Im Keller aufgestellter Scheitholzkessel.
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Scheitholzkessel: Kosten & Nutzen einer Holzheizung

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Ein Scheitholzkessel ist eine der umweltfreundlichsten Arten, mit Holz zu heizen. In diesem Artikel zeigen wir euch die Funktionsweise einer solchen Anlage, nennen die Preise und geben Tipps zu den Fördermöglichkeiten.

Scheitholzkessel bringen die uralte Methode, mit Holz zu heizen, auf ein neues energetisches Level. Wie so eine Holzheizung funktioniert, was ihr bei einem eventuellen Kauf beachten müsst und was ihr bei einem Scheitholzkessel an Energiekosten sparen könnt, das sagen wir euch hier. Plus: Eine kurze Übersicht der Preise mit weiterführendem Link zu einer ausführlichen Produktdatenbank.

Was ist ein Scheitholzkessel?

Wie der Name schon sagt: Bei einem Scheitholzkessel (auch Stückholzheizung genannt) wird innerhalb eines Kessels mit Scheitholz geheizt. Das hat allerdings so gut wie nichts mit dem Heizen in einem Kamin oder Ofen zu tun – obwohl das gleiche Holz zum Einsatz kommt. Denn Scheitholzkessel haben Kesselwirkungsgrade zwischen 88 und 95 Prozent. Damit sind sie energetisch gesehen um Längen effektiver als Kamine und Öfen. Das liegt an der Technik, mit der hier Wärme erzeugt wird.

Wie funktioniert ein Scheitholzkessel?

Die Bezeichnung Scheitholzkessel ist nicht ganz korrekt, eigentlich heißt es "Scheitholzvergaserkessel". So klein der sprachliche Unterschied ist, so groß ist er doch in der Technik. Denn das Holz verbrennt nicht einfach nur. Entscheidend ist hier die Verbrennung der Gase zur Energiegewinnung. Und das funktioniert so:

  • Durch eine Öffnungsklappe wird das Scheitholz in die (obere) Brennkammer gelegt. Mithilfe von Verbrennungsluft trocknet das Holz.
  • Bei dieser so genannten Vorverbrennung entsteht Holzgas. Die leichten Anteile davon werden bereits in der oberen Kammer verbrannt.
  • In einer zweiten, unteren Brennkammer erfolgt dann die eigentliche Verbrennung. Angetrieben von einem Gebläse strömen die Holzgase in diese Kammer. Bei Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius verbrennt unter Zuführung von Luft dann der Rest des Holzgases. Ist der Scheitholzkessel mit Brennwerttechnik ausgestattet, wird den heißen Abgasen noch zusätzlich Energie entzogen.

Diese so genannte "gestufte Verbrennung" sorgt für eine hohe Energieausbeute. Entscheidend ist dabei ein geregelter Verbrennungsprozess, bei dem unter anderem die Menge der Verbrennungsluft ständig gemessen und geregelt wird. In modernen Kesseln übernehmen das Mikroprozessoren. Sie überwachen die Wärmegewinnung und Wärmeverteilung. Das ist einerseits komfortabel für den Nutzer und garantiert andererseits eine saubere und effiziente Verbrennung.

Querschnitt durch den Scheitholvergaserkessel Vitoligno 300-S von Viessmann.
Querschnitt durch einen Scheitholvergaserkessel (hier: Vitoligno 300-S von Viessmann). Gut zu sehen: der untere Abbrand, über den die Holzgase erzeugt und anschließend in der zweiten Kammer verbrannt werden. © Viessmann

Regelungsmöglichkeit durch Pufferspeicher

So effizient die Energieerzeugung bei einem Scheitholzkessel ist, so schwierig ist es, die Verbrennung und die dadurch entstehende Wärme stufenlos zu regeln. Es gilt nämlich: Je geringer die Verbrennungsleistung, desto höher die Emission.

Um das zu verhindern und gleichzeitig auch dann Wärme zu haben, wenn der Kessel im wahrsten Sinne des Wortes aus ist, gibt es den Pufferspeicher. Der ist nichts anderes als ein mit Wasser gefüllter Behälter. Das Wasser wird von der Holzheizung erwärmt und dient dann bei Bedarf als Heizungs- oder Warmwasser. Das steigert den Komfort und gleichzeitig den Wirkungsgrad des Scheitholzvergaserkessels.

Für die Dimensionierung des Pufferspeichers gibt es eine Faustregel. Empfohlen wird eine Größe von mindestens 50 Litern pro Kilowatt Nennleistung. Das heißt: Der Pufferspeicher sollte mindestens 75 Prozent (besser mehr) der Energie einer Brennstofffüllung aufnehmen können.

Was muss ich beim Kauf eines Scheitholzkessels beachten?

Wie bei jeder anderen Heizungsanlage auch, müsst ihr euch vor der Anschaffung einige grundsätzliche Überlegungen machen. Bevor ihr euch mit dem Kauf beschäftigt, solltet ihr erst einmal euren Schornsteinfeger ins Boot holen. Der kann euch nämlich sagen, ob euer Schornstein überhaupt für diese Heizungsart ausgelegt ist. Ist das der Fall, dann bleiben noch folgende Fragen zu klären:

  • Wärmeenergiebedarf: Was benötigt ihr an Energie für die Heizung, Warmwasser und eventuell auch die Lüftung? Danach wird die Leistung des Kessels berechnet.
  • Heizkörper: Wie wird die Wärme im Haus verteilt? Über herkömmliche Heizkörper oder (besser) durch ein Flächenheizsystem (zum Beispiel Fußboden- oder Wandheizung)?
  • Heizungsraum: Sowohl für den Kessel als auch für den Pufferspeicher benötigt ihr ausreichend Platz.
  • Holzvorrat: Am besten ist es, ihr habt genug Platz auf dem Grundstück, um euer Scheitholz zu lagern und auch ausreichend trocknen zu lassen. Alternativ könnt ihr das Holz auch nach und nach kaufen. Aber das ist deutlich aufwändiger.
  • Weitere Wärmeerzeuger: Da sowieso ein Pufferspeicher vorhanden ist, bietet sich die Einbindung von Solarthermieanlagen an. Auch die mögliche Verknüpfung mit einer Wärmepumpe oder Holzpelletheizung könnte interessant sein. Das wirkt sich dann auf den Platzbedarf und die Dimensionierung des Pufferspeichers aus.

Das sind nur die absoluten Grundsatzfragen. Da kommen natürlich noch viele, ganz individuelle Punkte dazu. Tipp: Holt euch möglichst schon zu Anfang des Prozesses einen Energieberater mit ins Boot.

Scheitholzkessel in einem Keller mit gestapeltem Scheitholz.
Neben dem Platz für den Kessel braucht es auch ausreichend Raum für die Lagerung des Scheitholzes. © Viessmann

Was kostet ein Scheitzholzkessel?

Aufstellort, Größe, Kesselleistung, Pufferspeicher – wie oben beschrieben gibt es eine Menge Faktoren, die den Preis eines Scheitholzvergaserkessels beeinflussen. Dazu gehören unter anderem auch solche Features wie die automatische Reinigung des Wärmetauschers, die maximale Brennholzlänge oder die Möglichkeit, den Kessel auch nach dem Befüllen anzünden zu können.

Grob über den Daumen gerechnet, beginnen die Preise für eine Scheitholzkessel bei rund 5.000 Euro. Die Spitzenmodelle liegen bei rund 10.000 Euro. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (fnr) hat eine umfassende Marktübersicht Scheitholzvergaser/Kombikessel zusammengestellt. Darin findet ihr über 273 Modelle von 31 verschiedenen Anbietern inklusive der technischen Grundmerkmale und natürlich dem Preis. Alternativ dazu gibt es noch eine Scheitholzkessel-Produktdatenbank der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Wie viel Heizkosten spare ich mit einem Scheitholzkessel?

Energiekosten gegeneinander aufzurechnen, ist eine heikle Sache. Da spielen viele Faktoren eine Rolle, die sich ständig ändern. Die oben erwähnte Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (fnr) hat es trotzdem mal versucht und folgende zwei Tabellen aufgestellt:

Verbrauchskosten einer Ölheizung

(Jahresnutzungsgrad 85 Prozent)

  • Jahresenergieverbrauch
  • Heizölverbrauch
  • Kosten (bei 68 Euro/l)
  • 36.000 kWh
  • 4.235 Liter
  • 2.880 Euro/Jahr
  • 27.000 kWh
  • 3.176 Liter
  • 2.160 Euro/Jahr
  • 18.000 kWh
  • 2.117 Liter
  • 1.440 Euro/Jahr
  • 9.000 kWh
  • 1.059 Liter
  • 720 Euro/Jahr

Verbrauchskosten einer Ölheizung | Quellen: fnr.de; Tecson (2020): Heizölpreis, Bundesdurchschnitt 365 Tage, abgerufen auf https://www.tecson.de/pheizoel.html am 9.1.2020: 68 Euro/100 l incl MWSt.

Verbrauchskosten eines Scheitholzvergaserkessels

(Jahresnutzungsgrad 85 Prozent)

  • Jahresenergieverbrauch
  • Raummeter/Jahr
  • Kosten (bei 83,93 Euro/Rm)
  • 36.000 kWh
  • 22 rm
  • 1.881 Euro/Jahr
  • 27.000 kWh
  • 17 rm
  • 1.410 Euro/Jahr
  • 18.000 kWh
  • 11 rm
  • 940 Euro/Jahr
  • 9.000 kWh
  • 6 rm
  • 470 Euro/Jahr

Verbrauchskosten eines Scheitholzkessels | Quellen: fnr.de; TFZ (Juli 2019): Brennholzpreis Hartholz bzw. Weichholz, Meterware gespalten, Anlieferung 10 km

Um die beiden Heizungsarten vergleichbar zu machen, hat die fnr bei dieser Aufstellung Hartholz mit einem Heizöläquivalent von 189 l/Rm zugrunde gelegt. Heißt konkret: Ein Raummeter im Scheitholzkessel verbranntes Hartholz entspricht 189 Litern Heizöl.

Danach lassen sich bei einem Jahresenergieverbrauch von 36.000 Kilowattstunden rund 1.000 Euro an Energiekosten einsparen. Bei 9.000 Kilowattstunden sind es immerhin noch 250 Euro. Aber wie gesagt: Die Vergleichbarkeit hängt von diversen Faktoren ab. Sinkt zum Beispiel der Durchschnittspreis für Heizöl und steigen gleichzeitig die Holzpreise, dann ändert sich das Bild.

Gibt es für Scheitholzkessel eine Förderung?

Seit dem 1. Januar 2020 gibt es neue Förderbedingungen für Heizungsanlagen. Federführend ist hier das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Dabei zählen Scheitholzkessel zu den Biomasseanlagen. Die BAFA fördert den Kauf und die Installation solcher Anlagen mit 35 Prozent, beim gleichzeitigen Austausch einer Ölheizung mit bis zu 45 Prozent der förderfähigen Kosten. Was darunter genau zu verstehen ist, die technischen Mindestanforderungen und eine Liste der förderfähigen Modelle findet ihr hier:

Scheitholzkessel: Die Vorteile und Nachteile

Heizen mit Holz zählt wohl zu den ältesten Arten der Wärmegewinnung. Durch moderne Technik verschaffen Scheitholzkessel dieser Heizungsart diverse Vorteile:

  • Holz gehört zur regionalen Kreislaufwirtschaft, die Wertschöpfung bleibt dadurch in der Region.
  • Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung hat eine ausgeglichene CO2-Bilanz.
  • Die reinen Energiekosten sind geringer als bei einer Öl- oder Gasheizung, Preisschwankungen sind wesentlich geringer.

Allerdings hat diese Form der Holzheizung durchaus auch Nachteile:

  • Damit sich die Anlage auch lohnt, benötigt ihr eine ausreichende Brennholz-Vorratshaltung auf dem Grundstück.
  • Die Holzscheite müssen manuell nachgelegt werden.
  • Der Verbrennungsprozess lässt sie sich nicht so ohne Weiteres stoppen.

Fazit: Für wen lohnt sich der Kauf eines Scheitholzkessels?

Neben der hohen Effizienz gibt es bei Scheitholzkesseln auch viele Verbesserungen im Bedienkomfort. So wird bei vielen Modellen heute schon die Oberfläche der Wärmetauscher automatisch gereinigt. Trotzdem müsst ihr einen Teil der Asche (rund 0,5 bis 1,0 Prozent der Holzmasse bleibt als Asche übrig) meist noch per Hand entnehmen.

Aber die Digitalisierung hat auch hier Einzug gehalten: Elektronische Regelungen für Kessel und Heizkreis-/Puffermanagement, gut zu bedienende Displays, Steuerung per App oder Tablet – das alles ist schon machbar. Trotzdem ist der Scheitholzkessel noch ein Nischenprodukt. Interessant ist diese Heizungsart vor allem für Hausbesitzer im ländlichen Raum. Wer kurze Wege zum Holzlieferanten hat und dazu genug Lagerfläche, wer dazu noch die Kombination mit Solarthermie realisieren kann, für den ist ein Scheitholzkessel eine interessante Alternative.

Ihr wollt noch mehr wissen über das Heizen mit Holz? Dann lest dazu gern auch diesen Artikel:

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