Starker Regen fällt auf die Fliesen eines Balkons
© Getty Images/iStockphoto

Modernisieren | Ratgeber

Die richtige Balkonentwässerung: Alles über Aufbau und Kosten

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Ohne funktionierende Balkonentwässerung bekommt ihr nicht nur nasse Füsse. Das Regenwasser kann auch eine Menge Schaden an der Bausubstanz anrichten. Wir zeigen euch, wie eine korrekte Balkonentwässerung funktioniert, welche Regeln dabei gelten und was es kostet, das Wasser vom Balkon abzuleiten.

Ohne eine funktionierende Balkonentwässerung würde euer Balkon ständig überfluten. Die Folge: ziemlich böse Wasserschäden. Wir klären in diesem Artikel, wir ihr das verhindern könnt, welche Bestimmungen dabei gelten und was euch eine korrekte Balkonentwässerung kostet.

Wofür brauche ich eine Balkonentwässerung?

Ob leichter Schauer oder fieser Starkregen: Bleibt Regenwasser auf dem Balkonbelag, so kann die Feuchtigkeit dauerhaft die Substanz des Balkons beschädigen. Eine gute Balkonentwässerung verhindert:

  • Feuchteflecken bei Natursteinen
  • Ausblühungen am Mauerwerk beziehungsweise am Beton
  • Moosbildung
  • Feuchteschäden in der Unterkonstruktion, vor allem Frostschäden

Obwohl heutzutage viele Balkonböden mit Flüssigkunststoff versiegelt sind, ist eine Balkonentwässerung allein schon deshalb wichtig, weil ihr den Balkon bei stehendem Wasser einfach nicht nutzen könnt. Oder ihr verletzt euch sogar aufgrund der Rutschgefahr.

Vier Möglichkeiten der Balkonentwässerung

Um Regenwasser schnell und effektiv vom Balkon abzuleiten, gibt es grundsätzlich vier Methoden:

  1. Speier: Die traditionelle Art der Balkonentwässerung. Durch Rohre oder Rinnen direkt an der Traufrinne wird das gesammelte Regenwasser einfach vom Gebäude "weggespien". Hat den Vorteil, dass das Mauerwerk mit dem Nass nicht in Berührung kommt. Passanten oder Menschen, die unterhalb des Speiers wohnen, finden das aber nicht so gut. Deshalb ist die Entwässerung über einen Speier nur noch ganz selten anzufinden, zumal sie auch nicht mehr dem Stand der Technik entspricht.
  2. Abtropfkante oder auch Abtropfprofil: Die Kante oder das Profil ist an der Außenkante des Balkons angebracht. Das Wasser fließt an den Rand des Balkons, dann an dessen Profil entlang und tropft schließlich nach unten. Mit einem Abtropfprofil könnt ihr die Fassade vor unschönen Fließspuren schützen. Allerdings: Auch hier bekommt die Fläche unter dem Balkon Regenwasser ab. Bei mehrgeschossigen Anlagen ist die Nutzung einer solchen Abtropfkante deshalb auch nicht erlaubt.
  3. Vorgehängte Ablaufrinne: Die klassische Dachrinne, montiert am Rand des Balkones. Über die Dachrinne gelangt das Regenwasser in ein (separates) Fallrohr und kann bei Bedarf so auch über eine Regentonne für die Gartenbewässerung genutzt werden.
  4. Bodenablauf oder Entwässerungsrinne: Bei kleineren Balkonen genügt meist ein einfacher Bodenablauf an der niedrigsten Stelle des Gefälles, durch den das Regenwasser in ein Fallrohr geführt wird. Für größere Balkone sollte die Balkonentwässerung über eine Ablaufrinne erfolgen.

Keine Balkonentwässerung ohne richtiges Gefälle

Voraussetzung für eine funktionierende Balkonentwässerung ist aber in jedem Fall ein ausreichendes Gefälle. 1,5 Prozent sollte das Gefälle mindestens haben, besser noch sind zwei Prozent. Heißt konkret: Pro Meter Strecke sollte bei einem Gefälle von zwei Prozent der Höhenunterschied zwei Zentimeter betragen. Bei einem zwei Meter breiten Balkon läge der Höhenunterschied zwischen Hauswand und zum Beispiel dem Bodenablauf dann bei vier Zentimetern.

Gefälle zur Dachrinne

Grafik zum Thema Balkonentwässerung: Wasser läuft nach vorn zur Dachrinne hin ab
Der Klassiker: Das Gefälle geht zum Rand des Balkons, das Regenwasser läuft dann über die vorgehängte Dachrinne ab. © wohnglück.de/Antonia Eigel

Gefälle zu einem Ablauf

Grafik zum Thema Balkonentwässerung: Wasser läuft zu einem Ablauf hin ab.
Bei kleineren Balkonen reicht ein Ablauf, zu dem das Gefälle hinläuft und über den das Regenwasser dann abfließt. © wohnglück.de/Antonia Eigel

Gefälle mit einer zusätzlichen Entwässerungsrinne

Grafik zum Thema Balkonentwässerung: Regenwasser läuft in Richtung der Entwässerungsrinne.
Gerade bei größeren Balkonen werden Entwässerungsrinnen empfohlen, die über das Gefälle das Regenwasser ableiten. In der Grafik ist eine zusätzliche Rinne im Türbereich angezeichnet. © wohnglück.de/Antonia

Die wichtigsten Bestimmungen bei der Balkonentwässerung

Geregelt wird die Balkonentwässerung in der DIN 1986-100 "Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056". Beim Bau von Mehrfamilienhäusern ist die Norm verbindlich, bei Einfamilienhäusern wird sie empfohlen. Das sind in Auszügen die wichtigsten Bestimmungen:

  • Grundsätzlich sollten Balkone und Loggien einen Ablauf oder eine vorgehängte Rinne haben.
  • Dritte dürfen bei der Balkonentwässerung nicht beeinträchtigt werden (zum Beispiel durch Tropfwasser). Deshalb sind Speier oder Abtropfkanten in den meisten Fällen nicht zu empfehlen, bei mehrgeschossigen Anlagen auch nicht zulässig.
  • Balkone mit geschlossener Brüstung dürfen wegen der Rückstaugefahr nicht direkt an die Fallleitung der Dachentwässerung angeschlossen werden. Die Balkonentwässerung muss laut DIN über separate Fallrohre erfolgen. Darüber hinaus ist – zusätzlich zum Ablauf – ein Notablauf in der Brüstung vorgeschrieben. Der sollte eine lichte Weit von 40 Millimetern haben. Ist der eigentliche Ablauf nämlich durch Laub oder Dreck verstopft, läuft wenigstens über den Notablauf das Regenwasser ab.
  • Balkone mit offener Brüstung (zum Beispiel Geländer mit Glasfassaden) müssen dagegen keine getrennten Fallleitungen für die Balkon- und Dachentwässerung mehr haben. Das gilt übrigens erst seit 2016, vorher gab es ein generelles Verbot des Anschluss an bestehende Fallleitungen. Die neue Regelung greift, wenn mindestens 50 Prozent der Brüstung als freier Ablauf dienen, damit der Regen ungehindert abfließen kann.
  • Balkone im Erdgeschoss sind in Sachen Rückstau des Wassers besonders gefährdet. Aus Sicherheitsgründen sieht die Norm vor, diese getrennt an die Regenwassergrundleitung anzuschließen.

Soweit zu den grundsätzlichen Bestimmungen. Darüber hinaus regelt die Norm noch die Bemessung vorgehängter Rinnen und Fallleitungen sowie die Berechnung der korrekten Größe von Entwässerungs- und Notentwässerungssystemen. Ihr seht schon: Alles in allem eine ziemliche komplexe Angelegenheit.

Balkonentwässerung: Balkone in einem mehrstöckigen Haus mit Glasfassaden als Begrenzung.
Bei Balkonen mit offener Brüstung darf die Regenentwässerung an die Fallleitung angeschlossen werden. © Getty Images/iStockphoto

Was kostet eine Balkonentwässerung?

Was so eine Balkonentwässerung kostet, lässt sich nur grob über den Daumen peilen, denn ihr müsst den Einzelfall bewerten. Wenn ihr zum Beispiel einen Balkon nachträglich anbaut, dann ist die Bodenplatte ein Fertigteil aus Stahlbeton, in dem die Entwässerung bereits mit eingebaut ist. Die Preise beginnen bei ungefähr 3.500 Euro für das Material, dazu kommen dann noch die Kosten für den Handwerker.

Die Kosten für eine nachträgliche Entwässerung eines bestehenden Balkons sind noch schwieriger zu beziffern. Wenn ihr lediglich eine neue Dachrinne montiert, seid ihr mit wenigen hundert Euro dabei. Müsst ihr dagegen einen Ablauf einbauen und diesen gar noch an das Fallrohr anschließen, so geht das nicht ohne eine komplette Sanierung der Balkonoberfläche. In diesem Fall müsst ihr schon mit einer kleinen vierstelligen Summe rechnen.

Noch mehr Wissenswertes zum Thema Balkonentwässerung findet ihr im Fachbuch "Balkone, Loggien und Terrassen: Planung, Konstruktion, Ausführung" aus dem Rudolf Müller Verlag. Es umfasst 260 Seiten und kostet 65 Euro*.

*Dieser Beitrag wurde um Affiliate-Links ergänzt. Dadurch bekommen wir bei Kaufabschluss einen kleinen Anteil der Provision. Produkthinweise erfolgen rein redaktionell und unabhängig.

Lies noch mehr…

Der Schutz Deiner Daten ist uns wichtig

Wir verwenden Cookies, um die Website optimal zu gestalten. Durch die Nutzung der Website stimmst Du grundsätzlich der Verwendung von Cookies zu (Websitefunktionalitäten, anonymisiertes Nutzerverhalten usw.). Sofern Du zustimmst, teilen wir zudem Informationen anonymisiert mit Werbepartnern. Du kannst unter „Weitere Optionen“ selbst entscheiden, welche Cookie-Kategorie Du wählen möchtest:

Weitere Optionen