Hand mit Pinsel, die eine Wand mit Lehmfarbe streicht
© AURO/Christian Bierwagen

Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Lehmfarbe: Was kann die Naturwandfarbe?

Sandra Hermes

Level: Für Alle

Lehmfarben und Lehmstreichputze liegen voll im Trend. Hauptargument der Heimwerker: Sie wollen ein gesundes Wohnklima. Wir erklären euch, was eine Lehmfarbe ausmacht und warum sie allein nicht ausreicht, um die Luftfeuchtigkeit in euren vier Wänden zu optimieren.

Lehmfarbe ist ein natürlicher Baustoff, der aus feingemahlenen Tonmehlen besteht. Als Bindemittel enthält die Naturfarbe natürliche Zellulose, Stärke oder pflanzliches Eiweiß. Je nach Farbton und gewünschter Struktur, fügen die Hersteller mineralische Pigmente und Füllstoffe wie feinen Sand, Marmorgranulat oder Kreide hinzu.

Durch ihre feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften soll die Naturwandfarbe für ein gesundes Wohnklima sorgen. Mit Lehmfarbe gestrichene Wände haben eine samtige, matt-stumpfe Oberfläche. Wer eine strukturierte Optik bevorzugt, kann auch einen Lehmstreichputz mit auftragen. Je nach Lichteinfall wirkt die fertig gestrichene Wand unregelmäßig. Ein Effekt, den die einen als natürlich und gewollt schätzen, die anderen als fleckig oder zu unruhig kritisieren.

Zwei Arten von Lehmfarbe

Beim Kauf gibt es außerdem zwei wesentliche Unterschiede: Lehmfarbe und Lehmstreichputz könnt ihr fertig oder zum Selbstanrühren kaufen. Dem Trockenprodukt müsst ihr dann zu Hause noch Wasser hinzufügen. Die bereits streichfertige Farbe ist zwar praktischer, enthält aber zwangsläufig immer Konservierungsmittel. Welche das sind, sollte auf der Verpackung stehen. Leider müssen diese auch bei Naturfarben nicht immer natürlichen Ursprungs sein.

Beim Anrühren seid ihr da also auf der sicheren Seite, habt aber mehr Arbeit und müsst darauf achten, für einen Raum ausreichend Farbe herzustellen. Denselben Farbton bekommt ihr beim Nachmischen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr hin. Eine selbst angerührte Lehmfarbe müsst ihr innerhalb von 48 Stunden verarbeiten.

Wer ganz viel Zeit und Muße hat, kann Lehmfarbe auch selbst herstellen. Zum Beispiel aus Lehm, Wasser und Magerquark. Dazu ist aber Heimwerkerkönnen gefragt. Wie der Farbton ausfällt und ob die Haftung ausreicht, solltet ihr auf Probeflächen testen.

Welche Vorteile hat Lehmfarbe?

Lehmfarbe hat eine Reihe von Vorteilen für Mensch, Wohnklima und Umwelt.

Natürliche Bestandteile

Lehmfarbe besteht in der Regel aus natürlichen Komponenten. Sie setzt daher auch nach dem Streichen keine Wohngifte frei. Vorsicht ist aber bei streichfertigen Produkten geboten. Sie enthalten Konservierungsmittel, um die Farbe haltbar zu machen. Diese können auch nicht natürlichen Ursprungs sein. Schaut unbedingt, was auf der Verpackung steht. Denn synthetische Konservierungsmittel sind ein bekannter Auslöser für Allergien.

Gutes Raumklima

Wie viele andere Naturwandfarben steht auch Lehmfarbe im Ruf, durch die Atmungsaktivität für ein gutes Raumklima zu sorgen. Zwar ist es richtig, dass Lehm Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt, speichert und nach und nach wieder an die Raumluft abgibt. Einen umfassenden Effekt auf das Raumklima hat der Anstrich mit Lehmfarbe aber nur, wenn auch der Untergrund nicht versiegelt ist, so die Zeitschrift Ökotest in ihrem Produkttest. Ihren Beitrag zur Wohngesundheit kann Lehmfarbe am besten in Kombination mit einem ebenfalls atmungsaktiven Untergrund leisten. Naheliegend ist es, auf denselben Baustoff zurückzugreifen und die Wand – wenn sie noch nicht verputzt ist – mit einem Lehmputz vorzubereiten. Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit, unter der unsere Schleimhäute leiden, wird so ebenso vermieden, wie eine zu hohe. Sie fördert Schimmelbildung.

Reparaturfähigkeit

Lehmfarbe kann mit Wasser jederzeit wieder angelöst werden. Kleinere Macken könnt ihr so leicht reparieren.

Geruchsabsorbierend

Lehm hat nicht nur die Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen. Die Tonminerale absorbieren auch Gerüche und Schadstoffe.

Antistatisch

Lehm kann sich nicht elektrostatisch aufladen. Der Anstrich wird also keine Schmutzpartikel aus der Luft anziehen. Ein großes Plus für alle Allergiker.

Umweltfreundliche Herstellung

Die Rohstoffe für Lehmfarben sind ökologischer Herkunft. Die Naturfarbe ist damit häufig umweltfreundlicher als herkömmliche Farben. Auch in einigen Regionen in Deutschland wird Ton abgebaut. Die Farbe ist im Idealfall also sogar ein lokales Produkt.

Leichte Verarbeitung

Die cremige Konsistenz verhindert lästiges Tropfen. Streichfertige Produkte sind für DIY-Anfänger daher gut geeignet.

Welche Nachteile hat Lehmfarbe?

Den Vorteilen stehen auch ein paar Nachteile entgegen:

Eingeschränkte Farbpalette

Lehmfarbe gibt es in unzähligen Naturfarbtönen. Die Palette reicht von Gelb über helle Beige- und erdige Brauntöne bis zu kräftigen Rottönen. Einige Hersteller setzen auch Pigmente und Füllstoffe hinzu, die auch Grün- und Blautöne ermöglichen oder für eine glattere Optik sorgen. Das komplette RAL-Spektrum kann Lehmfarbe allerdings nicht abdecken. Bestellt euch am besten einen Original-Farbfächer, um euch für einen Farbton zu entscheiden.

Farbtöpfe mit Lehmfarbe in verschiedenen Farbtönen
Lehmfarbe gibt es mittlerweile auch in vielen verschiedenen Farbtönen. © AURO/Christian Bierwagen

Deckkraft

Wie hoch die Deckkraft einer Lehmfarbe ist, kann von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich sein. Bei den meisten reicht ein einzelner Anstrich jedoch nicht. Erst nach zwei bis drei Schichten ist das Ergebnis zufriedenstellend.

Lehmfarbe allein ist wenig effektiv

Ein gesundes Wohnklima schafft eine Lehmfarbe nicht im Alleingang. Auch der Untergrund muss diffusionsoffen sein. Die Zeitschrift Ökotest weist im Rahmen ihres Produkttests darauf hin, dass Lehm seine positiven Eigenschaften erst ab einer Stärke von einem Zentimeter ausschöpfen kann. Im Klartext: Im Idealfall gehört ein Lehmputz unter eine Lehmfarbe. Und wenn das nicht möglich ist, sollte die Trägerschicht aus einem anderen atmungsaktiven Baustoff sein. Sonst ist eine teure Lehmfarbe zwar schön anzusehen, aber in Sachen Wohnklima kaum effektiv.

Kosten

Lehmfarben sind keine Schnäppchen. Eine gute, streichfertige Lehmfarbe kostet zwischen 20 und 30 Euro pro Liter. Da Konsistenz und Deckkraft variieren, ist es schwer einzuschätzen, wie viel euch ein neuer Anstrich wirklich kostet. Die Verarbeitung von Lehmputz als Trägerschicht fordert schon handwerkliches Geschick. Wenn ihr keine DIY-Könige seid, kommen zwangsläufig die Handwerkerkosten dazu. Und auch der Lehmputz selbst ist teurer als herkömmliche Gips- oder Zementputze.

Strapazierfähigkeit

Im direkten Vergleich zu Dispersionsfarben, gelten Lehmfarben als weniger strapazierfähig. Das zeigt sich zum Beispiel in einem höheren Abrieb.

Für wen und für welche Räume eignet sich Lehmfarbe?

Aufgrund ihrer feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften ist Lehmfarbe besonders fürs Schlafzimmer und alle Wohnräume geeignet. Auch im Bad könnte dieser Effekt von Vorteil sein. Allerdings ist Lehmfarbe nicht wasserfest. Wo die Wand auch mal Spritzer abbekommt, ist sie daher nicht der Anstrich der Wahl.

Wenn ihr in der Palette der Naturfarben schnell fündig werdet und einen matt-samtigen Look bevorzugt, seid ihr mit einer Lehmfarbe oder einem Lehmstreichputz gut bedient. Ist euch ein gesundes Wohnklima besonders wichtig, macht Lehmfarbe nur Sinn, wenn ihr für eine atmungsaktive Trägerschicht sorgt. Wenn ihr Konservierungsstoffe vermeiden wollt, ist ein Trockenprodukt zum Selbstanrühren die Mühe sicherlich wert.

Bevor ihr euch aber für Lehmfarbe als gesunde Wanddekoration entscheidet, ist es sinnvoll, sich im Baumarkt oder ökologischen Baustoffhandel einige Beispielwände einmal live anzusehen.

Eine Alternative, die ebenfalls für ein gesundes Wohnklima sorgt, ist übrigens Silikatfarbe. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel über Silikatfarben.

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