© Max Green

Wohnen | Ratgeber

Tiny House mit Kindern: Geht das?

Nicht jeder kann sich vorstellen, in einem Tiny House zu leben. Und wenn Kinder mit im Spiel sind, erst recht nicht. Dennoch gibt es Familien, die mit Kind im Tiny House leben. Wie lange funktioniert das? Welche Erfahrungen haben die Familien gemacht? Das beantworten wir in diesem Artikel.

Für Singles und auch für Paare, die nicht viel Freiraum brauchen, ist ein Tiny House definitiv geeignet. Aber wie sieht es mit Familien aus? Kann man mit Kind oder gar mit mehreren Kindern dauerhaft in einem Tiny House leben? Auf weniger als 30 Quadratmetern? Wir haben verschiedene Familien kennengelernt, die es versucht haben. Ob und wie gut es gelungen ist, im Tiny House mit Kindern zu leben, das berichten wir hier.

Familie Green: Nach drei Jahren Umzug in ein kleines Schwedenhaus

Max Green und seine Lebensgefährtin Noreen lebten mehr als drei Jahre in einem Tiny House in der Nähe von Strausberg in Brandenburg. Ihre Tochter Noma ist kurz nach Einzug ins Tiny House geboren, alle zwei Wochen am Wochenende war auch noch die fünfjährige Emma aus einer früheren Beziehung von Max mit im 28 Quadratmeter großen Tiny House.

Die beiden Kinder hatten zwar kein eigenes Zimmer, aber je eine eigene Kiste im Wohnbereich mit ihren Sachen. Außerdem ein kleines Bücherregal. "Wir wollten, dass jeder einen eigenen Bereich hat", sagt Max. Ansonsten spielte Noma um ihn herum, wenn er in der Küche kochte. Und wenn Mama im verhältnismäßig großen Badezimmer ein Bad nahm, dann spielte sie eben dort. "Kinder brauchen nicht so viel Platz. Liebe und Geborgenheit sind wichtiger", sagt Max. Nachts schlief die gesamte Familie auf der Schlafebene im 2 mal 2,30 Meter großen Familienbett.

"Das Leben zusammen im Tiny House funktionierte besser, als wir erwartet haben", sagt Max. Er und seine Partnerin hätten sich im Tiny House neu kennengelernt, ihr Konsumverhalten hinterfragt und damit auch bestimmte Werte an die Kinder weitergegeben. Er möchte die Erfahrung auf gar keinen Fall missen.

Allerdings hat das Paar Anfang des Jahres noch ein weiteres Kind bekommen. Die Greens haben ein Grundstück gekauft und bauen darauf gerade ein kleines Schwedenhaus. "Ein Tiny House ist nie was fürs ganze Leben, so ehrlich muss man sein", weiß Max. "Mit mehreren Kindern funktioniert das irgendwann nicht mehr." Vor allem, wenn die Kinder mal acht oder zehn Jahre alt seien, kann sich Max das Leben mit ihnen im Tiny House nicht mehr vorstellen.

Zwar hat Max Green darüber nachgedacht, einfach ein zweites Tiny House neben sein Minihäuschen zu stellen. Aber das wäre im Unterhalt teurer als ein kleines Einfamilienhaus.

Familie Gretz: Zu viert in zwei Tiny Houses

Hanna und Michael Gretz sind mit ihren beiden Kindern Elias (8) und Sofia (4) im Mai 2020 in zwei Tiny Houses, die L-förmig aneinander stehen, gezogen. 38 Quadratmeter Wohnfläche hatten sie so zur Verfügung. Außerdem gab es auf dem Grundstück im Allgäu noch eine 50 Quadratmeter große Jurte, die Hanna als Seminarraum nutzte. Sie diente im Winter aber auch als Toberaum und Turnhalle für die Kinder und als Rückzugsraum für Hanna.

Die Familie schlief in einem Zimmer, die Eltern unten, die Kinder auf einer Hochebene, die sich fast komplett verschließen lässt. Schon nach einem Jahr plante die Familie, wenn die Kinder größer sind, einen zusätzlichen Wagen aufzustellen. Hanna Gretz sagte damals, dass es herausfordernd sei, dass die Wände nicht schallgedämmt sind. "Mit Kindern heißt das, es gibt keinen komplett ruhigen Rückzugsraum. Hier helfen Ohropax, raus in die Natur zu gehen oder in unserem Fall die Jurte als extra Rückzugsraum."

Im zweiten Winter scheiterte das Experiment Tiny House mit Familie für Hanna. "Ich merkte, dass es als Paar mit Kindern wichtig ist, einen eigenen Raum zu haben", sagte Hanna in der ZDF-Reportage "37 Grad - Der Traum vom kleiner Leben". Das Paar trennte sich, Michael lebt mit den Kindern inzwischen allein im Tiny House.

Familie Gretz vor ihrem Tiny House
Familie Gretz wohnte zu viert in zwei aneinandergestellten Tiny Houses. © Privat

Übrigens: Auch bei der Fernseh-Großfamilie "Die Lochmanns", die mit zeitweise fünf Kindern in ein 33 Quadratmeter großes Tiny House gezogen ist, ist das Wohnexperiment gescheitert. Wegen Corona fanden sie keine Stellplätze mehr für das Tiny House, verkleinerten sich auf ein XXL-Wohnmobil und diese Enge hielt die Paarbeziehung der Eltern nicht aus. Sie trennten sich und alle leben heute wieder in Wohnungen.

Familie Ledge: Zu viert im Tiny House plus Wohncontainer

Katharina und Kolja Ledge leben am Bodensee zusammen mit ihren zwei kleinen Kindern in einem 25 Quadratmeter großen Tiny House. Mit der Geburt des zweiten Kindes wurde es im selbstgebauten Tiny House allerdings zu eng. Die Familie entschied sich, noch einen Wohncontainer neben das Tiny House zu stellen, so dass sie jetzt rund 40 Quadratmeter Grundfläche bewohnen. Wie die Geschichte weitergeht, wenn beide Kinder älter werden, ist noch nicht absehbar.

Fazit: Wie familientauglich ist ein Tiny House?

Ein klassisches Tiny House auf Rädern mit weniger als 30 Quadratmetern Fläche ist für maximal zwei Personen plus Kleinkind geeignet. Familien, die mit einem Baby oder Kleinkind in einem Tiny House leben, empfinden das als durchaus machbar, ja sogar als bereichernd. Das Kind braucht sowieso noch viel Nähe, kann so immer und überall mit dabei sein.

Wenn Kinder älter werden oder gar ins Teenageralter kommen, dürfte die Wohnform Tiny House für die allermeisten nicht mehr praktikabel sein. Wir konnten bei unseren Recherchen auch keine Familie ausfindig machen, die mit älteren Kindern im Tiny House lebt (falls es sie gibt, meldet euch gerne über unser Kontaktformular). Ältere Kinder brauchen nun mal Rückzugsräume und auch die meisten Erwachsenen brauchen das. Haben sie keine Möglichkeiten, sich auch mal zurückzuziehen, kann daran die Paarbeziehung scheitern, wie unsere Beispiele zeigen.

Ab dem zweiten Kind brauchen Familien, die im Tiny House leben, zusätzliche Flächen – sei es in einem Gemeinschaftshaus, durch ein zweites Tiny House, ein Gartenhaus oder einen zusätzliche Wohncontainer. Dann stellt sich aber die Frage, ob das dann noch eine günstigere (und nachhaltigere) Wohnform ist, als einfach in ein kleines Einfamilienhaus zu ziehen. Max Green beispielsweise hat sich deswegen gegen ein zweites Tiny House und für ein kleines Schwedenhaus entschieden.

Da es sowieso schwierig ist, für ein Tiny House eine Baugenehmigung zu bekommen, dürfte ein zweites Tiny House auf dem Grundstück oft auch gar nicht so einfach realisierbar sein.

Ein Tiny House ist nie was fürs ganze Leben, so ehrlich muss man sein.

Max Green, wohnte drei Jahre lang mit Kindern im Tiny House

Wenn Familien mit Kindern also minimalistisch leben wollen, dann sollten sie sich vielleicht eher in Richtung Minihaus oder Modulhaus orientieren, da dort ein oder mehrere separate Kinderzimmer einfacher einplanbar sind als in einem Tiny House on Wheels. Die müssen ja nicht groß sein, Hauptsache, es gibt einen eigenen Rückzugsraum für jedes Kind.

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