Einsatz einer Stachelwalze beim Boden ausgleichen in Badezimmer
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Bauen | Ratgeber

Boden ausgleichen – Schritt für Schritt mit Ausgleichsmasse

Antonia Eigel

Antonia Eigel

Verlegt ihr Laminat, PVC oder Fliesen auf einem unebenen Boden, können langfristig Risse im Bodenbelag entstehen und auch die Optik leidet darunter. Wie ihr den Boden mit Ausgleichsmasse nivelliert, zeigen wir euch Schritt für Schritt.

Ihr möchtet einen neuen Parkett- oder Laminatboden auslegen, vielleicht fällt eure Wahl auch auf Fliesen. Doch der Untergrund ist völlig uneben. Dieses Problem muss behoben werden. Wir zeigen euch, wie ihr mithilfe von Ausgleichsmasse Schritt für Schritt den Boden ausgleichen könnt.

Warum muss man einen Boden ausgleichen?

Auffällige Höhenunterschiede (mehr als drei Millimeter pro ein Meter Länge) oder Dellen im Estrich können langfristig Risse oder Erhebungen im darauf ausgelegten Bodenbelag verursachen. Das kann auch zu einer optischen Beeinträchtigung führen. Bevor ihr einen neuen Teppichboden, PVC, Keramikfliesen oder andere Platten verlegt, solltet ihr unbedingt dafür sorgen, dass der Estrich darunter glatt und eben ist.

Solche Unebenheiten können mit Ausgleichs-, Nivelliermasse beziehungsweise Ausgleichsmörtel beseitigt werden. Durch die Schwerkraft richtet sich die zunächst flüssige Masse von selbst in der Ebene aus und sorgt dafür, dass eine glatte Oberfläche entsteht.

Bei besonders unebenen Böden könnt ihr den Untergrund auch mit Trockenestrich und Schüttung ausgleichen. Dafür benötigt ihr aber einige Zentimeter Aufbauhöhe.

Welche Ausgleichsmasse ist die richtige?

Selbstnivellierende Ausgleichsmassen werden meist auf Zementbasis hergestellt. Weitere Inhaltsstoffe können Füll- und Zuschlagstoffe wie Sand, Kunstharze oder weitere Zusätze sein, die zur besseren Haftung und Verarbeitung beitragen.

Für gewöhnliche Böden könnt ihr in der Regel eine einfache Bodenausgleichsmasse oder Nivelliermasse aus dem Baumarkt wählen. Sie ist meistens für folgende Untergründe geeignet:

  • Zementestriche
  • Betonböden
  • Holzböden wie Holzdielen
  • Keramikböden oder Terrazzobeläge
  • Steinböden
  • Garagenböden

Für Gussasphalt-Estriche werden Ausgleichsmassen mit flexiblen Zusätzen empfohlen.

Einige Ausgleichsmassen könnt ihr für denn Innen- und Außenbereich verwenden. Dann findet ihr häufig die Angabe "frostsicher" auf der Verpackungsrückseite. Wer eine Fußbodenheizung verbaut hat, sollte darauf achten, dass die Ausgleichsmasse auch für Heizestriche geeignet ist.

Achtet auch auf die Angabe zur maximalen Schichtdicke, die ihr mit einer Schicht Ausgleichsmasse erreichen könnt. Je nach Produkt gibt es hier deutliche Unterschiede. Das kann auch einen Einfluss darauf haben, wie viel Arbeitsgänge ihr benötigt, um den Boden vollständig auszugleichen.

Materialliste: Boden ausgleichen

Überprüft, ob ihr alle wichtigen Materialien bereitgelegt habt, um euren Boden ausgleichen zu können. Folgende Liste kann euch helfen:

  • mehrere Eimer
  • ausreichend Ausgleichsmasse
  • Schutzmaske und -brille
  • Nagel- oder Estrichschuhe (optional)
  • Stoßspachtel oder Stoßscharre
  • Tiefengrund
  • Malerbürste
  • Baustellenstaubsauger
  • Richtlatte
  • Rührwerk mit Mörtelrührer
  • Zahnkelle oder Glättrakel
  • Stachel- oder Entlüftungswalze

Bevor ihr anfangt, müsst ihr in einem nächsten Schritt euren Bedarf an Ausgleichsmasse ausrechnen.

Schritt 1: Wie viel Ausgleichsmasse braucht man?

Wie viel Ausgleichsmasse ihr braucht, hängt von der zu verfüllenden Fläche (in Quadratmetern) sowie dem maximalen Höhenunterschied (in Millimetern) ab. Es gibt zwei Wege, wie ihr den Verbrauch herausfinden könnt:

  • Tabelle auf der Verpackung: Auf der Verpackung findet ihr häufig eine Tabelle oder einen Richtwert zur Ergiebigkeit des Materials. So könnt ihr ungefähr ermitteln, wie viel ihr benötigt.
  • Verbrauch selber ausrechnen: Wenn ihr auf der Verpackung keine Tabelle findet, könnt ihr den Bedarf mit dieser Formel selber ausrechnen: (Fläche in m² x maximaler Höhenunterschied in mm x Materialverbrauch pro m² in kg = benötigte Menge in kg)

Beispiel: Mit Zollstock und Richtlatte könnt ihr den maximalen Höhenunterschied und die Fläche ausrechen. In diesem Beispiel ist die Fläche zehn Quadratmeter groß, der maximale Höhenunterschied beträgt sechs Millimeter. Auf der Verpackungsangabe findet ihr den Hinweis zum Materialverbrauch: 1,8 kg/m². Dann rechnet ihr: 10 m² x 6 mm x 1,8 kg = 108 Kilogramm Ausgleichsmasse.

Schritt 2: Untergrund säubern und vorbereiten

Bevor ihr mit dem Boden ausgleichen loslegt, muss dieser sauber, staub- und fettfrei, tragfähig und vor allem fest sein, damit die aufgefüllte Stellen später nicht wieder nachgeben und das Spiel von vorne losgeht. Entfernt auch Farbnasen, Kleberreste und andere Rückstände mit einem Stoßspachtel.

Auffällige Unebenheiten im Boden müsst ihr vorbehandeln:

  • Vertiefungen über 15 Millimeter solltet ihr vorab mit Ausgleichsmasse unter Zugabe von Quarzsand im Verhältnis 3:2 verfüllen.
  • Tiefere Risse müsst ihr vorher fachgerecht verschließen. Wie ihr das macht, erfahrt ihr in unserem Ratgeber "Estrich reparieren – die besten Tipps bei Rissen im Boden".
  • Bauwerksbedingte Dehnungsfugen dürfen hingegen nicht verfüllen werden und müssen auch später beim Ausgießen der Ausgleichsmasse ausgespart werden.
  • Ausbrüche und Löcher könnt ihr mit Reparaturspachtel oder einem geeigneten, viskosen Reaktionsharz verbinden.
  • Extrem dichte und/oder glatte Untergründe, Zementschlämmen und nicht tragfähige Oberflächenschichten müssen entfernt beziehungsweise aufgeraut werden.

Mit einem Baustellenstaubsauger reinigt ihr anschließend die gesamte Fläche.

Holzuntergründe vorbereiten

Holzdielen müssen kraftschlüssig mit dem Untergrund verbunden sein. Zieht also nochmal alle Schrauben nach, damit die Dielen nicht mehr federn. Die Holzoberflächen müsst ihr dazu nochmal ordentlich abschleifen, absaugen und vollflächig mit Haftgrund behandeln und durchtrocknen lassen.

Fliesenuntergründe vorbereiten

Tragfähige Fliesen müsst ihr gründlich reinigen, es dürfen keine Seifenrückstände oder andere trennende Schichten vorhanden sein. Lasst die Fliesen ordentlich trocknen, bevor ihr sie vollflächig mit einer Spezialgrundierung für nicht saugfähige Untergründe behandelt. Dazu könnt ihr einen Pinsel oder eine Rolle verwenden.

Schritt 3: Grundierung auf dem Boden auftragen

Jeder Untergrund muss zunächst mit einem Haft- oder Tiefengrund vorbehandelt werden. Dieser sorgt dafür, dass der Ausgleichsmasse nicht sofort nach dem Auftragen die Flüssigkeit entzogen wird.

Staubreste, die ihr nicht vollständig beseitigt habt, werden jetzt mit der Grundierung gebunden. Ihr könnt das Produkt mit einer Malerbürste auf dem Estrich auftragen. Bei größeren Flächen ist auch der Einsatz einer Farbwalze möglich. Achtet darauf, dass sich beim Auftragen keine Pfützen bilden.

Bevor ihr weiter fortfahren könnt, muss die Grundierung vollständig trocknen. Das kann, je nach Produkt, bis zu 24 Stunden dauern. Bedenkt das bei eurer Planung.

Schritt 4: Randdämmstreifen verlegen

Um Schallübertragung zu vermeiden, müssen Ausgleichsmasse und neuer Bodenbelag mithilfe von Randdämmstreifen von benachbarten Bauteilen und Wänden abgegrenzt werden. Dadurch entsteht eine Randfuge, die zur Schalldämmung beitragen kann.

Die Rückseite der Randdämmstreifen ist meistens selbstklebend, damit ihr sie schnell und leicht fixieren könnt. Der Untergrund muss auch hier staubfrei sein. Dann könnt ihr den Streifen fest andrücken.

Beachtet beim Kauf, dass der Randdämmstreifen 10 bis 15 Millimeter höher sein muss als die spätere Estrichhöhe.

Schritt 5: Ausgleichsmasse anrühren

Verwendet zum Anmischen der Ausgleichsmasse einen sauberen Eimer. Mischt sie dann im angegebenen Verhältnis mit Wasser und verwendet dazu einen Rührquirl. Füllt zuerst das Wasser in den Eimer, dann die pulverige Ausgleichsmasse. Das verhindert Staubentwicklung. Tragt beim Anrühren am besten auch eine Schutzmaske und -brille.

Es ist wichtig, dass die Masse homogen, knotenfrei und in einer fließfähigen Konsistenz ist. Sie darf nicht zu dünn- oder zu dickflüssig sein. Zu viel Wasser reduziert die Festigkeit. Das erhöht die Rissgefahr und das Schwinden des Materials.

Manche Hersteller geben an, dass die Masse danach noch bis zu fünf Minuten reifen und dann erneut nochmal kurz aufgemischt werden muss.

Schritt 6: Bodenausgleichsmasse verarbeiten

Beginnt im Nass-in-nass-Verfahren mit dem gleichmäßigen Ausgießen der Nivelliermasse. Startet damit am besten in der hintersten Ecke des Raumes und arbeitet euch so schrittweise nach vorne. Ist der erste Eimer leer, könnt ihr die Masse mithilfe einer Zahnkelle durchkämmen oder einen Glättrakel verwenden. So verteilt sie sich besser.

Ist die Ausgleichsmasse bereits angesteift, könnt ihr sie nicht mehr nachträglich mit Wasser wieder verdünnen.

Tipp: Arbeitsgeräte solltet ihr unmittelbar nach ihrem Einsatz mit ausreichend Wasser reinigen.

Mann kippt Ausgleichsmasse auf Boden
Die Ausgleichsmasse wird eimerweise auf die zu nivellierende Fläche ausgebracht. © Getty Images/iStockphoto

Schritt 7: Ausgleichsmasse entlüften

Bevor sich eine Haut auf der Ausgleichsmasse bildet, müsst ihr die Masse mit einer Entlüftungs- oder Stachelwalze entlüften. So könnt ihr Lufteinschlüsse in der Bodenbeschichtung ausrollen, was eine Kraterbildung verhindert. Bedenkt dabei die Verarbeitungszeit der Nivelliermasse. Sie beträgt je nach Produkt 20 bis 30 Minuten und kann sich bei höheren Temperaturen verkürzen, beziehungsweise bei kälteren Temperaturen verlängern.

Bei größeren Flächen könnt ihr zusätzlich Nagel- oder Estrichschuhe (zum Beispiel bei Amazon, ab etwa 9 Euro)* tragen, um auch an unerreichbare Ecken zu kommen. Auch Rasenbelüftungsschuhe aus dem Baumarkt könnt ihr dafür verwenden.

Einsatz einer Lüftungswalze beim Boden ausgleichen mit Nivelliermasse
Stachel- oder Entlüftungswalzen sind meist aus Polypropylen gefertigt. © Getty Images/iStockphoto

Bodenarbeiten nach dem Ausbringen der Ausgleichsmasse

Die Trockenzeit der Nivelliermasse variiert von Produkt zu Produkt. Die meisten sind aber bereits nach drei bis sechs Stunden schon wieder begehbar und können nach 24 Stunden weiter bearbeitet werden. Schützt die frischen Flächen vor Zugluft und direkter Sonneinstrahlung, damit die Masse gleichmäßig trocknen kann. Hersteller raten davon ab, in den ersten zwei Tagen Luftentfeuchter einzusetzen.

Nachdem die Masse getrocknet ist, könnt ihr die überstehenden Randdämmstreifen kürzen. Bei Unebenheiten könnt ihr den Boden mit einer geeigneten Schleifmaschine nachschleifen. Bevor ihr einen neuen Bodenbelag auslegt, muss der Untergrund wieder abgesaugt werden. Wir empfehlen euch auch eine geeignete Trittschalldämmung auszulegen.

Habt ihr die Ausgleichsmasse im Außenbereich ausgebracht, müsst ihr vor der Verlegung von Fliesen oder Platten eine Verbundabdichtung aufbringen. Bleibt die Fläche ohne Belag, solltet ihr dennoch eine geeignete Abdichtung, Beschichtung oder Versiegelung auftragen.

Wie entsorgt man übrige Ausgleichsmasse?

Habt ihr noch angerührte Ausgleichsmasse übrig, solltet ihr diese nicht in die Kanalisation, in Gewässer oder ins Erdreich gelangen lassen. Sammelt die Produktreste, mischt sie mit Wasser und lasst sie erhärten. Dann könnt ihr sie auf dem Recyclinghof als Baustellenabfall entsorgen.

Unser abschließender Tipp: Ihr wisst noch nicht, welchen Bodenbelag ihr auf eurem frisch nivellierten Boden auslegen möchtet? In unserem Ratgeber stellen wir euch verschiedene Beläge inklusive Vor- und Nachteile für den Boden vor:

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