Ein Bedienfeld eines Luftreinigers
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Wohnen | Ratgeber

Luftreiniger gegen Viren: Helfen sie wirklich gegen Corona?

Jan Krutzsch

Jan Krutzsch

Bisher galten Luftreiniger vor allem im Kampf gegen Allergien als probate Hilfsmittel. Wissenschaftliche Studien haben nun ergeben, dass die Geräte auch effektiv gegen Viren und Aerosole sind.

Bisher waren Luftreiniger eher ein Thema für Allergiker oder geruchsempfindliche Menschen. Das hat sich in den vergangenen Monaten geändert. Denn: Luftreiniger sollen sogar Viren aus der Raumluft filtern können. Helfen Luftreiniger also wirklich gegen Corona?

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Dieser Artikel stellt euch die wichtigsten Arten von Luftreinigern vor und zeigt euch, was ihr beim Kauf beachten müsst.

Was macht ein Luftreiniger?

Ein Luftreiniger soll in erster Linie dabei helfen, Schadstoffbelastungen in der Raumluft zu verringern. Zu den Schadstoffen zählen unter anderem:

  • Partikel (Feinstaub, Hausstaub, Schimmelsporen, Pollen und Tierhaare)
  • Keime (Bakterien und Viren)
  • Gerüche
  • Gase
  • Chemikalien
Mittelgroße Luftreiniger eignen sich auch gegen Viren
Die Luftreiniger der Mittelklasse bieten meist schon vielfältigen Schutz und Komfortfunktionen. © Getty Images/iStockphoto

Die verschiedenen Arten von Luftreinigern

Es gibt für unterschiedliche Nutzungsarten auch verschiedene Luftreiniger. Grundsätzlich unterscheidet man drei Systeme: Luftreiniger mit Filtern, sogenannte Luftwäscher und zudem noch Ionisatoren.

Hier sind die wichtigsten Luftreinigerarten mit den jeweiligen Einsatzgebieten und Vorteilen:

Luftwäscher: Reinigung mit Wasser

Luftwäsche sind Reiniger, die mit Wasser arbeiten. Im Inneren des Geräts wird durchgehend ein dünner Wasserfilm auf eine sich langsam bewegende Walze gezogen. Diese Wasserschicht bindet Schadstoffe in der darüber fließenden Luft, allerdings deutlich weniger und langsamer als das ein Luftreiniger mit Filter schafft.

  • Der Vorteil: Sie befeuchten gleichzeitig die trockene Raumluft, was gerade im Winter sehr angenehm ist.
  • Der Nachteil: Ohne weitere Filtersystem helfen diese Luftreiniger nicht gegen Viren.

Ionisatoren: Geladene Teilchen als Staubmagneten

Man könnte zu Ionisatoren auch "Staubmagneten" sagen: Die Geräte machen sich ein physikalisches Prinzip zunutze. Sie geben geladene Teilchen ab (sogenannte Ionen), welche die ebenfalls elektrisch geladenen Schwebepartikel in der Luft anziehen. Diese ionisierte Luft wird dann über einen metallischen Filter geleitet, welcher die Teilchen anzieht.

  • Der Vorteil: Ionisatoren entfernen neben Staub, Pollen und anderen Partikeln auch schlechte Gerüche aus der Raumluft. Der Metallfilter kann einfach gereinigt werden und hat so eine sehr lange Lebensdauer.
  • Der Nachteil: Beim Ionisieren entsteht Ozon. Dieses kann in höheren Konzentrationen für die Lunge schädlich sein. So warnen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung (DLS) dringend davor, Ionisatoren in Räumen zu verwenden, in denen geraucht wird. Das Ozon verbindet sich mit Bestandteilen des Zigarettenrauchs zu feinstaubhaltigen Aerosolen, die tief in die Lunge eindringen können und Lungenkrebs verursachen können. Zudem helfen Ionisatoren ohne weitere Filter als Luftreiniger nicht gegen Viren.

Aber: Es gibt auch Geräte ohne Ozon. Die Freisetzung von Ozon wird bei diesen Luftreinigern durch eine besonders ausgefeilte Konstruktion und nachgeschaltete Filter verhindert.

Luftreiniger mit Filtersystem

HEPA-Filter

Ein HEPA-Filter (High-Efficiency Particulate Air/Arrestance, zu deutsch Hocheffizienz-Luftpartikel-Abscheider) ist ein Schwebstofffilter. Unter Schwebstoffen versteht man neben Staub, Pollen und Rauch auch Aerosole und Keime wie Viren und Bakterien. HEPA-Filter sind sehr effizient und reinigen die Raumluft häufig mit einer Effektivität von über 99,5 Prozent.

Aktivkohlefilter

Der Aktivkohlefilter beseitigt unangenehme Gerüche und kann Feinstaub aus der Raumluft filtern. Meist wird er in Kombination mit einem HEPA-Filter eingesetzt.

Hilft ein Luftreiniger mit Filtersystem gegen Viren?

Wenn der Luftreiniger mit einem HEPA-Filter ausgestattet ist, hilft er auch gegen Viren in der Raumluft. Allerdings verbleiben die Viren und Bakterien am Filter. Deshalb müssen diese Filter recht häufig getauscht oder gereinigt werden, um effektiv zu schützen.

Es gibt allerdings Möglichkeiten, mit denen sich Viren und andere Keime sowie Bakterien abtöten lassen.

UVC-Desinfektion

In OP-Sälen und Reinlaboren schon lange im Einsatz, gibt es die UVC-Desinfektion nun auch für Privatanwender. Dieses Verfahren nutzt die Anfälligkeit von biologischen Zellen gegenüber UV-Strahlung. Im Prinzip ist das durch das Ozonloch in der Erdatmosphäre bekannt. Denn würde das UV-Licht der Sonne ungefiltert zu uns auf die Erde gelangen, würde es alles Leben zerstören.

Diese Strahlung macht man sich zunutze, indem man in Luftreinigern UVC-Strahlung einsetzt und mit ihr die durchströmende Luft beschießt. Dabei werden alle Zellen (also auch die der Viren und Bakterien) zerstört.

Die UVC-Desinfektion ist die effektivste Form, Viren und Bakterien abzutöten. Allerdings birgt die Verwendung auch Gefahren, da das UVC-Licht auch für den Menschen schädlich ist. Allerdings nur, wenn es austritt und auf menschliches Gewebe trifft, etwa indem man hineinschaut. In geschlossenen Systemen ist es völlig ungefährlich.

Erhitzen des Filters

Bei manchen Geräten wird in bestimmten Abständen der Filter auf etwa 100 Grad Celsius erhitzt. Das soll die meisten Keime abtöten. Allerdings gibt es Viren und Bakterien, die sich auch von solchen Temperaturen nicht beeindrucken lassen. Es gibt Viren, die sogar im Weltraum überleben können und Bakterien, die in der Tiefsee an Vulkanschloten unter riesigem Druck und enormer Hitze gedeihen.

  • Der Vorteil: Die Filtersysteme sind sehr effektiv - gerade in Kombination mehrerer Filter werden so neben Pollen und Feinstaub auch Aerosole und Viren sehr effektiv aus der Raumluft entfernt.
  • Der Nachteil: Es können relativ hohe Folgekosten durch einen häufigen Filterwechsel entstehen. Hier empfiehlt es sich, beim Kauf genau auf Wartungsintervalle zu achten.
Filterwechsel bei einem Luftreiniger
Die Kombination aus Vorfilter, Aktivkohlefilter und HEPA-Filter schafft es, über 99,5 Prozent aller Schadstoffe und Viren aus der Luft zu entfernen. © Getty Images/iStockphoto

Was kostet ein Luftreiniger?

Bei den Kosten für einen Luftreiniger muss man verschiedene Faktoren berücksichtigen:

  • die Raumgröße, beziehungsweise die Luftmenge, die gereinigt werden soll.
  • der Grund der Reinigung (Geruch, Allergie, Aerosole etc.)
  • die Intensität beziehungsweise Dauer der Reinigung (Dauerbetrieb auch Nachts, nur zeitlich begrenzt)

Zum Anschaffungspreis kommen dann noch die laufenden Kosten. Das sind:

  • Stromkosten
  • Wartungskosten (Filtertausch)

Gerade der Filtertausch kann ins Geld gehen. So sind die Kosten für Ersatzfilter manchmal nur unwesentlich geringer als der Anschaffungspreis des Gerätes selbst. Hier punkten natürlich die Luftwäscher und Ionisatoren, da sie waschbare und wiederverwendbare Filtersysteme besitzen.

Einfache Geräte, welche hauptsächlich Staub, Pollen und Gerüche filtern, gibt es bereits ab etwa 50 Euro. Sie eignen sich für den gelegentlichen Gebrauch, etwa in kleineren Wohnung mit Haustieren oder bei saisonalen Allergien wie Heuschnupfen.

Mittelklassegeräte für größere Räume und/oder häufigeren Gebrauch kosten ab etwa 100 Euro bis zu 1.000 Euro. Hier lohnt sich der genaue Blick auf die laufenden Kosten: Was kostet ein Filter und wie häufig muss er gewechselt werden, wie viel unterschiedliche Programme können gesteuert werden, wie laut sind die Geräte im Betrieb und vieles mehr. Die Mittelklasse eignet sich auch für die effektive Virenreduktion und zur Verringerung von unterschiedlichsten Schadstoffen und Feinstäuben.

Profigeräte mit UVC-Bestrahlung oder selbsterhitzenden Filtersystem können leicht mehrere tausend Euro kosten. Sie empfehlen sich beispielsweise bei medizinischen Notwendigkeiten, wie einer Vorerkrankung oder starken gesundheitlichen Problemen wie extremen Allergien oder Autoimmunerkrankungen.

Die besten Luftreiniger gegen Coronaviren

Die Stiftung Warentest hatte bereits im März 2020 Luftreiniger getestet. Die drei besten Modelle im Test wurden nun noch einmal einer Prüfung unterzogen, wie gut sie Aeorsole aus der Raumluft filtern können. Dabei mussten die drei Geräte einen Raum mit 16 Quadratmetern Grundfläche und einem Raumvolumen von 40 Kubikmetern von Aerosol-Partikeln befreien.

Der Philips AC2889/10 sowie der Rowenta Intense Pure Air Connect PU6080, die beide für rund 350 Euro zu haben sind, schafften es, innerhalb von 20 Minuten 95 Prozent der Partikel mit einem Durchmesser von 0,12 Mikrometer aus der Luft zu filtern. Das dritte Gerät im Test, der Soehnle Airfresh Clean Connect 500 für rund 250 Euro, konnte 90 Prozent der Partikel filtern.

Mit etwas älteren Filtern verringert sich aber die Leistung der Geräte. Der Luftreiniger von Philips schafft damit aber immer noch rund 90 Prozent, der von Rowenta filterte 80 Prozent der Aerosol-Partikel aus der Luft. Der Luftreininger von Soehnle schaffte hingegen nur 46 Prozent. Ein neuer Filter für das Gerät kostet rund 40 Euro – die virenfreie Luft geht damit also durchaus ins Geld.

Die Stiftung Warentest empfiehlt die Luftreiniger für kleinere Räume, betont aber, dass auf zusätzliche Hygienemaßnahmen nicht verzichtet werden sollte.

Fazit: Helfen Luftreiniger gegen Corona?

Eine aktuelle Studie der Universität der Bundeswehr München vom August 2020 bejaht diese Frage eindeutig. So konnten die Forscher nachweisen, dass die Virenlast unter der Verwendung von Luftreinigern signifikant niedriger war – und das bereits nach kurzer Zeit.

Sie betonen, dass die Luftreiniger die Aerosolkonzentration in Räumen kleiner und mittlerer Größe auf einem niedrigen Niveau halten und daher das indirekte Infektionsrisiko auch bei geschlossenen Fenstern durch diese Geräte stark reduziert wird. Allerdings helfen Luftreiniger nicht gegen direkte Ansteckung durch Anhusten oder längere Gespräche, betonen die Wissenschaftler.

Ein Luftreiniger, der die Vorteile eines Aktivkohlefilters mit einem HEPA-Filter kombiniert und dabei noch ein System aufweist, welches Viren und Keime effektiv neutralisiert, scheint die ideale Lösung zu sein. Solche Geräte haben dann allerdings auch ihren Preis. Luftreiniger können beim Schutz vor Viren unterstützen, aber das Schützen durch Masken und Abstandhalten nicht komplett ersetzen. Luftreiniger sind also eine gute Ergänzung zu anderen Schutzmaßnahmen. Und in Zeiten der Corona-Pandemie ein sinnvolles Hilfsmittel zum Schutz vor dem Virus.

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