Holzboden, der mit Hartwachsöl behandelt wird
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Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Hartwachsöl: Alles über den natürlichen Holzschutz

Sandra Hermes

Level: Für Einsteiger

Natürliche Optik und gut fürs Wohnklima. Es gibt gute Gründe, euren Holzboden mit Hartwachsöl zu behandeln. Aber hat der natürliche Holzschutz auch Nachteile? Wir haben die Pros und Cons für euch recherchiert.

Ihr habt einen neuen Holzboden verlegt oder einen alten abgeschliffen. Um das Holz vor Schutz und Beanspruchung zu schützen, muss jetzt ein Finish drauf. Da ein Lack das Holz vollständig versiegelt, entscheiden sich viele Heimwerker für ein Hartwachsöl. Der natürliche Holzschutz bildet nach dem Aushärten eine strapazierfähige Schutzschicht, zerstört aber nicht das Holz-Feeling.

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Was ist Hartwachsöl?

Hartwachsöl ist ein natürliches Holzschutzmittel. Das dünnflüssige Öl wird für Holzfußböden, Holzarbeitsplatten in der Küche und für Holzmöbel genutzt. Es ist einfach zu verarbeiten, sparsam im Verbrauch und ist in der Regel für Allergiker geeignet. Anders als Holzschutzmittel auf Erdöl- oder Kunststoffbasis, dünstet es keine Schadstoffe in die Raumluft aus.

Hartwachsöle bestehen aus pflanzlichen und mineralischen Inhaltsstoffen. Typische Rohstoffe sind Sonnenblumen-, Distel- oder Sojaöl. Auch das Wachs, das aus den Blättern der brasilianischen Carnaubapalme gewonnen wird, eignet sich gut.

Zusätzlich enthält das Holzschutzmittel häufig Titan-4-oxid. Dabei handelt es sich um ein ungiftiges Pigment, das aus Kostengründen aber im Labor hergestellt wird. Als Lösungsmittel kommt eine kleine Menge Ethanol zum Einsatz. Dies wird zuvor von Benzolen und Aromen gereinigt. Der Alkohol verfliegt nach dem Auftragen ohne Rückstände.

Vorsicht: Einige Hartwachsöle enthalten auch nicht natürliche Bestandteile. Das können zum Beispiel Paraffine, Trocknungsmittel und andere Additive sein. Wenn ihr ein hundertprozentig ökologisches Produkt wollt, das weder euer Wohnklima noch die Umwelt belastet, müsst ihr aufs Etikett schauen. Dort sollte der Hersteller alle Inhaltsstoffe deklarieren.

Was ist der Unterschied zu Hartöl?

Wie der Name schon sagt, ist in Hartwachsöl zusätzlich Wachs enthalten – in Hartöl dagegen nicht. Hartöl zieht tief in das behandelte Holz ein und schützt es von innen. Hartwachsöl zieht zwar auch ein, bildet aber beim Aushärten zusätzlich eine Schutzschicht an der Oberfläche. Im Ergebnis ist ein mit Hartwachsöl behandelter Boden unempfindlicher. Dafür sind aber die Poren verschlossen, was für einige Heimwerker der Grund ist, sich für ein Hartöl zu entscheiden. Hier bleibt das Holz atmungsaktiv und diffusionsoffen.

Das sind die Vorteile von Hartwachsöl

Tolle Optik

Nach der Behandlung mit Hartwachsöl wirkt das Holz dunkler. Auch die Maserungen wirken kontrastreicher. Gerade alte Dielenböden profitieren von diesem willkommenen Nebeneffekt. Pitchpineböden leuchten zum Beispiel nach der Behandlung in einem sanften Goldgelb.

Leicht auszubessern

Anders als bei lackierten Böden, können mit Hartwachs behandelte Böden gut ausgebessert werden. Dazu werden die beschädigten Stellen erneut angeschliffen und mit ein bis zwei Hartwachsschichten neu versiegelt.

Gesundheit

Ausgehärtete Hartwachsöle geben keine schädlichen Emissionen an die Raumluft ab. Böden, Arbeitsplatten und Möbel, die mit diesem natürlichen Holzschutz behandelt wurden, tragen zu einem gesunden Wohnklima und einer angenehmen Atmosphäre bei.

Zwar müssen auch chemische Holzschutzmittel heute strenge Grenzwerte einhalten, dennoch leiden empfindliche Menschen oder Allergiker unter dessen Geruch und Ausdünstungen. Mögliche Reaktionen sind häufig Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Atemwegsbeschwerden und Schlaflosigkeit. Mit einem Hartwachsöl kommt es äußert selten zu gesundheitlichen Belastungen.

Das sind die Nachteile von Hartwachsöl

Empfindlich gegen punktuelle Hitze

Hartwachsöl ist aufgrund seines Wachsanteils empfindlich gegen Punkthitze. Schon eine heiße Teetasse kann weißliche Ringe auf einer behandelten Küchenarbeitsplatte hinterlassen. Aus diesem Grund gibt es von vielen Herstellern spezielles Arbeitsplattenöl, das in dieser Hinsicht robuster ist. Auch diese Produkte bestehen in der Regel aus natürlichen Inhaltstoffen.

Abstriche in Sachen Robustheit

Hartwachsöl ist zwar sehr widerstandsfähig und schützt das Holz durch die ausgehärtete Oberfläche vor einer Reihe von Umwelteinflüssen. Steinhart wird die Holzoberfläche aber nicht. Lasst ihr etwas sehr Schweres oder Spitzes auf den Boden fallen, wird man eine Macke sehen. Auch eine Dauerbelastung durch sandige Kinderschuhe, harte Hundekrallen und zu häufiges Wischen, wird ein mit Hartwachsöl behandelter Boden nicht unbeschadet überstehen. Nach spätestens zehn Jahren ist eine Renovierung angesagt.

Wasserempfindlichkeit

Feucht wischen ist kein Problem. Allerdings solltet ihr auf mit Hartwachs versiegelten Flächen kein Wasser stehen lassen. Schon länger stehen gelassene feuchte Wassergläser oder nasse Schuhe können zu unschönen Verbärbungen führen.

Zeit

Ein frisch behandelter Boden darf erst nach einiger Zeit wieder betreten werden. Die letzte Schicht braucht zwölf Stunden zum Trocknen. Experten raten, die betreffenden Räume erst nach 14 Tagen wieder einzuräumen und voll zu nutzen.

Aber wer kann schon zwei Wochen auf ein Wohn- oder Kinderzimmer verzichten? Unser Tipp: Einen vertrauenswürdigen Handwerker finden, dem man seinen Schlüssel gerne überlässt und in den Urlaub fahren. Ihr kommt erholt zurück und könnt euch über einen nagelneuen, perfekt ausgehärteten Holzboden freuen.

Hartwachsöl wird auf Holzboden geschüttet
Ein Liter Hartwachsöl reicht für bis zu 20 Qudratmeter Holzboden.

Für welche Böden/Hölzer eignet sich Hartwachsöl?

Gehärtetes Wachsöl eignet sich besonders als Konservierungsmittel für offenporiges Holz. Einheimische Hölzer nehmen Hartwachsöl nach der notwendigen Vorbereitung (Schleifen in unterschiedlichen Körnungen) gut auf.

Das gilt leider nicht für alle Tropen- und Edelhölzer. Da diese teilweise ölhaltig sind, reagieren einige auf das Wachsöl. Die Folge: Unerwünschte Verfärbungen. Erkundigt euch vorher, ob das Tropenholz sich mit dem Hartwachsöl verträgt. Fußböden betrifft das Problem weniger. Aber vielleicht wollt ihr ja einen Tisch oder andere Wohnraummöbel aus Tropenholz behandeln. Für Arbeitsplatten ist Hartwachsöl aufgrund seiner Hitzeempfindlichkeit nur bedingt geeignet. Hier greift ihr besser zu speziellem Arbeitsplattenöl.

Was kostet Hartwachsöl?

Die Preise variieren stark. Ein Liter Hartwachsöl kostet im Schnitt 25 bis 30 Euro. Diese Menge reicht dann aber auch für 16 bis 20 Quadratmeter. Ein paar Preisbeispiele: Das allergikerfreundliche Hartwachsöl von Oli-Natura* kostet knapp 20 Euro. Das Hartwachsöl High Solid von Osmo* kostet pro Liter 27 Euro. Und das Hartwachsöl "Natur", matt von Saicos Ecoline* liegt pro Liter bei 54 Euro.

Unser Fazit zu Hartwachsöl

Wer statt Lack lieber echtes Holz unter den Füßen spüren möchte, hat mit Hartwachsöl einen natürlichen Holzschutz, der gut mit normalen Verschmutzungen zurechtkommt. In einem Haushalt mit kleinen Kindern und Haustieren werdet ihr die Schutzschicht allerdings regelmäßig erneuern müssen. Aber ein Boden ist nun mal ein Gebrauchsgegenstand. Wer sich mit diesem Gedanken nicht so recht anfreunden kann, ist vielleicht langfristig besser mit Fliesen oder Steinböden bedient.

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