Beistellmöbel aus Kork in einem Wohnzimmer.
© erkmann.de

Wohnen | Statement

Nachhaltige Gemütlichkeit: Natürliche Einrichtungsmaterialien und Accessoires

Eva Brenner

Eva Brenner

Bilder aus Algen? Ein Stuhl aus Holzfurnier? Raumtrenner aus Zellulose? Wohnglück-Kolumnistin Eva Brenner hat sich auf die Suche nach neuen, nachhaltigen Materialien beim Wohndesign gemacht – und ist auf spannende Produkte gestoßen.

Nachhaltigkeit ist wohl eines der großen Themen der letzten Jahre geworden. Und es ist auch in der Architektur (und vor allem der Innenarchitektur) nicht mehr wegzudenken. Man bezeichnet dieses Phänomen als Biophilie (vom Altgriechischen "bios" = Leben und "philia" = Liebe). Gemeint ist die Liebe zum Lebendigen.

Nachhaltig heißt, der Umwelt etwas Gutes tun und das im besten Fall mit natürlichen Materialien. Nachhaltigkeit bedeutet aber nicht nur, natürliche Materialien zu verwenden. Es bedeutet auch, sich mit Materialien entsprechend ihrem Einsatz und ihrer Nutzungsdauer auseinanderzusetzen. Einen Bodenbelag, der nach zwei Jahren aufgrund von Abnutzungen ausgewechselt werden muss, kann man nicht als nachhaltig bezeichnen – auch wenn er aus natürlichen Materialien besteht.

Nun aber zurück zu eben diesen Materialien. Uns ist im Zuge der Corona-Krise auch bewusst geworden, dass Materialien im besten Fall nicht nur natürlich und nachhaltig sein sollten, sondern auch gesund. Aber was heißt das eigentlich?

Bilder und Bioplastik aus Algen

Das Beste ist, dass für nachhaltige Gemütlichkeit keine neuen Materialien erfunden werden müssen. Wir können auf ein bewährtes Repertoire zurückgreifen. Und wir können das mit außergewöhnlichen Neuheiten kombinieren.

Algen zum Beispiel sind nicht mehr nur in der Lebensmittelindustrie angekommen, sondern auch in der Mode und im Innenraum. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zum Einsatz des Materials, angefangen bei Pailletten aus Algen bis hin zum Frischhaltefolien-Ersatz. Oder wie wäre es mal mit einem Wandbild aus Algen? Das Tolle dabei, es sieht nicht nur gut aus. Das Wandbild fungiert sogar als natürlicher Luftreiniger.

  • Algenbild, gesehen bei solaga.de, ab ca. 299 Euro
  • Bioplastik, gesehen bei carolynraff.de. Polymerplatten ab ca. 12 Euro, Konfettiherzen (100 Stück) für ca. 10 Euro

Kork: Wandverkleidung, Accessoires und Möbel

Ein Material, das wir alle kennen, ist Kork. Jeder von uns hat etwas aus diesem Material im Haushalt. Doch Kork kann viel mehr sein als bloß der Verschluss der Weinflasche oder eine Pinnwand. Zum Beispiel kann eine Vase aus Kork zum besonderen Hingucker auf jedem Tisch werden:

Zwei Vasen aus Kork auf einem Tisch.
"Yva" heißt diese Vase aus Kork. Sie wird in Portugal hergestellt. © Ulsto
  • Korkvase, gesehen bei ulsto.de, ab ca. 50 Euro

Kork ist auch besonders leicht und schallabsorbierend. Deshalb lässt sich Kork auch stilvoll als Innenraumverkleidung inszenieren, um eine gute Akustik im Raum zu erhalten:

Modernes Wohnzimmer mit einer Korkwand.
Kork sieht nicht nur schick aus, er verschafft einem Raum auch eine tolle Akustik. © muratto.com

Aber auch ganze Möbel lassen sich aus Kork fertigen:

  • Beistellmöbel aus Kork, gesehen bei erkmann.de, zum Beispiel Cork Model Family C von Vitra ab ca. 399 Euro
  • Barhocker Bouchon aus Kork, gesehen bei jenverso.de für ca. 230 Euro

Übrigens: Kork eignet sich auch hervorragend als Dämmmaterial und ist nach wie vor ein beliebter Bodenbelag, der besonders pflegeleicht ist.

Oberflächengestaltung für Möbel mit Linoleum

Was ebenfalls positiv zum Raumklima beitragen kann ist Linoleum ("linum" für Leim und "oleum" für Öl). Es ist antiviral und den meisten wahrscheinlich bekannt als Bodenbelag. Durch das Beimengen von Pigmenten ist Linoleum in zahlreiche Farben erhältlich. Das Material lässt sich aber nicht nur als Bodenbelag verwenden, sondern auch für die Oberflächengestaltung von Möbeln einsetzen.

Zellulosefaser aus Obst und Gemüse

Auch das gibt es – Papier aus Obst und Gemüse. Dieses wird fein geschnitten, gepresst und getrocknet und so zu einem Zellulosepapier verarbeitet. Ausgefallen, sicher, aber auch das kann richtig inszeniert zum echten Hingucker werden. Zum Beispiel eingespannt in einer Möbeltür oder als Raumtrenner.

Papier, hergestellt aus Erdbeeren.
"Veggiepaper" ist ohne künstliche Zusätze, auf Basis von Obst und Gemüse hergestelltes Papier (hier: Erdbeeren). © veggiepapyrus.de//Alfons Koller
  • Veggipapers sind zu 100 Prozent aus Obst und/oder Gemüse ohne Verwendung von Klebstoffen gefertigt. Gesehen bei veggiepapyrus.de, 16 x 21 Zentimeter ab ca. 14 Euro

Nachhaltigkeits-Klassiker: Naturfasern

Textilien wie Gardinen, Teppiche oder Kissen werten einfach jeden Raum auf. Zu diesem Thema findet ihr auch noch weitere Einrichtungstipps in meiner Kolumne "Wohntextilien einsetzen: Tipps für Teppiche & Vorhänge". Klassische und gleichzeitig nachhaltige Materialien können hierbei Jute, Sisal oder Baumwolle sein. Oder ihr setzt mal auf etwas ausgefallenere Materialien wie geflochtene Bananenblätter.

Juteteppich "Eternal" in einem Wohnzimmer.
Der Teppich "Eternal" ist aus natürlicher Jute gewebt. © fermliving.de

Holzfurnier, weich wie Stoff

Beim Thema Nachhaltigkeit und Gemütlichkeit darf Holz auf keinen Fall fehlen. Holz ist und bleibt ein nachwachsender Rohstoff und bietet damit jede Menge Nachhaltigkeits-Potenzial. Damit das auch so bleibt, sollten wir Holz aber ressourcenschonend anwenden.

Massivholz hat sicher einzigartige Qualitäten und – zum Beispiel als Echtholzparkett – eine sehr lange Lebensdauer. Doch es gibt auch Bereiche, in denen wir Holz nutzen, um Akzente zu setzen. Das könnte folgendermaßen aussehen:

Die Bilder zeigen Holz, das wie Stoff verarbeitet wurde. Furnier wird hier auf einen Trägerstoff gezogen und dann gelasert, sodass das Material flexibel wird.

Glas: Recyclefähig und vielseitig

Und auch Glas können wir wunderbar einsetzen, um Gemütlichkeit zu erzeugen. Als Raumtrenner, als Möbel, als Leuchte, als Vase. Es gibt so viele Möglichkeiten, Glas im Innenraum zu nutzen. Aber auch in ganz praktischer Hinsicht: Das finnische Label Iittala stellt zum Beispiel Gläser und Karaffen aus recyceltem Glas her:

Gläser und Karaffe aus recycltem Glas von Iittala
Die Gläser der "Raami"-Kollektion von Iittala bestehen zu 100 Prozent aus Altglas und werden in der Iittala-Glasfabrik in Finnland produziert. © iittala

Übrigens: Glas ist deshalb nachhaltig, weil es gut wieder eingeschmolzen werden kann. Es wird jedoch bei jedem Schmelzvorgang etwas dunkler, deswegen spricht man dann eigentlich von Downcycling.

Noch mehr Design-Tipps findet ihr auch in anderen Wohnglück-Kolumnen von Eva Brenner. Zum Beispiel die Möbeltrends 2022 oder die Trend-Wandfarben 2022.

Und hier gibt es die komplette Übersicht aller Wohnglück-Kolumnen von Eva Brenner:

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