Mann lackiert mit Pinsel Holzplatte
© Getty Images/iStockphoto

Modernisieren | Ratgeber

7 Anfängerfehler beim Holz lackieren – und wie ihr sie einfach vermeidet

Antonia Eigel

Orangenhaut und gelbliche Verfärbungen zieren eure Lackschicht? Holz lackieren will gelernt sein! Was hinter diesen Phänomenen steckt und wie ihr sie zukünftig vermeidet, erfahrt ihr in unseren sieben Anfängerfehlern beim Holz lackieren.

Wer sich beim Holz lackieren schon mal über Orangenhaut, vergilbte Stellen und Fingerabdrücke auf der frischen Lackschicht geärgert hat, der hat vielleicht auch beschlossen, nie wieder den Lackpinsel zu schwingen.

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Dennoch gibt es gute Gründe, warum ihr euer Holz künftig trotzdem lackieren solltet. Mit dem richtigen Lack könnt ihr das Holz vor UV-Strahlen, Feuchtigkeit und Schädlingen schützen. Gleichzeitig wird es dadurch witterungsbeständiger, langlebiger und sieht obendrauf auch noch schöner aus.

Wir präsentieren euch deshalb sieben Anfängerfehler beim Holz lackieren und wie ihr sie zukünftig vermeiden könnt.

Fehler 1: Holz vor dem Lackieren nicht richtig vorbereiten

Mit einer neuen Lackschicht könnt ihr das Holz nicht nur schützen, sondern auch eine schöne und glatte Oberfläche erhalten. Ärgerlich wird es dann, wenn trotz des neuen Anstrichs Unebenheiten oder alte Kratzer wieder sichtbar werden. Diese Stellen stechen nicht nur sofort ins Auge, an ihnen wird der Lack auch als erstes wieder abblättern und Feuchtigkeit ins Holz eindringen.

Unser Tipp: Bevor ihr eine Holzfläche mit Lack behandelt, solltet ihr sie einmal richtig vorbereiten, um später ein ordentliches Ergebnis zu erhalten. Das Holz sollte immer staub-, fettfrei und trocken sein, bevor der Lack drauf kommt. Damit er später gut haftet und die Oberfläche richtig glatt wird, beachtet folgende Schritte:

  1. Blätternde Altanstriche auf dem Holz solltet ihr nicht einfach überstreichen, sondern vorher in Richtung der Maserung abbeizen oder abschleifen. Gleiches gilt für unbehandeltes Holz. Das solltet ihr außerdem wässern, damit sich die Holzfasern richtig aufstellen und ordentlich abgeschliffen werden können. Dazu eignen sich Exzenterschleifer, Drahtbürste oder Schleifpapier. Welche Körnung euer Schleifpapier haben sollte, hängt von eurer Oberfläche ab. Empfohlen werden Körnungen zwischen K80 und K240. Je größer die Zahl, desto feiner das Schleifpapier.
  2. Größere Kanten und Dellen verschließt ihr vorher mit Kitt- oder Spachtelmasse und einem flexiblen Spachtel, lasst die Stellen dann trocknen. Schleift auch die gekitteten Flächen ab, bis sich die Oberfläche glatt anfühlt.
  3. Staubreste könnt ihr mit einem Staubbindetuch* (10 Stück für 13 Euro) vollständig von der Holzoberfläche entfernen. Achtet darauf, in einer staubfreien Umgebung und sauberen Arbeitsfläche zu lackieren. Am besten legt ihr dafür eine Abdeckfolie aus.

Fehler 2: Die Grundierung beim Lackieren vergessen

Durch die neue weiße Lackschicht eurer Holztür schimmern auf einmal gelbe Stellen durch. Vielleicht habt ihr bereits vergebens versucht, mit einem Tuch und sämtlichen Reinigern die Flecken nachträglich zu entfernen. Man könnte fast schon vermuten, dass der Vormieter starker Raucher war und sich das Nikotingelb jetzt durch die Lackschicht drückt. Doch hierbei handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Irrtum und ihr habt einen wichtigen Schritt beim Lackieren vergessen.

Denn die gelben Flecken sind oft natürlicher Herkunft. Harze oder andere Holzinhaltsstoffe werden durch den Kontakt mit wasserhaltigen Produkten angelöst. Das kann dann Verfärbungen hervorrufen. Deshalb ist es besonders wichtig, das Holz vor dem eigentlichen Lackieren mit einer Grundierung als eine Art Sperrschicht vorzubehandeln. Das bietet außerdem einen zusätzlichen Schutz für Holz im Außenbereich und sorgt später dafür, dass der Lack besser deckt.

Habt ihr die Grundierung aufgetragen, lasst sie 12 bis 14 Stunden trocknen, bevor ihr mit dem Lackieren anfangt.

In diesem Video könnt ihr euch noch einmal anschauen, wie ihr eine Holzfläche richtig grundiert und gleichzeitig auch alte Farbe abschleift:

Fehler 3: Nur eine Schicht lackieren

Wer eine Holzoberfläche nur einmal dick lackiert, ist zwar schneller fertig. Das Endergebnis sieht meistens jedoch weniger ansprechend aus: Die Farbe hat entweder nicht richtig gedeckt, ist fleckig geworden oder gewährleistet keinen richtigen Holzschutz.

Gerade im Außenbereich ist Holz der ständigen Witterung ausgesetzt. Sonnenlicht, Regen, Frost oder Hitze lassen Gartenmöbel oder den Holzzaun ohne den mehrlagigen Lackschutz schnell verblassen, dazu wird die Holzstruktur schneller angegriffen.

Unser Tipp: Mehrere dünn aufgetragene Lackschichten schützen das Holz in der Regel am besten vor Umwelteinflüssen. Farb-Experten raten euch deshalb beim Lackieren immer zu einem Vor-, Zwischen und Schlussanstrich. So kann der Lack das Holz wirksam schützen und es entstehen keine Flecken. Gleiches gilt natürlich auch für Holz im Innenraum.

Fehler 4: Den falschen Lack wählen

Von eurer letzten Lackier-Aktion habt ihr noch eine Dose Acryllack über, den ihr jetzt für euren Gartentisch verwenden wollt. Perfekt, denkt ihr euch, so habt ihr gleich den Gang zum Baumarkt und auch Geld gespart. Doch wer die Angaben auf der Lackdose vorher nicht genau studiert hat und einfach den Lack verwendet, der gerade da ist, wird sich im nächsten Jahr vielleicht schon wundern.

Wenn die lackierten Stellen bereits wieder abplatzen oder das Holz der Witterung zum Opfer gefallen ist, dann wisst ihr: Vielleicht war Acryllack doch nicht die richtige Wahl für den Gartentisch.

Unser Tipp: Lack ist nicht gleich Lack und mancher nicht empfehlenswert für den Außenbereich. Damit ihr den richtigen Lack für Innen- und Außenbereich findet, empfehlen wir euch grundsätzlich, das Etikett und die Herstellerangaben genau zu lesen und zu überprüfen. Grundlegend gilt aber:

  • Im Innenbereich: Hier könnt ihr prinzipiell Acryllacke auf Wasserbasis ohne problematische Lösemittel setzen. Bei stark beanspruchten Möbelstücken, wie zum Beispiel dem Küchentisch, empfehlen wir euch strapazierfähigere Alkyharzlacke, auch Kunstharzlack genannt.
  • Im Außenbereich: Für Holzflächen im Außenbereich empfehlen wir euch Alkydharzlacke. Sie sind besonders wasser- und abriebfest und schützen euer Holz langfristig vor Witterungseinflüssen.

Einen wichtigen Hinweis haben wir noch für euch: Möchtet ihr dem Holzspielzeug eurer Kinder einen neuen Anstrich verpassen, weil sich die Farbe beim Spielen abgenutzt hat, solltet ihr nicht einfach auf beständigere Kunstharzlacke setzen. Achtet bei der Lack-Auswahl darauf, dass dieser explizit nach DIN EN 71-3 Sicherheit von Spielzeug – Teil 3: Migration bestimmter Elemente für Kinderspielzeug geeignet ist. Im Regelfall findet ihr auf der Händler-Website zu jedem Lack ein technisches Datenblatt, indem ihr eine Info dazu erhaltet.

Fehler 5: Den falschen Pinsel verwenden

Hilfe, der Pinsel verliert Borsten! Obwohl ihr einen qualitativ hochwertigen Pinsel gekauft habt, verteilen sich die Borsten bei jedem Pinselstrich auf der Lackschicht oder es entstehen Schlieren.

Unser Tipp: Egal ob teuer oder günstig, nicht jeder Pinsel eignet sich zum Lackieren. Kauft deshalb immer spezielle Lackpinsel:

  • Rundpinsel: Sie eigenen sich besonders gut für runde Kanten, gewölbte oder kleinere Flächen. Einen homogenen Anstrich erreicht ihr, wenn ihr den Pinsel beim Lackieren kontinuierlich dreht.
  • Flachpinsel: Sie können Farbe besonders gut aufnehmen und abgeben und eignen sich für große, ebene Holzflächen.
  • Lackierwalzen: Walzen eigenen sich für große Holzflächen. Für glatte Oberflächen verwendet ihr bei lösemittelhaltigen Lacken am besten Schaumstoffwalzen mit feinen Poren oder Kurzhaarroller.

Für lösemittelhaltige Lacke eignen sich Pinsel mit dichten Borsten. So tragt ihr nicht zu viel Material auf. Überschüssige Farbe wird wieder vom Pinsel aufgenommen. Für wasserlössliche Lacke könnt ihr Pinsel mit gespaltenen Borsten einsetzen. So erhöht ihr den Materialauftrag und erzielt einen besseren Farbauftrag.

Legt ihr die Pinsel vor dem Lackieren für fünf Minuten bis zur Hälfte der Pinselborsten in die Farbe, können sie sich schon einmal gleichmäßig mit Lack vollsaugen.

Einen Trick gibt es obendrauf: Befestigt über dem Rand der geöffneten Lackdose einen Klebebandstreifen. An ihm könnt ihr später den Pinsel abstreichen, sodass nicht zu viel Lack auf dem Holz landet und keine Spritzer und Flecken entstehen.

Fehler 6: Den Zwischenschliff beim mehrschichtigen Lackieren vergessen

Mann schleift lackiertes Holz ab
Mit einem Zwischenschliff könnt ihr zwischen den einzelnen Lackschichten Unebenheiten ausbessern. © Getty Images/iStockphoto

Die erste Lackschicht oder die Grundierung nochmal abschleifen? Wer diesen Schritt für überflüssig befindet, wird schnell merken, warum er doch wichtig ist. Spätestens wenn die lackierte Holzfläche einer Orangenhaut ähnelt, solltet ihr über den Zwischenschliff nachdenken.

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum ein Zwischenschliff notwendig ist:

  1. Mit dem Zwischenschliff könnt ihr entstandene Lacknasen oder Farbläufer sofort entfernen.
  2. Beim Lackieren dringt Feuchtigkeit ins Holz und die Fasern richten sich auf. Mit dem Zwischenschliff beseitigt ihr sie.
  3. Der Zwischenschliff sorgt dafür, dass sich die Lackschicht besser mit der Grundierung oder darunter liegenden Schicht verbinden kann.

Farb-Experten raten euch dabei zu einem feineren Schleifpapier mit der Körnung K240 bis K400. Den entstanden Schleifstaub solltet ihr vor der nächsten Lackschicht unbedingt entfernen!

Hier wird noch einmal genau erklärt, wie ihr mit einer Exzenterschleifmaschine den richtigen Zwischenschliff hinbekommt:

Fehler 7: Den Lack mit dem Fön oder Heizlüfter trocknen

Um die Wartezeit zu verkürzen, kann man den Lack auf dem Holz doch schnell trocken fönen oder einen Heizlüfter davorstellen. Oder nicht? Wer ungeduldig ist und den Lack auf diese Weise trocknen will, schafft sich gleich mehrere Probleme auf einmal.

Durch die direkte Hitze verschließt sich die obere Schicht zu schnell, die Lösemittel können nicht mehr entweichen. Folglich härtet der Lack nicht richtig durch und bleibt weich. Durch die Fönluft kann es außerdem dazu kommen, dass sich der Lack nach außen zu den Rändern drückt und Wulste entstehen.

Unser Tipp: Geduld ist der Schlüssel zu einem schönen Ergebnis. Bei schnelltrocknenden Farben kann die Oberfläche bereits nach einer Stunde trocken und nach zehn bis zwölf Stunden überstreichbar sein. Je nach Hersteller und Farbe können diese Werte jedoch schwanken, weshalb ihr zusätzlich einen Blick auf das technische Merkblatt eures Lackes werfen solltet.

Bevor ihr das Möbelstück bewegt, könnt ihr den Lack auf seine Grifffestigkeit überprüfen. Wählt dazu eine Stelle aus, die später nicht sichtbar ist. Bleibt ein Fingerabdruck zurück, solltet ihr das Möbelstück noch nicht verschieben oder anheben.

Lacke eignen sich außerdem hervorragend, um Heizkörper zu streichen. Wie das geht, könnt ihr hier in unserer 7-Schritte-Anleitung nachlesen:

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