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Deutsche leihen sich immer mehr Geld für Baufinanzierungen

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Wer 2021 eine Immobilie finanziert hat, der hat sich im Schnitt über 300.000 Euro von der Bank geliehen. Die Darlehenssumme ist in den vergangenen Jahren aufgrund der gestiegenen Immobilienpreise stark gestiegen. Doch es gibt regionale Unterschiede.

Die immer höheren Immobilienpreise schlagen sich auch in immer höheren Darlehenssummen nieder. Das geht aus verschiedenen Auswertungen hervor.

Für das Baufi-Barometer der ING Deutschland wurden die Baufinanzierungsdaten der Kunden im Zeitraum von 2016 bis 2021 ausgewertet. Demnach ist das durchschnittliche Darlehensvolumen von 2016 bis 2021 um 40 Prozent gestiegen. Es liegt inzwischen bei 348.000 Euro.

Laut dem Dr. Klein Trendindikators Baufinanzierung nahmen die Darlehensnehmer 2021 im Schnitt 307.000 Euro auf. Das sind 7,7 Prozent mehr als noch im Vorjahr, als die Finanzierungssumme bei im Schnitt 285.000 Euro lag. Und ein Ende der Steigerung ist vorerst nicht in Sicht. Im Dezember lag die Summe, die Darlehensnehmer durchschnittlich für ihre Baufinanzierung aufnahmen schon bei 319.000 Euro. Das ist den Angaben zufolge ein neuer Rekord.

Nach Angaben der Beratungsgesellschaft PwC ist das Volumen der Baufinanzierungen in Deutschland 2021 auf ein Rekordniveau gestiegen. Demnach wuchs das Neugeschäft von Banken und Sparkassen mit Baufinanzierungen von Januar bis Oktober auf 235 Milliarden Euro an. Im Vorjahreszeitraum lag es noch bei 228 Milliarden Euro. Der Bestand der Baufinanzierungen legte in den ersten zehn Monaten auf 1,47 Billionen Euro zu und übertrifft laut Angaben damit bereits das Volumen im gesamten Jahr 2020 (1,39 Billionen).

Lest in unserem Artikel "Hohe Inflation: Was bedeutet das für meinen Immobilienkredit?", was es in Zeiten einer hohen Inflationsrate zu beachten gilt.

Regionale Unterschiede bei der Baufinanzierung

In Bayern wurden laut Baufi-Barometer mit 449.000 Euro im Durchschnitt die höchsten Darlehenssummen im Vergleich der Bundesländer ausgezahlt, im Saarland mit 236.000 Euro die niedrigsten.

Auch beim Verhältnis von Einfamilienhaus-Finanzierungen und Eigentumswohnungs-Finanzierungen gibt es regionale Unterschiede. Insgesamt wurden im Betrachtungszeitraum deutschlandweit zunehmend Eigentumswohnungen finanziert (2016: 31,3 Prozent, 2021: 36,5 Prozent), während der Trend bei freistehenden Einfamilienhäusern leicht rückläufig ist (2016: 40 Prozent, 2021: 35,5 Prozent).

In hochpreisigen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg liegt der Anteil von Einfamilienhaus-Finanzierungen lediglich bei rund 30 Prozent. Bundesländer mit niedrigeren Preisen wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt oder Thüringen kommen hier auf Quoten von mehr als 60 Prozent.

Zinsbindungsdauer ist gestiegen

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zinsbindungsdauer bei den Baufinanzierungen laut Baufi-Barometer von durchschnittlich 10,7 Jahren auf 12,4 Jahre angestiegen. Bei Dr. Klein heißt es, dass sich Kreditnehmer ihre Zinsbindung im Schnitt für 13 Jahre und knapp acht Monate sichern. Daraus wird ersichtlich, dass Immobilienkäufer versuchen, sich die derzeit noch günstigen Konditionen möglichst lange zu sichern.

Immobilien vermehrt als Kapitalanlage

Die in den vergangenen Jahren extrem niedrigen Zinsen sind möglicherweise auch für eine weitere Entwicklung verantwortlich. Die ING hat beobachtet, dass in den vergangenen fünf Jahren mehr der von ihr finanzierten Objekte vermietet und weniger selbst genutzt wurden. "Waren 2016 noch 80,4 Prozent aller bei uns finanzierten Objekte für die eigene Nutzung vorgesehen, so ist dieser Wert 2021 auf 74,8 Prozent gesunken. Gleichzeitig stieg der Anteil bei den vermieteten Immobilien von 15,9 Prozent auf 21,8 Prozent. Hier spielt möglicherweise die Suche nach Anlagealternativen im Niedrigzinsumfeld eine Rolle", so Thomas Hein, Leiter Vertrieb Immobilienfinanzierung von der ING Deutschland. Den höchsten Prozentsatz an vermieteten Finanzierungsobjekten verzeichnen Berlin und Sachsen.

Allerdings steigen die Bauzinsen wieder. Wie sich das auf die Baufinanzierungen auswirkt, bleibt abzuwarten.

Für alle lesenswert, die eine Baufinanzierung abschließen wollen: "Tilgungsplan: So berechnet ihr eure Baufinanzierung".

Lest außerdem: "Baupreise: Aktuelle Zahlen und Prognosen zur Baupreisentwicklung".

Für alle lesenswert, die im kommenden Jahr planen, einen Baukredit zu beantragen: "Stimmt es, dass es 2023 schwieriger wird, einen Baukredit zu bekommen?".

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