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Wohnen | Ratgeber

Wohnräume ideal nutzen: Gibt es den perfekten Wohnungsgrundriss?

Sandra Hermes

Große Diele oder kleiner Flur, großes Kinder- oder Schlafzimmer, ein oder zwei Bäder? Gibt es eigentlich den optimalen Wohhungsgrundriss? Mit unserer 13 Punkte umfassenden Checkliste findet ihr es heraus.

Gibt es einen Wohnungsgrundriss, der alle Wohnbedürfnisse abdeckt? Die einen lieben eine offene Wohnküche, die anderen wollen die Küche lieber zumachen können. Die einen brauchen einen weitläufigen Wohnbereich, die anderen finden es wichtiger, viele kleinere Räume zu haben, falls die Familie noch wächst.

Wir sagen euch, welche 13 Fragen ihr bei der Raumplanung beachten und welche Stolperfallen ihr vermeiden solltet.

1. Wohnungsgrundriss planen: Der Ideal-Zustand

Über den perfekten Grundriss für eine Wohnung macht man sich in der Regel dann Gedanken, wenn man auf der Suche nach einer neuen Wohnung ist. Der erste Schritt zu einer guten Einteilung der Wohnbereiche ist eine Bestandsaufnahme.

Schaut euch eure aktuelle Wohnung genau an. Fragt euch, in welchem Raum ihr am meisten Zeit verbringt, überlegt, wo ihr euch wohl fühlt und welches Zimmer ihr noch nie besonders mochtet. Schreibt nicht nur die Fakten, sondern auch eure Gefühle zu jedem Raum auf. So findet ihr schnell heraus, was sich bei eurer künftigen Wohnung ändern muss oder was auf jeden Fall so bleiben sollte.

2. Verschiedene Bereiche unterteilen

Bewegung ist gesund, aber wenn ihr in eurem Zuhause im Alltag viel hin und her rennen müsst, stimmt was nicht mir der Aufteilung der Wohnung. Die Küche ist an einem Ende eines langen Flurs und das Esszimmer am anderen? Ungünstig. Das sollte in der neuen Wohnung besser gelöst sein.

Tische, auf denen Essen angerichtet wird, stehen am besten nah an Herd und Kühlschrank. Am besten geht das in einem offenen Küchen- und Essbereich. So spart man sogar den Platz für einen Küchentisch, der oft zusätzlich gestellt wird, weil der Esstisch zu weit entfernt ist für kleine Zwischenmahlzeiten.

3. Die "optische Größe"

Wenn ihr eine eher kleine Wohnung sucht, ist es wichtig, dass ihr auf die optische Größe achtet. Die fehlenden Wände zwischen Küche und Ess- und Wohnbereich lassen dem Blick Freiraum. Das Ergebnis ist eine gefühlt größere Wohnung. Wenn auch die Fenster groß sind und so günstig liegen, dass viel Licht hereinfällt, ist das schon die halbe Miete.

Denkt bei der Besichtigung an Tages- und Jahreszeit. Ist es nur morgens hell oder vermutlich auch nachmittags? In welcher Himmelsrichtung liegen die Fenster des Hauptwohnbereichs? Und wird der noch kahle Baum vorm Fenster im Sommer so dicht belaubt sein, dass es vielleicht vorbei ist mit der Helligkeit?

4. Wohnungsgrundriss: Mehr kleine Räume als wenige große?

Große Räume sind toll, aber nicht für jeden. Der Grundriss einer Wohnung muss eben zum Bewohner passen. Braucht ihr in Zeiten von Homeoffice eher ein kleines, ruhiges Arbeitszimmer als einen großen Wohnbereich? Und wäre es für Eltern mit kleineren Kindern nicht besser, das Wohnzimmer mal zumachen zu können?

Kleinere Räume bieten bessere Rückzugsmöglichkeiten, sowohl für die Kinder als auch für die Erwachsenen. Toll, wenn die Wohnung so groß ist, dass beides geht. Sonst müsst ihr Prioritäten setzen.

Junge Mutter spielt mit ihrem Kind bei einer Pause vom Homeoffice
Küche, Spielzimmer, Homeoffice – moderne Wohnungsgrundrisse sollten sich nach Möglichkeit den verschiedensten Lebensverhältnissen anpassen lassen. © Getty Images/iStockphoto

5. Der Flur als Visitenkarte

Diele, Flur, Halle. Ganz gleich wie man ihn nennt, der Eingangsbereich wird oft als verschenkter Raum betrachtet. Man kommt eben nur herein und hält sich dort nicht lange auf. Man kann das aber auch genau andersherum sehen.

Der Eingang ist die Visitenkarte eurer Wohnung. Wenn man sich dort schon wohl fühlt, wird man es vermutlich auch im Rest der Wohnung tun, sowohl die Bewohner als auch die Gäste. Kam euch der Flur bei der Wohnungsbesichtigung noch ausreichend vor, wird er im bewohnten Zustand schnell zum nervigen Nadelöhr. Die Garderobe quillt über mit dicken Winterjacken, unten werden Schuhe zu Stolperfallen und wenn dann noch ein Buggy und ein Schulranzen hinzukommen, ist bald kein Durchkommen mehr.

Klasse, wenn euch das nicht stört, ein Grund für eine größere Diele, wenn ihr darüber in der aktuellen Wohnung täglich flucht.

6. So bestimmen Bad und WC den Wohnungsgrundriss

Den perfekten Platz für Bad und WC scheint es kaum zu geben. Auch hier ist eher eure ganz persönliche Situation entscheidend. Die einen finden es total praktisch, wenn das Bad direkt neben dem Schlafzimmer liegt oder in modernen Grundrissen sogar ineinander übergeht. Andere können sich nichts Schlimmeres vorstellen als nachts von der Toilettenspülung geweckt zu werden.

Blöd ist es auf jeden Fall, wenn auch die Kinder das Bad benutzen und es dann nur durch das Schlafzimmer der Eltern erreichbar ist oder wenn der Spülkasten an die Wand grenzt, an der das Kopfteil eines Bettes steht.

Wenn ihr eine Familie plant, sollte auf jeden Fall ein zweites Bad oder WC her. Das kann übrigens dank besserer Abzüge in modernen Wohnungen auch innen liegen. Stellt euch die oft in Spielfilmen dargestellte Szene bei euch zu Hause vor: Ihr wollt beide frisch geduscht zur Arbeit, kommt aber nicht in das einzige Badezimmer, weil der pubertierende Sohn einen "Bad Hair Day" hat und eure Kleine dringend auf die Toilette muss ... Nicht lustig!

7. Wohungsgrundriss: Der Blick in die eigene Zukunft

Ein Blick in die Zukunft ist nicht nur in Sachen Badezimmer sinnvoll. Wenn das Baby noch in eurem Schlafzimmer übernachtet, wirkt das Kinderzimmer jetzt noch groß genug. Aber ist es das auch noch, wenn dort später ein normales Bett und ein Schreibtisch Platz finden müssen?

Ein Zimmertausch mit dem Schlafzimmer der Eltern ist dann oft eine gute Alternative. Aber das klappt nur, wenn in das Kinderzimmer auch ein Doppelbett passt. Auch, wenn euch das jetzt alles sehr weit weg erscheinen mag, ist es sinnvoll, sich darüber vor der nächsten Wohnungsbesichtigung ein paar Gedanken zu machen.

Kind räumt Spielsachen in einen Korb
Vom Kinderzimmer zum Jugendzimmer zum Elternschlafzimmer? Wohnungsplanung ist auch immer ein wenig Zukunftsplanung. © Getty Images

8. Wohnungsgrundriss der Küche: Offen oder geschlossen?

In einer offenen Wohnküche müsst ihr das nicht durch die ganze Wohnung schreien. Man riecht es. Und auch diese Tatsache ist wieder eine Geschmacksache. Liebt ihr gemeinsames Kochen und steht ohnehin alle am Herd? Prima! Ein Grundriss mit einer offenen Küche ist genau euer Ding. Ihr habt eine empfindliche Nase und euch nervt es, wenn ein Familienmitglied schon zum Frühstück Bacon und Eier brät? Dann ist es doch besser, wenn man die Tür hinter dem Koch zumachen kann und eine starke Dunstabzugshaube vorhanden ist.

9. Wohnungsgrundriss maßstabsgetreu planen

Eine neue Wohnung zu mieten, ist ohnehin eine Investition. Höhere Miete, Umzugskosten usw. Ärgerlich, wenn dann auch die alten Möbel nicht mehr passen. Habt ihr eine Wohnung in der engeren Auswahl, geht es ans Messen!

Wir sprechen nicht von jedem Beistelltischchen. Es geht um die großen Objekte. Schränke, Betten, Tische und Sofas. Dabei sollten die nicht nur knapp passen, sondern sich in den neuen Wohnraum einfügen. Gut klappt das, wenn ihr die Maße des Grundrisses auf Kästchenpapier zeichnet und die größten Möbel in einer anderen Farbe maßstabsgetreu ausschneidet. Dann könnt ihr sie nach Belieben in den neuen vier Wänden umherschieben und ausprobieren, ob der neue Wohnraum zu eurem Leben passt.

Sofa steht auf einem Betonfußboden vor kahler Wand
Schön, wenn das Sofa so viel Platz hat. Aber lieber vor dem Umzug einmal gründlich aus- und nachmessen. © Getty Images/iStockphoto

10. Das Problem mit den Stellmöglichkeiten

Ob auf kariertem Papier oder mit einer kostenlosen Grundriss-Software, oft wirken die Stellmöglichkeiten der aufgezeichneten Zimmer leider größer als sie sind. Denn eins dürft ihr im Eifer des Gefechts nicht vergessen: Jeder Raum hat in der Regel Fenster und Türen. Überlegt, in welche Richtung die Türen aufgeben und ob die Größe der Fenster es noch erlauben, ein Sofa oder eine Kommode drunter zu stellen.

11. Die Stauraum-Frage

Wasserkisten, Gummistiefel, Campingausrüstung und Werkzeug. Ihr besitzt sicher Dinge, die ihr nicht im Wohnbereich aufbewahren wollt. Wie sieht es mit dem Stauraum aus? Wo lagern diese Sachen in eurer aktuellen Wohnung und wo sollen sie künftig ihren Platz finden? Ist es für euch ok, wenn sie (vier Stockwerke tiefer ...) im Keller sind oder braucht ihr einen separaten Hauswirtschaftsraum, wo zum Beispiel auch Waschmaschine und Trockner gestellt werden können?

12. Raum für Kinder

Kinder oder keine Kinder? Wenn ihr schon eine Familie seid oder sehr bald eine werden wollt, ist es wichtig, die Kinderzimmer schon jetzt einzuplanen. Zu mindestens gedanklich. Auch wenn das Zimmer dann de facto erstmal ein separates Fernseh-, Hobby-, Yoga- oder Arbeitszimmer ist.

Fragt euch nicht nur, ob es groß genug ist, sondern auch, wie es in der Wohnung liegt. Wenn ihr in der Küche beschäftigt seid – und das ist man als Eltern ziemlich oft – macht es wenig Sinn, wenn das Kinderzimmer am entgegengesetzten Ende der Wohnung ist. Besser ist es, wenn es um die Ecke liegt, und ihr im günstigsten Fall acht von zehn Mama- oder Papa-Fragen durch Zuruf beantworten könnt.

13. Outdoor: Auch das Draußen mitplanen

Im weitesten Sinne gehört zum Grundriss eurer Wohnung auch ein Balkon, eine angrenzende Terrasse und vielleicht sogar ein Garten. Soll der Balkon für alle zugänglich sein? Dann ist es am besten, wenn er an den Wohnbereich grenzt. Ihr wollt ihn eher als privates Plätzchen für einen Gute-Nacht-Drink zu zweit? Dann wäre es optimal, wenn er nur vom Schlafzimmer aus zu betreten ist.

Für Terrasse und Garten klappt das eher nicht. Die wollen natürlich alle nutzen. Ist der Zugang nur über euer Schlafzimmer möglich, wäre das in punkto perfekter Grundriss ein klassisches Eigentor.

Fazit: So findet ihr den perfekten Wohnungsgrundriss

Es gibt keinen perfekten Grundriss für Wohnungen. Aber es gibt die perfekte Raumnutzung für eure aktuelle Situation. Und wenn ihr es schafft, etwas vorauszudenken, stimmt der Grundriss eurer Traumwohnung auch in einigen Jahren noch mit euren Bedürfnissen überein.

Sei es, weil ihr die offene Küche immer noch toll findet oder ihr das Schlafzimmer mit dem Extrabad eurer pubertierenden Tochter überlassen habt, damit letztlich alle morgens duschen können. Wohnen bedeutet Veränderung. Und das Gute an einer Mietwohnung ist, dass ihr euch auch etwas Neues suchen könnt, wenn euch der Grundriss dann doch gar nicht mehr gefällt.

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