Eingerichtetes Wohnzimmer mit Essecke
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Möbel mieten statt kaufen: Nur ein Trend oder Zukunftsmodell?

Michael Penquitt

Michael Penquitt

Möbel mieten statt kaufen: Ist das der neue Trend für Menschen, die sich nicht festlegen wollen oder häufig umziehen? So funktioniert das Möbel-Sharing.

Frühling 2019. Ikea kündigt ein neues Angebot an: Künftig soll es Ikea-Möbel zum Mieten geben. Wenn ihr die gemieteten Möbel nicht mehr braucht, gehen sie zurück an Ikea, wo sie im Rahmen des Programms "Second Life" verkauft werden. Gestartet ist das Ganze zunächst als Test in der Schweiz, den Niederlanden, Schweden und Polen. Später soll das Angebot auf 30 weitere Länder, unter anderem Deutschland, ausgeweitet werden.

Ähnliche Geschäftsmodelle sind nicht ganz neu. In den USA beispielsweise ist die Möbelmiete seit Jahrzehnten bekannt. Vor allem Menschen, die wegen ihres Jobs häufig umziehen, nehmen diese Option wahr. Oft sind die Möbel dort Teil von vollständig möblierten Wohnungen, die teils alle paar Monate von einem neuen Bewohner bezogen werden.

In Europa kannte man dieses Konzept bislang kaum. Aber wenn ein so großer Einrichtungskonzern wie Ikea das Vermieten von Möbeln für. sich entdeckt hat, schlägt das hohe Wellen. Ist nach Filmen, Musik, Autos und Fahrrädern jetzt das Möbel-Sharing in der breiten Masse angekommen?

Andere Unternehmen machen es schon vor

Ikea ist nicht das erste Unternehmen, das mit der Vermietung klassischer Waren Geld machen will. Neben den schon genannten persönlichen Transportmitteln können auch zahlreiche andere Dinge des Alltagsgebrauchs gemietet werden: Smartphones, Fernseher, Teppiche, Werkzeug, Sportgeräte, sogar Jeans oder Kinderkleider.

Auch die beiden Hamburger Konzerne Tchibo und Otto haben den Trend erkannt und schon vor Jahren eigene Sharing-Angebote auf den Weg gebracht. Dort wurden vor allem robuste, häufig wiederverwendbare Produkte angeboten. Doch beide Projekte mussten im Laufe der letzten zwölf Monate aufgeben. Ein Grund ist sicher die Corona-Krise. Auf den Seiten der beiden Unternehmen heißt es aber unisono: Die Vermietung von Alltagswaren sei ein Nischenmarkt, dessen Zeit noch nicht gekommen sei. Kann Ikea daran etwas ändern?

So funktioniert das Möbel-Sharing

An anderer Stelle funktioniert das Möbel-Sharing bereits: Das Unternehmen mit dem etwas sperrigen Namen Lyght Living Furniture Leasing bietet seit 2011 Möbel auf Zeit an. Begonnen hat es mit Stühlen, Schreibtischen und Sofas, mittlerweile ist das Sortiment auf Beistelltische, Esstische, Sideboards, Regale, Kommoden und anderes Interieur angewachsen. Auch ganze Zimmer-Pakete lassen sich mieten. Die Nachfrage nach gemieteten Mobiliar scheint langsam, aber stetig zu wachsen. In einer zunehmend flexiblen Arbeitswelt ist das kein Wunder.

Der Bestellprozess funktioniert denkbar einfach: Ihr legt fest, für welchen Zeitraum ihr die Möbel benötigt. Von einem Monat bis fünf Jahren könnt ihr flexible Nutzungszeiten wählen. Davon abhängig wird euch eine Auswahl der für diesen Zeitraum verfügbaren Möbel präsentiert, aus denen ihr eure Einrichtung zusammenklicken könnt. Je länger der vereinbarte Zeitraum, desto weniger zahlt ihr pro Monat für das Möbelstück.

Habt ihr euren Warenkorb fertig zusammengestellt, verschickt ihr die Anfrage an das Unternehmen und wartet auf Rückmeldung. Wenn alles klappt, werden euch die Möbel schon bald geliefert und aufgebaut.

Ein eingerichtetes Schlafzimmer
So könnte ein von Lyght Living Furniture Leasing eingerichtetes Schlafzimmer aussehen. © Lyght Living furniture leasing GmbH & Co. KG

Was sind die Vorteile der Möbelmiete?

Es gibt drei wesentliche Vorzüge des Möbel-Sharings. Der vielleicht offensichtlichste: Ihr bleibt flexibel, könnt schnell eure Zelte abreißen, woanders wieder aufstellen und müsst keine aufwändigen Umzüge inklusive Miet-Lastwagen planen. Das, was am meisten Platz beansprucht, die Möbel, kommen ja nicht unbedingt mit. Für Angestellte in der flexiblen New Economy ist das eine Erleichterung.

Außerdem: Vor allem über kurze Zeiträume kann diese Lösung günstiger sein, als Möbel zu kaufen. In der Modellrechnung von Lyght Living Furniture Leasing kostet die Einrichtung einer Dreizimmerwohnung monatlich 189 Euro. Ob das so präzise stimmt, sei dahingestellt. In der Tendenz kommt ihr aber über kürzere Zeiträume günstiger weg.

Und wenn euch die Umwelt am Herzen liegt: Die Anbieter versprechen, dass ihre Lösungen nachhaltiger sind, da der Lebenszyklus der Möbel so verlängert wird. Ihr braucht die Möbel nicht? Dann wird jemand anderes glücklich mit ihnen! Natürlich könntet ihr einmal gekaufte Möbel auch selbst auf dem Flohmarkt oder anderen klassischen Second-Hand-Börsen verkaufen. Bei gemieteten Möbeln habt ihr allerdings einen festen Vertrag und damit einen garantierten Abnehmer für die guten Stücke. Ihr habt also keinen Stress mit dem Kauf und Verkauf der Möbel.

Und was ist mit Ikea?

Ikea hat derweil seine Pläne, "Möbel als Service" in weiteren Ländern anzubieten, zunächst wegen der Corona-Pandemie auf Eis gelegt. Das Unternehmen ist aber entschlossen, das Programm auszuweiten, wenn das Einzelhandelsgeschäft wieder wie gewohnt läuft. In Schweden und Polen laufen weiterhin Tests, unter anderem um herauszufinden, welche Kunden den Service am stärksten nutzen.

Während viele Polen offenbar weiterhin nicht auf den Besitz der Möbel verzichten wollen, haben sich bei ersten Tests in den Niederlanden vor allem Studierende für das Angebot interessiert. Etwas sicherer scheint sich das Unternehmen in einem anderen Geschäftssegment zu sein: Wenn der Service hierzulande startet, sollen zuerst Geschäftskunden Büromöbel auf Zeit mieten können.

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