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Wohnen | Expertentipp

Wer muss eigentlich den Zaun zwischen zwei Grundstücken bezahlen?

Eva Dorothée Schmid

Level: Für Alle

Wer den Zaun auf einer Grundstücksgrenze bezahlen muss, hängt davon ab, in welchem Bundesland ihr wohnt und ob es eine Einfriedungspflicht gibt oder nicht. Unser Experte erklärt, wer die Kosten für den Zaun zum Nachbarn tragen muss.

Folgende Frage wurde an die Wohnglück-Redaktion herangetragen: "Mein Nachbar ist der Meinung, dass ich den Zaun, der zwischen unseren Grundstücken errichtet werden soll, bezahlen muss. Er sagt, ich sei dafür zuständig, weil der Zaun auf der rechten Seite meines Grundstücks stehe. Jeder müsse die Kosten für den rechten Zaun seines Grundstücks tragen. Stimmt das?"

Die Wohnglück-Experten antworten:

Ob ihr die Kosten für den Zaun alleine tragen müsst, hängt davon ab, in welchem Bundesland ihr wohnt und ob es dort eine Einfriedungspflicht gibt. Einfriedungspflicht bedeutet: Ihr müsst auf Verlangen eures Nachbarn einen Zaun (oder eine andere Abtrennung) auf die Grundstücksgrenze setzen – ob ihr wollt oder nicht. Diese Pflicht besteht allerdings nicht überall und ist in den Nachbarschaftsgesetzen der einzelnen Bundesländer geregelt.

  • Keine Einfriedungspflicht: Baden-Württemberg (im Ortskern), Bayern, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen
  • Einfriedungspflicht, wenn Einfriedung ortsüblich ist: Berlin, Brandenburg
  • Einfriedungspflicht für bebaute Gewerbegrundstücke innerorts: Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein
  • Einfriedungspflicht auf Verlangen des Nachbarn: Baden-Württemberg (in Außenbezirken), Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen

Wer den Zaun bezahlen muss, ist je nach Bundesland verschieden

Wenn eine Pflicht zur Einfriedung besteht, gibt es je nach Bundesland zwei unterschiedliche Regelungen dazu, wer die Kosten für den Zaun tragen muss:

  • Gemeinsame Einfriedung: Beide Nachbarn teilen sich die Kosten für den Zaun zu gleichen Teilen (§ 922 BGB).
  • Rechtseinfriedung: Bei der Rechtseinfriedung muss jeder den Zaun bezahlen, der – von der Straße aus gesehen – auf der rechten Seite des Grundstücks verläuft. Diese Regelung ist ein Überbleibsel aus dem Allgemeinen Preußischen Landrecht und gilt auch nur in Berlin, Brandenburg und Niedersachsen.

Die Kosten für den Zaun müsst ihr also nur dann alleine tragen, wenn ihr in einem der drei Bundesländer mit Rechtseinfriedungspflicht wohnt.

Übrigens: Nicht nur die Kosten für das Anlegen der Grundstücktrennung werden so verteilt. Auch die Kosten für den Unterhalt der Einfriedung, also zum Beispiel für Reparaturen des Zauns, müsst ihr entweder zu gleichen Teilen bezahlen oder bei Rechtseinfriedung alleine.

Welche Art von Zaun muss ich bezahlen?

Nun kostet ein Zaun auf der Grundstücksgrenze je nach Material unterschiedlich viel und es könnte darüber Streit unter Nachbarn entstehen. Der eine will vielleicht einen einfachen Kunststoffzaun, der andere einen verschnörkelten, schmiedeeisernen Zaun. Grundsätzlich werden die Kosten einer ortsüblichen Einfriedung zugrunde gelegt. Es geht also darum, welche Art von Zäunen in der Nachbarschaft vorherrscht.

Manchmal gibt es keine ortsübliche Einfriedung. Oder Nachbarn können sich nicht über die Art des Zaunes einigen. Dann sehen die meisten Nachbarschaftsgesetze einen etwa 1,20 Meter hohen Maschendrahtzaun vor.

Unser abschließender Hinweis: Ihr habt auch eine Frage und benötigt den Rat unserer Wohnglück-Experten? Kein Problem: Schreibt uns über den Facebook-Messenger oder nutzt unser Kontaktformular und wir stehen euch nach Möglichkeit mit Rat und Tat zur Seite.

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