Bambusparkett
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Bauen | Pro/Contra-Liste

Bambusparkett: Vorteile und Nachteile des nachhaltigen Bodenbelags

Eva Dorothée Schmid

Bambusparkett liegt im Trend. Es ist ein nachhaltiger, natürlicher Bodenbelag und außerdem ziemlich robust. Doch Bambusboden eignet sich nicht für jeden Raum. Die Vorteile und Nachteile im Überblick.

Bambusparkett ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Das Material ist nicht nur nachhaltig, bei richtiger Pflege haben Bodenbeläge aus Bambus auch eine lange Lebensdauer. Dazu kommt ihre außergewöhnliche Erscheinung. Doch Bambusparkett eignet sich nicht für jeden Raum. Wir erklären euch die Vorteile und Nachteile von Bambusböden.

Was ist Bambusparkett und welche Arten gibt es?

Eigentlich handelt es sich bei Bambus nicht um einen Baum, sondern um eine Grasart. Bambus gehört zur Familie der Süßgräser und wächst überall auf der Welt – außer in Europa und der Antarktis. Seine chemische Zusammensetzung klassifiziert ihn jedoch eindeutig als Holz: Hauptbestandteile sind rund 70 Prozent Zellulose und etwa 25 Prozent Lignin.

Einige Bambusarten wie Moso-Bambus, der in erster Linie zur Herstellung von Bambusparkett verwendet wird, werden bis zu 30 Meter hoch. Und das ziemlich schnell. Es ist keine Pflanze bekannt, die schneller wächst als Bambus. Die Pflanze hat bereits nach wenigen Monaten ihre maximale Höhe erreicht und dann beginnen die Stämme zu verholzen. Nach rund fünf Jahren entspricht der Verholzungsgrad dem von heimischen Harthölzern, die diesen Grad aber erst nach fast 50 Jahren erreichen. In seinen mechanisch-technologischen Eigenschaften übertrifft Bambusholz sogar einige Holzarten.

Um aus Bambus einen Bodenbelag herzustellen, werden die ausgewachsenen Bambusrohre in Stücke (Lamellen) gespalten. Diese Lamellen werden geschält, gekocht, getrocknet und anschließend unter sehr hohem Druck zu einem Stück zusammengeleimt.

Verschiedene Arten von Bambusparkett mit unterschiedlicher Optik

Die Bambuslamellen können auf zwei Arten zu Parkett zusammengeleimt werden:

  1. horizontal: Dabei werden die Lamellen flachliegend miteinander verleimt. Das typische Bambusmuster mit seiner Stammverdickung – das Nodium – ist besonders gut sichtbar. Das Bambusparkett ist dann strukturiert und eher ungleichmäßig. Dadurch wird es lebhaft und interessant.
  2. vertikal: Für die vertikale Verleimung werden kleinere Bambusstücke hochkant verwendet. Zu sehen ist eine feine Linienstrukur mit einem neutraleren Aussehen. Diese Art Bambusparkett eignet sich für alle, die eine ruhigere und gleichmäßigere Optik bevorzugen.

Sind die Lamellen zusammengeleimt, werden sie auf die gewünschten Größen zugeschnitten. Die maschinell abgeschliffene Oberfläche bleibt unbehandelt oder sie wird mit Öl, Lack oder Wachs versiegelt.

Je nach Behandlung ist Bambusparkett in seiner natürlichen, hellen Farbe erhältlich oder in einem karamellfarbigen Ton. Die dunklere Farbe entsteht, wenn das Material thermisch behandelt wird. Infolgedessen karamellisiert der im Bambus enthaltene Zucker. Durch verschiedene Arten der Oberflächenbehandlung, zum Beispiel mit Hartwachsöl, können noch weitere Farbtöne erzeugt werden.

Bambusparkett mit vertikal verleimten Bambuslamellen
Bei der Horizontalverleimung sind die bambustypischen Nodien gut sichtbar. © Getty Images

Faserbambus und Parkett aus Bambusrohrwand als extrem harter Bodenbelag

Darüber hinaus gibt es noch zwei weitere Arten von Bambusparkett:

  • Faserbambus (auch "Strand Woven" oder verdichteter Bambus): Dabei handelt es sich um hoch verdichtete, zusammengepresste Bambusfasern. Dadurch entsteht ein Bodenbelag, der extrem hart und belastbar ist. Er arbeitet weniger als verleimtes Bambusparkett. Zudem sind durch eine Behandlung der Oberfläche zahlreiche optische Varianten möglich.
  • Parkett aus Bambusrohrwand: Eine weitere Möglichkeit, aus Bambus einen Bodenbelag herzustellen, besteht darin, die Bambusrohrwand thermoplastisch zu verformen. Diese Bearbeitungsform eröffnet bei Bambus die Möglichkeit, die natürlich gewachsene, stark verkieselte und steinharte Bambusrohrwand als Laufsohle oder Oberflächenmaterial verfügbar zu machen. Die Oberfläche erinnert dann stark an Bambusrohr.

Unterschiedliche Qualitäten von Bambusparkett

Am hochwertigsten sind massive Bambusdielen. Das sind Dielen, die vollständig aus Bambus hergestellt sind. Daneben gibt es Bambusparkett, bei dem nur die oberste Schicht aus Bambus besteht und die Trägerschicht aus einem anderen Material. Dieses sollte möglichst hart sein. Ist die Basis zu weich, kann das Bambusparkett bei hohen Belastungen brechen, oder es bilden sich unschöne Dellen.

Vorteile von Bambusparkett

Bambusparkett gibt es heute in den unterschiedlichsten Ausführungen, so dass für jeden Geschmack und für jedes Einsatzgebiet der passende Bambusboden erhältlich sein dürfte. Einen Einblick in die Vielfalt gibt unsere Bildergalerie:

Neben der vielfältigen Optik und den zahlreichen Einsatzbereichen hat Bambusparkett weitere Vorteile:

Bambus als nachhaltiges, umweltfreundliches Material

Wer Wert auf nachhaltige Materialien legt, ist mit Bambusparkett gut bedient. Im Gegensatz zu Bäumen wird bei der Bambusernte nicht der gesamte Organismus vernichtet. Der Züchter nimmt der Bambuspflanze lediglich einen Trieb, den diese innerhalb weniger Jahre ersetzen kann. Auch das rekordverdächtige Wachstum macht Bambus zu einem nachhaltigen Material.

Bambus bindet zudem bis zu vier Mal mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre als in Europa heimische Bäume. Viele Bauern kultivieren kleine Mengen an Bambus und ernten diese per Hand. Da Bambus eine sehr widerstandsfähige Pflanze ist, können sie meist auf Düngemittel, Pestizide oder künstliche Bewässerung verzichten. Die unmittelbaren Auswirkungen des Bambusanbaus auf die Umwelt sind daher vergleichsweise gering.

Aber um sicherzugehen, dass für die Plantagen keine Wälder zerstört wurden, ist es sinnvoll, auf nachhaltigen Anbau zu achten und sich im Zweifelsfall beim Händler nach den Produktionsbedingungen zu erkunden. Das FSC-Siegel ist für Bambusprodukte noch relativ selten.

Bambusboden ist wohngesund

Vor allem massives, unbehandeltes Bambusparkett ist ein wohngesunder Bodenbelag, von dem ihr keine Schadstoffausdünstungen befürchten müsst.

Bambus ist unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit

Bambusboden nimmt keine Feuchtigkeit auf und hat so einen natürlichen Schutz vor Wasserschäden. Anders als bei Eichen- oder Buchenparkett beschädigt ihr die Struktur des Holzes nicht, wenn ihr es feucht wischt. Auch Dampf kann dem Material nichts anhaben. Aus diesem Grund eignet sich Bambusparkett als Bodenbelag in Bädern, Küchen und anderen Räumen mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, wo andere Parkettböden nicht ideal sind.

Hart und widerstandsfähig

Bambus ist härter als viele heimische Holzarten. Deshalb hält er High Heels und anderen starken Beanspruchungen besser stand als die meisten Holzsorten. Schwere Möbel sind kein Problem für diesen Bodenbelag. Das gilt insbesondere für Bambusparkett aus Faserbambus. Dieses ist so robust, dass es sich auch für den gewerblichen Bereich eignet.

Nachteile von Bambusboden

Die Vorteile von Bambus sprechen durchaus für diesen Bodenbelag. Allerdings gibt es auch ein paar Nachteile, die ihr kennen solltet, bevor ihr euch für Bambusparkett entscheidet.

Empfindlich gegenüber trockener Luft

Bambus kann Feuchtigkeit gut ab, was ein Vorteil ist. Allerdings ist er auch sehr empfindlich gegenüber trockener Luft. Bambusboden benötigt eine gewisse Luftfeuchtigkeit, damit er nicht schrumpft oder bricht. Diese sollte nie unter 55 Prozent sinken. In Wohnräumen, in denen womöglich auch noch ein Kaminofen betrieben wird, lässt sich dieser hohe Wert erfahrungsgemäß nur schwer halten. Wer sich für Bambusboden entscheidet, muss möglicherweise auch einen Luftbefeuchter aufstellen.

Als Bodenbelag über einer Fußbodenheizung eher nicht geeignet

Je nach Art des Bambusfußbodens können zudem schon dauerhafte Temperaturen von über 20 Grad einen Schaden am Parkett hervorrufen. Der Bambusboden bildet Fugen aus, kann sich aufwerfen oder dann sogar brechen.

Reguläres Bambusparkett ist wegen seiner Empfindlichkeit gegenüber Hitze und Trockenheit in Kombination mit einer Fußbodenheizung deshalb nur sehr bedingt bis gar nicht zu empfehlen. Anders verhält es sich mit Industrieparkett aus Bambus – dieses ist nach Expertenmeinung mit einer durch Warmwasser betriebenen Fußbodenheizung durchaus verträglich.

Bambusboden neigt zum Quietschen

Viele Nutzer eines Bambusbodens haben Probleme damit, dass der Boden quietscht. Der Grund liegt meist in einer zu hohen Raumtemperatur. Dadurch arbeitet der Boden sehr stark, was sich mit einem gemeinen Quietschen bemerkbar macht.

Preis und Qualität von Bambusparkett

Der Preis pro Quadratmeter für Bambusparkett liegt zwischen 25 und 90 Euro. Ihr solltet aber nicht nur nach Preis auswählen, sondern vor dem Kauf die Qualität prüfen. Zum einen handelt es sich nicht immer wo Parkett drauf steht auch wirklich um Parkett, sondern häufig auch um Bambus-Laminat. Zum anderen sparen manche Hersteller am Material für die Trägerschicht, indem sie minderwertiges oder zu dünnes Sperrholz verwenden. Die Deckschicht von Bambusparkett sollte möglichst dick sein, damit ihr sie abschleifen könnt. Beachtet zudem, dass importierte Ware qualitativ minderwertige Klebstoffe, Lacke oder Öle enthalten könnte.

Fazit: Bambus als Bodenbelag

Aufgrund seiner Vorteile und Nachteile eignet sich Bambusparkett am besten für Küche und Bad, weil dort die Luftfeuchtigkeit am höchsten ist. Außerdem ist er ein sehr guter Bodenbelag für einen Wintergarten. Für Wohnzimmer ist er insbesondere in Kombination mit einer Fußbodenheizung oder einem Kamin dagegen weniger geeignet.

Bambusboden eignet sich zudem für alle, die Wert auf ökologische, nachhaltige und wohngesunde Baumaterialien legen. Er überzeugt außerdem mit seiner Optik und Langlebigkeit.

Ihr interessiert euch für Bambusboden nicht nur für den Innenbereich, sondern auch als Terrassenbelag? Dann lest unseren Artikel zu den Vorteilen und Nachteilen von Bambus-Terrassendielen.

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