Einbrecher vor dem Fenster
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Wohnen | Ratgeber

Wo, wie und wann Einbrecher in Deutschland einbrechen

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Auch wenn die Zahlen in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind, finden in Deutschland immer noch knapp zehn Einbrüche pro Stunde statt. Wir zeigen auf, wo und wann die Täter am häufigsten zuschlagen und welche Schwachstellen die Einbrecher ausnutzen.

Von 459 Einbrüchen am Tag in 2015 auf nur noch 238 Einbrüche pro Tag in 2020 – in den vergangenen fünf Jahren ist die Anzahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland kontinuierlich gesunken. Das historische Tief habe auch etwas mit der Corona-Krise zu tun: "Der Rückgang der Einbruchzahlen liegt vor allem daran, dass die Menschen wegen der Corona-Pandemie viel Zeit zu Hause verbracht haben. Einbrechern fehlte somit oft die Gelegenheit für ihre Tat“, so Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).

Nach Angaben der GDV erbeuteten Einbrecher im im Jahr 2020 ein Diebesgut im Wert von 230 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 300 Millionen Euro. Die Chance, die gestohlenen Gegenstände wieder zu bekommen oder die Diebe zu fassen, ist nicht besonders groß. Die Aufklärungsrate liegt im Schnitt gerade einmal bei 17,6 Prozent – wobei die Polizeierfolge in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind (siehe Tabelle unten).

Doch wo finden die meisten Einbrüche statt, welche Häuser und Wohnungen sind besonders gefährdet, wann schlagen die Diebe zu – und wo ist die Aufklärungsquote am höchsten?

Wir haben für euch die wichtigsten Antworten zusammengefasst.

Einbrüche in Deutschland nach Bundesland

Im Durchschnitt kamen im Jahr 2020 auf 100.000 Einwohner 90 Wohnungseinbrüche. Wer in Bayern lebt, hat das geringste Risiko, Einbruchsopfer zu werden. In keinem anderen Bundesland sind die Fallzahlen auf die Einwohner umgerechnet so gering. Am gefährdetsten ist das Eigentum in Bremer Wohnungen.

In Hamburg und auch in Bremen ist die Aussicht, dass ein Einbruch aufgeklärt wird, am geringsten. Nur in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen sind im Schnitt etwa ein Viertel der Polizeiermittlungen bei Einbrüchen von Erfolg gekrönt.

  • Bundesland
  • Einbrüche pro 100.000 Einwohner (2019)
  • Aufklärungsquote (in Prozent)
  • Bayern
  • 32
  • 21,3
  • Baden-Württemberg
  • 42
  • 24,1
  • Thüringen
  • 44
  • 27,9
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • 49
  • 30,4
  • Rheinland-Pfalz
  • 64
  • 23,9
  • Sachsen
  • 70
  • 26
  • Hessen
  • 82
  • 19
  • Deutschland
  • 90
  • 17,6
  • Sachsen-Anhalt
  • 97
  • 23,3
  • Niedersachsen
  • 97
  • 24,6
  • Brandenburg
  • 99
  • 19,9
  • Schleswig-Holstein
  • 113
  • 14,5
  • Nordrhein-Westfalen
  • 138
  • 14,3
  • Saarland
  • 139
  • 14,2
  • Hamburg
  • 186
  • 6,7
  • Berlin
  • 193
  • 12,6
  • Bremen
  • 221
  • 8,8

Anzahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland nach 100.000 Einwohnern pro Bundesland im Jahr 2020 (Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik).

In keinem anderen Bundesland gingen die Einbrüche 2020 so sehr zurück wie in Schleswig-Holstein – um ganze 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber auch in allen übrigen Bundesländern stellten die Behörden rückgängige Einbruchszahlen fest. Schlusslicht bildet Bayern. Dort ging die Zahl der Einbrüche nur um 3,7 Prozent zurück.

  • Bundesland
  • Einbrüche 2020
  • Einbrüche 2019
  • Veränderung in Prozent
  • Schleswig-Holstein
  • 3.268
  • 4.476
  • -27,0
  • Baden-Württemberg
  • 4.696
  • 6.418
  • -26,8
  • Hessen
  • 5.165
  • 6.768
  • -23,7
  • Hamburg
  • 3.442
  • 4.313
  • -20,2
  • Rheinland-Pfalz
  • 2.627
  • 3.248
  • -19,1
  • Bremen
  • 1.506
  • 1.861
  • -19,1
  • Niedersachsen
  • 7.738
  • 9.456
  • -18,2
  • Deutschland
  • 75.023
  • 87.145
  • -13,9
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • 786
  • 887
  • -11,4
  • Berlin
  • 7.070
  • 7.965
  • -11,2
  • Sachsen-Anhalt
  • 2.125
  • 2.383
  • -10,8
  • Nordrhein-Westfalen
  • 24.780
  • 26.857
  • -7,7
  • Saarland
  • 1.371
  • 1.480
  • -7,4
  • Sachsen
  • 2.831
  • 3.040
  • -6,9
  • Brandenburg
  • 1.453
  • 1.550
  • -6,3
  • Thüringen
  • 949
  • 997
  • -4,8
  • Bayern
  • 4.181
  • 4.342
  • -3,7

Einbrüche in Deutschland in den Jahren 2020 und 2019 sortiert nach Bundesländern und dem höchsten Rückgang der Fallzahlen.

Wann passieren die meisten Einbrüche?

In der Ferienzeit während des Sommers und nachts passieren die meisten Einbrüche – das ist ein weit verbreiteter Irrglaube.

Einbrüche nach Jahreszeit und Monaten

Denn jahreszeitlich gesehen sind die Fallzahlen in den Herbst- und Wintermonaten deutlich höher als im Sommer. Laut Bundeskriminalamt (BKA) sind die wenigsten Einbrüche im Juli zu verzeichnen. Der Dezember ist hingegen der gefährlichste Monat. Diebe erwarten kurz vor Weihnachten nicht nur, mehr zu erbeuten. Der Dezember ist auch der Monat mit dem wenigsten Tageslicht – für Diebe optimal, um ungesehen zu bleiben.

Infografik Einbrüche in Deutschland nach Monaten

Zu welcher Uhrzeit wird eingebrochen?

Es ist ein weiterer Mythos, dass die Einbruchsgefahr nachts höher ist. Die Täter schätzen zwar die Dunkelheit, doch nachts ist die Gefahr sehr groß, dass jemand zu Hause ist. Deshalb ist das Risiko, dass zwischen 22 Uhr und 8 Uhr eingebrochen wird, laut einem Report des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit drei Prozent auch recht gering.

Zwischen 10 Uhr und 12 Uhr liegt es dann schon bei 13,6 Prozent. Der GDV stellte fest, dass das Risiko eines Einbruchs am größten ist, wenn die Täter ein leeres Haus erwarten. Am gefährlichsten ist deshalb die Zeit zwischen 10 Uhr und 20 Uhr. In diesem Zeitraum werden 70 Prozent aller Einbrüche verübt.

Einbrüche nach Wochentag

Auch der Wochentag spielt eine Rolle fürs Einbruchsrisiko. Die meisten Einbrüche werden an Freitagen registriert, die wenigsten an Sonntagen.

Infografik Einbrüche in Deutschland nach Uhrzeit

Wo brechen Einbrecher am liebsten ein?

Laut einem Forschungsbericht zu Wohnungseinbrüchen der nordrhein-westfälischen Polizei aus dem Jahr 2017 sind Metropolen und städtische Regionen einbruchsgefährdeter als ländliche Gegenden.

Außerdem sind für die Täter mehrere Faktoren bei der Auswahl des Objekts entscheidend. So brechen die Diebe eher in Häuser und Reihenhäuser

  • von älteren Menschen ein,
  • in ethnisch heterogenen Gegenden,
  • in der Nähe des Wohnorts des Täters,
  • mit einer guten Anbindung zu Hauptstraßen (Fluchtweg),
  • mit einem – und das ist überraschend – gut einsehbaren, rückwärtigen Garten (wahrscheinlich auch wegen der Fluchtmöglichkeit),
  • in Gegenden, wo die Grundstückspreise eher hoch sind und wo es viele Einfamilienhäuser gibt.

Auch wer in einem Mehrfamilienhaus lebt, ist nicht sicher vor einem Einbruch. In Täterinterviews konnten britische Forscher feststellen, dass die Attraktivität hier besonders darin liegt, dass gleich mehrere Wohnungen gleichzeitig ausgeräumt werden können.

Und entgegen einem weiteren Mythos sind hier nicht die obersten Wohnungen die sichersten, sondern die unsichersten. Brechen Täter in ein Mehrfamilienhaus ein, werden in der Regel immer die obersten Wohnungen zuerst ausgeräumt. Denn: Je weiter oben, desto geringer ist die Gefahr, entdeckt zu werden.

Bei Einfamilienhäusern steigen Diebe am liebsten über die Terrassentür oder übers Fenster ein, die Eingangstür steht an dritter Stelle. Bei Mehrfamilienhäusern sieht das ähnlich aus. Hie nutzen die Diebe jedoch lieber die Eingangstür, um in die Wohnung einzubrechen. Das mag wohl auch damit zusammenhängen, dass Wohnungen in höher liegenden Stockwerken über Fenster oder Balkontüren schwieriger zu erreichen sind. Wie ihr euch dagegen schützen könnt, dazu findet ihr noch weiterführende Links am Ende des Artikels.

Infografik Wo in Haus und Wohnung eingebrochen wird

Wer sind die Einbrecher?

Die Einbrecher haben zum Großteil die deutsche Staatsangehörigkeit und kommen aus der jeweiligen Region, heißt es vom BKA. Oft seien sie schon polizeibekannt und setzten sich aus älteren Gewohnheitstäter sowie Banden von Jugendlichen und Drogenkonsumenten zusammen. Häufig wollen die Diebe mit dem Einbruch ihre Rauschgiftsucht finanzieren, so die Behörde.

Der Anteil von überregional und international agierenden Tatverdächtigen habe jedoch in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Das BKA bezeichnet sie als "reisende Täter", die häufig aus Südost- und Osteuropa stammen.

Die meisten Täter sind laut Kriminologen Männer. Doch nicht nur. Besonders Banden schicken häufig junge Frauen auf Diebestour – weil die weniger auffallen.

Was stehlen die Einbrecher ?

Den Dieben ist es in der Regel wichtig, unauffällig zu sein – und schnell. Laut Polizei dauert ein Einbruch im Schnitt nicht länger als fünf Minuten. Viel Zeit, große Gegenstände zu klauen, bleibt da nicht.

Deshalb bevorzugen die Täter alles, was wertvoll, nicht gut versteckt ist und in die Jackentasche passt. Bargeld, Schmuck, Smartphones. Auch Laptops werden häufig gestohlen. Fernseher hingegen sind viel zu unhandlich und deshalb als Diebesgut wenig begehrt.

Im Jahr 2020 betrug der durchschnittliche Schaden eines Einbruchs 2.750 Euro, das hat der GDV ermittelt. Das sind 300 Euro weniger als im Jahr zuvor und 100 Euro weniger als 2018 – aber immer noch 2.750 Euro zu viel.

Angst nach Einbruch? – Hier gibt's Hilfe für Einbruchsopfer

Ihr seid selbst Opfer eines Einbruchs geworden oder habt Freunde, die wegen eines Einbruchs nachts nicht mehr schlafen können? Wenn das Sicherheitsgefühl in der eigenen Wohnung weg ist, kann das für Betroffene zur echten Tortur werden. Darüber zu reden und zu versuchen, den Einbrecher aus dem Kopf zu vertreiben, hilft dann tatsächlich am besten.

Ein Umzug hingegen hilft meist nicht. Psychologen raten eher dazu, die Wohnung umzugestalten oder sogar neue Möbel anzuschaffen. Dazu kann es durchaus sinnvoll sein, durch richtigen Einbruchsschutz an den beliebtesten Einbruchsstellen für mehr Sicherheit zu sorgen. Direkte Hilfe und die Nummer zu einem Opfertelefon findet ihr auch auf der Website der Opferschutzorganisation Weisser Ring.

Weitere Infos in unserem Ratgeber: Hilfe für Einbruchsopfer: Zu Hause wieder sicher fühlen

Einbruchschutz: Wie kann ich mich vor Einbrüchen sichern?

Fenster, Balkon-, Terrassen und Haustüren sind die Lieblingseinstiegsstellen von Dieben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie gegen Einbruch zu sichern. In diesen drei Ratgebern findet ihr weitere ausführliche Informationen dazu, wie ihr sie vor Einbruch schützen könnt:

Vergesst dabei nicht, dass Einbrecher auch über Kellerfenster in die Wohnung einsteigen können. Wie ihr Kellerfenster gegen Einbruch sichern könnt, erfahrt ihr hier.

Hier findet ihr 10 weitere Tipps, wie ihr euch vor Einbrüchen schützen könnt

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