmlose Reize ausgelöst werden können. Auch Niedergeschlagenheit und Albträume gehören dazu.

Wer auch längere Zeit nach der Tat unter solchen Symptomen leidet, sollte sich unbedingt an einen Therapeuten wenden. Eine spezielle Traumatherapie kann helfen, das Leid zu mindern. Opfer können sich für eine Beratung an den Weißen Ring wenden.

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