Hausfassade mit Französische Balkonen
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Französische Balkone: Architektonischer Trick mit erstaunlicher Wirkung

Antonia Eigel

Französische Balkone, auch Pariser Fenster genannt, gehören zum Stadtbild von Frankreichs Hauptstadt. Mit kunstvollen Eisengeländern und üppig bewachsen mit Pflanzen schmücken sie die Hausfassaden – auch in Deutschland sind bodentiefe Fenster in Obergeschossen beliebt. Aber ist das überhaupt ein richtiger Balkon?

Schmiedeeiserne Balkone im Art Déco- und Jugendstil zieren das Pariser Stadtbild sowie das vieler Großstädte in Frankreich, Spanien oder Italien: Französische Balkone werden sie genannt. Dabei erzeugen sie die Illusion wunderschöner ausladender Balkone.

Illusion? Ja, denn ein Französischer Balkon ist vor allem ein architektonischer Trick. Wir klären, was es damit auf sich hat, woher der Begriff kommt und wie ihr einen Französischen Balkon mit Pflanzen in Szene setzen könnt.

Ist ein Französischer Balkon gar kein Balkon?

Blickt man nun von drinnen nach draußen, wird man schnell desillusioniert. Denn Französische Balkone sind eigentlich nicht das, was sie uns vorgaukeln: Im klassischen Sinne besteht ein Französischer Balkon nämlich nur aus einem bodentiefen Fenster, vor das ein circa ein Meter hohes Geländer gesetzt wird. In Frankreich bestehen sie oftmals aus zwei großen Flügelfenstern und Holzläden, die sich nach innen öffnen lassen.

Ein Französischer Balkon besitzt keine richtige Nutzfläche, sondern maximal einen kleinen Austritt, der aus der Fassade hervorsteht. Ihr findet ihn auch unter dem Begriff "Französisches Fenster", "Pariser Fenster" oder "Juliet Balcony".

Juliet Balcony – der etwas andere Französische Balkon

Bei der Bezeichnung "Juliet Balcony" denkt ihr vielleicht sofort an die berühmte Balkonszene aus dem zweiten Akt von Shakespeares "Romeo und Julia". Obwohl die Definition gewiss etwas Spielraum lässt, unterscheiden sich Juliet Balconys etwas von der klassischen Variante. Denn sie besitzen tatsächlich einen kleinen Vorsprung, auf den ihr heraustreten könnt.

Dazu könnt ihr die kleine Balkonfläche herrlich mit Blumen und Pflanzen bestücken (siehe unten), wenn ihr schon nicht darauf sitzen könnt. Denn auch auf einem Juliet Balcony ist für Tisch und Stühle kein Platz – und erst recht nicht für Liegestühle, mögen sie noch so platzsparend sein.

Französischer Balkon: Herkunft ungewiss

Seit über 2.000 Jahren baut die Menschheit Balkone an ihre Hausfassaden. In mediterranen Ländern dienten sie damals hauptsächlich dazu, die Luftzirkulation an heißen Tagen zu verbessern und Helligkeit ins Haus zu lassen.

Im westlichen Europa wurden Balkone erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts richtig populär. Der ursprüngliche Nutzen eines Französischen Balkons ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Man vermutet, dass es sich hierbei um eine Erfindung des französischen Adels handeln könnte, der sich an der Fensterfront präsentieren wollte.

Darüber hinaus dienten die Fake-Balkone auch als dekoratives Element, um die Hausfassade von außen zu schmücken. Wir gehen im Folgenden auf die verschiedenen Geländer und deren Wirkung ein.

Französischer Balkon mit guss- und schmiedeeisernem Geländer

Schwarzes Eisen, kunstvoll geschmiedet oder gegossen: So sehen die klassischen Geländer von Französischen Balkonen aus, so kennen wir sie aus den mediterranen Städten. Ihre Formen und Verzierungen machen richtig was her.

Schmiede- und gusseiserne Geländer zeugen meist von alter Handwerkskunst und verleihen dem Haus ein historisches, edles Ambiente. Natürlich gibt es auch heute noch einige Hersteller, die sich auf solche Balkongeländer spezialisiert haben. Allerdings sind diese Balkongeländer deutlich teurer als andere Materialien und mit schlichten Formen.

Französischer Balkon mit Edelstahlgeländer

Bei Neubauten werden sie heute primär zur Absturzsicherung vor bodentiefen Fenstern eingesetzt, manchmal auch mit einem kleinen Vorsprung. Mit den klassischen Französischen Balkonen, wie man sie aus Frankreich kennt, haben diese Lösungen nicht mehr viel gemein.

Besonders häufig lassen sich an modernen Mehrfamilienhäusern Französische Balkone mit Edelstahlgeländer entdecken. Diese falschen Balkone sieht man besonders häufig in Großstädten, denn sie sind nicht eine nur platzsparende Alternative zum richtigen Balkon, sondern lassen Immobilien auch attraktiver erscheinen. Denn "mit Balkon" klingt immer gut.

Balkongeländer aus Glas

Im Vergleich mit der Edelstahl-Variante wirken Französische Balkone mit einem Balkongeländer aus Glas filigraner, sind aber auch etwas teurer und pflegeintensiver. Gleichzeitig kann die Wohnung maximal mit Licht durchflutet werden. Für etwas mehr Privatsphäre eignen sich auch Varianten aus Milchglas oder getöntem Glas.

Französischer Balkon mit Holzgeländer

Ein Französischer Balkon mit Holzgeländer ist noch pflegeintensiver. Denn der natürliche Rohstoff muss permanent gegen Wind und Wetter geschützt und deshalb gut gepflegt und regelmäßig behandelt werden, zum Beispiel mit wetterbeständigem Holzlack. Nur dann kann der kleine Balkon mit Holzgeländer ausreichend Sicherheit gewährleisten.

Pflanzenparadies auf dem Mini-Balkon

Wenn schon nicht richtig draußen sitzen können, dann wenigsten ein paar schöne Pflanzen auf den kleinen Vorsprung stellen: Ein Französischer Balkon oder "Juliet Balconys" bieten gerade so viel Platz, dass ihr ein paar kleinere Pflanzenkübel aufstellen könnt.

Ans Balkongeländer könnt ihr Balkonkästen hängen, die ihr mit euren Lieblingsblumen für den Balkon bestücken könnt. Mit Kletterpflanzen wie Efeu oder Klematis könnt ihr euren Balkon sogar in einen richtigen Urban Jungle verwandeln. Bitte achtet immer auf eine entsprechende Absturzsicherung.

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