Hohe Hecke
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Wohnen | Expertentipp

Wie hoch darf mein Nachbar seine Hecke wachsen lassen?

Eva Dorothée Schmid

Wem die Hecke vom Nachbarn das Licht nimmt, der stellt sich schnell die Frage: "Wie hoch darf mein Nachbar seine Hecke eigentlich wachsen lassen?" Die erlaubte Höhe einer Hecke hängt davon ab, wo ihr wohnt und wie weit sie von eurem Grundstück entfernt steht. Unser Experte klärt auf.

Folgende Frage wurde an die Wohnglück-Redaktion herangetragen: "Wie hoch darf mein Nachbar seine Tuja-Hecke wachsen lassen?"

Die Wohnglück-Experten antworten:

Das Nachbarrecht ist kompliziert und auch in den verschiedenen Bundesländern nicht einheitlich. Deshalb ist die Frage, wie hoch euer Nachbar seine Hecke wachsen lassen darf, nicht so einfach zu beantworten. Die rechtlichen Grundlagen sind im Wesentlichen an vier verschiedenen Stellen festgeschrieben:

  • Bürgerliches Gesetzbuch: Grundlegendes zum Nachbarrecht steht in den §§ 903 – 924 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Dort wird vor allem Bezug genommen auf Bauvorhaben über die Grundstücksgrenze hinweg, überhängende Zweige und Früchte, Notwegerecht, Grenzziehung, Zäune und Hecken.
  • Landes-Nachbarrecht: Alles Weitere regeln die einzelnen Bundesländer. Diese haben meist weitergehende Regelungen in unterschiedlichen Landes-Nachbarrechts-Gesetzen (NGR) getroffen. Darin sind zum Beispiel Mindestabstände für Bäume und Sträucher von Grundstücksgrenzen definiert. Auch Verjährungsfristen werden genannt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sind in diesen Punkten groß.
  • Landesbauordnung: Auch die Landesbauordnung kann manche Nachbarschaftsstreitereien schlichten. Dort steht unter anderem welche Abstände für Häuser und Garagen von Grundstücksgrenzen und von vorhandenen Nachbarhäusern einzuhalten sind. Auch die Höhen von Hecken und Zäunen sind dort festgelegt.
  • Ortssatzung: Zusätzlich kann die Gestaltung von Hecken und Zäunen in der jeweiligen Ortssatzung festgelegt sein.

Darüber hinaus gibt das Grundbuch ebenfalls Auskunft über Nachbarrechte. Die dort festgelegten Rechte bleiben auch beim Wechsel des Eigentümers bestehen, falls die Nachbarn nicht ausdrücklich darauf verzichten wollen.

Privatrechtliche und öffentlich-rechtliche Vorschriften für Hecken

Diese Vielfalt von Gesetzen und Verordnungen ist ziemlich übersichtlich. Hinzu kommt die Verquickung von privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Vorschriften. Die einen regeln das Verhältnis der Bürger zueinander, die anderen betreffen die Beziehungen von Bürger und Staat.

Nachbarrecht ist Privatrecht, und keine Behörde überwacht die Einhaltung der Vorschriften. Daher ist es Nachbarn freigestellt, ob sie die Regeln beachten oder einvernehmlich vom Gesetz abweichende Vereinbarungen treffen.

Anders verhält es sich, wenn nachbarrechtliche Vorschriften auch öffentliche Belange betreffen. Öffentliches Recht – dazu gehören auch in diesem Zusammenhang die Bauordnungen – hat Vorrang vor dem Nachbarrecht.

Wegen dieser Vielzahl von Gesetzen und der unterschiedlichen Vorschriften in den einzelnen Bundesländern können wir leider zu Fragen des Nachbarrechts keine genaue Auskunft geben. Dazu kommt, dass wir in rechtlichen Fragen keine Beratung vornehmen dürfen. Die für euren Fall geltenden Details müsst ihr vor Ort erfragen.

An wen kann ich mich bei Heckenstreitigkeiten wenden?

Über Nachbarrecht(sgesetze) und Schiedsverfahren informieren Broschüren der Länder-Justizministerien, die es auch zum Download im Netz gibt.

Die öffentlich-rechtlichen Vorschriften (Bauvorschriften, Bebauungspläne, Abstands- und Gestaltungsvorschriften) erläutern die örtlichen Gemeinde- oder Stadtverwaltungen oder das zuständige Bauamt. Auskünfte über Schieds- und Gütestellen gibt es beim Amtsgericht oder bei der Gemeindeverwaltung.

Einsicht ins Grundbuch erhaltet ihr bei der Grundbuchstelle des zuständigen Amtsgerichts, wenn ihr ein berechtigtes Interesse nachweisen könnt. Darüber hinaus besteht natürlich immer die Möglichkeit, einen Rechtsanwalt zu beauftragen.

Allgemein übliche Vorschriften über die Höhe von Hecken

Wir können euch lediglich sagen, welche Vorschriften üblicherweise gelten.

Zunächst einmal gilt, dass Hecken nie direkt auf der Grundstücksgrenze gepflanzt werden dürfen, sondern immer Grenzabstände einhalten müssen. Abgesehen von regionalen Unterschieden gelten für Hecken in der Regel Grenzabstände von mindestens 50 Zentimeter, wenn sie nicht höher als zwei Meter sind. Für höhere Hecken gelten noch größere Grenzabstände.

Wie hoch eine Hecke bei welchem Grenzabstand sein darf, ergibt sich aus dem jeweiligen Nachbarrechtsgesetz. Je weiter weg die Hecke von der Grenze gepflanzt ist, desto höher darf sie in der Regel wachsen.

Überschreitet die Hecke die zulässige Höhe, dann könnt ihr einen Rückschnitt auf die zulässige Höhe verlangen. Allerdings verjährt der Rückschnittanspruch in manchen Bundesländern nach einer gewissen Zeit. Meist sind das fünf Jahre. Wenn die Hecke eures Nachbars also schon seit Jahrzehnten höher ist als erlaubt, wird es schwierig, einen Rückschnitt einzufordern.

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