Windräder auf einem Feld
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Studie: Strompreis sinkt massiv durch erneuerbare Energien

Albert Linner

Level: Für Alle

Steigt der Strompreis durch erneuerbare Energien? Ganz im Gegenteil, zeigt nun ein Studie: Deutsche Verbraucher haben dadurch in den letzten Jahren massiv gespart.

Es ist ein altes Vorurteil, das sich hartnäckig hält: Der Umstieg auf erneuerbare Energien wirkt sich negativ auf den Strompreis aus. Dass das nicht stimmt, zeigt jetzt eine neue Studie der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Demnach haben Verbraucher in Deutschland in den vergangenen vier Jahren insgesamt 40 Milliarden Euro gespart, weil ein Teil des Stromes aus erneuerbaren Energien kommt. Geht man bis ins Jahr 2011 zurück, sind es sogar 70 Milliarden Euro.

Für die Studie werteten die Wissenschaftler im Auftrag der Elektrizitätswerke Schönau historische Daten aus. Diese stammen von der europäischen Strombörse EPEX. Die Wissenschaftler berechneten, wie sich die Strompreise sowohl für Privathaushalte als auch für das Gewerbe entwickelt hätten, wenn erneuerbare Energien für die Stromversorgung nicht zur Verfügung gestanden hätten.

Die Forscher der FAU hatten bereits 2015 belegt, dass Wind- und Photovoltaik-Anlagen für günstigeren Strom gesorgt haben. Mit der jetzt vorgelegten Studie sollte geprüft werden, ob sich dieser Trend fortgesetzt hat.

Strompreis seit 2012 fast gleich geblieben

Vor 2012 seien die Strompreise für private Haushalte konstant gestiegen. Seit 2012 seien sie fast konstant geblieben, heißt es dort. Als Grund nennen die Forscher sinkende Börsenstrompreise aufgrund eines Überangebots von Wind und Photovoltaik.

Dieser Effekt lasse sich auch für die Jahre 2014 bis 2018 bestätigen. Während die Preise in den Jahren 2000 bis 2013 um jährlich im Schnitt 6,2 Prozent gestiegen sind, ist für den Zeitraum von 2013 bis 2019 nur ein Anstieg von jährlich durchschnittlich 0,7 Prozent zu verzeichnen.

Der Preis wäre ohne erneuerbare Energien wegen der erhöhten Nachfrage weiter gestiegen. Doch durch die neuen Energiequellen habe sich der Rückgang konventioneller Energie aus Kohle oder Atomkraft kompensieren lassen.

Und nicht nur das: Viele alte Kohlekraftwerke müssen in den nächsten Jahren vom Netz genommen werden. Das hat erstmal gar nichts mit dem Ausstieg aus der Kohlekraft zu tun, sondern liegt schlichtweg daran, dass sie technisch veraltet sind. Mit dem Bau von neuen Kraftwerken würde man aber dem Bedarf hinterherhinken, so die Forscher.

Steigt der Strompreis bald wieder?

Die Studie zeigt auch, dass es schon in den Jahren 2014 bis 2018 keine Deckung des Strombedarfs ohne erneuerbare Energien gegeben hätte.

Aber wird sich die Entwicklung mit den konstanten Strompreisen so fortsetzen? Da sind die Forscher skeptisch. Sie fordern einen massiven und schnellen Ausbau von erneuerbaren Energien, um Strompreissteigerungen im Rahmen zu halten. Aktuell stagniert der Ausbau. Für Wind und Bioenergie sei er sogar nahezu zum Erliegen gekommen.

Außerdem sind die Forscher der Meinung, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung nicht zu erreichen sind, wenn die aktuellen Ausbauziele für erneuerbare Energien nicht stark nach oben geschraubt werden. Der Ausbau müsste mindestens verdoppelt werden. Sollen die Großhandelspreise bis 2023 auf rund 7 Cent pro Kilowattstunde begrenzt werden, dann sei sogar eine Verdreifachung des Ausbaus nötig.

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