Mutter mit erwachsener Tochter in Haus lachend
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Wohnen | News

Auszug aus dem Elternhaus: Wann Kinder sich von zu Hause lösen

Katharina Schneider

In Deutschland leben 28 Prozent der 25-Jährigen noch bei ihren Eltern, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Durch die bestätigt sich auch ein Klischee: Söhne verlassen "Hotel Mama" deutlich älter als Töchter. Eine Tatsache, die in fast jedem EU-Land gilt.

Es gibt diese Vorurteile, die sich immer wieder bestätigen. Manchmal durch eigene Bekannte, manchmal auch durch ganz offizielle Zahlen. So bestätigen aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) über das Auszugsalter, dass Söhne in fast allen EU-Ländern ihr Elternhaus später verlassen als Töchter. Einzige Ausnahme: Luxemburg.

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Das Auszugverhalten junger Erwachsener habe sich in den vergangenen 20 Jahren kaum verändert, teilte Destatis unlängst in Wiesbaden mit. Im Jahr 2019 lebten 28 Prozent der 25-Jährigen immer noch mit ihren Eltern unter einem Dach. Im Jahr 2000 lag der Anteil bei 30 Prozent.

Auszugsalter: Noch vier Prozent der 40-jährigen Männer leben bei den Eltern

Während sich im vergangenen Jahr nur 21 Prozent der Töchter mit 25 Jahren noch in "Hotel Mama" aufhielten, waren es bei den Söhnen ganze 34 Prozent. Auch im Alter von 30 Jahren ist der Männer-Anteil, der im Elternhaus lebt, deutlich größer: 13 Prozent der ledigen Männer wohnen noch im elterlichen Haushalt aber nur fünf Prozent der Frauen. Immer noch vier Prozent der 40-jährigen Männer leben mit ihren Eltern zusammen. Bei den Frauen ist es in diesem Alter nur noch ein Prozent.

Deutlich höher ist der Anteil bei den jungen Erwachsenen, die noch im Haus ihrer Eltern leben, am Land. So lag der Anteil der 20- bis 25-Jährigen, die in Niedersachsen noch bei ihren Eltern lebten, 2019 bei 47 Prozent. In Hamburg jedoch nur bei 32 Prozent. Ähnlich ist die Verteilung auch zwischen Brandenburg (47 Prozent) und Berlin (36 Prozent).

Auszugsalter in Nordeuropa deutlich niedriger als im Südosten

Im Durchschnitt ziehen junge Erwachsene in Deutschland mit 23,7 Jahren aus. Das ist etwas unter dem EU-Durchschnitt von 25,9 Jahren. Vergleicht man die Auszugsverhalten europaweit, dann zieht es vor allem junge Nordeuropäer und Nordeuropäerinnen früh aus ihrem Elternhaus. In Schweden liegt das durchschnittliche Auszugsalter bei 17,8 Jahren, in Dänemark bei 21,1 Jahren und in Finnland bei 21,8 Jahren.

In süd- und osteuropäischen Ländern bleiben die Kinder vergleichsweise lange bei ihren Eltern leben. In Kroatien, Spitzenreiter bei den Nesthockern, ziehen junge Erwachsene im Schnitt erst mit 31,8 Jahren aus, in der Slowakei mit 30,9 Jahren, in Italien mit 30,1 Jahren und in Bulgarien mit 30 Jahren.

Eigenständigkeit versus Familie

Die großen Unterschiede innerhalb der EU liegen auch daran, dass in Süd- und Osteuropa die Jugendarbeitslosigkeit weit höher ist, als in den nördlichen Mitgliedsstaaten. Aber auch kulturelle Unterschiede tragen zu den großen Differenzen bei. So habe Eigenständigkeit in Skandinavien einen hohen Stellenwert, wie Dirk Konietzka, Professor für Soziologie an der TU Braunschweig, der "Süddeutschen Zeitung" sagt. Im Süden hingegen stehe der Wert der Familie im Vordergrund.

Außerdem ist in den Ländern, in denen junge Erwachsene noch lange bei ihren Eltern leben, die Wohneigentumsquote vergleichsweise hoch. Das heißt: Eine Wohnung zu mieten ist dort schwieriger. Und für den Auszug benötigen die jungen Menschen mehr Geld als in Ländern, in denen die Mietquote hoch ist.

Im EU-Schnitt ist das Auszugsalter seit 2010 wie in Deutschland leicht gesunken. Von 26,1 Jahre auf 25,9 Jahre im vergangenen Jahr. Dass immer mehr junge Menschen länger bei ihren Eltern wohnen bleiben ist also ein Mythos. In Deutschland lag der Durchschnitt vor zehn Jahren bei einem Auszugsalter von 24,1, 2019 lag er bei 23,7 Jahren. Junge Frauen ziehen in Deutschland im Schnitt mit 22,9 Jahren bei den Eltern aus, junge Männer mit 24,4 Jahren.

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